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Prophet

Ident. Nr.: 369

ObjID: obj:863286

Details (expert)

Date(s)
Datierung: um 1410/20
Systematics/Type
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 86 x 31 x 28 cm
Acquisition
Erworben 1858 in Nürnberg für die König liche Kunstkammer, Erwerbungsumstände unbekannt. 1945–58 Sowjetunion, 1958–90 Ost-Berlin

Object Description

Die stark untersetze Figur eines Propheten ist frontal ausgerichtet. Unter dem massiven Block der Gewandung ist das Standmotiv kaum zu erkennen. In der rechten Hand hält der Prophet ein sehr langes Spruchband, das an den Enden mehrfach eingerollt ist, unten geradezu schneckenhausartig zur Seite, und in der Mitte ohne erkennbaren Grund gestaut wird. Der linke Arm ist angewinkelt, der ausgestreckte Zeigefinger der Hand (verloren) wies auf eine bestimmte Stelle des Spruchbands. Über langem, gegürtetem Gewand mit Stehkragen, der vorn mit zwei Knöpfen geschlossen wird, fällt ein schwerer Mantel. Dieser wird oberhalb der Brust von einer offensichtlich gewirkten Kordel mit Quast an zumindest einem Ende gehalten. Durch eine bei Standfiguren übliche Raffung des Mantels unter dem linken Arm entsteht hier eine etwas unorthodoxe Struktur von Falten. Unmotiviert wie die Stauchung des Spruchbands in halber Höhe bilden sich besonders seitlich eigenartig kantige Faltenmotive heraus, die kaum geeignet sind, die lastende Stofflichkeit des Mantels glaubhaft zu vermitteln. Die eingerollten Tütenfalten am Mantelsaum unterhalb des linken Arms beginnen unvermittelt und zu weit unten. Selbst wenn man in Betracht zieht, dass die Körper gotischer Tonfiguren aufgrund des Herstellungsverfahrens fast immer blockhaft und ihre Gewandfalten reduzierter zu sein hatten, muss dem Künstler der Berliner Figur mangelhafte Aufmerksamkeit gegenüber dem Prophetenkorpus bescheinigt werden.

Sorgfältiger ist der längliche, nach vorn und der frontalen Gesamtausrichtung der Figur folgende Kopf gestaltet. Die glatte Mütze mit Knauf auf der Oberseite drückt das lange und voluminös gelockte Haar nieder, das beidseits in den Nacken fällt. Ebenso symmetrisch ist die Anlage von Oberlippen- und gespaltenem Kinnbart. Durch die nur flüchtige Andeutung der Strähnen mit zum Teil ungenau verlaufenden Rillen wirken Haupthaar und Bart eher wie kompakte, nur locker strukturierte Flächen. Auch die Stirnfalten sind etwas hölzern: Die drei mit dem Messer in den feuchten Ton geritzten Horizontallinien etwa wurden an den Rändern nicht geglättet. Die völlig gerade verlaufende Nase und gleichförmige Augen verleihen dem Gesicht zwar einen relativ jungen Ausdruck, insgesamt aber wenig Individualität.

Auch deshalb, vor allem aber aus ikonografischen Gründen ist davon auszugehen, dass die Figur Teil eines größeren Zyklus alttestamentarischer Propheten gewesen ist, wie er im 15. Jahrhundert in verschiedenen Dimensionen und Zusammenhängen üblich war. Eine Identifikation ist oft nur durch die Inschriften möglich, die Passagen der jeweiligen Weissagungen wiedergaben. Sind diese verloren, wie in unserem Fall, muss die Gestalt heute anonym bleiben.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Last updated: 06.02.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

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Das Relief ist aus Basalt, einem sehr harten vulkanischen Gestein. Weil es so schwer zu bearbeiten ist, ist das Relief nur ganz flach ausgeführt.Die Darstellung ist in einem modern anmutenden, fast Comic-artigen Stil gehalten. Rechts steht eine Säule auf einem Stufensockel. Auf der Säule erscheint ein bärtiger Mann, von dem nur der Oberkörper sichtbar ist. Der Unterkörper wird von einer Brüstung verdeckt, deren Oberkante durch eine dünne Linie angedeutet wird. Ein fliegender Vogel hält einen kleinen Kranz über ihn. An die Säule ist eine Leiter gelehnt, die ein zweiter Mann hinaufgestiegen ist. In seiner rechten Hand hält er ein Weihrauchgefäß. Es hat die Form eines Kelches und ist an einer Kette aufgehängt. Beide Männer tragen jeweils ein typisches Mönchsgewand. Es hat die Form eines langen, gegürteten Hemdes. Über den Kopf ist eine Kapuze gelegt, die mit einem Kreuz geschmückt ist.Der Mann auf der Säule stellt einen christlichen Heiligen, den syrischen Asketen Symeon d. Ä. (um 390-459) dar. Die historisch bezeugte Gestalt lebte zuerst als Mönch in einem Kloster im nordsyrischen Kalksteinmassiv nordöstlich von Aleppo. Als junger Mann zog sich Symeon auf einen Felsen zurück und widmete sich der Verehrung Gottes. Später wurde dort eine Säule errichtet, auf der er lebte, die Säule wurde mehrmals erhöht. Zuletzt war sie 17 bis 20 Meter hoch. 42 Jahre soll Symeon ununterbrochen auf dieser Säule zugebracht haben. Weil Symeon als heilig und weise galt, kamen bald große Mengen von Pilgern herbei, zu denen Symeon mehrmals täglich predigte und ihnen Ratschläge gab. Auch nach seinem Tod reisten zahlreiche Pilger zu der Säule, um dort zu dem Heiligen zu beten. Sie nahmen von dem Pilgerort Andenken mit, an deren heilkräftige Wirkung sie glaubten. Um den Standort der Säule herum wurde das große Pilgerheiligtum Qal’at Sim’an mit einer christlichen Kirche, einem Baptisterium und Pilgerwohnungen errichtet, um den Pilgern Platz und einen Raum für Gottesdienste zu bieten. Weihrauch wurde bei christlichen Gottesdiensten verwendet. Der Mönch auf der Leiter mit dem Weihrauchgefäß könnte auf Gottesdienste im Symeons-Heiligtum hinweisen.Symeon war nicht der einzige christliche Mönch, der ein Leben auf einer Säule führte, aber einer der frühesten und der berühmteste. Diese Mönche werden Säulensteher oder Styliten genannt, nach dem griechischen Wort „stylos“ für Säule. Sie stellten sich auf Säulen, um sich von dem als sündig angesehenen Alltagsleben zu entfernen und sich ganz Gott zu widmen.Das Relief war möglicherweise an der Fassade einer frühchristlichen Kirche im syrischen Kalksteingebiet eingelassen. Solche Reliefs sind von anderen Kirchen in dieser Gegend bekannt. Zeitlich und stilistisch vergleichbare Darstellungen befinden sich im Museum von Damaskus und im Louvre zu Paris.GM