Logo

Grenzstele des Königs Sesostris III.

Ident. Nr.: ÄM 1157

ObjID: obj:607076

Details (expert)

Involved
Carl Richard Lepsius (23.12.1810 - 10.7.1884),
Expeditionsleiter*in
Dating
Historische Datierung: Sesostris III.
Datierung engl.: Senusret III
Additional titles
Collection title: Grenzstele des Königs Sesostris III.
Translation: Boundary stela of king Senwosret III
Geographical references
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 160 x 97 x 28 cm

Object Description

Unter der Leitung von Carl Richard Lepsius gelangte die Königlich Preußische Expedition am 17. Juli 1844 zur Festung Semna. Diese Festung ist eine von Vieren, die, an einer strategischen Stelle am Nil gelegen, mit den Festungen Kumma, Semna-Süd und Uronarti in der 12. Dynastie die südliche Grenze Ägyptens markierte.
Wie die anderen Fundstücke der Königliche Preußischen Expedition kam auch diese Stele als ein offizielles Geschenk des ägyptischen Vizekönigs Mohamed Ali mit nach Berlin. Das Expeditionsteam hat 1844 in zehn Tagen die Festungsruinen mit ihren kleinen Tempeln und Felsinschriften dokumentiert. In seinem Expeditionstagebuch berichtet Lepsius, wie die Stele durch Feuer gesprengt worden war, um sie so transportfähig zu machen. Auch ein weiterer Expeditionsteilnehmer Georg Erbkam berichtete in seinem "Tagebuch meiner Ägyptischen Reise" von den Schwierigkeiten beim Verladen der schweren Stele, Arbeitsunfällen der Arbeiter und einem Sandsturm. Zunächst kam nur das untere Stelenfragment nach Berlin, welches durch einen Gipsabguss ergänzt wurde, denn der obere Teil war in einer Kiste in Semna vergessen worden. 1886 fand der holländische Kunsthändler Jan H. Insinger diese Kiste noch vor Ort in Semna. Sie wurde zunächst ins Ägyptische Museum Kairo verbracht und 1899 nach Berlin, wo sie wieder mit dem unteren Teil zusammengefügt werden konnte.
Die große Stele aus Semna wurde von Pharao Sesostris III. in dessen 16. Regierungsjahr (ca. 1860 v. Chr.) in der Festung von Semna, 60 km oberhalb des zweiten Nilkataraktes, aufgestellt. Auf Grund ihrer Inschrift kann diese als Grenz- und Siegesstele bezeichnet werden.
Das Giebelfeld der Stele ist oben mit der Himmelshieroglyphe „pet“ bogenförmig umrandet. Darunter befinden sich die geflügelte Sonnenscheibe des Gottes Horus mit dem achsensymmetrisch gespiegelten Namen seines oberägyptischen Hauptkultortes Edfu hinter jeweils einem Uräus mit Schen-Ring um den Hals. Die Beischrift lautet jeweils: "Der von Behedet". Im unteren Teil des Giebelfeldes sind zwei Schriftzeilen mit der fünfteiligen Königstitulatur angebracht. Darunter befinden sich 19 waagerechte Textzeilen, die jeweils durch waagerechte Striche voneinander getrennt sind. Der Text ist in klassischem Mittelägyptisch in formvollendete Hieroglyphen in versunkenem Relief in den Stein gemeißelt worden.
Die Art und Weise der Bearbeitungsspuren auf den Seitenflächen der Stele lassen vermuten, dass sie in eine Mauer eingelassen gewesen war. Unter der Fünfteiligen Königstitulatur nennt die Inschrift zunächst das Datum: Regierungsjahr 16, 3. Monat der Peret-Jahreszeit (Frühjahr), die Errichtung der Grenze bei Heh (Semna) durch seine Majestät, und hebt dann die charakterlichen Handlungsweisen des Königs hervor: Einer, der zupackt, Dinge vermehrt, Milde gegen den Geringen walten lässt, aber Härte gegen den Feind. Außerdem sei er einer, der sich intelligent artikulieren könne und sich nicht von seinen Grenzen vertreiben lasse. Die Nubier werden als verachtungswürdige Leute, „Elende mit zerbrochenem Herzen“, beschrieben, gefolgt von erfolgreichen Raub- und Beutezügen Sesostris' III. Der Wahrheitsgehalt des Stelentextes wird nochmals hervorgehoben und Sesostris III. fordert seine Nachfolger eindringlich auf, die Grenzen zu respektieren.
(J. Helmbold-Doyé)

Last updated: 24.04.2026

Contact

Institution:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Additional items from the collections

Statuette des Hor-chebt, Priester der Isis

Statuette des Hor-chebt, Priester der Isis

Die Statue ist in sitzender Position auf einem massiven, blockhaften Stuhl wiedergegeben. Sie trägt ein bis zu den Knöcheln reichendes, glattes Gewand, das keine weiteren Details erkennen lässt. Oberkörper und Füße sind heute leider verloren, die erhaltene Oberfläche wurde teilweise stark beschädigt. Beide Unterarme ruhen auf dem Schoß mit noch in Ansätzen erhaltenen Händen, der Dargestellte hielt einst ein heute nahezu völlig zerstörtes, göttliches Emblem vor sich, den Inschriften nach zu urteilen wohl eine Manifestation einer der in den Hieroglypheninschriften genannten Gottheiten. Die somit als theophor zu bezeichnende Statue ist daher in den Kontext einer Tempelstiftung zu verorten. An beiden Seiten des Sitzes befinden sich jeweils vier Zeilen eines eingravierten Hieroglyphentexts, während die Sockelzone und der oberhalb der niedrigen Rückenlehne ansetzende, schmale Rückenpfeiler unbeschriftet geblieben sind. Die Inschrift der linken Seite lautet: „Der König gebe ein Opfer an Osiris-den-Herrscher, zu-Gast-im-Fayûm, damit jener gebe ein Totenopfer den Ka des Priesters der Isis, Wärters des Horus, Priesters der Bastet (namens) Hor-achbit, Sohnes des Gleichbetitelten Harsomtus.“ Die Inschrift der rechten Seite lautet: „Der König gebe ein Opfer an Sobek von Schedet, damit jener gebe ein Totenopfer den Ka des Priesters des Sobek-Horus, Dieners im Tempel-Sanktuar, berichterstattenden Priesters, der seinen Herrn ankleidet im Tempel von Krokodilopolis (namens) Hor-achbit, Sohnes des Gleichbetitelten Harsomtus.“Ein lokaler Priester namens Hor-achbit hat also nach Auskunft der Inschriften diese Statue gestiftet. Er war den Titeln gemäß für zahlreiche Gottheiten zuständig, wenn auch Ämterhäufungen in der Spätzeit nicht unbedingt der Realität entsprochen haben müssen und jene vielleicht teilweise eher Rang- denn Amtstitel waren. Priester der Isis, als Mutter des Sobek von Schedet, sind im Fayûm nur äußerst selten belegt. Auch für Bastet-Priester sind nur zwei weitere Belege vorhanden, so dass diese Statue eine wichtige Quelle für das spätzeitliche Kultgeschehen im Fayûm darstellt, zumal wir vom Haupttempel von Schedet in dieser Zeit nicht allzuviel wissen. Hor-achbit selbst ist aus anderen Quellen übrigens bislang nicht bekannt.Die Nennung von Schedet als Kultort einer Lokalform des krokodilgestaltigen Gottes Sobek verweist dabei auf die ursprüngliche Aufstellung. In diesem Ort im Fayûm, griechisch Krokodilopolis, heute Medinet al-Fayûm, wurde die Statue von Heinrich Brugsch gefunden. Dies spricht dafür, dass sie einst in den Ortstempel des lokalen Sobek in der Hauptstadt des Fayûm gestiftet worden sein dürfte(Jan Moje)