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Muttergottes auf dem Löwen

Ident. Nr.: 1/69

ObjID: obj:863440

Details (expert)

Dating
Datierung: um 1345
Material / Technique
Tannenholz, polychromiert
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 48 x 17 x 12,5 cm

Object Description

Die kompositorischen Möglichkeiten einer vollrunden Figur sind durch extreme Drehungen und die sich schlagartig verändernden Ansichten der Statuette voll ausgenutzt. Seiner Funktion als Sockel gemäß ist der geduckt hockende Löwe mit nach vorn gewandtem Kopf relativ blockhaft und in seinen vier Ansichtsseiten noch klar differenziert; doch strahlt auch er durch die bedrohlich sprungbereite Haltung Dynamik und Unruhe aus. Auf ihm steht die Muttergottes mit Kind, deren anatomisch abstrakte Figurenauffassung, kontrastreiche Komposition und unorganische Torsionen sofort ins Auge fallen. Über dem rechten Standbein lädt die Hüfte stark aus, um das allerdings nahezu in Höhe der Schulter getragene und nur leicht von der rechten Hand gehaltene Kind zu stützen. Die ursprünglich angesetzte (fehlende) linke Hand zeigte in Hüfthöhe nach vorn und dürfte ein Zepter gehalten haben. Der Oberkörper ist annähernd diagonal nach rechts geschwungen, das Haupt in die Gegenrichtung, zum Kind hin. Dabei fällt auf, dass Maria ihren Kopf vom frontalen Betrachter abgewandt hat, dem sie nur noch das Halbprofil darbietet. Durch eine unmittelbare Zuwendung zum Kind ist diese Drehung nicht motiviert; die Muttergottes blickt vielmehr mit weit geöffneten Augen in die Ferne und scheint ein schräg vor ihr befindliches Objekt zu fixieren.
Das Kind zeigt im Unterschied zu seiner Mutter eine konsequent frontale Ausrichtung. Mit leicht geneigtem Kopf hat es die rechte Hand sehr auffällig an sein rechtes Ohr gelegt, während die Linke einst das (abgearbeitete) andere Ende des Schleiers gehalten hat (das Schleierende in der linken Hand wurde später zu einem Apfel umgeändert). Kopfhaltung und Frontalität korrespondieren deutlich mit der Position des Löwen – eine Parallelität, die innerhalb der stark bewegten Komposition besonders heraussticht, zweifelsohne beabsichtigt und mit einer inhaltlichen Aussage verknüpft ist.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 30.04.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)