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Heiliger Wenzel (aus der Nürnberger Moritzkapelle?)

Ident. Nr.: 366

ObjID: obj:862432

Details (expert)

Dating
Datierung: um 1390
Material / Technique
Terrakotta, Sandstein
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 113 x 43 x 38 cm

Object Description

Die Figur ist ein Hauptwerk der europäischen Skulptur des ausgehenden 14. Jahrhunderts und zu Recht schon seit dem 19. Jahrhundert als herausragende Skulptur innerhalb Nürnbergs gefeiert worden. In ausgesprochen höfischer Haltung steht die schlanke Gestalt des Ritters im leichten Kontrapost und mit Drehung des Körpers, die zweifellos auf die ursprüngliche Ausstellung ausgerichtet war. Die Hauptansichtsseite war das linke Hauptprofil. Die Stellung der Füße, die leicht ausladende linke Hüfte und der zurückgenommene rechte Oberkörper wenden sich einem von links kommenden Betrachter zu. Der eindrucksvolle Kopf ist energisch vorgestreckt und nach rechts, also nicht zur Hauptansichtsseite gewendet. Auf einen scheinbar bestimmten Punkt hin ausgerichtete, durch gebohrte Pupillen markierte Augen verstärken den Eindruck von Entschlossenheit, den die gesamte Haltung vermittelt. In der gesenkten Linken hält der Ritter einen gebogenen Schild, unter dem ein lockeres Band sichtbar wird. In der vorgestreckten Rechten befand sich ursprünglich eine auf den Boden gestützte Lanze oder Fahne. Die minutiös ausgeführte Rüstung, die sehr eng am Körper anliegt und dessen Haltung gut nachvollziehbar macht, wirkt dennoch lebendig. Möglicherweise handelt es sich bei dieser Figur um ein Krypto- oder Identifikationsporträt des böhmischen Königs Wenzel IV. Der 1361 in Nürnberg geborene Sohn Karls IV., der bis zu seiner Absetzung als deutsch-römischer König 1400 und noch danach auf dem ihm verbliebenen böhmischen Thron oft unglücklich regierte und dem die Geschichtsschreibung bis heute wenig schmeichelt, war mit der Reichsstadt Nürnberg in vielerlei Hinsicht verbunden.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Last updated: 26.03.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Heiliger Nikolaus

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Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)