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Venus

Ident. Nr.: 1124

ObjID: obj:863959

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Sandro Botticelli (1445 - 1510),
Maler*in
Ausführung: Sandro Botticelli Werkstatt,
Maler*in
Date(s)
Ausführung: um 1490
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Venus
Translation: Venus
Geographical references
Herstellungsort: Italien,
Land
Material / Technique
Leinwand
Dimensions
Bildmaß: 158,1 x 68,5 cm
Acquisition
1821 Ankauf aus der Sammlung des Kaufmanns Edward Solly, Berlin

Object Description

Keine andere Bildschöpfung Botticellis ist heute so bekannt wie seine Darstellung der nackten, von goldenem Haar umspielten Liebesgöttin. Erstmals seit der Antike erscheint der weibliche Akt hier allein aufgrund seiner erotischen Anziehungskraft bildwürdig. Dabei handelt es sich keineswegs um die getreue Wiedergabe eines wirklichen Modells, sondern um ein in höchstem Maße stilisiertes Ideal. Die charakteristische Haltung folgt dem antiken Typus einer Venus pudica, die mit beiden
Händen schamhaft ihre Blöße zu verhüllen sucht. Das Berliner Gemälde, dessen Ausführung auf Leinwand für die Entstehungszeit noch eine Ausnahme darstellt, konzentriert sich ausschließlich auf den Körper der Göttin.

Fast lebensgroß und isoliert wie eine Statue steht sie in klassischem Kontrapost auf einem schmalen Sims aus grauem Stein. Der harte Schlagschatten zu ihren Füßen lässt ihre Präsenz greifbar erscheinen. Auf eine genauere räumliche oder inhaltliche Kontextualisierung wird hingegen verzichtet. Undurchdringliches Dunkel hinterfängt die Figur, wobei die homogene schwarze Farbfläche die schön bewegte Kontur des Körpers, das helle Inkarnat und das ornamentale Linienspiel des überlangen Haars umso wirkungsvoller hervortreten lässt. Mit dem Pinsel flüssig aufgetragene Goldfarbe, sogenanntes Muschelgold, verleiht den einzelnen Strähnen einen übernatürlich scheinenden Glanz. Die sinnlichen Reize betonend, lösen sich die Enden straff gebundener Flechten direkt über der Brust und auch die Scham wird durch den Griff in die fließende Haarfülle eher akzentuiert als verhüllt. Im Eigenleben des Haars, das wie von einem Windhauch bewegt scheint, könnte man den letzten Nachhall des Mythos erkennen, aus dessen Kontext die Figur bewusst isoliert wurde. Denn anders als im berühmten vielfigurigen Gemälde der Florentiner Uffizien ist hier nicht die Geburt der Venus das Thema. Während dort die aus dem Meeresschaum geborene Liebesgöttin von Personifikationen der Winde auf einer Muschelschale an die Küste Zyperns getrieben wird, um alsbald verhüllt zu werden, steht sie dem Betrachter hier – gleichsam auch noch ihrer Geschichte entkleidet – unmittelbar und allein gegenüber. Botticelli verzichtet selbst auf Attribute wie sie Lucas Cranach seiner formal ähnlich reduzierten Venus in Gestalt des Amor beigibt.

Schon der Florentiner Kunstschriftsteller Giorgio Vasari berichtet, Botticelli habe für zahlreiche Paläste seiner Heimatstadt Bilder schöner nackter Frauen geschaffen. Von seiner Venus sind neben den genannten Gemälden heute noch zwei weitere Versionen in der Galleria Sabauda in Turin und in einer Schweizer Privatsammlung bekannt. Der damaligen Praxis entsprechend wurde aufgrund der hohen Nachfrage ein erfolgreicher Prototyp durch die Werkstatt wiederholt. Von der hohen Qualität der Berliner Fassung zeugen die subtilen, aber überaus wirkungsvollen Modifikationen in der Figurenanlage. Die Souveränität der Adaption lässt einen besonders hohen Anteil des Meisters an der Ausführung vermuten. Sabine Hoffmann | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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No other image by Botticelli is as well known today as his portrayal of the goddess of love, naked, with her golden hair playing around her. Here, for the first time since antiquity, a female nude seems worthy of depiction for her erotic attractiveness alone. This is by no means a faithful representation of a real-life model, but of a highly stylised ideal. Her characteristic pose follows the ancient type of the Venus pudica, who coyly tries to cover her nakedness with both hands. The Berlin painting, whose execution on canvas still constituted an exception at the time, concentrates solely on the body of the goddess. She stands, almost life-size and isolated like a statue, in classical contrapposto on a narrow ledge of grey stone. The sharp shadow at her feet makes her presence tangible. A more exact context of space or meaning is, on the other hand, omitted. Impenetrable darkness lies behind the figure, and this homogeneous black surface of colour allows the beautifully dynamic contour of the body, the light flesh tone and the ornamental play of lines of the very long hair to stand out with great effect. Golden paint applied in liquid form with the brush, socalled shell gold, confers a supernatural lustre to the individual locks. Emphasising her sensual charms, the ends of tightly woven plaits come open just above her breast, and her pudenda too are highlighted rather than concealed as she grasps her flowing abundance of hair. In the independent motion of the hair, which appears moved as if by a breath of wind, it is possible to discern the last echoes of the myth from whose context the figure was deliberately isolated: in contrast to the famous painting with many figures in the Uffizi in Florence, the subject here is not the birth of Venus. Whereas in The Birth of Venus, the goddess of love, born from the foam of the sea, is driven on to the coast of Cyprus by personifications of the winds, then
to be clothed, here she stands directly and alone before the beholder – as if she had been stripped of her history, too. Botticelli dispenses with attributes such as that bestowed by Lucas Cranach in the shape of Amor on his Venus, which formally is reduced in similar way.

The Florentine art historian Giorgio Vasari reports that Botticelli painted pictures of beautiful naked women for many palazzi in his home city. In addition to the above-mentioned works, two versions of his Venus are known today: in the Galleria Sabauda in Turin and in a Swiss private collection. In accordance with contemporary practice, a successful prototype was repeated by the studio, due to high demand. The subtle but extremely effective modifications to the figure testify to the high quality of the Berlin work. The confident skill of the adaptation suggests that the master himself made a particularly large contribution to the execution. Sabine Hoffmann | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 24.09.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

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Der dargestellte Wladislaw IV. (1595 – 1648) war seit 1632 König von Polen. Auf seinem reich dekorierten Wams ist eine Kette erkennbar, die ihn als Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ kennzeichnet, dem er seit 1615 angehörte. Er trägt ein violettes Käppchen. Auffällig an der Frisur Wladislaws IV. ist ein dünner Zopf, der auf die linke Schulter fällt und dessen Ende von einer breiten Schleife zusammengehalten wird. Er war in zweiter Ehe mit Louise – Marie, Prinzessin von Gonzaga, Mantua, Montferrat und Nevers („Fille de France“, d.h. Prinzessin von Geblüht) vermählt. Die Trauung fand in Abwesenheit des Bräutigams im Jahre 1645 in der Kathedrale St. Denis statt. Dabei wurde der polnische König durch den Woiwoden von Posen, Christoph Graf Bnin Opalinski vertreten. Mehrmonatige Feierlichkeiten zogen Viele nach Paris, so auch den gefragten Genfer Miniaturmaler Paul Prieur (Um 1620 - 1682/83). Der umtriebige Hugenotte schuf dort zu dieser Zeit auch die Berliner Miniatur. Es wird sich dabei um ein diplomatisches Geschenk des polnischen Königs an den Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm von Brandenburg) gehandelt haben, der im Jahre 1640 Wladislaw IV. den Lehnseid als Herzog von Preußen leistete und 1646 aus Anlass des Einzugs der aus Paris kommenden polnischen Königin Louise-Marie in Danzig anwesend war. Auf dem Contreémail der Miniatur ist in der Mitte ein von der Sonne gekrönter Obelisk auf vier Kugeln auf einem Postament geschildert. Traditionell als „Gloria dei principe“ (Ruhm des Prinzen) lesbar. Dem gesellt sich die Umschrift HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (Ehre ist der Lohn der Tugend). Die vorzügliche, auf einem Bildträger aus Gold gearbeitet, Berliner Emailminiatur eröffnet die Reihe von Paul Prieurs datierten Arbeiten. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Rückseite: HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (umlaufend); unten: prieur Fecit / 1645

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

Von den bedeutenderen Meistern des Bologneser Spätmanierismus (O. Samacchini, L. Sabatini, P. Fontana) war Bartolomeo Passarotti zweifellos der fortschrittlichste, derjenige, der am deutlichsten Stilelemente der Carracci vorwegnahm. Agostino Carracci war zeitweilig sein Schüler, Annibale Carracci wurde in seiner Frühzeit stark von ihm beeinflusst. Passarotti hat in Rom bei Taddeo Zuccari gearbeitet (1551), stand aber andererseits in der Tradition des Bologneser Manierismus (Pellegrino Tibaldi) und wurde auch von Parmigianino und Niccolò dell`Abate beeinflusst. Sein Oeuvre besteht aus drei Komplexen: Altarbilder, Porträts und Genrebilder. Die Altarbilder befinden sich ausnahmslos noch am Ort, in Kirchen Bolognas und der Emilia sowie im Museum von Bologna. Besonders berühmt war Passarotti als Porträtmaler. Seine weit verbreiteten und gelegentlich auf dem Markt vorkommenden Porträts bildeten die unmittelbare Vorstufe für die Porträtkunst der Carracci.Auch die kleinste Werkgruppe, die der Genrebilder, wurde für die Carracci vorbildlich. So galt das Berliner Bild der "Schachspieler", das 1971 dem Ludovico Carracci zuerkannt wurde, lange als Werk Passarottis (A. Venturi, 1933). Zu der kleinen Gruppe der Genrebilder Passarottis gehört das vorliegende, aus dem Londoner Kunsthandel angebotene Bild einer halb stilllebenhaft, halb porträthaft (in Dreiviertelfiguren) gefassten Marktszene: eine alte Marktfrau, die mit Geflügel und Gemüse handelt, preist ihre Hühner an. Mit beiden Armen hat sie eine Henne und einen Hahn gepackt und hält sie dem Betrachter als ideellem Käufer entgegen, ihn anblickend, den sprechend geöffneten Mund zu einem leichten Lächeln verzogen. Sie lehnt mit dem rechten Arm auf den hölzernen Hühnerkäfig, auf dem links hinten ein Hahn thront. Im Hintergrund ferner eine Stange, an der, mit einem Band befestigt, ein Schild hängt, auf dem der Buchstabe P (= Pollaiolo [Geflügel-Verkäufer], aber wohl auch das Monogramm des Künstlers) steht. In der rechten Bildhälfte sieht man eine bildeinwärts gerichtete junge Frau mit ihrem Jungen. Es bleibt unklar, ob sie eine Kundin oder eine zweite Verkäuferin ist. Das Halsband aus roten Steinen und der relativ aufwendige, schleierartige Überhang deuten wohl eher auf eine Kundin hin. Ihr verlorener Blick aus den Augenwinkeln geht am Betrachter vorbei. Sie schmiegt ihr Kind mit dem linken Arm an sich (sie greift in sein Haar), vielleicht will sie den Jungen, der gerade mit der Hand nach einem Kürbis greift, zurückhalten. Im Vordergrund unten ein Korb (oder eine Karre) prallgefüllt mit Zwiebeln und Kürbissen.Die Figuren und der stilllebenhaft arrangierte Kürbishaufen sind eng ins Bildfeld eingepasst. Figuren und Formen, ganz in der vordersten Bildebene platziert, vermitteln den Eindruck bedrängender Nähe und handgreiflicher Wirklichkeit. Dieser Eindruck wird unterstrichen durch die pastose Malweise, die freie, lockere Pinselschrift, eine Faktur, die, zusammen mit der Art der Gewandbehandlung und der Modellierung, vor allem aber der Farbigkeit, ganz unmittelbar auf die wenige Jahre später entstandenen Genrebilder Annibale Carraccis (Schlachterladen in Oxford, Bohnenesser in Rom, Gal. Colonna) vorausweist. Annibale Carracci hat in seinen Genrebildern, die alle in die Frühzeit fallen, mit dem gleichen Realismus, der gleichen Naturbeobachtung gearbeitet. Gleichwohl würde man die Bilder als lediglich realistische Markstücke im Sinne des 19. Jahrhunderts missverstehen. Im vorliegenden Bild ist offenbar eine Anspielung auf die drei Lebensalter mit gemeint, außerdem hat die neuere Forschung in den Genrestücken Passarottis und Carraccis Bezüge zur Commedia dell`arte gesehen (letztlich auf Aristoteles' Poetik fußend; vgl. B. Wind, Pitture ridicole: Some Late Cinquecento Comic Genre Paintings, in: "Storia dell'Arte", 20, 1974; ders., Annibale Carracci's "Scherzo": The Christ Church Butcher Shop, in: "The Art Bulletin" 1976). So wie Passarottis Genrebilder einerseits auf die Carracci vorausweisen, fußen sie andererseits auf niederländischen Vorbildern, vor allem von Aertsen und Beuckelaer (vgl. H. Bodmer, Die Kunst des Bartolomeo Passerotti, in: "Belvedere" 1938).Das vorliegende Werk war bis zur Erwerbung unpubliziert. Seine Komposition war jedoch aus einer qualitativ unterlegenen Werkstattreplik bekannt, die Daniele Benati (Una 'Lucrezia' e altre proposte per Bartolomeo Passerotti, in: "Paragone" 379, 1981) publiziert hat. Benati datiert das vorliegende Original in die späten siebziger bzw. frühen achtziger Jahre. Es gibt außer diesem Bild nur noch fünf vollwertige Genrebilder Passarottis, von denen drei Bilder (alle querformatig) dem vorliegenden stilistisch und ikonographisch engstens verwandt sind: "Zwei Fischverkäufer" und "Zwei Schlachter" in Rom, Galleria Nazionale d'Arte Antica (ehemals Slg. Messinger, München) und "Zwei Geflügelverkäuferinnen" (Florenz, Stiftung Longhi, ehemals Berlin, C. Benedict). Diese drei Bilder sind in einem Inventar der Slg. der Marchesi Mattei (Rom) von 1614 zusammen mit einem vierten aufgeführt, das zwei Geflügelverkäuferinnen mit einem Kind darstellt. Es läge nahe, das vorliegende Bild mit dem vierten Bild zu identifizieren, wenn nicht das andersartige Hochformat dagegen spräche. Die Verbindung von derber Drastik des Motivs, von zupackendem Realismus mit malerischer Kultur der Ausführung ist das Charakteristische dieses und der anderen Genrebilder Passarottis. Zugleich ist das Bild ein frühes und bedeutendes Beispiel der für Italien auch im frühen 17. Jahrhundert wichtigen Bildform eines vegetabilen Stilllebens (Gemüse, Früchte, Blumen) mit begleitenden Figuren. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf dem Ladenschild oben: P

Ansicht von Nijmegen

Ansicht von Nijmegen

Rechts über dem Ufer der Waal erhebt sich die Stadt Nijmegen mit dem charakteristischen viereckigen Turm des Valkenhofs. Stadtansichten nehmen im OEuvre van Goyens einen breiten Raum ein, wobei der viel gereiste Künstler sich motivisch auf seine Skizzenbücher stützen konnte. Trotzdem erheben seine äußerst naturgetreu anmutenden Schilderungen keinen Anspruch auf topografische Exaktheit. Der Raum wird perspektivisch durch den diagonal in die Bildtiefe verlaufenden Fluss erschlossen, ein für Goyen typisches Konstruktionsprinzip. Zusammengehalten wird die Komposition durch die atmosphärische, auf Gelb-, Braun- und Grüntönen basierende Farbigkeit. Ebenso wird der Schilderung des Himmels große Aufmerksamkeit geschenkt.| Prestel-Museumsführer - Gemäldegalerie Berlin, 2017SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. an der Fähre: vGOYEN 1649________________________________________________________________________________________________________________________________________The town of Nijmegen with the landmark square tower of the Valkenhof rises above the right bank of the Waal. Town views are a major theme in van Goyen’s work; he travelled a great deal, and was able to rely on his sketch-books for material. Nevertheless, though his pictures seem extremely lifelike, they make no claims to topographical precision. The space is opened up in terms of perspective by the river, which runs diagonally into the depths of the picture, a typical structural principle for van Goyen. The composition is held together by the atmospheric colouring, based on shades of yellow, brown and green. A great deal of attention is also paid to the presentation of the sky.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2019