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Die Goldwägerin

Ident. Nr.: 656A

ObjID: obj:862440

Details (expert)

Creator/Entity
ungesichert: Jan van Hemessen (um 1500 - 1556/57),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: 1510/50
Additional titles
Collection title: Die Goldwägerin
Translation: Girl weighing Gold
Geographical references
Material / Technique
Eichenholz
Dimensions
Bildmaß: 46,2 x 32,4 cm
Acquisition
Ankauf 1847

Object Description

Eine junge, prächtig gekleidete Frau blickt selbstbewusst aus dem Bild heraus auf den Betrachter, während sie zugleich eine Waage in ihrer rechten Hand balanciert. Sie sitzt an einem Tisch, auf dem verschiedene Münzen ausgebreitet sind, die sie offenbar wiegen möchte. Mit der Linken greift sie in ein Kästchen mit kleinen Gewichten, denn anscheinend liegt auf der vorderen Waagschale bereits eine Münze. Eine Raumecke schließt die Szene nach hinten ab, wobei das ganz verglaste – aber auch gänzlich undurchsichtige – Fenster und die Wandvertäfelung ebenso den Reichtum des Ambientes kennzeichnen wie der fein ziselierte goldene Deckelpokal, der höchst prekär auf dem Gewichtskästchen abgestellt ist. Auf den ersten Blick mag die Darstellung somit als alltägliche, im wohlhabenden Bürgertum angesiedelte Szene erscheinen. Indes stimmt der ruhig und beinahe herausfordernd auf den Betrachter gerichtete Blick der Frau nicht recht mit der zum Wiegen nötigen Konzentration überein. Vielmehr geschieht Letzteres demonstrativ, gleichsam für den Betrachter: Blick und Wiegen gehören zusammen. Somit dürfte der Vorgang allegorisch aufzufassen sein; die junge Frau zeigt uns, dass sie zu wiegen, abzuwägen versteht und den Wert eines Dings genau bemessen kann. Dies dürfte als Metapher für Urteilsvermögen und eine richtige, Vor- und Nachteile abwägende Lebensführung zu verstehen sein, aber ebenso wohl auch als Hinweis auf christliche Tugend, die das Richtige vom Falschen zu unterscheiden weiß.

Das Gemälde kann als ein frühes Beispiel für Genredarstellungen in der niederländischen Malerei begriffen werden, das mit dem Wiegen ein Motiv vorwegnimmt, welches auch im 17. Jahrhundert, bei Vermeer und anderen, mit ähnlichen Konnotationen aufgegriffen wurde. Indes stellt sich für Hemessens Werk die Frage, ob es sich dabei zugleich um ein Porträt handeln könnte. Die Züge der Frau könnten bis zu einem gewissen Grad bildnishaft sein, und die durch das Wiegen symbolisierten
Tugenden würden sich zweifellos zur vorteilhaften Charakterisierung einer bestimmten Person eignen. Möglicherweise könnte sogar der auffällige Goldpokal, der zwar die untere linke Bildecke wunderbar ausfüllt, ansonsten aber ein wenig unmotiviert erscheint, im Zusammenhang eines Porträts eine spezielle Bedeutung erhalten: Vergleichbare Deckelpokale dienen oftmals als Attribut der heiligen Maria Magdalena, weshalb es denkbar wäre, dass die Dargestellte den Namen Magdalena trug. Eine eindeutige Entscheidung bleibt freilich unmöglich und so könnte es sich sowohl um ein genrehaft inszeniertes Bildnis wie um eine porträthafte Genreszene handeln.

Das weder datierte noch signierte Gemälde wird zumeist der frühen Schaffenszeit Jan Sanders van Hemessens zugeordnet. Tatsächlich verrät es dessen wesentliche künstlerischen Vorbilder, Jan Gossart, auf den die volle, prall-gerundete Gesichtsbildung unmissverständlich hinweist, und den in Antwerpen tätigen Meister der weiblichen Halbfiguren, der zahlreiche Genreszenen mit am Tisch sitzenden Damen schuf. Obgleich das Berliner Gemälde bei einigen Details, so den steifen Armen und den arg verzeichneten Händen, gewisse Schwächen aufweist, besitzt es in seiner dichten Komposition, dem lebendigen Gesicht der jungen Frau und der exquisiten Farbigkeit doch Eindrücklichkeit und bemerkenswerte künstlerische Qualitäten. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
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A young, splendidly dressed woman gazes self-confidently out of the picture space at the beholder, at the same time balancing a scale with her right hand. She is seated at a table on which various coins have been spread out, which she evidently is in the process of weighing. With her left hand, she reaches into a box containing small weights, and as we can see, a coin already lies on the front-most weighing pan. The scene is closed off behind her by the corner of a room, and the fully glazed – but
also entirely opaque – window and the wall panelling characterise the richness of the surroundings, as does the finely chased golden lidded goblet that is positioned rather precariously on top of the box of weights. At first glance, then, the picture seems to depict a scene from everyday life in the milieu of the prosperous middle classes. The calm, almost impudent gaze the woman directs towards the viewer,
meanwhile, seems inconsistent with the concentration required to weigh objects. Instead, the act of weighing coins is being performed, so to speak, for the benefit of the beholder: the gaze and the act of weighing form a unity. The scene, then, can be grasped allegorically: the young woman shows us that she knows how to weigh, to evaluate, to measure the value of things with precision. It is interpretable
as a metaphor for powers of judgment, and for a right way of life which assesses advantages and disadvantages, but perhaps just as much as a reference to Christian virtue, which is capable of distinguishing right from wrong.

This painting can be regarded as an early example of a genre scene in Netherlandish painting, while the act of weighing anticipates a motif that would be taken up in the 17th century, and with similar connotations, by Vermeer and others. Meanwhile, the question arises of whether Hemessen’s picture may actually be a portrait. The woman’s features suggest an individual likeness to some extent,
while the virtues symbolised by the scale would doubtless be appropriate to the characterisation of a particular person. The conspicuous golden goblet, which, to be sure, fills the lower left corner of the picture marvellously, but otherwise seems rather unmotivated, may even have some special significance in connection with this possible portrait: similar lidded goblets often serve as attributes of Mary Magdalene, and it is not inconceivable that the sitter bore the name Magdalene. No unequivocal
determination seems possible, and this picture is just as likely to be a portrait staged in genre style as it is to be a portrait-style genre scene.

This painting, which is neither dated nor signed, is generally assigned to the early part of Jan Sanders van Hemessen’s career. And in fact, this work suggests the impact of certain crucial artistic models, specifically Jan Gossart, whose influence is clearly reflected in the plump, rounded face of the women in this picture, and the Master of the Female Half-Lenghts, who was active in Antwerp, where he
created numerous genre scenes of women seated at tables. Although the present picture displays weaknesses in certain details, among them the stiff-looking arms and the poor articulation of the hands, it nonetheless makes a powerful impression and displays notable artistic qualities. Stephan Kemperdick | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 07.09.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Versonnen blickt der dunkelhaarige junge Mann nach rechts in die Ferne. Von seinem schwarzen Gewand hebt sich ein kostbarer, weißer Spitzenkragen ab, auf den sein langes Haar fällt. Maratti präsentiert den Dargestellten hier schlicht und unprätentiös, zugleich jedoch sehr würdevoll und elegant. Durch eine Inschrift auf der Rückseite sind uns heute Entstehungsjahr und -ort des Gemäldes bekannt, sowie das Alter des Dargestellten. Als er sich 1663 in Rom porträtieren ließ, war er 24 Jahre und drei Monate alt. Maratti gehörte zu den begehrtesten Malern in Rom und arbeitete für die höchsten gesellschaftlichen Kreise, u.a. auch für Papst Clemens IX., dessen von Maratti geschaffenes Bildnis heute zu den bedeutendsten Porträts des 17. Jahrhunderts zählt.| Britta BodeSIGNATUR / INSCHRIFT: Auf der Doublierleinwand Transkription (des 19. Jh.) einer alten Inschrift: AETATIS VAE XXIV / ET III MENS / IN ROMA 1663 / C.M.F.___________________________________________________________________________With a pensive gaze, a dark-haired young man looks to the right into the distance. His long hair falls on the sumptuous, white lace collar that stands out against his black garment. Maratti presents the portrayed modestly and unpretentiously, yet also elegantly and dignified. An inscription on the back tells us the year and place of creation, as well as the age of the portrayed. In 1663, when he was painted in Rome, he was 24 years and three-months-old. Maratti was one of the most sought after artists in Rome and worked for the social elite, including Pope Clemens IX, whose portrait is considered one of the most important paintings of the 17th century.| Britta Bode

Die Kreuzigung Christi

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Gerard David stammte aus den nördlichen Niederlanden, dem holländischen Oudewater. Einflüsse von Geertgen tot Sint Jans in seinen frühen Werken deuten darauf hin, daß er seine erste Ausbildung in Haarlem erhalten hat. 1484 war er nach Brügge ausgewandert, der Stadt, in der Memling als führender Meister tätig war. Hier wurde er als Mitglied und schließlich als leitender Künstler der Malerzunft vom Magistrat der Stadt mit Aufträgen bedacht. In Brügge entstanden seine Hauptwerke. Hier lebte und arbeitete er, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, bis zu seinem Tode. Für einige Zeit scheint er sich in Antwerpen aufgehalten zu haben. Darauf deutet eine Eintragung in den Registern der Antwerpener Malergilde hin, die für das Jahr 1515 die Aufnahme eines »Gheraet van Brugghe, scildere« vermeldet. Brügge hatte damals seine führende Rolle als Hafenstadt durch die Versandung des Swijn, seiner Verbindung zum Meer, eingebüßt, während Antwerpen seinen Rang als neues Handelszentrum auszubauen begann und damit zahlreichen Künstlern neue Verdienstmöglichkeiten eröffnete. Es ist denkbar, daß sich Gerard David den neuen Gegebenheiten auf Dauer nicht mehr an - passen wollte und deshalb nach Brügge zurückkehrte, wo er als der letzte herausragende Vertreter der traditionsreichen Malerei dieser Stadt großes Ansehen genoß. Das Schaffen Davids schlägt eine Brücke zwischen den niederländischen Meistern des 15. Jahrhunderts und den neuen Bestrebungen der Renaissance. Seine Werke zeichnen sich durch eine stille Monumentalität und eine klare Anordnung der plastisch wiedergegebenen Bildfiguren aus, die auf neuartige Weise mit dem sie umgebenden Raum verbunden sind. In dieser Hinsicht bezeichnet die Kunst Davids eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu einer einheitlichen malerischen Gestaltung des Bildraumes. Die Darstellung des Christus am Kreuz stammt aus der Spätzeit des Künstlers. Das Kolorit, in dem grüne und blaue Farbklänge dominieren, ist eigentümlich kühl und verhalten, dabei in den nuancenreichen Abstufungen dennoch von höchster Subtilität. Dieser konsequenten Vereinheitlichung der Farbgebung, von der eine starke atmosphärische Wirkung ausgeht, entspricht eine gleichermaßen prägnante wie durch seine Schlichtheit ergreifende Schilderung des Bildgeschehens. Auf der Höhe Golgathas erhebt sich das Kreuz Christi, dessen Querbalken in die Tiefe weisen. Mit geöffneten Augen blickt der Gekreuzigte auf die Leidtragenden zu seinen Füßen herab, auf Maria Magdalena nahe dem Kreuzesstamm, auf Maria, die von Johannes gestützt wird, und auf Maria Salome und Maria Jacobi. Mit den Worten »mulier ecce filius tuus« (Weib, siehe, das ist dein Sohn; Johannes 19, 26) empfiehlt er seine Mutter der Fürsorge seines Lieblingsjüngers. Die verhaltene Trauer der Angehörigen scheint sich auf den Hauptmann und seine Soldaten übertragen zu haben, die still zur Seite getreten sind und sich beraten. Im Hintergrund erkennt man Kriegsknechte, die Golgatha bereits verlassen haben und Jerusalem zustreben. Daran zeigt sich, daß kein bestimmter Augenblick des Geschehens gestaltet ist, sondern daß es dem Künstler darauf ankam, uns dessen zeitlose Bedeutung vor Augen zu führen, wie er es wenig später in dem eindrucksvollen Golgathabild (Genua, Palazzo Bianco) in äußerster Reduktion des Themas getan hat. Der Eindruck der Zeitlosigkeit des Geschehens in unserem Bild verstärkt sich angesichts der weiten Landschaft mit den im blauen Licht des Abends verdämmernden Bergkuppen. Svea Janzen | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010SIGNATUR / INSCHRIFT: mulier ecce filius tuus_______________________________________________________________Gerard David was born in the Dutch city of Oudewater. In 1484 he moved to Brugge where, with a few interruptions, he lived and worked until his death. David’s work forms a link between the 15th-century Netherlandish masters and the new line taken in the Renaissance. His works have a quiet monumental quality and a clear arrangement of figures, who relate in an innovative way to the space that surrounds them. In this respect David’s work represents a crucial stage on the way towards uniform painterly control over the pictorial space. This scene of Christ on the Cross dates from the artist’s late period. The colouring, dominated by notes of green and blue, is strangely cool and reticent, although extremely refined in its nuanced gradations. The events of the picture are portrayed both succinctly and plainly, corresponding with the consistently uniform colouring, which creates a strongly atmospheric effect. | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012