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Statuette des Gottes Thot in Gestalt eines hockenden Pavians auf einem Podest

Ident. Nr.: ÄM 4438

ObjID: obj:606833

Details (expert)

Involved
Heinrich Brugsch (18.2.1827 - 9.9.1894)
Dating
Spätzeit
Datierung engl.: Late Period
Additional titles
Collection title: Statuette des Gottes Thot in Gestalt eines hockenden Pavians auf einem Podest
Translation: Statuette of the god Thoth
Geographical references
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 16,5 x 8,8 x 8,3 cm

Object Description

„Mit dem Pavian verbinden sich mehrere Assoziationsstränge. Seit der ersten Dynastie genoß der Hundskopfaffe als heiliges Tier („Der große Weiße“) große Verehrung. In Hermopolis wurde er zum heiligen Tier des Gottes Thot. Thot galt als Gott der Weisheit. Daraus leitete sich seine Rolle als Schutzgott der Schreiber und der Schreibkunst ab. Die Griechen erkannten in ihm die ägyptische Form des Götterboten Hermes. Sie nannten ihn dann „Hermes Trismegistos“ den „dreimal großen Hermes“ als Schützer göttlicher Geheimnisse, die in magisch-religiösen (u.a. astrologischen) Literaturwerken niedergeschrieben waren. Wie der antike Horapollo zu berichte weiß, wurden zu Inkorporationstieren des Thot ausgewählte Paviane dadurch auf ihre Klugheit geprüft, daß man ihnen Schreibutensilien vorlegte. In diesen Tieren konnte der Gott wie in einem Kultbild einwohnen. Die Gewohnheit der Tiere, bei Sonnenaufgang Geschrei und Gezeter zur veranstalten, deutete man bereits im Neuen Reich als besonderes Zeichen der Klugheit und als Huldigung an den Sonnengott. Das Motiv der Paviane mit betend erhobenen Vorderpfoten in der Umgebung der Morgensonne basiert auf dieser Vorstellung.
Auch der Ibis galt als heiliges Tier des Gottes Thot, dem auch die Zeitmessung als Ressort zufiel. Er wurde mythisch mit dem Mond und den Mondphasen verbunden. Diese Funktion übertrug sich auch auf den Pavian. Daher sieht man oft über den Ausflußöffnungen von Wasseruhren kleine Figuren von Pavianen in würdiger Haltung, meist wie ein Götterbild auf einem Sockel sitzend, zu dem Stufen führen. Es ist nicht auszuschließen, daß unser Beispiel ursprünglich zur Dekoration einer Wasseruhr gehörte. Naheliegend scheint auch der Verwendungszweck als Weihegabe in einen Tempel oder als Teil eines Hausaltars.
Die Beziehung des hier abgebildeten Tieres zu Thot als Herrn des Mondes ist deutlich: Er trägt um den Hals ein Pektoral mit der Darstellung der Mondbarke, deshalb ist auch die jetzt ausgebrochene Krone als Mond in zwei Phasen zu denken: eine Mondsichel, in der eine Mondscheibe ruht. Das auf dem Sockel umlaufende Ornament setzt sich aus den Hieroglyphen einer häufigen Wunschformel zusammen: „alle Macht, alles Leben“.
Jenseits aller Zweckgebundenheit gehört diese Plastik in die Reihe der großen Meisterwerke ägyptischer Tierbildnerei. Dafür spricht die Harmonie des Körperaufbaus, geschult an den für ägyptische Plastik typischen Gesetzen der inneren Monumentalität, gepaart mit einer guten Beobachtungsgabe für Physiognomie und Körperhaltung des Tieres. Besonders reizvoll ist die Mischung zwischen Realismus und Abstraktion bei der Gestaltung von Kopf und Mähne, die als perückenartiger Mantel den Oberkörper des Pavians umschließt. Eine meisterliche Beherrschung der bildhauerischen Technik im Bearbeiten des brüchigen Serpentin beweist ebenfalls den hohen künstlerischen Rang der kleinen Plastik.“
Aus: Kischkewitz, Hannelore, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 176 (Kat. 105)

Last updated: 09.06.2026

Contact

Institution:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Die Statue ist in sitzender Position auf einem massiven, blockhaften Stuhl wiedergegeben. Sie trägt ein bis zu den Knöcheln reichendes, glattes Gewand, das keine weiteren Details erkennen lässt. Oberkörper und Füße sind heute leider verloren, die erhaltene Oberfläche wurde teilweise stark beschädigt. Beide Unterarme ruhen auf dem Schoß mit noch in Ansätzen erhaltenen Händen, der Dargestellte hielt einst ein heute nahezu völlig zerstörtes, göttliches Emblem vor sich, den Inschriften nach zu urteilen wohl eine Manifestation einer der in den Hieroglypheninschriften genannten Gottheiten. Die somit als theophor zu bezeichnende Statue ist daher in den Kontext einer Tempelstiftung zu verorten. An beiden Seiten des Sitzes befinden sich jeweils vier Zeilen eines eingravierten Hieroglyphentexts, während die Sockelzone und der oberhalb der niedrigen Rückenlehne ansetzende, schmale Rückenpfeiler unbeschriftet geblieben sind. Die Inschrift der linken Seite lautet: „Der König gebe ein Opfer an Osiris-den-Herrscher, zu-Gast-im-Fayûm, damit jener gebe ein Totenopfer den Ka des Priesters der Isis, Wärters des Horus, Priesters der Bastet (namens) Hor-achbit, Sohnes des Gleichbetitelten Harsomtus.“ Die Inschrift der rechten Seite lautet: „Der König gebe ein Opfer an Sobek von Schedet, damit jener gebe ein Totenopfer den Ka des Priesters des Sobek-Horus, Dieners im Tempel-Sanktuar, berichterstattenden Priesters, der seinen Herrn ankleidet im Tempel von Krokodilopolis (namens) Hor-achbit, Sohnes des Gleichbetitelten Harsomtus.“Ein lokaler Priester namens Hor-achbit hat also nach Auskunft der Inschriften diese Statue gestiftet. Er war den Titeln gemäß für zahlreiche Gottheiten zuständig, wenn auch Ämterhäufungen in der Spätzeit nicht unbedingt der Realität entsprochen haben müssen und jene vielleicht teilweise eher Rang- denn Amtstitel waren. Priester der Isis, als Mutter des Sobek von Schedet, sind im Fayûm nur äußerst selten belegt. Auch für Bastet-Priester sind nur zwei weitere Belege vorhanden, so dass diese Statue eine wichtige Quelle für das spätzeitliche Kultgeschehen im Fayûm darstellt, zumal wir vom Haupttempel von Schedet in dieser Zeit nicht allzuviel wissen. Hor-achbit selbst ist aus anderen Quellen übrigens bislang nicht bekannt.Die Nennung von Schedet als Kultort einer Lokalform des krokodilgestaltigen Gottes Sobek verweist dabei auf die ursprüngliche Aufstellung. In diesem Ort im Fayûm, griechisch Krokodilopolis, heute Medinet al-Fayûm, wurde die Statue von Heinrich Brugsch gefunden. Dies spricht dafür, dass sie einst in den Ortstempel des lokalen Sobek in der Hauptstadt des Fayûm gestiftet worden sein dürfte(Jan Moje)

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