Logo

Ugolino Martelli

Ident. Nr.: 338A

ObjID: obj:862782

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Agnolo Bronzino (1503 - 1572),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: 1540
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Ugolino Martelli
Translation: Portrait of Ugolino Martelli
Geographical references
Herstellungsort: Italien,
Land
Material / Technique
Pappelholz
Dimensions
Bildmaß: 101,8 x 85,1 cm
Acquisition
1877/78 Ankauf aus der Sammlung Principe Ferdinando Strozzi, Palazzo Strozzi, Florenz

Object Description

Bronzino, von 1522 bis 1526 Schüler von Pontormo und noch in den 30er Jahren sein Mitarbeiter, seit 1539/40 Hofmaler des Herzogs Cosimo I. de’ Medici, war wohl der bedeutendste Porträtmaler des Florentiner Manierismus. Nach der Belagerung von Florenz durch die kaiserlichen Truppen ging er für eineinhalb Jahre (1530-32) an den Hof des Herzogs von Urbino. Die Florentiner Jahre, die zwischen seiner Rückkehr 1532 und der Machtübernahme Cosimos 1537 bzw. dessen Heirat mit Eleonora von Toledo 1539 liegen, bilden eine Phase des Übergangs und der Konsolidierung seiner Stellung und Karriere.

Im Gegensatz zu den Angaben Vasaris, der eine ganze Reihe von Porträts erwähnt, die in diesen Jahren entstanden, sind nur relativ wenige davon erhalten. Die meisten verdanken sich seiner schon in den späten 20er Jahren begründeten Freundschaft mit dem Literaten und Philosophen Benedetto Varchi, zu dessen Kreis sich Bronzino als Dichter von Sonetten hingezogen fühlte. Zu den bedeutendsten dieser Porträts gehört das Bildnis des jungen Ugolino Martelli (1519-1592), Sohn des Luigi di Luigi Martelli und der Margherita Soderini, den Bronzino im Alter von etwa achtzehn Jahren um 1536/37 in Florenz porträtierte, kurz bevor er Varchi 1537 ins Exil nach Padua folgte, wo er bis 1542 blieb, studierte und bei Varchi wohnte. Dieser machte ihn mit dem berühmten, in Padua lebenden Dichter Monsignor Pietro Bembo bekannt, mit dem er schon von Florenz aus korrespondiert hatte und der im Sprachenstreit jener Jahre für den Gebrauch des Volgare in der Dichtkunst eintrat.

Ugolino beschäftigte sich mit Philosophie, Poetik, Rhetorik und vor allem mit Sprachen – Griechisch, Lateinisch und der Volkssprache der Toskana, dem Volgare. Er schrieb Sonette, und schon 1537 zählte Pietro Aretino ihn zu den berühmtesten Gelehrten und Dichtern Italiens. Im gleichen Jahr erwarb er sich die Wertschätzung und Freundschaft Annibale Caros. In Padua spielte er eine wichtige Rolle in der 1540 gegründeten Accademia degli Infiammati. Von seinen Eltern war er für die geistliche Laufbahn bestimmt und wurde später Bischof von Glandèves in Südfrankreich.

In ein hoch geschlossenes grauschwarzes Gewand mit engen, geschlitzten Beinkleidern gekleidet, ein flaches schwarzes Barett tragend, sitzt Ugolino im Hofe des väterlichen, von Domenico d’Agnolo erbauten Palastes neben einem Steintisch, dessen zur Seite gerafftes grünes Tischtuch die rosafarbene Tischplatte freigibt, unter der die Formen eines Greifen sichtbar sind, des Wappentiers der Familie. Auf dem Tisch liegt aufgeschlagen ein Buch mit Auszügen aus dem neunten Gesang der Ilias des Homer, ganz links am Rand und von diesem überschnitten ein geschlossenes Buch, eine Virgilausgabe, wie die Buchstaben (Publius Vergilius) »MARO« verdeutlichen. Mit der linken Hand hält er lässig auf den Knien ein blau gebundenes Buch, das durch die Inschrift »m. P. BEMBO« als Werk des schon erwähnten zeitgenössischen Dichters ausgewiesen ist. Die von Antonio oder Bernardo Rossellino geschaffene Marmorstatue des David Martelli, die ehemals als Werk Donatellos galt, befindet sich heute in Washington (National Gallery of Art). Wie das Röntgenbild zeigt, war sie in Bronzinos Bild ursprünglich sehr viel größer angelegt und auch ausgeführt.

Die Haltung des neben dem Tisch sitzenden, aber mit den Beinen vom Tisch abgewandten, durch eine Drehung des Oberkörpers ins Frontale gewendeten Jünglings ist eine höchst artifizielle, stilisierte Pose, die vor allem von Porträts Pontormos und Andrea del Sartos angeregt wurde. Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Kante der Tischplatte: BRONZO FIORENTINO; auf dem Tisch links am Buchschnitt: (PVBLIVS VERGILIVS) MARO; im aufgeschlagenen Buch in griechischer Schrift der Beginn des 9. Gesangs von Homers Ilias. Auf dem Einband des Buchs in der Linken Martellis: M.P./BEMBO
_____________________________

Bronzino, who studied with Pontormo from 1522 until 1526 and remained his assistant well into the 1530s, since 1539/40 court painter of Cosimo I de’ Medici, was probably the most important portrait painter of Florentine Mannerism. After the siege of Florence by imperial troops, he spent a year and a half (1530–32) at the court of the Duke of Urbino. The Florentine years – which ran from his return in 1532 and Cosimo’s assumption of power in 1537 and his marriage to Eleonora of Toledo in 1539 – represented a phase of transition, and saw the consolidation of his position and career.

Although Vasari tells us that Bronzino produced an extensive series of portraits during this period, relatively few have survived. Most of these are owed to his friendship, inaugurated in the late 1520s, with the literary figure and philosopher Benedetto Varchi, toward whose circle Bronzino – as a composer of sonnets – felt drawn. Among the most important portraits is a likeness of the young Ugolino Martelli (1519–92), the son of Luigi di Luigi Martelli and Margherita Soderini, who Bronzino portrayed in Florence around 1536–37 at an age of approximately 18 years, shortly before Ugolino followed Varchi into exile in Padua in 1537, where he remained until 1542, studying and living with Varchi. Through Varchi, Ugolino became acquainted with the celebrated poet Monsignor Pietro Bembo, then living in Padua, with whom he had already corresponded from Florence, and who – in the context of the language dispute of those years – advocated the use of the volgare (vernacular) in the art of poetry.

Ugolino was preoccupied with philosophy, poetics, rhetoric, and in particular languages – Greek, Latin, and the vernacular tongue of Tuscany, the volgare. He composed sonnets, and was regarded by Pietro Aretino as early as 1537 to be one of the most celebrated savants and poets in all of Italy. That same year, he also earned the esteem and friendship of Annibale Caro. In Padua, he played an important role in the Accademia degli Infiammati, founded in 1540. His parents planned an ecclesiastical career for him, and he later became the Bishop of Glandèves in southern France.

Wearing a high-necked, grey-black garment with tightfitting, slit trousers, along with a flat black beret, Ugolino is seated next to a stone table in the courtyard of his father’s palace, built by Domenico d’Agnolo; the green tablecloth has been shifted to one side, exposing the pink tabletop, below which the figure of a griffon – the family’s heraldic animal – is visible. Lying open on the table is a volume containing excerpts from the ninth book of Homer’s Iliad; at the far left, cut off by the edge of the picture, is a closed book, an edition of Virgil (Publius Vergilius Maro), as indicated by the letters “MARO”. Held casually on his knee with his left hand is a blue-bound book, whose inscription – “m. P. BEMBO” – identifies it as a work of the above-mentioned contemporary poet. The marble statue of David, the work of either Antonio or Bernardo Rossellino, and formerly attributed to Donatello, is found today in the National Gallery of Art in Washington D. C. X-ray images have revealed that originally, it was planned and executed out in larger dimensions in this portrait by Bronzino.

The attitude and pose of this young man, who sits alongside a table with his legs turned away from it, rotating his upper body to face the viewer frontally, are highly artificial and stylized in a way that would have been inspired in particular by the portraits of Pontormo and Andrea del Sarto. Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 26.08.2026

Contact

Institution:

Gemäldegalerie

Additional items from the collections

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

Von den bedeutenderen Meistern des Bologneser Spätmanierismus (O. Samacchini, L. Sabatini, P. Fontana) war Bartolomeo Passarotti zweifellos der fortschrittlichste, derjenige, der am deutlichsten Stilelemente der Carracci vorwegnahm. Agostino Carracci war zeitweilig sein Schüler, Annibale Carracci wurde in seiner Frühzeit stark von ihm beeinflusst. Passarotti hat in Rom bei Taddeo Zuccari gearbeitet (1551), stand aber andererseits in der Tradition des Bologneser Manierismus (Pellegrino Tibaldi) und wurde auch von Parmigianino und Niccolò dell`Abate beeinflusst. Sein Oeuvre besteht aus drei Komplexen: Altarbilder, Porträts und Genrebilder. Die Altarbilder befinden sich ausnahmslos noch am Ort, in Kirchen Bolognas und der Emilia sowie im Museum von Bologna. Besonders berühmt war Passarotti als Porträtmaler. Seine weit verbreiteten und gelegentlich auf dem Markt vorkommenden Porträts bildeten die unmittelbare Vorstufe für die Porträtkunst der Carracci.Auch die kleinste Werkgruppe, die der Genrebilder, wurde für die Carracci vorbildlich. So galt das Berliner Bild der "Schachspieler", das 1971 dem Ludovico Carracci zuerkannt wurde, lange als Werk Passarottis (A. Venturi, 1933). Zu der kleinen Gruppe der Genrebilder Passarottis gehört das vorliegende, aus dem Londoner Kunsthandel angebotene Bild einer halb stilllebenhaft, halb porträthaft (in Dreiviertelfiguren) gefassten Marktszene: eine alte Marktfrau, die mit Geflügel und Gemüse handelt, preist ihre Hühner an. Mit beiden Armen hat sie eine Henne und einen Hahn gepackt und hält sie dem Betrachter als ideellem Käufer entgegen, ihn anblickend, den sprechend geöffneten Mund zu einem leichten Lächeln verzogen. Sie lehnt mit dem rechten Arm auf den hölzernen Hühnerkäfig, auf dem links hinten ein Hahn thront. Im Hintergrund ferner eine Stange, an der, mit einem Band befestigt, ein Schild hängt, auf dem der Buchstabe P (= Pollaiolo [Geflügel-Verkäufer], aber wohl auch das Monogramm des Künstlers) steht. In der rechten Bildhälfte sieht man eine bildeinwärts gerichtete junge Frau mit ihrem Jungen. Es bleibt unklar, ob sie eine Kundin oder eine zweite Verkäuferin ist. Das Halsband aus roten Steinen und der relativ aufwendige, schleierartige Überhang deuten wohl eher auf eine Kundin hin. Ihr verlorener Blick aus den Augenwinkeln geht am Betrachter vorbei. Sie schmiegt ihr Kind mit dem linken Arm an sich (sie greift in sein Haar), vielleicht will sie den Jungen, der gerade mit der Hand nach einem Kürbis greift, zurückhalten. Im Vordergrund unten ein Korb (oder eine Karre) prallgefüllt mit Zwiebeln und Kürbissen.Die Figuren und der stilllebenhaft arrangierte Kürbishaufen sind eng ins Bildfeld eingepasst. Figuren und Formen, ganz in der vordersten Bildebene platziert, vermitteln den Eindruck bedrängender Nähe und handgreiflicher Wirklichkeit. Dieser Eindruck wird unterstrichen durch die pastose Malweise, die freie, lockere Pinselschrift, eine Faktur, die, zusammen mit der Art der Gewandbehandlung und der Modellierung, vor allem aber der Farbigkeit, ganz unmittelbar auf die wenige Jahre später entstandenen Genrebilder Annibale Carraccis (Schlachterladen in Oxford, Bohnenesser in Rom, Gal. Colonna) vorausweist. Annibale Carracci hat in seinen Genrebildern, die alle in die Frühzeit fallen, mit dem gleichen Realismus, der gleichen Naturbeobachtung gearbeitet. Gleichwohl würde man die Bilder als lediglich realistische Markstücke im Sinne des 19. Jahrhunderts missverstehen. Im vorliegenden Bild ist offenbar eine Anspielung auf die drei Lebensalter mit gemeint, außerdem hat die neuere Forschung in den Genrestücken Passarottis und Carraccis Bezüge zur Commedia dell`arte gesehen (letztlich auf Aristoteles' Poetik fußend; vgl. B. Wind, Pitture ridicole: Some Late Cinquecento Comic Genre Paintings, in: "Storia dell'Arte", 20, 1974; ders., Annibale Carracci's "Scherzo": The Christ Church Butcher Shop, in: "The Art Bulletin" 1976). So wie Passarottis Genrebilder einerseits auf die Carracci vorausweisen, fußen sie andererseits auf niederländischen Vorbildern, vor allem von Aertsen und Beuckelaer (vgl. H. Bodmer, Die Kunst des Bartolomeo Passerotti, in: "Belvedere" 1938).Das vorliegende Werk war bis zur Erwerbung unpubliziert. Seine Komposition war jedoch aus einer qualitativ unterlegenen Werkstattreplik bekannt, die Daniele Benati (Una 'Lucrezia' e altre proposte per Bartolomeo Passerotti, in: "Paragone" 379, 1981) publiziert hat. Benati datiert das vorliegende Original in die späten siebziger bzw. frühen achtziger Jahre. Es gibt außer diesem Bild nur noch fünf vollwertige Genrebilder Passarottis, von denen drei Bilder (alle querformatig) dem vorliegenden stilistisch und ikonographisch engstens verwandt sind: "Zwei Fischverkäufer" und "Zwei Schlachter" in Rom, Galleria Nazionale d'Arte Antica (ehemals Slg. Messinger, München) und "Zwei Geflügelverkäuferinnen" (Florenz, Stiftung Longhi, ehemals Berlin, C. Benedict). Diese drei Bilder sind in einem Inventar der Slg. der Marchesi Mattei (Rom) von 1614 zusammen mit einem vierten aufgeführt, das zwei Geflügelverkäuferinnen mit einem Kind darstellt. Es läge nahe, das vorliegende Bild mit dem vierten Bild zu identifizieren, wenn nicht das andersartige Hochformat dagegen spräche. Die Verbindung von derber Drastik des Motivs, von zupackendem Realismus mit malerischer Kultur der Ausführung ist das Charakteristische dieses und der anderen Genrebilder Passarottis. Zugleich ist das Bild ein frühes und bedeutendes Beispiel der für Italien auch im frühen 17. Jahrhundert wichtigen Bildform eines vegetabilen Stilllebens (Gemüse, Früchte, Blumen) mit begleitenden Figuren. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf dem Ladenschild oben: P

Ansicht von Nijmegen

Ansicht von Nijmegen

Rechts über dem Ufer der Waal erhebt sich die Stadt Nijmegen mit dem charakteristischen viereckigen Turm des Valkenhofs. Stadtansichten nehmen im OEuvre van Goyens einen breiten Raum ein, wobei der viel gereiste Künstler sich motivisch auf seine Skizzenbücher stützen konnte. Trotzdem erheben seine äußerst naturgetreu anmutenden Schilderungen keinen Anspruch auf topografische Exaktheit. Der Raum wird perspektivisch durch den diagonal in die Bildtiefe verlaufenden Fluss erschlossen, ein für Goyen typisches Konstruktionsprinzip. Zusammengehalten wird die Komposition durch die atmosphärische, auf Gelb-, Braun- und Grüntönen basierende Farbigkeit. Ebenso wird der Schilderung des Himmels große Aufmerksamkeit geschenkt.| Prestel-Museumsführer - Gemäldegalerie Berlin, 2017SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. an der Fähre: vGOYEN 1649________________________________________________________________________________________________________________________________________The town of Nijmegen with the landmark square tower of the Valkenhof rises above the right bank of the Waal. Town views are a major theme in van Goyen’s work; he travelled a great deal, and was able to rely on his sketch-books for material. Nevertheless, though his pictures seem extremely lifelike, they make no claims to topographical precision. The space is opened up in terms of perspective by the river, which runs diagonally into the depths of the picture, a typical structural principle for van Goyen. The composition is held together by the atmospheric colouring, based on shades of yellow, brown and green. A great deal of attention is also paid to the presentation of the sky.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Lustige Gesellschaft auf einer Terrasse

Lustige Gesellschaft auf einer Terrasse

Der aus Südtirol stammende, in den 1720er und 1730er Jahren an der Wiener Akademie ausgebildete und dort arbeitende Johann Georg Platzer orientierte sich an den Antwerpener Kleinmeistern des 17. Jahrhunderts sowie an der Pariser Malerei des 18. Jahrhunderts. Er schuf vorrangig Feinmalereien auf Kupfer, bei denen es sich häufig um beliebte Objekte für anspruchsvolle Kunstkammern handelte. Dazu muss auch das wohl in die Wiener Zeit zu datierende Berliner Gemälde gezählt werden. Es ist ein typisches Beispiel für Platzers in leuchtenden Farben mit feinem Pinsel auf dünner Grundierung ausgeführte Gesellschaftsstücke mit ihren dicht gefüllten Bildräumen.Eine heitere Gesellschaft bevölkert einen durch die Staffageearchitektur rechts und den Brunnen links begrenzten Garten. Links im Vordergrund reicht ein sitzender junger Kavalier  das eben gefüllte Weinglas der neben ihm stehenden Dame, die einen auffälligen, aus einem Blumenkranz, einer Feder und einem transparenten Schleier bestehenden Kopfputz trägt. Ein Knabe bietet dem Paar Früchte in einer reich verzierten Schale dar. Insbesondere die aufgeschnittene Melone verdeutlicht die darin enthaltene Einladung zum sinnlich erotischen Genuss. Hinter der Stuhllehne erhebt ein weiterer Mann scheinbar mahnend den Zeigefinger. Beobachtet wird dieses Geschehen von zwei im zentralen Bogen der Gartenarchitektur stehenden Männern.Frisuren und Kostüme sind nicht zeitgenössisch, sondern scheinen sich an solche der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts anzulehnen. Mit seinem Berliner Bild verweist Platzer auf Genrebilder mit musizierenden, tanzenden und trinkenden Paaren im Freien vor allem der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts (zum Beispiel Rubens' "Liebesgarten" im Prado, Madrid). Mit diesem in seinem Werk regelmäßig auftretenden inhaltlichen und formalen Rückbezug auf eine frühere Blütezeit der Malerei apelliert der Künstler an den Geschmack einer Sammlerschicht, die mit der Bildsprache dieser Vorbilder vertraut war.In Format und Bildaufbau offenbart das Berliner Bild enge Verwandtschaft zu den ebenfalls in die Wiener Zeit zu rechnenden Pendants "Allegorie des Gehörs" und "Allegorie des Geschmacks" (Graz, Alte Galerie am Landesmusem Joanneum). Zudem ähneln Kleid und Kopfputz der Frauenfigur jenen einer ebenfalls in Graz bewahrten "Tamburinschlägerin mit Flöte spielendem Kavalier". Krapf (2014) ordnet die angeführten Werke innerhalb Platzers Werk in die Gruppe der frühen Konversationsstücke ein.