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Kreuzigungsretabel aus Soest

Ident. Nr.: 1216A

ObjID: obj:862977

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Unbekannt,
Maler*in
Date(s)
Ausführung: um 1240
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Kreuzigungsretabel aus Soest
Translation: Crucifixion retable from Soest
Geographical references
Entstehungsort stilistisch: Westfalen,
Region
Material / Technique
Pergament auf Eichenholz
Dimensions
Bildmaß: 86 x 195,5 cm
Acquisition
1862 Erworben als Gegenleistung für die Restaurierung dreier Altäre, St. Maria zur Wiese, Soest

Object Description

In der Wiesenkirche in Soest in Westfalen wurden 1862 zwei Altaraufsätze des 13. Jahrhunderts entdeckt, die zu den Inkunabeln der deutschen Tafelmalerei zählen. Beide Tafeln sind älter als die Wiesenkirche. Sie müssen daher aus einem Vorgängerbau oder aus einer anderen Kirche dahin übertragen worden sein. Die ältere der beiden Tafeln, eines der frühesten Altarretabel Deutschlands überhaupt, ist etwa um 1240 gemalt worden. Die jüngere ist wohl zwanzig Jahre später entstanden.
Das frühere Werk ist eine breitrechteckige Tafel mit drei Bildfeldern. Das Bildprogramm behandelt die Bedeutung des Opfers Christi. Die Darstellung des Kreuzes mit dem übergroßen Leib Christi beherrscht die Mitte. Nur wenige Personen wohnen dem Ereignis bei. Links, auf der guten Seite, wohin Christus sein Haupt neigt, steht Maria mit den frommen Frauen und Johannes. Auf der rechten Seite, von der Christus sich abwendet, steht der römische Hauptmann mit seinen Soldaten und Zuschauer. Darüber, auf einer Art Brüstung, gleichsam auf einer höheren Ebene, erscheint links ein Engel mit der Ecclesia, der Verkörperung der christlichen Kirche. Mit einem Kelch fängt diese das Blut aus der Seitenwunde Christi auf und empfängt so Sakrament und Gnadenmittel der Kirche. Auf der gegenüberliegenden Seite rechts vertreibt ein Engel die Synagoge, die Personifikation des Alten Testaments, des Alten Bundes und des Judentums. Die Synagoge verliert ihre Krone zum Zeichen des Verlustes ihrer Herrschaft. Über dem Querbalken des Kreuzes öffnet sich eine weitere Sphäre, in der die Chöre der Engel schweben. Im linken Bildfeld wird Christus gefesselt vor die Hohepriester zum Verhör geführt. Kaiphas, der mit einem anderen Priester an einem Tisch sitzt, fragt ihn: »Wie lange willst Du uns noch hinhalten? Bist Du Christus, so sag es uns öffentlich. « Im Hintergrund, nur zeichenhaft angedeutet, erscheinen die Mauern und Zinnen der Stadt Jerusalem.
Das rechte Bildfeld zeigt Maria und ihre Begleiterinnen vor der Grabeshöhle, in der nur das Grablinnen zurückblieb. Ein Engel sitzt auf einem altarartigen Stein und weist mit großer Gebärde auf das leere Grab. Das bedeutet, Christus ist nicht mehr hier, er ist auferstanden. Rechts unten schlafen die römischen Grabwächter.
Das Programm wird mit dem Verhör Christi vor dem Hohepriester Kaiphas eröffnet. Christus steht von den Seinen verlassen vor seinen Anklägern. Diese Szene ist wohl als Beginn der Passion aufzufassen.
Der Kruzifixus in der mittleren Darstellung ist eingefasst von Ecclesia und Synagoge. Sieg und Aufstieg der einen und Niederlage und Abstieg der anderen bezeichnet die Bedeutung dieses heilsgeschichtlichen Ereignisses. In den Ecken der Bildfelder sind Halbfiguren von Propheten mit Schriftbändern angeordnet. Die Textstellen beziehen sich auf das Erscheinen des Messias, das mit Leben und Tod Christi erfüllt wurde. In den Propheten wie in Ecclesia und Synagoge wird so die Übereinstimmung des Alten und des Neuen Testaments sichtbar und die Fortdauer des Bundes mit Gott bestätigt. Die Schrift ist erfüllt worden.
Die Szene vor dem leeren Grab bezeugt die Auferstehung Christi von den Toten und macht die christliche Verheißung von der Überwindung des Todes anschaulich. Die einzelnen Darstellungen und ihre Elemente bilden zusammen ein sinnvolles Ganzes, das den Opfertod als zentrales Ereignis der Heilsgeschichte hervorhebt, das in der Messe am Altar immer wieder vergegenwärtigt wird.
Die äußere Form des Retabels erinnert in manchen Zügen noch an den Ursprung solcher Altarmalereien.
Im hohen Mittelalter war es üblich, die zu einem Altar gehörigen Reliquien von Heiligen in Schreinen auf der Altarmensa zur Schau zu stellen. Diese waren nicht selten von Gold und Silber, verziert mit edlen Steinen, Perlen und Emaillemalerei. Die frühen Retabel, die sie anscheinend ersetzten, übernahmen daher auch in Gestalt und Erscheinungsbild Elemente solcher Reliquienschreine. Der mehrfach geschweifte obere Umriss unseres Retabels ist vielleicht darauf zurückzuführen. Die Tafel und die Bildfelder sind von reliefierten Ornamentstreifen eingefasst, die von Werken der Goldschmiedekunst abzuleiten sind. Auch die Muldenform der runden Bildfelder, die den Glanz des Goldes besonders zur Geltung bringt, ist wohl von Goldschmiedearbeiten abhängig. Die Imitation fremder Techniken deutet darauf hin, dass wir es noch mit einem Beispiel aus der Frühzeit der Gattung Altarmalerei zu tun haben.
Stilistisch weist die Malerei Merkmale eines Übergangs auf. Manche Figuren tragen noch Gewanddraperien, wo Gegenstände oder Glieder mit parallelen Falten in Ovalen und Kreisen umschrieben werden. Diese an die ältere Entwicklung anschließenden Formen sind kurvig, weich und fließend. Andere, moderneren Prinzipien folgende Gewandbildungen zeigen kantige, kristalline, in splittrigen Brüchen aufgefächerte Formen, die aus der byzantinischen Tradition in die Malerei des 13. Jahrhunderts einflossen. Man nennt diese Formbildungen anschaulich Zackenstil. Unsere Tafel steht noch am Beginn dieser Stilphase. Die zweite, jüngere Tafel mit einer Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit – Gottvater, Sohn und Heiliger Geist – in Form eines Gnadenstuhls in der Mitte und Maria und Johannes, dem Evangelisten, als Fürbitter an den Seiten zeigt den Zackenstil in seiner reifsten Ausbildung. Alle Formen sind in eckige, spitze, kantige und scharfe Gebilde aufgelöst, die sich gegenseitig bedrängen und stoßen. Sie vermitteln den Eindruck von heftiger innererBewegung und großer Energie. Diese weitgehend abstrakte Übersteigerung der Stilelemente bezeichnet wohl eine Phase kurz vor dem Ende dieser Erscheinung um 1265/70. Wilhelm H. Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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In 1862, two 13th-century altarpieces that count among the incunabula of German panel painting were discovered in the Wiesenkirche in Soest in Westphalia. Both panels are older than the Wiesenkirche itself and hence must have been transferred from a previous church building or from another church. The earlier of the two panels, one of the oldest altarpieces in Germany, was painted around 1240. The
other one was probably created 20 years later (fig left). The earlier work is a broad rectangular panel with three pictorial fields. Its iconography is devoted to the theme of Christ’s sacrifice. The cross with the over-dimensioned Corpus dominates the centre of the panel. Only a few people are attending
the crucifixion. Mary with the pious women and John stand on the left, the good side, towards which Christ is inclining his head. On the right, the side from which Christ is turning away, stands the Roman centurion with his soldiers and several onlookers. Above this scene, on a kind of parapet and as if at a higher level, an angel appears on the left with Ecclesia, the embodiment of the Christian Church. Ecclesia is catching the blood from the wound in Christ’s side in a chalice and is thus receiving the holy sacrament and means of grace. Opposite her on the right, an angel is driving away Synagogue, the personification of the Old Testament, the Old Covenant and Judaism. Synagogue is losing her crown, symbolising her loss of power. At the top, above the crossbar, choirs of angels can be seen floating in a still higher sphere.

The left pictorial field shows Christ, bound, being led to the high priests for interrogation. Caiaphas, who is sitting at a table with another priest, asks him: “How long are you going to keep us waiting? If you are Christ, then tell us so publicly.” In the background, the schematic outlines of the walls and towers of the City of Jerusalem can be seen. The right pictorial field shows Mary accompanied by women standing in front of the sepulchral cave where only Christ’s shroud remains. An angel is sitting on an altar-like stone gesturing towards the empty grave. Christ is no longer there, for he has risen. At bottom right, the Romans guarding the grave are asleep.

The iconography begins with the interrogation of Christ before the high priest Caiaphas. Christ stands before his accusers abandoned by those close to him. This scene should probably be interpreted as the beginning of the Passion. The crucifix in the centre is framed by Ecclesia and Synagogue. The meaning of the crucifixion in Salvation History is signified by the victory and rise of the one and the defeat and fall of the other. Half-length portraits of prophets with text scrolls are arranged in the corners of the pictorial fields. Their texts tell of the coming of the Messiah, a prophecy fulfilled by the life and death of Christ. The depictions of the prophets, like those of Ecclesia and Synagogue, illustrate the accordance between the Old and New Testaments and confirm the continuing covenant with God. The prophecy has been fulfilled. The scene before the empty grave attests to the resurrection of Christ from the dead and is a visual illustration of the Christian promise of overcoming
death. Taken together, each of the depictions and their composite elements form a meaningful whole that highlights Christ’s sacrifice as a central event in the story of redemption repeatedly recalled during mass at the altar.

The outer form of the altarpiece in some ways recalls the origins of this type of altar painting. In the High Middle Ages it was usual to display the relics of saints belonging to an altar in shrines on the altar mensa. Often these were made of gold and silver decorated with precious stones, pearls and enamel painting. In terms of shape and appearance, the early altarpieces that apparently replaced them adopted certain elements of such relic shrines. This may explain the undulating shape of
the top of the present altar.

The relief ornamental bands framing the panel and the pictorial fields were
inspired by goldsmith’s work. The same applies to the recessed shape of the round pictorial fields, which accentuates the gold sheen particularly well. The imitation of other media and techniques suggests that this is still an early example of painted altarpieces. In terms of style, the painting suggests a period of transition. Some of the figures are still wearing draped apparel, where objects and limbs are outlined in ovals and circles with parallel folds. These curvaceous, soft, flowing forms carry on an older tradition. By contrast, the depiction of other garments follows more modern principles, using angular, crystalline forms that splinter into fragments. Originating in the Byzantine tradition and influenced by the painting of the 13th century, these formations are described rather graphically as Zackenstil or jagged style.

The present panel was painted when this style was still in its infancy. The second, later panel, showing the Holy Trinity – God the Father, the Son and the Holy Spirit – in the form of the Throne of Mercy in the centre with Mary and John the Evangelist as intercessors at the sides, is a prime example of the Zackenstil. All the forms dissolve into angular, pointed, jagged and sharp entities, which crowd into
one another. They convey an impression of intense inner movement and a great deal of energy. This largely abstract heightening of the stylistic elements was probably characteristic of a phase shortly before this phenomenon came to an end around 1265/70. Wilhelm H. Köhler | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 03.07.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Die Kreuzigung Christi

Die Kreuzigung Christi

Gerard David stammte aus den nördlichen Niederlanden, dem holländischen Oudewater. Einflüsse von Geertgen tot Sint Jans in seinen frühen Werken deuten darauf hin, daß er seine erste Ausbildung in Haarlem erhalten hat. 1484 war er nach Brügge ausgewandert, der Stadt, in der Memling als führender Meister tätig war. Hier wurde er als Mitglied und schließlich als leitender Künstler der Malerzunft vom Magistrat der Stadt mit Aufträgen bedacht. In Brügge entstanden seine Hauptwerke. Hier lebte und arbeitete er, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, bis zu seinem Tode. Für einige Zeit scheint er sich in Antwerpen aufgehalten zu haben. Darauf deutet eine Eintragung in den Registern der Antwerpener Malergilde hin, die für das Jahr 1515 die Aufnahme eines »Gheraet van Brugghe, scildere« vermeldet. Brügge hatte damals seine führende Rolle als Hafenstadt durch die Versandung des Swijn, seiner Verbindung zum Meer, eingebüßt, während Antwerpen seinen Rang als neues Handelszentrum auszubauen begann und damit zahlreichen Künstlern neue Verdienstmöglichkeiten eröffnete. Es ist denkbar, daß sich Gerard David den neuen Gegebenheiten auf Dauer nicht mehr an - passen wollte und deshalb nach Brügge zurückkehrte, wo er als der letzte herausragende Vertreter der traditionsreichen Malerei dieser Stadt großes Ansehen genoß. Das Schaffen Davids schlägt eine Brücke zwischen den niederländischen Meistern des 15. Jahrhunderts und den neuen Bestrebungen der Renaissance. Seine Werke zeichnen sich durch eine stille Monumentalität und eine klare Anordnung der plastisch wiedergegebenen Bildfiguren aus, die auf neuartige Weise mit dem sie umgebenden Raum verbunden sind. In dieser Hinsicht bezeichnet die Kunst Davids eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu einer einheitlichen malerischen Gestaltung des Bildraumes. Die Darstellung des Christus am Kreuz stammt aus der Spätzeit des Künstlers. Das Kolorit, in dem grüne und blaue Farbklänge dominieren, ist eigentümlich kühl und verhalten, dabei in den nuancenreichen Abstufungen dennoch von höchster Subtilität. Dieser konsequenten Vereinheitlichung der Farbgebung, von der eine starke atmosphärische Wirkung ausgeht, entspricht eine gleichermaßen prägnante wie durch seine Schlichtheit ergreifende Schilderung des Bildgeschehens. Auf der Höhe Golgathas erhebt sich das Kreuz Christi, dessen Querbalken in die Tiefe weisen. Mit geöffneten Augen blickt der Gekreuzigte auf die Leidtragenden zu seinen Füßen herab, auf Maria Magdalena nahe dem Kreuzesstamm, auf Maria, die von Johannes gestützt wird, und auf Maria Salome und Maria Jacobi. Mit den Worten »mulier ecce filius tuus« (Weib, siehe, das ist dein Sohn; Johannes 19, 26) empfiehlt er seine Mutter der Fürsorge seines Lieblingsjüngers. Die verhaltene Trauer der Angehörigen scheint sich auf den Hauptmann und seine Soldaten übertragen zu haben, die still zur Seite getreten sind und sich beraten. Im Hintergrund erkennt man Kriegsknechte, die Golgatha bereits verlassen haben und Jerusalem zustreben. Daran zeigt sich, daß kein bestimmter Augenblick des Geschehens gestaltet ist, sondern daß es dem Künstler darauf ankam, uns dessen zeitlose Bedeutung vor Augen zu führen, wie er es wenig später in dem eindrucksvollen Golgathabild (Genua, Palazzo Bianco) in äußerster Reduktion des Themas getan hat. Der Eindruck der Zeitlosigkeit des Geschehens in unserem Bild verstärkt sich angesichts der weiten Landschaft mit den im blauen Licht des Abends verdämmernden Bergkuppen. Svea Janzen | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010SIGNATUR / INSCHRIFT: mulier ecce filius tuus_______________________________________________________________Gerard David was born in the Dutch city of Oudewater. In 1484 he moved to Brugge where, with a few interruptions, he lived and worked until his death. David’s work forms a link between the 15th-century Netherlandish masters and the new line taken in the Renaissance. His works have a quiet monumental quality and a clear arrangement of figures, who relate in an innovative way to the space that surrounds them. In this respect David’s work represents a crucial stage on the way towards uniform painterly control over the pictorial space. This scene of Christ on the Cross dates from the artist’s late period. The colouring, dominated by notes of green and blue, is strangely cool and reticent, although extremely refined in its nuanced gradations. The events of the picture are portrayed both succinctly and plainly, corresponding with the consistently uniform colouring, which creates a strongly atmospheric effect. | Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2012

Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste

Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste

Das kleine Täfelchen zeigt den Propheten Elias eingeschlafen unter einem Baum. Die Darstellung bezieht sich auf eine in der Bibel erzählte Episode, in der die Flucht des Elias vor der ihm angedrohten Rache für die Ermordung der Propheten des Baal geschildert wird (1. Könige 19,1–8). Ein Engel hat sich über Elias gebeugt. Er versucht, ihn mit einer zarten Berührung an der Schulter zu wecken. Mit dem Zeigefinger seiner Rechten weist er auf einen Laib Brot und einen mit Wasser gefüllten Krug, die neben der herabgesunkenen Hand des Propheten stehen. Alle drei Elemente sind in helles Licht getaucht. Das rosafarbene Gewand des Engels, die blonden Haare seines gesenkten Hauptes sowie die weit ausladenden Flügel mit den schwarzen und weißen Federn sind mit pastos aufgetragenen Pinselstrichen ausgeführt. Die Rinde des kräftigen, die linke Bildhälfte begrenzenden Baumes und das Gestrüpp am Boden sind mit dicken Farbtupfern modelliert.Maltechnische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich inmitten des Baumstammes einst ein Schlüsselloch befand. In der Röntgenaufnahme sind an der rechten Seite der Tafel zudem zwei Scharniere zu erkennen. Die Ausführung auf Holz und das kleine Format sind demzufolge auf die Funktion des Gemäldes als Türchen zurückzuführen. Da die im Alten Testament geschilderte Speisung des Propheten Elias mit Wasser und Brot eine häufig verwendete Präfiguration für das Abendmahl darstellt, fungierte die Tafel mit großer Wahrscheinlichkeit als Verschluss eines Tabernakels, das zur Aufbewahrung der Hostien und des Abendmahlkelchs diente. In Spanien sind derartige mit bildlichen Darstellungen versehene Türchen in zahlreichen Predellenzonen von Altarretabeln des 17. Jahrhunderts nachweisbar. Zudem lassen die Röntgenaufnahmen darauf schließen, dass die Tafel einst einige Zentimeter höher war und ein länglicheres Format aufwies.Auf Grund der überaus lockeren, an die venezianische Malerei erinnernden Malweise wurde das Bild, das vormals als Werk Domenico Fettis galt, von Giuseppe Fiocco in das Oeuvre von Francesco Maffei eingeordnet. 1970 wurde es von José Roge lío Buendía auf Grund stilistischer Erwägungen schließlich dem in Madrid tätigen Maler Juan Antonio de Frías y Escalante zugeschrieben. Bei dem abgebildeten Tonkrug handelt es sich seiner Meinung nach zudem um ein Modell, wie es in dem bei Madrid gelegenen Städtchen Talavera de la Reina produziert wird. Für eine Verbindung des Gemäldes mit Spanien spricht ferner die Existenz einer vorbereitenden Zeichnung in der Nationalbibliothek in Madrid, die die zentralen Elemente der Komposition wiedergibt, sowie die Provenienz aus der Sammlung Suermondt, zu der zahlreiche Werke zählten, die der preußische Offizier Andreas von Schepeler während seiner Tätigkeit in Madrid zwischen 1815 und 1823 erworben hatte.Von 1667 bis 1668 hatte Escalante einen 18 Leinwandgemälde umfassenden Zyklus mit alttestamentlichen Präfigurationen der Eucharistie für die Ausstattung der Sakristei des im 19. Jahrhundert zerstörten Convento de la Merced Calzada in Madrid ausgeführt, darunter auch eine Darstellung von Elias und dem Engel, die heute im Museo del Prado aufbewahrt wird. Auch wenn sich Paola Rossi 1991 nochmals für eine Zuschreibung des Berliner Bildes an Francesco Maffei aussprach, so machen die genannten Argumente dennoch plausibel, dass das Gemälde erstens von Escalante geschaffen wurde und zweitens zur Ausstattung des genannten Konvents gehörte, der sich ehemals auf dem heute nach Tirso de Molina benannten Platz in Madrid befand. Vor der Feier des Abendmahls hatte es den Priestern dort bei der Entnahme der Hostien und des Weines die heilsgeschichtliche Erfüllung der Ankündigungen des Alten Testamentes ins Bewusstsein gerufen.| Sven Jakstat___________________________________________________________________________________________________This small panel depicts the Prophet Elijah sleeping under a tree. The scene refers to the Bible’s story of Elijah’s flight from retribution for his killing of Baal’s prophets (1 Kings 19:1–8). An angel bends over Elijah and tries to wake him by gently laying a hand on his shoulder. With the finger of his right hand the angel points to a loaf of bread and a water-filled jug next to the Prophet’s limp hand. All three elements are suffused in bright light. The angel’s rose-coloured robe, the blond hair on his lowered head, and the white feathers of his wings are executed in pastose brushstrokes. The bark of the massive tree and undergrowth bounding the left-hand side of the composition are modelled with thick dabs of paint.Scientific examinations showed that there was once a keyhole in the middle of the tree trunk. X-ray images also revealed two hinges attached to the right end of the panel. These combined with the wooden support medium and the painting’s small format indicate that the work once served as a small door. As the story of Elijah being given bread and water was often used in art to prefigure the Eucharist, it is highly likely that this panel once served as the door covering of a tabernacle where the host and Communion chalice were kept. Numerous examples of such decorated doors in the predella areas of seventeenth-century altarpieces have been found in Spain. Furthermore, the X-ray images indicate that the panel was once several centimetres longer and more elongated in shape.The extremely flowing style of painting, reminiscent of Venetian works, led Giuseppe Fiocco to attribute the painting – previously believed to be by Domenico Fetti – to Francesco Maffei. Stylistic considerations finally led José Rogelío Buendía in 1970 to ascribe it to the Madrid painter Juan Antonio de Frias y Escalante. In Buendía’s opinion, the ceramic jug seen in the painting is based on the types of jugs produced in the town of Talavera de la Reina near Madrid. Further evidence of the work’s Spanish provenance is offered by a preliminary drawing in the National Library in Madrid, which displays the same central elements that appear in the painting, as well as its provenance from the Suermondt Collection, which included numerous works acquired by the Prussian officer Andreas von Schepeler while he was stationed in Madrid between 1815 and 1823.From 1667 to 1668, Escalante completed a cycle of eighteen paintings on canvas with Old-Testament prefigurements of the Eucharist for the sacristy of the now destroyed Convento de la Merced Calzada in Madrid, including a painting depicting the angel and Elijah today held by the Museo del Prado. Even though Paola Rossi once again insisted in 1991 that the Berlin painting should be attributed to Francesco Maffei, the arguments given above make a plausible case both that the painting was made by Escalante and that it belonged to the convent, once located on the square now named for Tirso de Molina. The painting served to remind priests of the salvific fulfilment of the Old Testament’s prophecies when they went to remove the host and wine before distributing Holy Communion.| Sven Jakstat

Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

Christus sitzt niedergesunken vor dem Kreuz am Boden, während es auf Golgatha Abend wird. Seine Glieder wirken kraftlos; Wundmale an Händen und Füßen sowie die Dornenkrone zeichnen den Gemarterten. Als weitere Arma Christi lehnen der Ysop-Stab mit Essigschwamm, die Lanze und eine Leiter gegen das Kreuz; die drei Nägel liegen weiter hinten links im Halbdunkel. Ein Stück entfernt von Christus sitzt Maria, ganz in Dunkelblau. Sie ringt die Hände im Schmerz und blickt traurig zu ihrem Sohn hinüber. Neben ihr hockt Johannes, der sich eng in seinen roten Mantel gehüllt hat und das kummervolle Gesicht in der bekannten Melancholie-Geste in die linke Hand stützt. Von der grünen Wiese um die Protagonisten herum setzt sich die felsige Hintergrundlandschaft ab. Unter einem baumbestandenen Hügel ganz links öffnet sich die für Christus bestimmte Grabeshöhle mit einem rötlichen Steinsarkophag darin, während sich rechts die ummauerte, von einem Graben geschützte Stadt Jerusalem mit zahlreichen Türmen und dem runden Salomonischen Tempel in ihrer Mitte erhebt. Durch das Stadttor kehrt soeben der letzte der an der Kreuzigung Beteiligten zurück. Er hat ein bläuliches Tuch über die Schulter geworfen, bei dem es sich um den unteilbaren Rock Christi handeln dürfte.Künstlerisch höchst subtil und poetisch ist die kleine Tafel auch ikonografisch ungewöhnlich, vielleicht sogar einzigartig unter den Gemälden der Zeit um 1400. Auf eigenwillige Art wird nämlich in dem Bild eine Szene, die einen bestimmten Moment der Passionsgeschichte aufgreifen könnte, mit der dem Handlungsablauf völlig enthobenen Gestalt Christi kombiniert. Dieser erscheint als Schmerzensmann, der gestorben und doch lebendig, Mensch und Gott zugleich ist. Die Erlösungstat ist »vollbracht« (Johannes 19,30), doch statt des Todes hat den Erlöser hier Erschöpfung ergriffen. Wahrscheinlich haben wir es bei dem Berliner Bild mit einer ikonografischen Neuerfindung zu tun, die den spezifischen Wünschen des Auftraggebers entsprang. Hier soll nicht zeichenhaft oder repräsentativ vorgeführt, sondern über den emotionalen Gehalt eines üblichen Schmerzensmannes hinaus das Miterleben und Mitfühlen angespornt werden: Johannes scheint die traurig-meditative Haltung vorzugeben, mit der das Bild vom Gläubigen betrachtet sein will. Maria aber fungiertals primäre Vermittlerin, sie nimmt die Mitte des Bildes ein, ist uns zugewandt und zugleich auf Christus ausgerichtet.Künstlerisch lässt sich das Täfelchen der großen Gruppe österreichischer Tafelmalereien aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts zuordnen. Obgleich sich verschiedene Notnamen etabliert haben, ist eine genauere Zuordnung der einzelnen Werke problematisch. Das Berliner Täfelchen steht sowohl den Tafeln eines Marienlebens in Klosterneuburg, die unter der Bezeichnung »Meister der Darbringungen « geführt werden, als auch der großen, in London befindlichen Tafel eines Gnadenstuhls nahe; ob es aber von einem der jeweils verantwortlichen Maler selbst stammt, muss offen bleiben. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________Christ is slumped on the ground below the cross as evening falls on Golgotha. His limbs are limp, drained of strength; the stigmata on his hands and feet and the crown of thorns signify his martyrdom. Other arma christi or instruments of the Passion – the hyssop reed with, the sponge of vinegar, the lance and the ladder – are leaning against the cross; further behind on the left in the semi-darkness lie the three nails. The Virgin Mary, clad entirely in dark blue, sits a short distance away from Christ. She is wringing her hands in sorrow as she looks sadly across to her son. John, who has wrapped himself tightly in his red cloak, is squatting beside herleaning his sad face on his left hand in the well-known gesture of melancholy. The rocky landscape in the background contrasts with the grassy meadow surrounding the protagonists. Below a tree-lined hill on the far left, the cave sepulchre intended for Christ containing a reddish stone sarcophagus opens up, while on the right the many towers of the walled and moated city of Jerusalem point skywards. The round Temple of Solomon can be seen in the middle. The last of those who attended the crucifixion is returning through the city gate. He has thrown a bluish cloth over his shoulder, probably the Seamless Robe of Christ. In artistic terms, the small panel is extremely subtle and poetic. Its iconography is unusual, if not indeed unique among the paintings of the period around 1400, for it combines a scene apparently portraying a moment in the Passion story with a Christ figure completely disassociated from the course of events. Here Christ is depicted as the Man of Sorrows, who has died and yet lives on simultaneously as man and God. The act of redemption has been “fulfilled” (John 19:30), but here the saviour is shown not as dead but as overcome with exhaustion. Probably the Berlin painting was an iconographic novelty painted to fulfil the specific wishes of the person who commissioned it. The work is not intended as an emblematic or showcase piece but instead seeks to go beyond the emotional substance usually associated with a Man of Sorrows to encourage the viewer to witness and empathise with what he or she sees: Saint John appears to be demonstrating the melancholy, meditative pose with which the faithful are supposed to view the painting. However, the chief intermediary is Mary. She occupies the centre of the picture, her gaze directed bothtowards the viewer and towards Christ. In art historical terms, the small panel can be placed among the large group of Austrian panel paintings from the first third of the 15th century. Although various provisional names for the artist have become established, a more precise attribution of the individual works is difficult. The little Berlin panel bears a close resemblance both to the panels depicting the Life of the Virgin Mary in Klosterneuburg, whose author is known as Master of the Presentations, and to the large panel of the Throne of Mercy in London. Whether either of the painters responsible for these works painted the Berlin panel must remain open, however. Stephan Kemperdick | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019