Logo

Gipsmodellkopf eines Königs, wahrscheinlich Amenophis' III.

Ident. Nr.: ÄM 21299

ObjID: obj:607060

Details (expert)

Involved
Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) (24.1.1898),
Auftraggeber*in
Ludwig Borchardt (5.10.1863 - 12.8.1938),
Grabungsleiter*in
James Simon (17.9.1851 - 23.5.1932),
Mäzen*atin
Dating
Amenophis (Amenhotep) III.
Datierung engl.: Amenhotep III
Additional titles
Collection title: Gipsmodellkopf eines Königs, wahrscheinlich Amenophis' III.
Translation: Head of a king, probably Amenhotep III.
Geographical references
Material / Technique
Stuck (Material); bemalt
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 22,5 x 19,5 x 22 cm

Object Description

Unter den vollplastischen Gipsmodellen königlicher Personen, die aufgrund des deutlich vorhandenen Kronenansatzes alle zu den so genannten „statuennahen“ Abgüssen gehören, hebt sich dieses Gesicht durch seine vollkommen abweichende Physiognomie von den anderen königlichen Studien ab. Das füllige Gesicht zeichnet sich durch einen hohen Grad an Symmetrie aus. Nicht nur die pausbäckigen Wangen und die kräftige, fleischige Nase, der volle Mund mit den leicht aufgeworfenen Lippen sowie das runde Kinn und der geradezu stämmige, kurze und breite Hals, sondern auch die charakteristisch geformten Augen mit den nur angedeuteten Brauenbögen haben bereits Borchardt dazu veranlasst, in diesem Abguss ein Bildnis Amenophis’ III. zu vermuten. Diese Zuweisung ist aufgrund zahlreicher Parallelen sehr wahrscheinlich. Der Porträtkopf zeigt den König in einer idealisierten, auf Altersmerkmale verzichtenden Studie. Daher erscheint es auch plausibel, dass als Vorbild der Gussform eine Steinskulptur des Pharao gedient hatte. Die erst jüngst angefertigten computertomographischen Aufnahmen zeigen deutlich, dass der Kopf in einer Vollform gegossen wurde, was durch die Abdrücke einer hölzernen Bodenplatte am Hals schon von den Ausgräbern und Roeder vermutet wurde. Ob diese Form aus mehreren passgenauen Einzelstücken zusammengefügt war und daher sogar mehrfach verwendet werden konnte, worauf eventuell die seitlich am Hals sichtbaren Nähte hindeuten, ist noch nicht abschließend geklärt. Die sehr feine senkrechte Linie, die über Stirn, Nase, Mund und Hals verläuft, kann zumindest nicht von einer Halbschalenform herrühren, sondern entstand eventuell bei einer weiteren Abformung dieses Modells. Das mehrstufige Ausgussverfahren mit der leicht blasig-gewellten Abschlussfüllung wurde bereits an anderer Stelle in diesem Katalog geschildert. Sollte die Zuweisung an Amenophis III. Bestand haben – und ungeachtet der Tatsache, dass einige Darstellungen des Königs seine Verehrung in Amarna belegen –, stellt sich die Frage, welchen Zweck das lebensgroße Modell des Pharao während der ausgehenden Amarna-Zeit in der Werkstätte der Bildhauer erfüllte oder ob es schlicht aus persönlichen Gründen nicht „entsorgt“, sondern in den Gipswerkstätten schon seit längerer Zeit aufbewahrt wurde.
Aus: Seyfried, F., in: F. Seyfried (Hrsg.), Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete, Berlin 2012, S. 322 (Kat.-Nr. 111).

Last updated: 25.08.2025

Contact

Institution:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Additional items from the collections

Statuette des Priesters Hori

Statuette des Priesters Hori

"Die Figur wiederholt einen Typ der Standfigur des Mittleren Reiches, der den Dargestellten in einem „Mantel“ kleidete, der als Tuch unterhalb der Brust um den Körper gelegt wurde. Dieser Mantel ist aber in der Spätzeit tatsächlich noch getragen worden, so auch von den Priestern bei Prozessionen. Sehr selten ist die Armhaltung, das linke Bein ist sehr weit vorgesetzt, so daß von der Darstellung eines wirklichen Ausschreitens gesprochen werden müßte. Der Mann ist als Priester kahlgeschoren, das Gesicht mit den unregelmäßig angesetzten Augen ein typisches Beispiel für die Art des idealisierenden Kunstschaffens dieser Zeit. Auch die Körperformen sind schematisch, Ober- und Unterarm ungeschickt aneinandergefügt. Die leichte Neigung des Kopfes mit der hohen Stirn, die etwas über der Nasenwurzel zusammengezogenen Augenbrauen und der leise lächelnde Mund hinterlassen zusammen mit der Armhaltung und dem ruhigen geschlossenen Körper insgesamt den Eindruck eines über den Alltäglichkeiten des Lebens stehenden, in seine Gedanken versunkenen, ganz der Welt des Göttlichen hingegebenen Menschen. Die senkrechte Zeile auf dem Gewande enthält die Angaben zur Person. Die Datierung der Figur ergibt sich durch den Namen des Vaters („Amasis bleibt im Palast“), wonach er zur Zeit des Königs Amasis (um 570-526 v. Chr.) geboren sein müßte."Aus: Priese, Karl-Heinz, in: Priese, K.-H. (Hrsg.), Ägyptisches Museum Berlin, Museumsinsel Berlin, Mainz 1991, S. 174 (Kat. 104).