Logo

Mumie eines Mädchens ("Tochter der Aline") mit Mumienmaske

Ident. Nr.: ÄM 12125/02

ObjID: obj:827742

Details (expert)

Creator/Entity
Richard von Kaufmann (29.3.1849 - 11.3.1908)
Date(s)
1.–2. Jh. n. Chr.
Geographical references
Material / Technique
Mumie; Kartonage; Textil; bemalt, teilvergoldet
Dimensions
Länge x Breite x Tiefe: 103,5 x 31 x 24 cm

Object Description

Die größte der drei Kindermumien aus dem Grab der Aline ist von einer Kassettenwicklung umschlossen, die aus ungefärbten sowie rötlichen bis bräunlichen Leinenbinden besteht. Zwei Enden der ungefärbten Bänder wurden an der linken Schmalseite des Körpers, ungefähr in Höhe der Wade, verknotet. Der Kopf- und Brustbereich ist noch heute, ebenso wie die Füße, von Textilkartonagen umschlossen. Während die Maske, die büstenartig den Oberkörper umschließt, eine junge Frau abbildet, ergab die Untersuchung, dass es sich um die Mumie eines 6- bis 7-jährigen Mädchens handelt.
Die Maske zeigt eine wohl genährte, reich geschmückte junge Frau mit angewinkelten Armen. Jene ist zudem aufwendig bemalt sowie im Bereich von Hautpartien und Schmuck mit einem Goldanstrich versehen. Ihre Frisur besteht aus einem langen Pony und kleinen plastisch gearbeiteten Löckchen an den Schläfen. Die schwarzen Haare lassen die Ohren frei. Die Frau trägt einen violettfarbenen Mantel, der bis über ihren Kopf gezogen ist, und darunter eine Tunika mit schwarzen Stoffstreifen, sogenannten Clavi. In ihrer Rechten hält sie eine Handgirlande, die aus Rosenblütenblättern gefertigt ist. Als Schmuck lassen sich Buckelohrringe, eine Perlenkette mit einem Lunulaanhänger, zwei Fassungsarmreifen an den Oberarmen, zwei doppelköpfige Schlangenarmreifen an den Unterarmen sowie ein ovaler Siegelring am kleinen Finger der linken Hand erkennen. Das Brustpaneel endet am unteren Rand mit einer Farbleiter und Rosetten. Auf dem Scheitel und Hinterkopf der Maske befindet sich die Göttin Nut in Gestalt eines Geiers, der schützend seine Flügel ausbreitet.
Allein diese Aufzählung lässt deutlich auf eine reiche und zugleich geschützte Ausstattung der Verstorbenen schließen. Dieser Eindruck wird durch das nicht minder beeindruckende Leichentuch verstärkt.
(Jana Helmbold-Doyé)

Last updated: 29.07.2026

Contact

Institution:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

Additional items from the collections

Demotischer Papyrus mit einem Auszug aus dem "Buch vom Atmen" für Pamonthis

Demotischer Papyrus mit einem Auszug aus dem "Buch vom Atmen" für Pamonthis

Totenbücher gibt es seit dem Beginn des Neuen Reiches (um 1500 v. Chr.). In der vollständigen Ausgabe sind mehr als 200 Kapitel erhalten, man beschränkte sich aber häufig auf die wesentlichen Aussagen. Das Totenbuch wurde dem Verstorbenen in Form einer Papyrusrolle mitgegeben oder einzelne Kapitel wurden, auf Leinenbinden geschrieben, in die Mumie eingewickelt. Die Sprüche sollten dem Verstorbenen helfen, sich in der Unterwelt zurecht zu finden und sich korrekt gegenüber ihren Bewohnern, Göttern und Dämonen, zu verhalten, damit er als 'Verklärter' unter ihnen leben konnte.Bei keinem Totenbuch fehlt das 125. Kapitel, das das sogenannte 'Negative Sündenbekenntnis' enthält. In diesem rechtfertigt sich der Verstorbene vor den 42 Richtergottheiten, indem er beteuert, alle Sünden unterlassen zu haben. Die Szene zeigt das Totengericht: die Verstorbene wird zur Waage geführt, auf der ihr Herz (als Topf gezeichnet) gegen die Göttin Maat, dargestellt als hockende Frau mit einer Feder auf dem Kopf, aufgewogen wird. Hat sie maatgerecht, im Sinne der Weltordnung gelebt, wird die Verstorbene von dem mumiengestaltigen Unterweltsgott Osiris als 'gerechtfertigt' in das Jenseits aufgenommen. Besteht sie die Prüfung nicht, wird die große Fresserin, ein Untier bestehend aus Krokodilskopf, Löwenvorder- und Nilpferdhinterteil, ihr Herz endgültig verschlingen. Da für die Ägypter jede Darstellung die Realität widerspiegelt, wurde grundsätzlich ein positiver Ausgang des Gerichtes dargestellt, so dass die Verstorbene mit Hilfe dieses Papyrus sicher in die Unterwelt eintreten und das ewige Leben erreichen konnte.Dies ist der Totenpapyrus des Pamonth mit einer mythologischen Darstellung. Der mumifizierte Tote wird vor einem gefüllten Opfertisch mit dem Unterweltsgott Osiris dargestellt, hinter ihm steht der Totengott Anubis. Dieser Papyrus ist in demotischer Sprache und Schrift geschrieben und datiert in die Römische Kaiserzeit, vermutlich ins 2.-3. Jahrhundert nach Christus. Dies ist ein eindrückliches Beispiel dafür, dass die altägyptische Mythologie noch bis weit in christliche Zeit hinein verbreitet war. Ursprünglich war der Papyrus mit einem, heute abgewischten, greichischen Text beschriftet (Palimpsest).V. Lepper