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Zwei Bauernwagen

Ident. Nr.: KdZ 3237

ObjID: obj:749986

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Peter Paul Rubens (1577 - 1640),
Zeichner*in
Date(s)
Herstellung: 1617/18
Herstellung: 1618-1620
Abweichende Datierung: 1617-1618
Provenance
Nathaniel Hone (1718-1784),
162457
Barthold Suermondt (1818-1887),
bis 1874
Dimensions
Blattmaß: 22,5 x 37,6 cm
Acquisition
1874 von Barthold Suermondt, Aachen, erworben

Object Description

Der geniale Maler, Inbegriff barocken Überschwangs, dessen Bilder noch heute in erstaunlichem Maße mit Geschmackskriterien verurteilt oder gefeiert werden, zeigt sich in unserem Studienblatt als präziser Beobachter und getreuer Berichterstatter der Wirklichkeit. Es handelt sich um Einzelstudien, die später in Gemälden zur Anwendung kommen konnten, ein Verfahren, das fest in tradierten Werkstattverfahren verwurzelt war.
Wie aus seinem Testament hervorgeht, schätzte Rubens seinen Fundus an Zeichnungen, sowohl von eigener wie von fremder Hand, außerordentlich hoch. Er verfügte, daß dieser an denjenigen seiner Nachkommen übergehen sollte, der seinen Beruf ergreifen würde, und falls dies nicht der Fall sein würde, erst verkauft werden dürfe, wenn der jüngste 18 Jahre vollendet haben würde, was schließlich auch geschah. Diese Vorschrift zeigt, daß er seine Sammlung in erster Linie als Arbeitsmittel schätzte, aus dem er Anregung und Material für seine rastlose künstlerische Tätigkeit schöpfte.
Auch die Wagenstudien unseres Blattes verwendete Rubens nicht nur in Gemälden der Zeit um 1620, sondern noch über zehn Jahre später in einem weiteren Bild. H. Mielke führte aus, in welcher Weise dabei auch einem so nüchternen Motiv ein bedeutungsvoller Hintersinn beigelegt werden konnte.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 201, Kat. IV.45 (mit weiterer Literatur)



Rubens zeichnete draußen, direkt nach zwei mit Heu beladenen Wagen. Er hielt sie aus zwei Ansichten fest, schräg von der Seite und von hinten in starker perspektivischer Verkürzung, und akzentuierte die Gefährte mit farbiger Kreide. In dem Gemälde Winter (1618/19, Royal Collection), das den halb offenen Innenraum einer Scheune vor einer Schneelandschaft zeigt, verwendete er die Wagen wieder. Viele Jahre später griff er nochmals für ein Gemälde, die Rückkehr vom Feld (1640, Palazzo Pitti, Florenz), auf die Zeichnung zurück. Ein zweites Studienblatt, ebenfalls in farbigen Kreiden ausgeführt, befindet sich heute im J. Paul Getty Museum in Los Angeles. Beide Zeichnungen entstanden wohl zur selben Zeit, um 1617/18. 
Das kleine (gestempelte) Auge unten links ist der Besitzstempel des englischen Malers und Sammlers Nathaniel Hone, der das Blatt im 18. Jahrhundert besaß.

Text: Christien Melzer 

Last updated: 21.08.2026

Contact

Institution:

Kupferstichkabinett

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