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Die Darbringung Christi im Tempel

Ident. Nr.: 29

ObjID: obj:863431

Details (expert)

Involved
Ausführung: Andrea Mantegna (um 1431-1506),
Maler*in
Dating
Ausführung: 1454
Additional titles
Collection title: Die Darbringung Christi im Tempel
Translation: The Presentation at the Temple
Geographical references
Italien,
Land
Material / Technique
Leinwand
Dimensions
Bildmaß: 77,1 x 94,4 cm

Object Description

Die Darbringung Christi im Tempel wird im Lukas-Evangelium geschildert (2,21–39). Kurz nach Jesu Geburt bringen ihn seine Eltern Maria und Josef in den Tempel von Jerusalem. Der Grund hierfür ist nicht ganz klar, abgesehen davon, dass es sich um ein jüdisches Ritual handelt: Geht es um die Beschneidung des Kindes, um seine Gottesweihe als erstgeborener Sohn oder um die rituelle Reinigung Marias nach der Niederkunft? Laut Lukas haben Maria und Josef als Opfergabe ein Paar Turteltauben (oder junge Tauben) bei sich. Im Tempel nimmt ein weiser Alter namens Simeon das Jesuskind auf den Arm und erkennt, dass es sich um den Messias handelt, während Hanna, eine alte Prophetin, das Wunder verkündet.
Andrea Mantegnas Interpretation dieses Ereignisses unterscheidet sich gravierend von allen vorhergehenden Versionen, einschließlich eines Freskos von Giotto in der Scrovegni-Kapelle in Mantegnas Heimatstadt Padua. Mantegna zeigt weder den Tempel, noch den Altar, noch Tauben; für Anekdoten ist kein Platz. Anders als bei der Darstellung religiöser Szenen eigentlich obligatorisch, ist keine der Figuren ganzfigurig stehend wiedergegeben. Mantegna schneidet sie sozusagen in der Mitte durch, um das Geschehen aus nächster Nähe zu schildern – so unmittelbar, dass der Betrachter das Gefühl haben konnte, die gemalten Protagonisten griffen hinüber in die reale Welt. Dies gilt insbesondere für die bedeutendste Figur, Jesus Christus. Er steht auf einem Kissen, das auf der Brüstung des als Rahmen gestalteten Marmorfensters liegt. Auch der Ellbogen der Jungfrau ruht auf diesem Rahmen und weist damit in Richtung Betrachter. Zugleich stützt sie mit dem Arm ihr Kind, das sie nicht freigeben will; sie hält es mit beiden Händen fest, während Simeon den Anschein erweckt, er wolle es ihrem Griff regelrecht entreißen. Mantegnas Jesus schreit auf wie später bei der Kreuzigung; sein straffes Wickeltuch verweist auf sein Leichentuch, die Marmorbrüstung unter seinen Füßen auf sein Grab. Drei Nebenfiguren bilden den Hintergrund dieses Dramas: Josef in Frontalansicht in der Mitte, eine Frau links und ein Mann rechts, beide ohne Nimbus. Die Frau ist zu jung, um die von Lukas als 84-Jährige beschriebene Hanna darzustellen, und sie wendet sich vom Geschehen ab, genauso wie der Mann rechts hinten, dessen Blick überraschend abwesend wirkt.
Mantegnas Darstellung im Tempel wurde oft mit Donatellos Pazzi-Madonna verglichen, einem Schlüsselwerk der florentiner Kunst, das sich ebenfalls im Besitz der Staatlichen Museen zu Berlin befindet. Donatellos Marmorrelief gehört zu den ersten Werken der Renaissance, die einen Rahmen mit fiktiver Perspektive als »Bildvermittler« aufweisen und der traurige Ausdruck, mit dem Maria ihre Stirn an die ihres Sohnes legt, scheint die von Mantegna dargestellte Haltung zu antizipieren. Da die Pazzi-Madonna etwa 1420 für einen florentiner Auftraggeber entstand, diente sie Mantegna sehr wahrscheinlich als direktes Modell – doch Donatello arbeitete ununterbrochen und der Maler könnte ein ähnliches Werk des Bildhauers auch während seines Aufenthalts in Padua gesehen haben. Das Röntgenbild des Berliner Gemäldes zeigt, dass Mantegna den Abstand zwischen Jungfrau und Kind verkleinerte, um Donatello zu übertrumpfen. Donatello hatte eine klare Trennung zwischen Szenen mit Halbfiguren – sie waren ikonischen und meditativen Sujets wie der Jungfrau mit Kind oder dem Schmerzensmann vorbehalten – und narrativen Szenen mit Ganzfiguren eingeführt. In seiner Darbringung im Tempel kombinierte Mantegna diese beiden Typologien und brachte so dem Betrachter die Heiligen und die biblische Erzählung auf eine noch nie dagewesene Weise buchstäblich nahe.
Eine vergleichbare Darbringung im Tempel befindet sich im Besitz der Fondazione Querini Stampalia in Venedig. Die Tafel trägt auf der Rückseite Mantegnas Namen und hat stark gelitten. In einigen Bereichen ist die Farbschicht unwiederbringlich zerstört und nur noch die Entwurfszeichnung zu sehen. Der Zustand des Gemäldes hat die Zuschreibung nicht eben vereinfacht und Mantegnas Urheberschaft wird seit Langem bezweifelt. Die am besten erhaltenen Teile zeugen nichtsdestoweniger von einer außergewöhnlich virtuosen Maltechnik, die unmittelbar an Werke Giovanni Bellinis aus der Mitte der 1470er-Jahre denken lässt, während Mantegnas Berliner Darbringung einen starken Bezug zu seinem Werk aus der Mitte der 1450er-Jahre aufweist. Die neuere Forschung hat Licht ins Dunkel gebracht: Bellinis Version ist tatsächlich bei Mantegna abgemalt. Jahre nach der Entstehung von Mantegnas Gemälde verspürte Bellini wohl den Wunsch, das Werk seines Schwagers zu reproduzieren, konnte sich bemerkenswerte inhaltliche Veränderungen aber offenbar nicht verkneifen: Die Figuren wirken weniger lebendig, die Farbgebung ist tonaler, die Schatten subtiler, und der Marmorrahmen ist zugunsten einer einfachen Brüstung verschwunden. Statt zwei gibt es nun vier Hintergrundfiguren.
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wird die rechte Hintergrundfigur des Berliner Gemäldes als Selbstporträt Mantegnas interpretiert, und in der Tat gleichen die Gesichtszüge jenen des Grisaille-Porträts über den Fresken der Ovetari-Kapelle in Padua, das unumstritten als Ebenbild des Künstlers gilt. Die aus Gründen der Symmetrie hinzugefügte weibliche Hintergrundfigur links wurde als Nicolosia Bellini gedeutet, Giovannis Schwester und Mantegnas Ehefrau. Da ihre Hochzeit 1453 gefeiert wurde, könnte das Werk aus diesem oder aus dem Jahr 1454 stammen, sofern das Sujet auf die Geburt eines ersten Kindes anspielt.
Hinsichtlich der Porträts in Bellinis Gemälde ergeht die Wissenschaft sich in Spekulationen: Wenn die rechte Hintergrundfigur, die den Betrachter anschaut, tatsächlich den Künstler darstellen soll, wieso unterscheidet sich ihr Antlitz dann so sehr von seinem überlieferten Abbild? Wie ist es um die Identität der anderen drei Figuren bestellt? Immerhin ist Giovanni Bellinis Herkunft sehr umstritten; wahrscheinlich wurde er unehelich geboren. Der gegenwärtige Kenntnisstand gemahnt zur Vorsicht – vielleicht sind diese Geheimnisse sogar grundlegend wichtig, um die Aura beider Bilder spüren zu können. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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The Presentation of Christ in the Temple is narrated in the Gospel of Saint Luke (2:21–39). Soon after his birth, Jesus was brought to the Temple in Jerusalem by his parents, Mary and Joseph. The reason for this journey is not entirely clear, except that it was a Jewish ritual: were they accomplishing the circumcision of the Child, his consecration to the Lord (as first-born male), or the ritual purification of his mother after giving birth? In any case, says Saint Luke, Joseph and Mary brought with them a pair of turtle doves (or two young pigeons) for sacrifice. In the temple, a wise elder named Simeon takes the Child in his arms, recognising him as the Messiah, while Anna, an old prophetess, proclaims the miracle.

Andrea Mantegna’s interpretation in the Gemäldegalerie makes a decisive departure from all previous examples, including one model painted by Giotto in the Scrovegni Chapel in Mantegna’s own town, Padua. Mantegna includes neither temple, altar nor doves; there is no place for anecdote. The figures are not seen standing, as any painter was bound to do in representing a religious scene: Mantegna “cuts” his figures, half-length, to show as close as possible what is happening – to the extent that beholders might feel that the painted protagonists are encroaching on the real world. This is especially true of the most important figure, Jesus Christ, standing up on a cushion placed on the lower edge of the marble window framing the scene. The Virgin has placed her elbow on the frame, a sign in the direction of the onlooker as well as a point of support. Mary does not want to release her child, held firm in both hands, while Simeon seems to seize him from her grasp. Mantegna’s baby Jesus cries
out as he will on the Cross, his tight swaddling clothes prefigure his shroud, and the marble parapet on which he stands announces his tomb. Behind these players in the drama, three secondary figures appear: Joseph in the middle, seen frontally, a woman at the far left, and a man at the far right, both without haloes. The woman is too young to be Anna, described by Saint Luke as being 84, and she is not looking at what is going on. As for the man, he has a surprisingly absent stare.

Mantegna’s Presentation of Christ in the Temple has often been compared to the one of the key works of Florentine art, Donatello’s Pazzi Madonna, a work also belonging to the Staatliche Museen zu Berlin (fig. p. 318 above). This marble relief represents one of the first appearances in Renaissance art of a frame in fictive perspective that serves to mediate the image, while the tender, sad manner in which the Virgin places her forehead on that of her son seems to anticipate the attitude depicted by Mantegna. Since the Pazzi Madonna was created in about 1420 for a Florentine patron, it is very likely that it could have served as a direct model for Mantegna – but Donatello was incessantly productive, and the painter could have seen a similar work created by the sculptor during his Paduan sojourn.
The X-radiograph of the Berlin painting shows that Mantegna reduced the distance between the Virgin and Child, in order to pit himself a little closer against Donatello’s invention. Donatello had established a clear distinction between scenes with half-length figures, representing iconic and meditative subjects such as the Virgin and Child or the Man of Sorrows, and narrative scenes, which show figures in full-length poses. In his Presentation of Christ in the Temple, Mantegna combines these two typologies: he thus draws us closer, in an unprecedented way, to the holy figures and to the sacred narrative.

Another Presentation of Christ in the Temple is housed in the Fondazione Querini Stampalia in Venice (fig. left); painted on panel, it bears the name of Mantegna inscribed on its back and has suffered a great deal, some areas of pigment being irreversibly lost, showing only the preparatory stage. The condition of the painting has not made the task of attribution any easier, even if Mantegna’s authorship
has long been dismissed. The best-preserved parts nonetheless reveal exceptional pictorial virtuosity, which directly recalls works painted by Giovanni Bellini in the mid-1470s, while Mantegna’s canvas is close to his work from the mid-1450s. New research has cast light on a remarkable feature: Bellini’s version is actually traced from that of Mantegna. A number of years after the creation of Mantegna’s Presentation, Giovanni Bellini felt the need to mechanically reproduce his brother-inlaw’s work, while being unable to stop himself from changing its content in singular ways: expressions have become less violent, colours are more tonal and shadows more subtle, while the marble framing has disappeared, yielding to a simple parapet. And the lateral figures have increased from two to four.

Since the early 19th century, the figure on the right in the Berlin Presentation has been identified as a self-portrait of Mantegna; and it is true that it resembles the head painted in grisaille above the frescoes in the Ovetari Chapel in Padua, unanimously agreed to be the painter’s likeness of himself. For reasons of symmetry, the female figure on the left of the Berlin picture was identified as Nicolosia Bellini, Giovanni’s sister and Mantegna’s wife. Since their marriage was celebrated in 1453, the work could date from that year, or even from 1454, as the subject could allude to the birth of a first child.

As for the portraits in Bellini’s painting, scholars have lost themselves in conjecture: if the figure on the right, gazing at us, were indeed the artist, how can we explain the fact that his features are so different from those we know of him? How can the identity of the other three figures be understood, given the highly problematic question of Giovanni’s birth – indeed given his likely illegitimacy? In our current state of knowledge, it makes sense to remain very prudent – perhaps those mysteries are essential to feel the aura of both pictures. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 03.07.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Johannes der Täufer predigt in der Wüste und verkündet die Ankunft des Messias. In diesem Gemälde ist er als Prophet dargestellt, mit einem vor Entbehrung ausgezehrtem Körper, eingefallenem Gesicht und beinahe ekstatisch auf das kleine Kruzifix starrend, das den Stab in seinen Händen krönt. Dieses Detail ist sehr ungewöhnlich, da sich das Kreuzsymbol erst lange nach dem Tod Jesu verbreitete. Dem Maler ging es jedoch nicht um historischen Realismus; vielmehr verstärkt er allein durch die Landschaft den zeitlosen Charakter einer fantastischen Vision, die auch aus einem modernen Science-Fiction-Film stammen könnte: Die Sonne ist gerade hinter dem Horizont einer unwirklich anmutenden Landschaft aus merkwürdig geformten und dunstverhangenen Felsen untergegangen. Links erkennt man eine bemerkenswert detailliert ausgeführte Hafenstadt, die Landzunge rechts im Vordergrund scheint einst über die zerstörte Brücke mit ihr verbunden gewesen zu sein. 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Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. 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Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

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Von einem leicht erhöhten Betrachterstandpunkt richtet sich der Blick über den Kirchenvorplatz auf die überkuppelte Fassade von St. Peter. Von dort kommend, fährt der aus elf prunkvollen Kutschen bestehende Korso des französischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Etienne-François de Choiseul (1719–1785), über den Platz. Ihn hat Panini in der zweiten Kutsche am offenen Fenster sitzend dargestellt. Choiseul trägt über der Brust das blaue Band des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), den König Ludwig XV. ihm erst im Januar 1756 verliehen hatte. Anlass für die pompöse Ausfahrt war der offizielle Antrittsbesuch des Botschafters bei Papst Benedikt XIV. im Frühjahr 1756. Mit dieser Komposition ließ Choiseul von dem wichtigsten römischen Architektur- und Vedutenmaler seiner Zeit den bis dahin wichtigsten Moment seiner diplomatischen Karriere ins Bild setzen.Lange Zeit hielt man das Berliner Gemälde für die von Choiseul in Auftrag gegebene Version. Diese befindet sich jedoch in Privatbesitz (zuvor als Leihgabe in Edinburgh, National Gallery of Scotland). Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine zweite Version der Komposition aus der Sammlung von Claude François Rogier de Beaufort-Montboissier, abbé de Canilliac (1699–1761). Canilliac war der ranghöchste Gesandte der französischen Kirche in Rom und nach dem Botschafter der zweitwichtigste Vertreter Frankreichs in der Ewigen Stadt. Er gehörte zu jenen kirchlichen Würdenträgern, die Choiseul bei der Papstaudienz begleiteten und mit ihm in der Botschafterkutsche reisten. Während in der von Choiseul beauftragten Version lediglich er selbst als Fahrgast identifizierbar ist, ist auf dem Berliner Gemälde neben ihm auf der Sitzbank ergänzend der abbé de Canilliac dargestellt. Auch er trägt das blaue Band des Ordre du Saint-Esprit, allerdings in der Variante des Klerus nicht diagonal über der Brust sondern um den Nacken gelegt. Ein interessantes Detail des Berliner Gemäldes ist seine gut lesbare Datierung durch den Künstler auf das Jahr 1754 und damit zwei Jahre vor dem dargestellten Ereignis. Canilliac muss also eine bereits 1754 von Panini geschaffene Ansicht des Petersplatzes aus seinem Besitz nachträglich - wohl kurze Zeit nach der Fertigstellung von Choiseuls Gemälde - um die namengebende Figurenstaffage erweitert und um seine Person ergänzt haben lassen. Damit wertete er sein Gemälde nachträglich auf und sicherte sich zugleich symbolisch einen sichtbaren Platz in diesem so wichtigen diplomatischen und kirchenpolitischen Ereignis.Das Berliner Gemälde wurde nach Canilliacs Tod in Rom von Pierre-Jacques-Onésime Bergeret de Grancourt erworben. Wohl aus dieser Zeit stammt sein heutiger Louis XVI-Rahmen mit der unten eingelassenen, ausführlichen Beschreibung der Fassade und des Platzes von St. Peter in französischer Sprache, in dem das dargestellte Ereignis und seine Protagonisten jedoch schon keine Erwähnung mehr finden. | Sarah SalomonSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten auf einem Stein über dem springenden Hund: I.P. PANINI / 1754

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)