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"Desco da parto" (Geburtsteller)

Ident. Nr.: 58C

ObjID: obj:863076

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Masaccio (1401 - 1428),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: um 1423
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: "Desco da parto" (Geburtsteller)
Translation: "Desco da parto" (birth tray)
Geographical references
Entstehungsort stilistisch: Italien,
Land
Material / Technique
Pappelholz
Dimensions
Durchmesser: 66 cm
Acquisition
1883/84 Ankauf von dem Kunsthändler Stefano Bardini, Florenz

Object Description

Im 15. Jahrhundert war es in Florenz üblich, Familien nach der Geburt eines Kindes einen sogenannten Geburtsteller oder Desco da parto zu schenken. Der relativ gute Erhaltungszustand dieses Tellers zeigt, dass er wahrscheinlich niemals benutzt wurde, um Gegenstände zu transportieren, sondern sofort als Kunstwerk von unschätzbarem Wert erkannt wurde. Die Vorderseite zeigt rechts den Moment unmittelbar nach der Entbindung, während in der Mitte Frauen aus einem Kloster
herbeiströmen, um der Wöchnerin und dem Neugeborenen ihre Aufwartung zu machen. Die Männer stehen ein wenig abseits zur Linken und warten, bis ihnen der Zutritt zu den Frauengemächern gestattet wird. Der erste in der Reihe bläst in ein Horn, an dem eine Flagge mit einer roten Lilie befestigt ist, dem Wappenzeichen von Florenz. Ein weiterer Mann trägt einen Geburtsteller herbei, der als Bild im Bild fungiert.

Dieses Gemälde ist ein Meilenstein in der Geschichte der westlichen Kunst: Es ist das erste erhaltene Beispiel für die Darstellung der Zentralperspektive in einem Gemälde. Die zentralperspektivische Darstellungsweise war um 1415 von dem Goldschmied, Bildhauer und späteren Architekten Filippo Brunelleschi in Florenz entwickelt worden, der sie auf zwei nicht erhaltenen Tafeln erstmals anwandte. Das Prinzip ist einfach: Alle Linien, die vertikal zur Bildebene verlaufen, treffen sich
in einem einzigen Punkt, dem sogenannten Fluchtpunkt. Die zweidimensionale Darstellung von Raum wirkt dadurch viel wahrhaftiger. Der erste Künstler, der die Bedeutung dieser Entdeckung begriff, war kein Maler, sondern der Bildhauer Donatello (seine Pazzi-Madonna, die sich heute im Bode-Museum befindet, ist eines der ersten Werke mit Zentralperspektive, Abb. S. 318 oben). Anfang der 1420er-Jahre erkannte auch ein junger Maler die Bedeutung von Brunelleschis Entdeckung und eignete sich das Konstruktionsprinzip an: Er hieß Tommaso di Ser Giovanni, doch jeder nannte ihn »Masaccio«, was etwa so viel bedeutet wie »der schlechte Thomas«. Ein paar Jahre nach der Gestaltung des Desco stellte er sein Können in monumentalem Maßstab unter Beweis: In einer Kapelle der florentiner Kirche S. Maria Novella gestaltete er ein Dreifaltigkeitsfresko in perfekter perspektivischer Darstellung, das bis heute erhalten ist.

Der Betrachter fragt sich vielleicht, warum Masaccio diese Szene in ein Kloster verlegte, einen Raum, der Männer und Frauen bzw. Religionsausübende und Laien trennte, denn im Normalfall fanden Geburten damals in den Häusern der Menschen statt, nicht in Konventen. Diese Wahl hatte praktische Gründe: In den hintereinander gestaffelten Säulen fand Masaccio das ideale Motiv, um als Künstler seine Meisterschaft in der Darstellung der Zentralperspektive unter Beweis zu stellen. Die Kapitelle sind der Antike entlehnt, die für Künstler der Renaissance ebenfalls zu einem zentralen Bezugspunkt geworden waren. Ganz am Ende der Kolonnade, unterhalb der Flagge, sind der Zipfel eines Mantels und ein Teil eines menschlichen Beins erkennbar, die darauf hindeuten, dass sich jemand im Hintergrund versteckt (Abb. links unten): ein weiterer Beweis für Masaccios Virtuosität. Hervorzuheben ist auch die Frau, die gerade den Geburtsraum betritt: Während im Gang noch die
Rückseite ihres Körpers zu sehen ist, gratuliert sie auf der anderen Seite bereits der frisch gebackenen Mutter. Es handelt sich um ein und dieselbe Person, deren Darstellung aber eine Wiedergabe zu unterschiedlichen Zeitpunkten suggeriert.

Die Rückseite des Geburtstellers (Abb. links oben) zeigt einen nackten Jungen, der mit einem Hund spielt. Qualitativ ist zwischen diesem Bild und dem Gemälde auf der Vorderseite ein deutlicher Unterschied zu erkennen, was Wissenschaftler veranlasste, es Giovanni di Ser Giovanni, genannt Lo Scheggia, zuzuschreiben, Masaccios weniger begabtem jüngeren Bruder. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
_____________________________________

In 15th-century Florence, one used to offer decorated trays to families after the birth of a child; this is why these objects were called desco da parto, literally birth plate. The relative good state of conservation of the present work shows that it was probably never used to carry objects, but was immediately considered as a priceless work of art. The scene represented on the front of the tray is precisely a delivery, which has just taken place on the room to the right side, while a cortege of women are processing from a cloister to make their greetings. Men are a bit aside, to the left, waiting to be admitted to the ladies’ world. The first ones are bearing a horn on which is attached a flag with a red lily, the symbol of Florence. Another man brings precisely a birth tray, perfect mise-en-abîme of the present object.

The front side of the desco represents a capital step in the evolution of Western art: this is the first preserved example of a use of mathematical perspective in painting. This technique had been invented in Florence around 1415 by the goldsmith, sculptor and architect-to-be Filippo Brunelleschi, in two panels which have not survived. The principle is simple: the lines parallel to the picture plane all converge in a unique point, which gives much more veracity to the representation of space. The first artist to understand the importance of this discovery was not a painter, but a sculptor: Donatello. (One of the first examples of this use was the latter’s Pazzi Madonna, now in the Bode Museum, fig. p. 318 above.) In the early 1420s, a young painter understood the significance of this discovery and made it his own: he was called Tommaso di Ser Giovanni, but everyone called him “the bad Thomas” – Masaccio. A few years after the desco, he would demonstrate his ability in a monumental scale, painting a niche in perfect perspective in a fresco representing the Trinity, still preserved in the Florentine church of Santa Maria Novella.

One may wonder why Masaccio decided to stage his scene into a cloister, a space of separation not only between men and women, but also between religious and lay persons: at that time, births happened in people’s houses, not in convents. This choice has to do with the new art of perspective: the alignment of columns was a perfect motive to insist on the painter’s skills in the matter. Their capitals are inspired from Antiquity, which had also begun to be a central reference for artists at the moment. At the end of that colonnade, beneath the extended flag, one can distinguish a part of a mantle and of a leg, showing that someone is hiding in the background (fig. below left): another proof of the virtuosity of Masaccio. A further astonishing detail is constituted by the woman entering the room where the birth has just happened: one can see the rear part of her body in the cloister space, while she is already congratulating the new mother on the other part of the wall; one person is represented, but it is as if she was seen in two different moments.

The reverse side of the birth tray (fig. above left) shows a naked boy playing with a dog; the quality of the picture is of far lesser quality than the other side of the panel, which had led scholars to attribute it to Giovanni di Ser Giovanni, named Lo Scheggia, the younger brother of Masaccio and less gifted painter. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 03.07.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste

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Das kleine Täfelchen zeigt den Propheten Elias eingeschlafen unter einem Baum. Die Darstellung bezieht sich auf eine in der Bibel erzählte Episode, in der die Flucht des Elias vor der ihm angedrohten Rache für die Ermordung der Propheten des Baal geschildert wird (1. Könige 19,1–8). Ein Engel hat sich über Elias gebeugt. Er versucht, ihn mit einer zarten Berührung an der Schulter zu wecken. Mit dem Zeigefinger seiner Rechten weist er auf einen Laib Brot und einen mit Wasser gefüllten Krug, die neben der herabgesunkenen Hand des Propheten stehen. Alle drei Elemente sind in helles Licht getaucht. Das rosafarbene Gewand des Engels, die blonden Haare seines gesenkten Hauptes sowie die weit ausladenden Flügel mit den schwarzen und weißen Federn sind mit pastos aufgetragenen Pinselstrichen ausgeführt. 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Zudem lassen die Röntgenaufnahmen darauf schließen, dass die Tafel einst einige Zentimeter höher war und ein länglicheres Format aufwies.Auf Grund der überaus lockeren, an die venezianische Malerei erinnernden Malweise wurde das Bild, das vormals als Werk Domenico Fettis galt, von Giuseppe Fiocco in das Oeuvre von Francesco Maffei eingeordnet. 1970 wurde es von José Roge lío Buendía auf Grund stilistischer Erwägungen schließlich dem in Madrid tätigen Maler Juan Antonio de Frías y Escalante zugeschrieben. Bei dem abgebildeten Tonkrug handelt es sich seiner Meinung nach zudem um ein Modell, wie es in dem bei Madrid gelegenen Städtchen Talavera de la Reina produziert wird. Für eine Verbindung des Gemäldes mit Spanien spricht ferner die Existenz einer vorbereitenden Zeichnung in der Nationalbibliothek in Madrid, die die zentralen Elemente der Komposition wiedergibt, sowie die Provenienz aus der Sammlung Suermondt, zu der zahlreiche Werke zählten, die der preußische Offizier Andreas von Schepeler während seiner Tätigkeit in Madrid zwischen 1815 und 1823 erworben hatte.Von 1667 bis 1668 hatte Escalante einen 18 Leinwandgemälde umfassenden Zyklus mit alttestamentlichen Präfigurationen der Eucharistie für die Ausstattung der Sakristei des im 19. Jahrhundert zerstörten Convento de la Merced Calzada in Madrid ausgeführt, darunter auch eine Darstellung von Elias und dem Engel, die heute im Museo del Prado aufbewahrt wird. Auch wenn sich Paola Rossi 1991 nochmals für eine Zuschreibung des Berliner Bildes an Francesco Maffei aussprach, so machen die genannten Argumente dennoch plausibel, dass das Gemälde erstens von Escalante geschaffen wurde und zweitens zur Ausstattung des genannten Konvents gehörte, der sich ehemals auf dem heute nach Tirso de Molina benannten Platz in Madrid befand. Vor der Feier des Abendmahls hatte es den Priestern dort bei der Entnahme der Hostien und des Weines die heilsgeschichtliche Erfüllung der Ankündigungen des Alten Testamentes ins Bewusstsein gerufen.| Sven Jakstat___________________________________________________________________________________________________This small panel depicts the Prophet Elijah sleeping under a tree. The scene refers to the Bible’s story of Elijah’s flight from retribution for his killing of Baal’s prophets (1 Kings 19:1–8). An angel bends over Elijah and tries to wake him by gently laying a hand on his shoulder. With the finger of his right hand the angel points to a loaf of bread and a water-filled jug next to the Prophet’s limp hand. All three elements are suffused in bright light. The angel’s rose-coloured robe, the blond hair on his lowered head, and the white feathers of his wings are executed in pastose brushstrokes. The bark of the massive tree and undergrowth bounding the left-hand side of the composition are modelled with thick dabs of paint.Scientific examinations showed that there was once a keyhole in the middle of the tree trunk. X-ray images also revealed two hinges attached to the right end of the panel. These combined with the wooden support medium and the painting’s small format indicate that the work once served as a small door. As the story of Elijah being given bread and water was often used in art to prefigure the Eucharist, it is highly likely that this panel once served as the door covering of a tabernacle where the host and Communion chalice were kept. Numerous examples of such decorated doors in the predella areas of seventeenth-century altarpieces have been found in Spain. Furthermore, the X-ray images indicate that the panel was once several centimetres longer and more elongated in shape.The extremely flowing style of painting, reminiscent of Venetian works, led Giuseppe Fiocco to attribute the painting – previously believed to be by Domenico Fetti – to Francesco Maffei. Stylistic considerations finally led José Rogelío Buendía in 1970 to ascribe it to the Madrid painter Juan Antonio de Frias y Escalante. In Buendía’s opinion, the ceramic jug seen in the painting is based on the types of jugs produced in the town of Talavera de la Reina near Madrid. Further evidence of the work’s Spanish provenance is offered by a preliminary drawing in the National Library in Madrid, which displays the same central elements that appear in the painting, as well as its provenance from the Suermondt Collection, which included numerous works acquired by the Prussian officer Andreas von Schepeler while he was stationed in Madrid between 1815 and 1823.From 1667 to 1668, Escalante completed a cycle of eighteen paintings on canvas with Old-Testament prefigurements of the Eucharist for the sacristy of the now destroyed Convento de la Merced Calzada in Madrid, including a painting depicting the angel and Elijah today held by the Museo del Prado. Even though Paola Rossi once again insisted in 1991 that the Berlin painting should be attributed to Francesco Maffei, the arguments given above make a plausible case both that the painting was made by Escalante and that it belonged to the convent, once located on the square now named for Tirso de Molina. The painting served to remind priests of the salvific fulfilment of the Old Testament’s prophecies when they went to remove the host and wine before distributing Holy Communion.| Sven Jakstat

Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

Christus sitzt niedergesunken vor dem Kreuz am Boden, während es auf Golgatha Abend wird. Seine Glieder wirken kraftlos; Wundmale an Händen und Füßen sowie die Dornenkrone zeichnen den Gemarterten. Als weitere Arma Christi lehnen der Ysop-Stab mit Essigschwamm, die Lanze und eine Leiter gegen das Kreuz; die drei Nägel liegen weiter hinten links im Halbdunkel. Ein Stück entfernt von Christus sitzt Maria, ganz in Dunkelblau. Sie ringt die Hände im Schmerz und blickt traurig zu ihrem Sohn hinüber. Neben ihr hockt Johannes, der sich eng in seinen roten Mantel gehüllt hat und das kummervolle Gesicht in der bekannten Melancholie-Geste in die linke Hand stützt. Von der grünen Wiese um die Protagonisten herum setzt sich die felsige Hintergrundlandschaft ab. Unter einem baumbestandenen Hügel ganz links öffnet sich die für Christus bestimmte Grabeshöhle mit einem rötlichen Steinsarkophag darin, während sich rechts die ummauerte, von einem Graben geschützte Stadt Jerusalem mit zahlreichen Türmen und dem runden Salomonischen Tempel in ihrer Mitte erhebt. Durch das Stadttor kehrt soeben der letzte der an der Kreuzigung Beteiligten zurück. Er hat ein bläuliches Tuch über die Schulter geworfen, bei dem es sich um den unteilbaren Rock Christi handeln dürfte.Künstlerisch höchst subtil und poetisch ist die kleine Tafel auch ikonografisch ungewöhnlich, vielleicht sogar einzigartig unter den Gemälden der Zeit um 1400. Auf eigenwillige Art wird nämlich in dem Bild eine Szene, die einen bestimmten Moment der Passionsgeschichte aufgreifen könnte, mit der dem Handlungsablauf völlig enthobenen Gestalt Christi kombiniert. Dieser erscheint als Schmerzensmann, der gestorben und doch lebendig, Mensch und Gott zugleich ist. Die Erlösungstat ist »vollbracht« (Johannes 19,30), doch statt des Todes hat den Erlöser hier Erschöpfung ergriffen. Wahrscheinlich haben wir es bei dem Berliner Bild mit einer ikonografischen Neuerfindung zu tun, die den spezifischen Wünschen des Auftraggebers entsprang. Hier soll nicht zeichenhaft oder repräsentativ vorgeführt, sondern über den emotionalen Gehalt eines üblichen Schmerzensmannes hinaus das Miterleben und Mitfühlen angespornt werden: Johannes scheint die traurig-meditative Haltung vorzugeben, mit der das Bild vom Gläubigen betrachtet sein will. Maria aber fungiertals primäre Vermittlerin, sie nimmt die Mitte des Bildes ein, ist uns zugewandt und zugleich auf Christus ausgerichtet.Künstlerisch lässt sich das Täfelchen der großen Gruppe österreichischer Tafelmalereien aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts zuordnen. Obgleich sich verschiedene Notnamen etabliert haben, ist eine genauere Zuordnung der einzelnen Werke problematisch. Das Berliner Täfelchen steht sowohl den Tafeln eines Marienlebens in Klosterneuburg, die unter der Bezeichnung »Meister der Darbringungen « geführt werden, als auch der großen, in London befindlichen Tafel eines Gnadenstuhls nahe; ob es aber von einem der jeweils verantwortlichen Maler selbst stammt, muss offen bleiben. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________Christ is slumped on the ground below the cross as evening falls on Golgotha. His limbs are limp, drained of strength; the stigmata on his hands and feet and the crown of thorns signify his martyrdom. Other arma christi or instruments of the Passion – the hyssop reed with, the sponge of vinegar, the lance and the ladder – are leaning against the cross; further behind on the left in the semi-darkness lie the three nails. The Virgin Mary, clad entirely in dark blue, sits a short distance away from Christ. She is wringing her hands in sorrow as she looks sadly across to her son. John, who has wrapped himself tightly in his red cloak, is squatting beside herleaning his sad face on his left hand in the well-known gesture of melancholy. The rocky landscape in the background contrasts with the grassy meadow surrounding the protagonists. Below a tree-lined hill on the far left, the cave sepulchre intended for Christ containing a reddish stone sarcophagus opens up, while on the right the many towers of the walled and moated city of Jerusalem point skywards. The round Temple of Solomon can be seen in the middle. The last of those who attended the crucifixion is returning through the city gate. He has thrown a bluish cloth over his shoulder, probably the Seamless Robe of Christ. In artistic terms, the small panel is extremely subtle and poetic. Its iconography is unusual, if not indeed unique among the paintings of the period around 1400, for it combines a scene apparently portraying a moment in the Passion story with a Christ figure completely disassociated from the course of events. Here Christ is depicted as the Man of Sorrows, who has died and yet lives on simultaneously as man and God. The act of redemption has been “fulfilled” (John 19:30), but here the saviour is shown not as dead but as overcome with exhaustion. Probably the Berlin painting was an iconographic novelty painted to fulfil the specific wishes of the person who commissioned it. The work is not intended as an emblematic or showcase piece but instead seeks to go beyond the emotional substance usually associated with a Man of Sorrows to encourage the viewer to witness and empathise with what he or she sees: Saint John appears to be demonstrating the melancholy, meditative pose with which the faithful are supposed to view the painting. However, the chief intermediary is Mary. She occupies the centre of the picture, her gaze directed bothtowards the viewer and towards Christ. In art historical terms, the small panel can be placed among the large group of Austrian panel paintings from the first third of the 15th century. Although various provisional names for the artist have become established, a more precise attribution of the individual works is difficult. The little Berlin panel bears a close resemblance both to the panels depicting the Life of the Virgin Mary in Klosterneuburg, whose author is known as Master of the Presentations, and to the large panel of the Throne of Mercy in London. Whether either of the painters responsible for these works painted the Berlin panel must remain open, however. Stephan Kemperdick | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

Der dargestellte Wladislaw IV. (1595 – 1648) war seit 1632 König von Polen. Auf seinem reich dekorierten Wams ist eine Kette erkennbar, die ihn als Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ kennzeichnet, dem er seit 1615 angehörte. Er trägt ein violettes Käppchen. Auffällig an der Frisur Wladislaws IV. ist ein dünner Zopf, der auf die linke Schulter fällt und dessen Ende von einer breiten Schleife zusammengehalten wird. Er war in zweiter Ehe mit Louise – Marie, Prinzessin von Gonzaga, Mantua, Montferrat und Nevers („Fille de France“, d.h. Prinzessin von Geblüht) vermählt. Die Trauung fand in Abwesenheit des Bräutigams im Jahre 1645 in der Kathedrale St. Denis statt. Dabei wurde der polnische König durch den Woiwoden von Posen, Christoph Graf Bnin Opalinski vertreten. Mehrmonatige Feierlichkeiten zogen Viele nach Paris, so auch den gefragten Genfer Miniaturmaler Paul Prieur (Um 1620 - 1682/83). Der umtriebige Hugenotte schuf dort zu dieser Zeit auch die Berliner Miniatur. Es wird sich dabei um ein diplomatisches Geschenk des polnischen Königs an den Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm von Brandenburg) gehandelt haben, der im Jahre 1640 Wladislaw IV. den Lehnseid als Herzog von Preußen leistete und 1646 aus Anlass des Einzugs der aus Paris kommenden polnischen Königin Louise-Marie in Danzig anwesend war. Auf dem Contreémail der Miniatur ist in der Mitte ein von der Sonne gekrönter Obelisk auf vier Kugeln auf einem Postament geschildert. Traditionell als „Gloria dei principe“ (Ruhm des Prinzen) lesbar. Dem gesellt sich die Umschrift HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (Ehre ist der Lohn der Tugend). Die vorzügliche, auf einem Bildträger aus Gold gearbeitet, Berliner Emailminiatur eröffnet die Reihe von Paul Prieurs datierten Arbeiten. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Rückseite: HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (umlaufend); unten: prieur Fecit / 1645