Logo

Christus vor Pilatus

Ident. Nr.: 1847

ObjID: obj:862574

Details (expert)

Involved
Ausführung: Meister L Cz (vor 1480),
Maler*in
Dating
Ausführung: um 1480
Additional titles
Collection title: Christus vor Pilatus
Translation: Christ in front of Pilate
Geographical references
Material / Technique
Kiefernholz
Dimensions
Tafelmaß: 79,2 x 60,6 cm

Object Description

Die Tafel gehörte zu einem Retabel, dessen Teile heute über verschiedene Sammlungen verteilt sind. Sie befanden sich im 19. Jahrhundert im Besitz von Dr. Hugo Strache in Dornbach bei Wien. Davon leitet sich die Bezeichnung Strache-Altar ab. Der anonyme Künstler wird deshalb in der älteren Literatur Meister des Strache-Altars genannt. Erst später erkannte man den Zusammenhang mit Kupferstichen aus der Zeit von 1492 bis 1497, die »LCz« signiert sind. Durch seine Werke kann der Künstler nach Oberfranken lokalisiert werden. Eine Kreuzigung Christi aus dem Jahre 1485 in Nürnberg (Germanisches Nationalmuseum) zeigt im Hintergrund die Ansicht Bambergs als Hinweis auf die Herkunft des Meisters. Die neuere Forschung tendiert dazu, ihn mit dem 1505 in Bamberg bezeugten Maler Lorenz Katzheimer zu identifizieren. Es darf angenommen werden, daß der Meister seine Ausbildung in Nürnberg erhalten hat. Eine Reise in die Niederlande und die Kenntnis oberrheinischer Malerei kann aus seinem Werk erschlossen werden. Aufgrund der leuchtenden, reich differenzierten Farbgebung und der dramatischen Erzählweise gehört der Meister zu den kraftvollsten Künstlerpersönlichkeiten Frankens vor Albrecht Dürer. Der Strache-Altar kann wie folgt rekonstruiert werden. Die Mitteltafel des Retabels bildete die Darstellung Christus im Gebet am Ölberg (Darmstadt, Hessisches Landesmuseum). Die beiden Flügel zeigten auf den Innenseiten je zwei Szenen übereinander; links oben Christus vor Pilatus (Gemäldegalerie, Staatl. Museen zu Berlin) und darunter die Kreuztragung Christi (Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum) sowie rechts oben die Geißelung Christi (Paris, Musée du Louvre) und darunter die Kreuzigung Christi (Privatbesitz). Vermutlich gehörten die beiden Tafeln mit dem heiligen Jakobus (Sigmaringen, Fürstlich Hohenzollernsches Museum) und dem heiligen Laurentius (Darmstadt, Hessisches Landesmuseum) als Standflügel zum gleichen Altarretabel. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
____________________________________________________________

The panel belonged to an altarpiece whose different parts are now distributed over several collections. During the 19th century, they were in the possession of Dr. Hugo Strache in Dornbach near Vienna. Hence the name Strache Altarpiece.
The anonymous artist is therefore referred to in the older literature as “Master of the Strache Altarpiece”. Only later, art historians recognised the connection with a group of etchings signed “LCz” from the period 1492 to 1497. The artist’s oeuvre locates him in Upper Franconia. A Crucifixion in Nuremberg (Germanisches Nationalmuseum) dated 1485 shows a view of the Upper Franconian city of Bamberg in the background. More recent research tends to identify him with the painter Lorenz Katzheimer recorded as having worked in Bamberg in 1505.

It can be assumed that the master received his training in Nuremberg. His work also leads us to conclude that he travelled to the Netherlands and was familiar with painting from the Upper Rhine. His use of luminous, highly nuanced colours and his dramatic narratives make him one of the strongest artistic personalities in Franconia prior to Albrecht Dürer.

The Strache Altarpiece can be reconstructed as follows (fig. below): The depiction of Christ Praying on the Mount of Olives (Darmstadt, Hessisches Landesmuseum) forms the middle panel of the altarpiece. The inner sides of the two wings each show two scenes arranged one above the other: at top left Christ before Pilate (Gemäldegalerie) and below it Christ Carrying the Cross (Nuremberg,
Germanisches Nationalmuseum); at top right the Flagellation of Christ (Paris, Musée du Louvre) and below it the Crucifixion (private collection). The two panels showing Saint James (Sigmaringen, Fürstlich Hohenzollernsches Museum) and Saint Lawrence (Darmstadt, Hessisches Landesmuseum) were probably part of the same altar as the fixed wings. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 30.06.2026

Contact

Institution:

Gemäldegalerie

Additional items from the collections

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)

Allegorie des Wohlstands im Gefolge fürstlicher Pracht

Allegorie des Wohlstands im Gefolge fürstlicher Pracht

Das Bild zeigt einen Ausblick in ein weites Tal. Links vorne, aus Buschwerk emporwachsend, erhebt sich ein türmereicher Palast. Eine weitläufige, geschwungene Treppe führt zu einer arenaartig eingefassten Terrasse, die dem Bauwerk vorgelagert ist. Die Architektur des Palastes ist recht eigenartig. Mächtige Türme unterschiedlicher Form bilden die Ecken des Gebäudes. Dazwischen spannen sich Gebäudeflügel und Kolonnaden. Im unteren Teil wirkt der Bau wie eine Festung aus grobem Mauerwerk, an den Ecken mit Quadern verstärkt und nur durch schießschartenähnliche Öffnungen durchbrochen. In den oberen Geschossen bietet die Architektur ein völlig anderes Bild mit von Balustraden umzogenen Balkonen, loggienartigen Bogenstellungen und gekuppelten Fenstern, die von weiteren Bogen überfangen sind. Die Türme enden in tempelartigen Aufbauten mit Laternen. In den oberen Stockwerken scheint sich das Bauwerk ganz der Umwelt zu öffnen. Es hat den Charakter eines Lustschlosses, das, in heiterer Umgebung gelegen, der Unterhaltung seiner Bewohner dient. Diesem Charakter entspricht auch ein Teil des Geschehens, das wir im Bild erkennen. Ein reich gekleidetes Paar steigt auf der Treppe zum Palast empor. Oben wird es von einem Kavalier empfangen, der ihm aus einem großen Pokal, einem »Willkomm«, den Gast trunk darbietet. Ein zweiter Edelmann lehnt an der Balustrade und betrachtet die Szene. Die Mäntel des vornehmen Paares fließen scheinbar zu einer übergroßen Schleppe zusammen, die sich wie ein Teppich über die Treppe hinbreitet. Darauf hat sich am unteren Ende eine Gruppe von Bettlern oder fahrenden Leuten niedergelassen. Der Unterschied des Standes drückt sich – nicht ganz im Einklang mit den Gesetzen der Perspektive - auch im Größenmaßstab der Figuren aus. Nach rechts hin schließt ein Hain von Bäumen das Bild ab. Im Mittelgrund wird der Blick durch eine reich gestaltete Landschaft geführt. Auf Hügeln erheben sich Burgen, weiter im Tal breiten sich Städte mit Palästen und Türmen aus. Die Bogen einer Brücke überspannen in der Ferne einen Fluss, an dessen Ufer sich Gebäude reihen. Weiter dem Horizont zu steigt eine Kette blauer Berge auf, an deren Hänge sich Burgen und Dörfer schmiegen. Nach rechts hin spannt sich ein See, dessen Ufer in der blauen Weite des Horizonts verdämmern. Anmutig und heiter wirkt diese Landschaft. Was die Darstellung besagen soll, ist nicht mit Gewissheit geklärt. Der allegorische Sinn des Bildes liegt offenbar in dem Gegensatz zwischen dem prunkenden Reichtum des Paares, das zum Schlosse zieht, und der Armut der Bettler, die sich auf der Schleppe niedergelassen haben. An der Schleppe der Reichen hängt die Armut, und die Not wohnt an den Schwellen der Schlösser. Der sprichwörtliche Titel, der Bettel sitzt der Hoffart auf der Schleppe, der dem Bild erst später beigelegt wurde, faßt diesen Sinn in Worte. Wesentlicher Ausdruck des Bildes ist der einer heiteren Unwirklichkeit. Auch die Architektur des Palastes ist nicht real, eher verkörpert sie architektonische Träume. Das wird deutlich, wenn man sich den Bau vorzustellen versucht. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Altdorfer selbst Baumeister war. Anregungen zu solchen Architekturbildern entnahm er, das lässt sich nachweisen, graphischen Vorlagen. Unter seinen Händen verwandeln sich die nüchternen Stiche in Erscheinungen einer Märchenwelt. Traumhaft wie die Architektur ist auch die Welt, auf die wir blicken. Der Reiz liegt vor allem in der Wiedergabe der lichterfüllten, durchsonnten Landschaft mit blühenden und grünenden Bäumen und Büschen. Die Figuren im Bild leuchten wie Edelsteine und sind trotzdem ganz in die umgebende Landschaft eingebunden. Mäntel und Schleppe des Paares erscheinen wie die Fortsetzung der Treppe und der Terrasse. Figuren und Umwelt werden zu einer Einheit verschmolzen. Die heitere Zuständlichkeit der Landschaft, die sich vor dem Auge wie eine Weltlandschaft ausbreitet, erscheint dabei eigentümlich bewegt und von geheimnisvollem Leben durchpulst.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts unten auf einem Baumstamm: 1531 / AA (verbunden)_____________________________________________________________________________A richly dressed nobleman and his wife are walking up steps to the terrace of a palace. There a cavalier is waiting for them with a magnificent goblet from which to toast their arrival. A family of beggars has settled down on the end of the long train, and the noble couple are unwittingly pulling them along behind. The title of the picture vividly captures the core of the allegory, which could also be slightly altered as “Pride Goeth Before a Fall”.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012