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Blätterkapitell

Ident. Nr.: AE 266 b

ObjID: obj:863687

Details (expert)

Date(s)
Datierung: 1. Drittel 13. Jahrhundert
Material / Technique
Muschelkalkstein
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 18 x 17 x 17 cm
Acquisition
Erworben 1910 beim Hannoveraner Kunsthändler Louis Ring.

Object Description

Das Kelchblockkapitell ohne figürlichen Schmuck ist allseitig ausgearbeitet und dürfte frei gestanden haben. Die vier Seiten sind auffällig unregelmäßig mit Rankenwerk geschmückt, was keinen sehr geübten Bildhauer, geschweige denn eine routinierte Bauhütte verrät. An den Ecken über dem gerundeten Halsring stehen stark gekehlte Blätter, über denen die Voluten von den Enden zweier hier zusammenlaufender Ranken gebildet werden. Diese sind an den Kapitellseiten jeweils paarweise und spiegelgleich angeordnet. Drei Seiten sind weitgehend identisch: Die Ranken sind mit einem Perlstab geschmückt und unten zusammen gebunden. Die vierte Seite weicht durch die gezackte Rankenform ohne Perlstab leicht davon ab.
Das Kapitell muss für eine allansichtige Aufstellung vorgesehen gewesen sein. Es könnte einen Portikus vor dem Portal getragen haben; auch ein kleinerer Altarbaldachin oder eine Chorschranke kommen in Frage.
Die Skulpturen im Paradies am Nordquerhaus des Lübecker Doms sind nicht vor 1250 ausgeführt worden – eine Datierung, die für das Berliner Kapitell etwas zu spät erscheint, auch wenn gebündelte Ranken und stehende, stark gekehlte Eckblätter um diese Zeit durchaus noch vorkommen, wie unter anderem die ornamentale Bauskulptur am Lübecker Domparadies zeigt.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 22.06.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Würfelkapitell mit Palmetten- und Blattornament

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. An den vier Schildflächen erscheinen leicht alternierende vegetabile Ornamente im flachen Relief. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)