Logo

Gemme mit Darstellung der Göttin Isis mit Apis, auf der Rückseite der Gott Ptah

Ident. Nr.: ÄM 9820

ObjID: obj:595195

Details (expert)

Creator/Entity
Antiquarium, Königliche Museen zu Berlin (1830 - 1918),
Vorbesitzer*in
Date(s)
Historische Datierung: 1. Jh. n. Chr.
Geographical references
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 1,8 x 1,4 x 0,3 cm

Object Description

Bei diesem Objekt handelt es sich um eine scheibenförmige Gemme, welche sowohl auf der Vor- als auch auf der Rückseite mittels der Intaglio-Technik bearbeitet wurde. Die Front wird fast gänzlich von zwei Figuren ausgefüllt. Bei der menschengestaltigen Figur in rechter Profilansicht handelt es sich um die Göttin Isis, die anhand ihrer typischen Ikonographie als solche erkennbar ist: Sie sitzt auf einem Thron mit hoher Rückenlehne und gedrechselten Beinen und trägt den für sie typischen Kopfputz des Kuhgehörns und der Sonnenscheibe. Unter dem Kopfputz sind die als Strähnen zusammengeflochtenen Haare deutlich erkennbar, die scheinbar in einem in den Nacken fallenden Zopf münden. Die Isis-Figur ist mit einem ärmellosen Chiton bekleidet, der von einem um die Beine gewundenen Mantel ergänzt wird. Der rechte Arm ist angewinkelt und greift zur rechten Brust, die sie der als Stier erkennbaren Tiergestalt reicht, der sie gleichzeitig mit der linken Hand an die Hörner greift. Dieser Isis gegenüberstehende Stier ist mit dem Gott Apis zu identifizieren. Bei diesem somit linksseitig im Profil dargestellten Apisstier sind alle vier Beine und der herabfallende Schwanz zu erkennen. Sein gehörnter Kopf ist der dargebotenen Brust der Isis nach oben zugewandt. Die Darstellung ist als Variante des Isis lactans-Motivs zu deuten, in der der Gott Apis die Rolle des Sohnes einnimmt. Sie ist ein Beispiel, welches zwar im indigen-ägyptischen Raum üblich, in der hier vertretenen graeco-ägyptischen Darstellungsform jedoch deutlich seltener belegt ist. Die Rückseite der Gemme wird zum Großteil von einer einzelnen, als menschlich erkennbaren, martialisch anmutenden Gestalt ausgefüllt, die von weiten Kehlungen umringt ist. Sie ist frontalperspektivisch dargestellt, während sich lediglich ihr Kopf zur rechten Profilansicht neigt. Die stehende Männergestalt ist mit einem enganliegenden, kurzen Gewand bekleidet. In der rechten Hand trägt sie ein speerartig anmutendes Zepter, das größer als sie selbst ist; ihr rechter Arm ist dabei nach oben angewinkelt. Der linke Arm ruht auf der Hüfte abgestützt, während die dazugehörige Hand eine große Zange hält. Weiterhin trägt die Männergestalt eine Kopfbedeckung, in die scheinbar eine Sonnenscheibe eingearbeitet ist. Die Figur steht auf einer als Boden intendierten Segmentlinie, wobei hier das rechte Spielbein und das linke Standbein durch ihre Winkel klar unterschieden sind. In der mit dem ägyptischen Gott Ptah zu identifizierenden Männergestalt vermischen sich Elemente des Zeus und des Hephaistos gemäß der interpretatio graeca. So weist die Zange auf den Schmied- und Handwerkergott Hephaistos hin, während das Zepter vor allem ein für Zeus bekanntes Attribut ist. Hingegen ist die angedeutete Sonnenscheibe auf der Kopfbedeckung im Sinne der ägyptischen Interpretation als Verbindungselement zum väterlichen Sonnengott Re zu verstehen. Die Götter der Vorderseite der Gemme stehen mit Ptah in einem vielseitigen mythologischen Beziehungsgeflecht, was ihre gemeinsame Darstellung auf einer einzelnen Gemme Plausibilität verschafft. Das Vermischen der Attribute verschiedener Götter und deren austauschbare Identifikation zwischen solchen der ägyptischen und griechischen Religion ist ab der Zeit des Hellenismus ein gängiges Phänomen. Eine Datierung ist das erste nachchristliche Jahrhundert erscheint für dieses Objekt wahrscheinlich.
(Alberto Alfredo Winterberg)

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Additional items from the collections

Demotischer Papyrus mit einem Auszug aus dem "Buch vom Atmen" für Pamonthis

Demotischer Papyrus mit einem Auszug aus dem "Buch vom Atmen" für Pamonthis

Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.Dies ist der Totenpapyrus des Pamonth mit einer mythologischen Darstellung. Der mumifizierte Tote wird vor einem gefüllten Opfertisch mit dem Unterweltsgott Osiris dargestellt, hinter ihm steht der Totengott Anubis. Dieser Papyrus ist in demotischer Sprache und Schrift geschrieben und datiert in die Römische Kaiserzeit, vermutlich ins 2.-3. Jahrhundert nach Christus. Dies ist ein eindrückliches Beispiel dafür, dass die altägyptische Mythologie noch bis weit in christliche Zeit hinein verbreitet war. Ursprünglich war der Papyrus mit einem, heute abgewischten, greichischen Text beschriftet (Palimpsest).V. Lepper