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Dekoriertes Mumienbett eines Kindes mit Löwenbeinen (Löwenbahre mit kastenförmigem Aufsatz)

Ident. Nr.: ÄM 12708

ObjID: obj:604448

Details (expert)

Creator/Entity
Carl August Reinhardt (4.2.1856 - 25.11.1903),
Käufer*in
Date(s)
1. Jh. n. Chr.
Geographical references
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 85,5 x 131 x 64,5 cm
Höhe x Breite x Tiefe: 84 x 58 x 126 cm (lt. Inv.)
Gewicht: ca. 30 kg

Object Description

Das römische Mumienbett ÄM 12708 ruht auf vier Beinen, die in Löwengestalt ausgearbeitet sind. Darüber erhebt sich ein schreinförmiger Aufsatz, der die auf dem Bett liegende Mumie von allen Seiten einschloss. Aufgrund der kleinen Maße des Bettes ist davon auszugehen, dass es für ein früh verstorbenes Kind bestimmt war.
Die vier Pfosten des Aufsatzes tragen horizontale Inschriften in polychromer Ausführung. Zwischen den Pfosten bilden an allen vier Seiten sonnenbekrönte Uräenfriese den obersten Abschluss des Aufsatzes, gefolgt von einem horizontalen Inschriftenband auf beiden Längsseiten und der Rückseite. Auf seiner Vorderseite sind unter dem Uräenfries ein Paar den Schutz symbolisierende Udjat-Augen und zwischen ihnen ein Djed-Pfeiler, der für Dauer und Beständigkeit steht, aufgemalt. Im unteren Bildstreifen befinden sich die Darstellungen der hockenden, Messer in den Händen haltenden Totenrichter mit senkrecht angeordneten Beischriften. Sie sind separat herausgearbeitet und eingesetzt worden. Das Motiv der Palastfassade ziert die vier Seiten des Bettes sowie die untersten Bereiche des Aufsatzes. Außerdem bilden horizontale und vertikale Holzstreifen mit Inschriften einen gewölbten Deckel.
Die Gestaltung des eigentlichen Mumienbetts als Löwen folgt einer alten ägyptischen Tradition. Das Löwenbett verleiht dem darauf ruhenden Verstorbenen den Schutz des kämpferischen, Feinde vernichtenden Tieres. Zugleich verhilft das Löwenpaar dem Toten zur Wiedergeburt, ebenso wie es den Sonnengott bei seiner Regeneration unterstützt. Eine ähnliche apotropäische Funktion besitzen auch die Uräenfriese als Überkrönung des schreinartigen Aufsatzes. Die Friese aus aufgereihten, aufgerichteten Uräen, welche zum Schutz von Göttern und Königen dienten, wurden häufig über den Fassaden oder Eingängen von Bauwerken angebracht. Hier wurde das Schutzsymbol aus sakralen Kontexten übernommen. Ebenso beschützen die Udjat-Augen und der Djed-Pfeiler auf der Vorderseite des Aufsatzes den Verstorbenen. Des Weiteren sind auf dem Berliner Mumienbett 18 hockende, Messer haltende Totengottheiten dargestellt. Im ägyptischen Totenbuch waren neben Osiris als der höchste richtende Gott insgesamt 42 Richtergottheiten für die 42 ägyptischen Gaue genannt, die über die Toten richten. Die Messer in ihren Händen kennzeichnen ihre Richterfunktion. Möglicherweise sollen sie hier nicht in ihrer ursprünglichen Funktion als Totenrichter verstanden werden, sondern sie sind vermutlich – ähnlich wie die anderen Schutzsymbole auf dem römischen Objekt – als Totengottheiten, die den Verstorbenen im Jenseits beschützen sollten, interpretiert worden.
Die Inschriften sind in sogenannten „Pseudohieroglyphen“ ausgeführt. Die Vorlagen sind leicht zu identifizieren: Die horizontalen Zeilen um den Aufsatz imitieren wohl die hieroglyphischen Inschriften des Holzsarges des Senj aus der späten 6. Dynastie aus Achmim (Kairo, CG 28005). Die Inschriften der Kolumnen auf den Pfosten, vor den Totengöttern sowie auf dem Deckel scheinen Auszüge der Opferliste desselben Sarges nachzuahmen. Diese pseudohieroglyphischen Inschriften auf ÄM 12708 dienten primär dekorativen und darüber hinaus vielleicht auch apotropäischen Zwecken. Sie geben keine Hinweise auf das verstorbene Kind, für dessen Mumie das Mumienbett bestimmt war. Aber aufgrund des Herkunftsorts der Vorlage für die Pseudohieroglyphen lässt sich annehmen, dass es wahrscheinlich ebenfalls aus Achmim stammte.
(I. Liao)

Last updated: 01.09.2026

Contact

Institution:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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