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Prunktisch in Boulletechnik aus dem Heidelberger Schloss

Ident. Nr.: O-1972,172

ObjID: obj:857407

Details (expert)

Creator/Entity
Johann Daniel Sommer,
Kunsttischler*in
Date(s)
1684
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 81 x 127 x 86 cm

Object Description

Der Prunktisch gehört zu einem heute verschollenen Ensemble, das außerdem einen zweitürigen Kabinettschrank, zwei Gueridons (Leuchtertische) und einen Spiegelrahmen umfasste. Kurfürst Karl II. von der Pfalz hatte die außerordentlich kostbare Gruppe 1684 für sein Appartement im Heidelberger Schloss anfertigen lassen. Seine Witwe ließ die Stücke vor den marodierenden Truppen des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Sicherheit bringen. Später gelangten sie ins Berliner Schloss.
Den Tisch dominiert ein schimmernder Rotton, der von den kühlen Flächen und Konturen des Zinns eingefasst wird. Die Tischplatte ist mit Blumenranken, Putten und Groteskenfiguren dicht bedeckt. In der Mitte der Platte prangt das kurfürstliche Wappen mit der Devise des Hosenbandordens. Die nach dem französischen Ebenisten André Charles Boulle (1642–1732) benannte Boulletechnik ist eine der kostbarsten der Möbelkunst. Das betrifft mehr noch als die Materialien (besonders Zinn, Schildpatt, Horn) die kunstvoll ausgeführte Arbeit. Feinste Gravuren und mit Aquarellmalerei hinterlegte Szenen bilden bei diesem Möbel eine beträchtliche Verfeinerung der Marketerie.
Der Schöpfer des Tisches, Johann Daniel Sommer (1643-nach 1692), arbeitete in Paris bevor er sich 1667 in seinem Geburtsort Künzelsau niederließ und in Deutschland die neue Technik einführte, die er in unübertroffener Meisterschaft ausübte.
ASt

Last updated: 30.07.2026

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Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa