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Der Kaufmann Sigismund Streit im Alter von 52 Jahren

Ident. Nr.: Streit.1

ObjID: obj:863940

Leihgabe der Streitschen Stiftung

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Jacopo Amigoni (um 1682 - 1752),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: 1739
Additional titles
Collection title: Der Kaufmann Sigismund Streit im Alter von 52 Jahren
Translation: The Merchant Sigismund Streit at the age of 52
Geographical references
Italien,
Land
Material / Technique
Öl auf Leinwand
Dimensions
Bildmaß: 97,9 x 78,6 cm
Acquisition
Seit 1964 Leihgabe der Streitschen Stiftung, Berlin

Object Description

Das Porträt zeigt den seit 1709 in Venedig lebenden deutschen Kaufmann und späteren Mäzen Sigismund Streit (1687–1775) im Alter von 52 Jahren. Entspannt im modischen seidenen Hausrock mit weißem Halstuch in einem samtbezogenen Sessel sitzend, blickt er direkt auf die Betrachtenden. Es finden sich keine Attribute, die auf seinen Beruf hinweisen würden, jedoch lassen der hohe, mit Säulen gegliederte Raum, der Sessel und der Seidenstoff auf Wohlstand schließen. Streit gab das Bildnis bei seinem Lieblingsmaler Jacopo Amigoni in Auftrag, der zu den bedeutendsten italienischen Porträtisten der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zählt. Insgesamt besaß Streit elf Gemälde Amigonis. Die anderen Bilder neben diesem Porträt zeigten antike oder alttestamentliche Sujets. Streit stiftete sie 1758 seiner einstigen Schule, dem Berlinischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Jedoch haben nur fünf Gemälde in Berlin überdauert (vgl. Ident. Nr. Streit.13–16). Der aus Neapel stammende Maler war kurz zuvor nach Venedig gekommen, nachdem er unter anderem in Düsseldorf und London tätig gewesen war. 
Seinen Gesichtsausdruck auf dem Porträt fand Sigismund Streit nicht gänzlich getroffen und urteilte: Sein Gesicht sei „ein wenig zu Kurtz, und etwas zu freündlich“ geraten. Es handelt sich um das dritte von vier Porträts, die Streit in verschiedenen Altersstufen in Öl anfertigen ließ. Das erste Bild zeigte ihn im Alter von 30 Jahren (Ident. Nr. Streit.2), das zweite als 45-jährigen und das vierte präsentierte ihn mit 72 Jahren. Das zweite und das vierte Porträt sind Kriegsverluste. Für einen Kaufmann und Nichtadligen um die Mitte des 18. Jahrhunderts handelte es sich um eine beachtliche Anzahl an Bildnissen, die sein ausgeprägtes Interesse an der Wiedergabe seiner Person spiegeln. 

Sigismund Streit war der Sohn eines Berliner Huf- und Waffenschmieds sowie Bierbrauers. Er besuchte von 1697 bis 1701 das Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster. Nach dem Tod beider Eltern zog er vierzehnjährig 1701 zu Verwandten nach Altona und absolvierte eine kaufmännische Lehre. 1709 ging er nach Venedig, wo er zu Wohlstand gelangte. Der kinderlose Kaufmann stiftete später einen Teil seines Vermögens sowie seine Gemälde und zahlreiche Bücher seinem ehemaligen Gymnasium. Das repräsentative Porträt hing über 100 Jahre – bis zum Zweiten Weltkrieg – an der Stirnwand in der Aula des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster, unter anderem zusammen mit dem vierteiligen Bildungszyklus von Giuseppe Nogari (Ident. Nr. Streit.17–20) und einigen venezianischen Veduten aus seiner Stiftung, wie zum Beispiel Canalettos „Canal Grande“ (Ident. Nr. Streit.3). 

Die Kriegszerstörung des Grauen Klosters in Berlin-Mitte im Zweiten Weltkrieg, die Nachkriegswirren und die Teilung der Stadt zogen die Überführung fast aller Streitschen Gemälde nach Berlin (West) nach sich. Seit 1964 befindet sich das Gemälde als Leihgabe der Streitschen Stiftung in der Gemäldegalerie Berlin.


Literatur:
 
Rohrlach, Peter: La collezione di quadri nel Graues Kloster a Berlino, in: Arte Veneta V (1951), S. 198–201, hier S. 199 

Zimmermann, Heinrich: Über einige Bilder der Sammlung Streit im Grauen Kloster zu Berlin, in: Zeitschrift für Kunstwissenschaft VII (1953), S. 197–223, hier S. 197f., Abb. 1 
Venedig im 18. Jahrhundert. Bilder aus der Streitschen Stiftung, hrsg. von Erich Schleier, Ausst.-Kat. Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Juni–September 1974, Berlin 1974, S. 4–8, Abb. S. 2

Gemäldegalerie Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.–18. Jahrhunderts, Berlin 1975, S. 25 

Gemäldegalerie Berlin. Gesamtverzeichnis der Gemälde, hrsg. v. den Staatlichen Museen zu Berlin, Berlin 1986, S. 11, Abb. 1349 

Venedigs Ruhm im Norden. Die großen venezianischen Maler des 18. Jahrhunderts, ihre Auftraggeber und ihre Sammler, Ausst.-Kat. Forum des Landesmuseums Hannover, 3.12.1991–2.2.1992, Kunstmuseum Düsseldorf in Ehrenhof, 16.2.1992–26.4.1992, Hannover 1991, Kat. 1., S. 90f.

Gemäldegalerie Berlin. Gesamtverzeichnis der Gemälde, hrsg. v. den Staatlichen Museen zu Berlin, Berlin 1996, S. 11, Abb. 2472 

Blick auf den Canal Grande. Venedig und die Sammlung des Berliner Kaufmanns Sigismund Streit, Ausst.-Kat. Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Berlin, 6.9.2002–12.1.2003, hrsg. v. Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 2002 (Bilder im Blickpunkt), Kat. 2, S. 67f., Abb. S. 66, S. 143, Abb. 44

Streit, Sigismund: Verzeichnüß Aller Bücher, Gemählde und Andere Sachen, so ich von Venedig und Padua aus, am Gymnasio zum Grauen Closter in Berlin in verschiedener Zeit gesandt habe, hrsg. v. Peter P. Rohrlach und Susanne Knackmuß, Berlin 2006 (Veröffentlichungen aus den Sammlungen des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster, Bd. 1), S. 99, 273, 325, S. 302, Abb. 31 

Last updated: 08.09.2026

Contact

Institution:

Gemäldegalerie

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