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Sitzfigur des Nemti-hotep

Ident. Nr.: ÄM 15700

ObjID: obj:605994

Details (expert)

Involved
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938),
Käufer*in
Oskar Hermann Deibel (1893),
Mäzen*atin
Dating
Ammenemes III. (Amenemhet III.)
Genauer: um 1800 v. Chr.
Geographical references
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 76,5 x 25 x 44 cm

Object Description

Mit dem Mittleren Reich tritt ein neuer, das ägyptische Kunstschaffen stark beeinflussender und belebender Faktor auf: der Wunsch nach Repräsentation. Dieses Verlangen dokumentiert sich sowhl in der Königs- als auch Privatplastik. Zwar wird der größte Teil der Privatstatuen nach wie vor für das Grab geschaffen, aber mit königlicher genehmigung ist es nun auch Privatpersonen gestattet, Statuen in tempeln aufzustellen, um so vor den Göttern vertreten zu sein, aber auch um die soziale Stellung des Eigentümers öffentlich hervorzuheben. Diese Möglichkeit sowie das genaue Studium der Physiognomie und Anatomie lassen außergewöhnlich qualitätvolle Werke entstehen, durch deren Perfektion die Kunst des Mittleren Reiches auch noch in späteren zeiten als die "klassische Kunst" angesehen war und als Vorbild anregend wirkte. In der späten 12. Dynastie erfolgte, in Anlehnung an Beispile aus dem Alten Reich, die "Wiederentdeckung" des stark persönlich geprägten Altersbildnisses. Von nun an steht das vom Leben gezeichnete menschliche Antlitz im Mittelpunkt der darstellungen. Bildnisse voller individueller Züge entstehen, die im Privatbildnis trotz aller Porträthaftigkeit jedoch als Typenporträts angesehen werden müssen, da sie sich sicherlich am Königsporträt orientierten.
Auch die Figur des Gutsvorstehers Chertihotep zeigt diese charakteristischen Züge, die in den Königsbildnissen dieser zeit anzutreffen sind.
Augen, Ohren, der Mund mit den leicht herabgezogenen Mundwinkeln und die Wangenflächen sind jedoch formalistischer angeordnet als bei den königlichen Vorbildern. Eine korrekte Amtsausübung, aber auch ein gesundes Selbstvertrauen kennzeichnen den Gesichtsausdruck. Chertihotep sitzt auf einem Hocker mit niedriger Lehne. Sein Körper wird von einem eng anliegenden Mantel umhüllt, der in einzigartiger Weise den streng in sich geschlossenen , spannungsgeladenen Körperaufbau der Figur betont und das Hauptaugenmerk ganz und gar auf die feinen, sensibel modellierten Gesichtszüge lenkt. Man sieht ein Gesicht voller plastischer Lebendigkeit. Die Wellen der Perücke sind nur leicht ausgearbeitet und leiten zum beinahe blockhaft wirkenden Körper über, dessen Konturen jedoch deutlich unter dem Mantel hervortreten. Auch die flächig gearbeiteten Hände ordnen sich der Geschlossenheit des Mantels unter. Ganz anders dagegen die Füße, die mit weicher, anatomisch genauer und detailreicher Linienführung gestaltet sind.

Last updated: 25.08.2025

Contact

Institution:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Statuette des Priesters Hori

Statuette des Priesters Hori

"Die Figur wiederholt einen Typ der Standfigur des Mittleren Reiches, der den Dargestellten in einem „Mantel“ kleidete, der als Tuch unterhalb der Brust um den Körper gelegt wurde. Dieser Mantel ist aber in der Spätzeit tatsächlich noch getragen worden, so auch von den Priestern bei Prozessionen. Sehr selten ist die Armhaltung, das linke Bein ist sehr weit vorgesetzt, so daß von der Darstellung eines wirklichen Ausschreitens gesprochen werden müßte. Der Mann ist als Priester kahlgeschoren, das Gesicht mit den unregelmäßig angesetzten Augen ein typisches Beispiel für die Art des idealisierenden Kunstschaffens dieser Zeit. Auch die Körperformen sind schematisch, Ober- und Unterarm ungeschickt aneinandergefügt. Die leichte Neigung des Kopfes mit der hohen Stirn, die etwas über der Nasenwurzel zusammengezogenen Augenbrauen und der leise lächelnde Mund hinterlassen zusammen mit der Armhaltung und dem ruhigen geschlossenen Körper insgesamt den Eindruck eines über den Alltäglichkeiten des Lebens stehenden, in seine Gedanken versunkenen, ganz der Welt des Göttlichen hingegebenen Menschen. Die senkrechte Zeile auf dem Gewande enthält die Angaben zur Person. Die Datierung der Figur ergibt sich durch den Namen des Vaters („Amasis bleibt im Palast“), wonach er zur Zeit des Königs Amasis (um 570-526 v. Chr.) geboren sein müßte."Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 174 (Kat. 104).