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Thronende Maria mit dem Kind und den beiden Johannes

Ident. Nr.: 106

ObjID: obj:864025

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Sandro Botticelli (1445 - 1510),
Maler*in
Bestellung: Giovanni d'Agnolo de' Bardi (1431 - 1488),
Auftraggeber*in
Date(s)
Ausführung: 1484 - 1485
Additional titles
Collection title: Thronende Maria mit dem Kind und den beiden Johannes
Translation: Mary Enthroned with the Child and the two Johns, ‘Bardi Altar’
Geographical references
Italien,
Land
Material / Technique
Pappelholz
Dimensions
Bildmaß: 185 x 180 cm
Acquisition
1829 Ankauf von Carl Friedrich von Rumohr in Florenz

Object Description

Das Kompositionsschema der Thronenden Maria mit Kind und Heiligen in einem einheitlichen, quadratischen Gemälde entwickelte sich während der Renaissance zu einem sehr populären Sujet und erhielt später die Bezeichnung »Sacra conversazione « (heilige Unterredung). Es handelt sich um eine florentinische Invention, mit der Fra Angelico Mitte der 1430er-Jahre den Versuch unternahm, die traditionellenTypologie des Polyptychons zu erneuern. Schon bald gehörte sie in der toskanischen
Region zu den gängigen Altarmotiven. Die Altartafel für die Grabkapelle des Florentiner Kaufmanns Giovanni d’Angelo de’ Bardi (1433–88) bildet hier keine Ausnahme. Giovanni de’ Bardi stammte aus einer Florentiner Patrizierfamilie und war in London zu Reichtum gelangt, wo er vor allem für die Medici-Bank tätig war. In den frühen 1480er-Jahren kehrte er in seine Heimatstadt zurück, um dort
seine letzten Lebensjahre zu verbringen. Verständlicherweise wandte er sich bei seiner Suche nach einem Künstler für die Ausstattung seiner Grabkapelle an die befreundeten Medici; diese sollte in der erst kurz zuvor nach Plänen von Filippo Brunelleschi fertiggestellten Pfarrkirche S. Spirito entstehen. Als Architekt wählte er Giuliano da Sangallo, der zur gleichen Zeit mit dem Bau der Medici-Villa in
Poggio a Caiano begann. Der geschnitzte Originalrahmen ist verschollen, wies aber vermutlich einen kunstvoll antikisierenden Stil mit ähnlichen Dekorationen wie der Sockel des Marienthrons auf. Mit dem Gemälde wurde Sandro Botticelli beauftragt. Dieser hatte gerade erst mehrere Meisterwerke für die Medici vollendet, darunter die Primavera (Frühling) und die Geburt der Venus (beide in den Uffizien), und war von einem Aufenthalt in Rom zurückgekehrt, wo er an der Ausmalung der Sixtinischen Kapelle beteiligt gewesen war.

Dieses Bild strahlt jedoch eine völlig andere Atmosphäre aus als die Geburt der Venus. Zwar handelt es sich um ein religiöses und kein weltliches Thema, doch könnte Johannes der Täufer mit weniger Kleidungsstücken dargestellt sein (wie auf Botticellis ein Jahrzehnt zuvor entstandenem Heiligem Sebastian in der Gemäldegalerie). Auch verbirgt die Jungfrau ihre Brust, die sie drückt, um das
Christuskind zu stillen – ganz im Gegensatz zur nackten Venus, die großen Anteil an Botticellis Ruhm besaß. Der Maler und seine Werkstatt fertigten mehrere Repliken der Geburt der Venus an, in denen nur die Venus vor einem schwarzen Hintergrund zu sehen ist. Eine dieser Werke wird ebenfalls in der Gemäldegalerie aufbewahrt (Abb. S. 343). Doch die Zeichen standen auf Wandel, vor allem in Florenz, wo man feststellte, dass die ungebremste Verherrlichung einer heidnischen Antike, die im
Zentrum der Renaissancekunst stand, mitunter christlichen Moralvorstellungen zuwiderlief.
Zu dieser Zeit begann Botticelli damit, asketische Figuren (den Täufer) und ernste Gesichter (Johannes der Evangelist, erkennbar an dem Adler dahinter) zu malen oder nackte Haut zu verbergen (Marias Brust). Kurze Zeit später sollte er einige Tafeln mit nackten Frauen, die er in vorangegangenen Jahren gemalt hatte, mit eigenen Händen verbrennen und dem strengen Regiment folgen, dass der Dominikaner Girolamo Savonarola 1494 in Florenz eingerichtet hatte.

Dieses Bild entstand jedoch zu einem früheren Zeitpunkt. Hier ist Botticelli immer noch der Maler der Primavera, der Pflanzen und Blumen mit der Präzision eines Botanikers wiedergibt. Auch sind die drei Nischen hinter den Heiligen nicht in Stein ausgeführt, wie in der Sacra conversazione üblich, sondern bestehen aus Laub. Diese einzigartige Entscheidung ist von besonderer Bedeutung und wird von der Inschrift im Spruchband an der Vase im Hintergrund deutlich. Die Sprüche stammen beinahe ausnahmslos aus dem Buch Kohelet und wurden im 15. Jahrhundert bei Gebeten an die heilige Jungfrau rezitiert. Sie behandeln das Pflanzen von Bäumen, insbesondere von Palmen, Zedern, Zypressen und Olivenbäumen – die vier Holzarten, aus denen nach Ansicht des Theologen Hugo von St. Viktor aus dem 12. Jahrhundert das Kreuz Christi gefertigt war. Die Lilien auf dem Thron Mariens
verweisen auf deren Jungfräulichkeit, zugleich symbolisiert durch die Vegetation im Hintergrund: Es handelt sich ohne Zweifel um einen Garten, einen geschlossenen Garten, so wie Maria Jungfrau geblieben und von keinem Mann berührt worden ist. Die Gleichsetzung der Jungfrau Maria mit einem Hortus conclusus (verschlossener Garten) war für die zeitgenössischen Betrachter deutlich, es ist jedoch unwahrscheinlich, dass jemand, der die Inschriften nicht kannte, in der Lage war, deren
Sinn zu verstehen. Die volle Bedeutsamkeit des Altarbilds erschloss sich demnach nur wenigen.

In diesem Altarbild zeigt sich Botticelli daher sowohl expressionistisch – in den Gesichtsausdrücken, die seiner üblichen Malweise entsprechen – als auch symbolistisch, in der Auswahl der Pflanzen im Hintergrund (dass zwei Heilige mit gleichlautendem Namen Johannes dargestellt sind, ist ebenfalls kein Zufall, da der Auftraggeber den Vornamen Giovanni trug). Die überragenden Fähigkeiten des
Malers spiegeln sich nicht nur in der Präzision wider, mit der er die Vegetation wiedergibt: Im Zentrum ist im Vordergrund eine kleine Tafelmalerei vor ein Gefäß, ebenfalls ein Symbol der Jungfrau, gestellt. Sie zeigt eine Kreuzigungsszene auf blauem Hintergrund und scheint nicht dem Bildraum des Gemäldes anzugehören: Entgegen der Vase wirft die Tafel keinen Schatten auf die Brüstung im Vordergrund. Sie wirkt wie die Tür eines echten Tabernakels, das sich quasi im Altarbild befindet und dem man Hostie und Wein – den Leib und das Blut Christi – entnehmen kann.
Am einstigen Aufstellungsort des Altarbilds, die erste Kapelle auf der linken Seite des Chorumgangs von S. Spirito, besaß dieser Trompe-l‘OEil-Effekt sicherlich eine noch stärkere Wirkung.

Ein letztes Detail wurde bislang wenig beachtet: Auf der kolorierten Marmorplatte zur Linken des Marienthrons erkennt man deutlich ein männliches Profil, das von einem Lorbeerkranz gekrönt ist (Abb. S. 339). Es handelt sich entweder um eine freie Kopie nach einer antiken Medaille oder das idealisierte Porträt eines Humanisten, wenn nicht gar des bekanntesten Bewunderers der Antike in Florenz, Lorenzo il Magnifico. Diese Frage bedarf zu ihrer Klärung noch weitere Studien. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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The scheme of composition of the Virgin and Child enthroned, surrounded by saints and viewed in a unified, square picture became extremely popular throughout the Renaissance and was later called sacra conversazione or “holy conversation”. This is a Florentine invention, due to Fra Angelico in the mid-1430s in an attempt of modernising the ancient formula of the polyptychs. Soon enough, it became the norm for altar painting in the city of Florence. The altarpiece for the funeral chapel of the Florentine merchant Giovanni d’Angelo de’ Bardi (1433–88) is no exception to this rule. Giovanni de’ Bardi, who came from a Florentine patrician family, had made his fortune in London, working in particular for the Medici bank. Returning to his hometown in the early 1480s to spend the last years of his life, it was naturally towards the Medici that he had turned himself to find artists capable of adorning a chapel that would ensure the peace of his soul. The chapel was placed in his parish church of Santo Spirito, recently completed after the initial plans of Filippo Brunelleschi. The chosen architect was Giuliano da Sangallo, who in the same years began the construction of the Medici Villa in Poggio a Caiano; his frame carved for the present altarpiece is now lost but must have been in a skilful antique style, with decorations similar to those seen at the base of the Virgin’s throne. The painter was Sandro Botticelli, who had recently created outstanding masterpieces for the Medici, to begin with the Primavera and the Birth of Venus (both in the Uffizi), and had just returned from a stay in Rome where he had participated to the frescoed decoration of the Sistine Chapel.

In comparison to the Birth of Venus, the atmosphere is quite different in the present painting. It is true that the theme is religious and not pagan, but still: John the Baptist could have been more undressed (on the model of Botticelli’s Saint Sebastian, painted a decade before and also preserved in the Gemäldegalerie); as for the Virgin, she hides the breast she presses in order to breastfeed Christ, quite the opposite of the naked Venus who did so much for Botticelli’s glory (the painter and his workshop made a few replicas of the Birth of Venus with the Venus alone over a black background, one of which is now in the Gemäldegalerie; fig. p. 343). But times were changing, especially in Florence where one was realizing that the unlimited glorification of pagan antiquity that was at the heart of the Renaissance sometimes conflicted with Christian morals. This is the moment when Botticelli began representing ascetic figures (the Baptist), severe faces (the Evangelist John, recognisable by the eagle hidden behind him), or veiled nudities (Mary’s breast). Soon, he would burn some of the panels with undressed women he had painted during the previous years, and follow the rigid dictatorship established in Florence in 1494 by the Dominican friar Girolamo Savonarola.

But we are not at that stage yet; in this altarpiece, Botticelli is still the painter of the Primavera, the one who represents plants and flowers with the accuracy of a botanist. In fact, the three niches surrounding the saints, in the background, are not made of stone, as was the tradition in the “holy conversations”, but entirely built with foliage. This unique choice had a peculiar signification, explained by the inscriptions visible on the ribbons of paper surrounding the vases behind the figures. Almost all are taken from the Book of Ecclesiastes in the Ancient Testament, and were cited in the 15th century during the prayers to the Virgin. They evoke the planting of trees, and especially palm, cedar, cypress and olive trees – the four species of wood from which the Cross of Jesus-Christ was made, according to the 12th-century theologian Hugh of Saint Victor. As for the lilies crowning the throne of the Virgin, they evoke the purity of Mary, symbolized by the whole background of vegetation: it is certainly a garden, but a closed one, just as Mary remained Virgin, not penetrated by any man. The association of the Virgin Mary with a hortus conclusus or “enclosed garden” was common enough not to escape the viewer of the time; it is unlikely, however, that anyone could read the inscriptions without knowing them previously. The full significance of the altarpiece was reserved to the happy few.

In this altarpiece, Botticelli is therefore both expressionist in his physiognomies, drawn from his recognizable line, and symbolist in the choice of plants in the background (that the two Saints are called John is no coincidence either, the patron of the work calling himself Giovanni). The painter shows his mimetic skills not only in the accuracy in which he paints the vegetation: at the centre, in the very foreground of the painting, a fictive painted panel is placed in front of a vase (which also represents the Virgin). It shows a Crucifixion on a blue background and does not seem to belong to the same reality as the rest of the painting: the vase casts a shadow on the parapet in the foreground, but not the Crucifixion. It is as if it were a real tabernacle door, which one could open through the altarpiece in order to reach the host and the mass wine, which were considered as the Body and Blood of Christ. There is no doubt that this trompe-l’oeil effect must have been even more striking when the altarpiece was still in its original location, in the first chapel to the left of the apse of the church of Santo Spirito.

One last detail has not attracted much attention: in the coloured marble plaque on the left basis of the Virgin’s throne, one can clearly distinguish a male profile, crowned with laurels (fig. p. 339). Is it a free copy from an antique medal, an idealized portrait of some humanist, or of the most famous admirer of antiquity in Florence at the time, Lorenzo the Magnificent. This has yet to be investigated. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 30.07.2026

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Gemäldegalerie

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Zwei angekettete Affen

Zwei angekettete Affen

Das ungewöhnliche Bild entstand im Jahre 1562, kurz bevor Bruegel aus Antwerpen nach Brüssel übersiedelte. Dargestellt sind zwei Affen, die an einen eisernen Ring gekettet sind und in einer gewölbten Fensteröffnung sitzen. Die schweren Ketten, das massive Mauerwerk und die niedrige Fensterwölbung verstärken den Eindruck der Gefangenschaft, aus der ein Entkommen kaum möglich erscheint. Mit großem Einfühlungsvermögen hat Bruegel das Verhalten und die Mimik der Affen charakterisiert, die in der Gefangenschaft ihr lebhaftes Wesen verloren haben. Den äußersten Kontrast zur Enge der verliesartigen Nische bildet der Blick aus dem Fenster. Man erkennt die Stadt Antwerpen mit dem Hafen und dem hoch aufragenden Turm der »Onze Lieve Vrouwekerk «. Davor leitet der breite Strom der Schelde in die Ferne, wo Wasser und Himmel ineinander übergehen. Der Kontrast zwischen der bedrückenden Enge der schattigen Maueröffnung und der lichten Weite der Landschaft mit den am Himmel dahinfliegenden Vögeln und den Schiffen, die von Reisen in ferne Länder künden, läßt die Gefangenschaft der beiden Tiere eindringlich empfinden. Die formalen Anregungen für Bruegel mögen die Stiche der Vier Affen von Israhel van Meckenem oder Dürers Madonna mit der Meerkatze geliefert haben. Von noch größerer Bedeutung müssen jedoch Studien nach der Natur gewesen sein. Bei den von Bruegel dargestellten Affen handelt es sich um die Halsband- oder Rotkopfmangabe (Cercocebus torquatus), deren Verbreitungsgebiet vom Kap Verde im Westen Afrikas bis an den Unterlauf des Kongo reicht. Bruegels meisterhafte Darstellung der beiden Affen beruht also auf exakter Naturbeobachtung. Daß es ihm dabei lediglich um eine Tierstudie ging, darf mit Recht bezweifelt werden. Fraglich ist auch, inwieweit das kleine Bild mit den Lebensumständen des Künstlers, dem bevorstehenden Umzug nach Brüssel, der Heirat und dem Verlust seiner Unabhängigkeit in Verbindung gebracht werden darf. Es ist hingegen denkbar, daß daß Bild für einen Freund gedacht war, den der Künstler in Antwerpen zurückließ. Von seiner symbolischen oder allegorischen Bedeutung her war der Affe Sinnbild für den an seine Triebe geketteten Menschen, der der Gefangene seiner animalischen Begierden ist. Offensichtlich hat Bruegel mit den angeketteten Affen gleichnishaft auf den verblendeten Menschen anspielen wollen, der, wie die zerbrochene Nuß neben den Tieren zeigt, angesichts eines Gewinnes von zweifelhaftem Wert bereit ist, seine Freiheit zu opfern. Die Gefangenschaft der Tiere ist von Bruegel als Paraphrase auf die in tierischer Versklavung lebenden Menschen gedeutet worden, die sich nicht von den christlichen Tugenden leiten lassen und deshalb einem traurigen Ende entgegensehen. Bruegel wäre nicht der Moralist, als der er sich in vielen seiner Bilder zu erkennen gibt, wenn er sich mit der Darstellung des als unabänderlich empfundenen Zustandes zufriedengegeben hätte. In diesem Bild sind die Ketten Sinnbild einer verzweifelten Situation. Erst die genaue Betrachtung zeigt, daß es einen Ausweg gibt. Sie enden nämlich in einem Knebel, der durch einen Ring gesteckt ist. Zöge man den Knebel etwas zurück und brächte ihn in eine senkrechte Position, ließe er sich durch den Ring zurückschieben und die Verbindung wäre gelöst. Da sich die beiden Affen in ihr dumpfes Schicksal ergeben haben, gelangen sie nicht zu der Erkenntnis, daß sie sich selbst befreien könnten. Sie sind außerstande, die ihnen von der Natur verliehenen Gaben sinnvoll einzusetzen und sich selbst zu retten. Ähnlich ergeht es dem Menschen, der aufgrund mangelnder Einsicht sein eigener Gefangener bleibt. Bruegels Botschaft lautet deshalb, daß erst die Besinnung des Menschen auf sich selbst ihn auf den rechten Weg zu führen vermag. Ein in Klugheit und Bescheidenheit geführtes Leben wird ihn dann in die Lage versetzen, die selbstverschuldete Gefangenschaft abzuschütteln und sich aus der seelischen Knechtschaft zu befreien. Diese ethisch-rationalistische Grundhaltung begegnet uns beispielhaft in den humanistischen Schriften des Erasmus von Rotterdam und des Dirck Volckertsz Coornhert. Sie ist Ausdruck einer Moralphilosophie, die viele der tiefgründigen Allegorien Pieter Bruegels erfüllt, den spätere Generationen allzu oberflächlich als »Bauern-Bruegel« bezeichnet haben. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten: • BRVEGEL • MDLXII •___________________________________________________________This unusual picture dates from the year 1562, shortly before Bruegel relocated from Antwerp to Brussels. Depicted is a pair of monkeys, both chained to an iron ring and sitting in the opening of an arched window. The heavy chains, the massive masonry, and the low arch of the window strengthen an impression of confinement,from which there is apparently no possibility of escape. With great sensitivity and empathy, Bruegel has characterised the attitudes and expressions of the monkeys, which seem to have been deprived of their liveliness by their imprisonment. There is a powerful contrast between the constriction of the dungeon-like niche and the view through the window. Recognisable is the town of Antwerp with its harbour, and the tall, looming tower of the “Onze Lieve Vrouwekerk” (Church of our Lady). Before the town, the broad stream of the Scheldt River leads into the distance, where water and sky merge. The contrast between the oppressive closeness of theshadowy wall opening and the bright expense of the landscape, with its birds flying in the sky and its ships, which herald journeys to distant lands, allows the holder to empathise all the more strongly with the captive condition of these creatures.Among the stimuli Bruegel drew upon for this painting may have been an engraving entitled Four Monkeys by Israhel van Meckenem and Dürer’s Madonna with the Monkey. Of even greater significance however must have been studies after nature. The monkeys depicted by Bruegel were Collared or Red-capped Mangabeys(Cercocebus torquatus), whose area of distribution ranges from Cape Verde in West Africa to the Lower Congo. Bruegel’s masterful depiction of these animals was based on the precise observation from life. It can hardly be supposed however that he attempted here to produce a mere animal study. Questionable as well is the degree to which this little picture can be related to the artist’s life circumstances, his imminent relocation to Brussels, or his marriage and concomitant loss of independence. On the other hand, it is conceivable that this picture was intended for a friend the artist left behind in Antwerp.Concerning this image’s symbolic or allegorical significance, the monkey was an emblem of the individual who is chained to his desires, a prisoner to animalistic cravings. With the image of the chained monkeys, evidently, Bruegel sought to allude allegorically to deluded people who were prepared – as implied by the broken nutslying next to the animals – to sacrifice their freedom for a gain of dubious value. The captivity of these animals in Bruegel’s picture can be interpreted as a paraphrase of people who exist in bestial enslavement, who are not guided by Christian virtue, and can therefore look forward to a pitiful end. Bruegel would not however have been the moralist we recognise in so many of his pictures if he had been content to merely depict a situation that is conceived as irrevocable. In this painting, the chains are emblems of a desperate situation. And a precise examination of that situation reveals that there is in fact a way out. As it happens, the chains terminate in a toggle, which has been inserted into a ring. If the toggle is retracted and brought into a vertical position, it can be forced back through the ring, disengaging the connection. Having surrendered to their gloomy fate, the two monkeys never arrive at the awareness that they can liberate themselves. They are incapable of meaningfully employing the gifts with which nature has endowed them in order to rescue themselves. Much the same is true of people who, lacking sufficient insight, remain their own prisoners. Bruegel’s message, then, is that only the individual’s self-reflection is capable of leading him onto the right path. A life that is conducted with wisdom and modesty will enable him to shake off his self-imposed imprisonment, to free himself from spiritual bondage. This is the same fundamentally ethical and rationalistic ethic we encounter in exemplary form in the humanistic writings of Erasmus of Rotterdam and Dirck Volckertsz Coornhert. It is an expression of the moral philosophy that is materialised in many of profound allegories of Pieter Bruegel – who was referred to with striking superficiality by later generations as “Peasant Bruegel”. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Früchte- und Blumenkartusche mit Weinglas

Früchte- und Blumenkartusche mit Weinglas

In einer kartuschenartigen Nische aus Stein steht auf einem Sockel ein halb gefüllter und mit Beerennuppen verzierter Römer. Flankiert wird das Trinkgefäß von zwei in Stein gehauenen und mit Flügeln versehenden Kinderfiguren, so genannten Seraphim. Drei üppige Girlanden mit verschiedensten Blumen-, Getreide- und Fruchtsorten zu denen Trauben, Granatäpfel, Pfirsiche, Pflaumen, Nüsse, Feigen, Kastanien und Erdbeeren zählen, sind am oberen und unteren Rand der Kartusche gruppiert. Belebt wird das Ganze durch zahlreiche kleine Tierchen, wie einem Spatzen, einer Eidechse, einer Heuschrecke oder einem Schmetterling. De Heem stellt hier in der mikroskopischen Feinheit der Ausführung und der vollendeten Nachbildung der Natur seine malerische Meisterschaft unter Beweis. In der präzisen Darstellung von Stachelbeeren, deren Kerne sich zart durch die Schale hindurch abzeichnen, von prallgefüllten Trauben mit durchscheinend leuchtender Haut oder der überzeugend gestalteten stumpfen Oberfläche der Walnüsse, zeigt sich seine sorgfältige Beobachtung der verschiedensten Erscheinungsformen von Pflanzen und Früchten. Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine Sonderform der Stilllebenmalerei, die in den südlichen Niederlanden aufkam und hier ihre Blütezeit erlebte. Diese Stillleben mit christlich-religiösem Gehalt zeigen ein zentrales oft auch materiell abgesetztes Motiv, um das ein dicht gemalter Blumenkranz oder üppiges Fruchtgehänge angeordnet ist. Die dargestellten Blumen und Früchte tragen dabei nicht nur zur Steigerung der ästhetischen Bedeutung bei, vielmehr leiten sie zu genauem Schauen an und führten über zu einer meditativ-adorierenden Betrachtung des Mittelmotivs. Gleichzeitig fungieren sie oft auch als inhaltliche Verweise. Auf dem Berliner Bild darf das zentrale Motiv des gefüllten Römers, über dem das Auge der Providentia (Vorhersehung) als Lichterscheinung schwebt, sicherlich als Verweis auf die Eucharistie gewertet werden. Neben einer eher allgemein gehaltenen christlichen Pflanzen- und Tiersymbolik fällt zudem das Motiv der Sonnenblume auf, das in diesem Zusammenhang wahrscheinlich christologisch, im Sinne einer Ausrichtung der menschlichen Seele auf Christus, zu deuten ist.In der Regel entstanden derartige Stillleben in der Zusammenarbeit von zwei spezialisierten Malern. Häufig wurden derartige Kartuschen auch auf Vorrat gemalt und erst später ergänzt. In diesem Sinne handelt es bei dem Berliner Bild um eine Ausnahme, da de Heem hier alle Teile des Bildes eigenhändig ausführte.Jan Davidsz de Heem war gebürtiger Holländer, der zunächst in Utrecht und Leiden arbeitete, bevor er weiter nach Antwerpen zog. Seine frühen Werke, kleinformatige Vanitas-, Früchte- und Blumenstücke, malte er noch im Stile holländischer Stillebenspezialisten, deren kompositorischer Aufbau streng und überschaubar war. Angeregt durch die Haarlemer Stillebenmalerei legte er seine Bilder dieser Zeit oft monochrom an. Mit der Übersiedlung nach Antwerpen im Jahre 1636 wandelte sich de Heems künstlerische Auffassung grundlegend. Unter dem Einfluss der monumentalen und farbenfrohen Stillleben des Frans Snysders oder der Blumenkränze bzw – kartouchen von Daniel Seghers, entwickelte er eigene Formen des Stilllebens und führte hier diverse Neuerungen ein. Als einer der begabtesten und einflussreichsten Stillebenmaler seiner Zeit wurden seine Werke bereits zu Lebzeiten außerordentlich geschätzt und blieben auch nach seinem Tod begehrte Sammelobjekte. Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten: J•D•DE.HEEM f__________________________________________________________The painting shows a half-filled Roman-style goblet decorated with stylised grapes standing in a stone niche on a pedestal. The drinking vessel is flanked by two stone cherubs: children’s figures with wings called seraphs. Three sumptuous garlands with a rich variety of flowers, grains and fruits, including grapes, pomegranates, peaches, plums, nuts, figs, chestnuts and strawberries, are grouped at the top and bottom edges of the niche. There are also numerous small animals in amongst the flowers, including a sparrow, a lizard, a grasshopper and a butterfly. De Heem’s exceptional artistic skill is demonstrated in the microscopic detail and the perfect reproduction of nature. The precise depiction of gooseberries, with the seeds visible through the translucent skins, the lusciously plump grapes, the very realistic dusky surface of the walnuts show the artist’s great attention to detail and careful observation of the many different shapes and forms of plants and fruits.The Berlin painting is a special form of still-life pictures that emerged in the southern Netherlands and reached their pinnacle here. These still-lifes with Christian- religious symbolism very often used a central, materially contrasting motif surrounded by a dense wreath of flowers or sumptuous arrangement of fruits. The flowers and fruits not only serve the purpose of enhancing the appearance and aesthetic significance, they also encourage viewers to take a closer look and engage in a meditative adoration of the central motif. At the same time, they also often act as key references for the underlying meaning of the picture. On this picture, the central motif of the filled goblet, above which floats the eye of Providentia (providence) in the form of bright light, is almost certainly a reference to the Eucharist. Amongst the more common Christian flower and animal symbolism the sunflower stands out, which in this context can be read as being Christological in the sense that it expresses the orientation of the human soul towards Christ.As a rule, still-lifes such as this were a collaboration between two specialized painters. Often, the cartouche would be produced in advance and details added at a later point. The Berlin painting is an exception to this rule, as de Heem executed all parts of this picture himself.Jan Davidsz de Heem was born in the Netherlands and first worked in Utrecht and Leiden before moving to Antwerp. His early work, small vanitas paintings, fruit and flower pieces, were done in the style of the Dutch still-life specialists, who tended to use a rigid and uncluttered compositional style. Inspired by stilllife painting in Haarlem, in this period his paintings were often monochrome. De Heem’s artistic style changed fundamentally after he moved to Antwerp in 1636. Influenced by the monumental and vividly coloured still-lifes of Frans Snyders and the floral wreaths and cartouches of Daniel Seghers, de Heem developed his own style and introduced several innovations. As one of the most gifted and influential still-life painters of his era, his paintings were highly regarded during his lifetime and after his death were in great demand as collectors’ items. Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Anna Sophie Agnes von Lehwald, geb. von Buddenbrock

Anna Sophie Agnes von Lehwald, geb. von Buddenbrock

Anna Sophie Agnes von Lehwald, geb. von Buddenbrock (1699-1773) war eine Tochter des Generalfeldmarschalls Wilhelm Dietrich Freiherr von Buddenbrock (1672-1757). In zweiter Ehe ehelichte sie 1749 im Königsberger Schloss den Generalleutnant Johann von Lehwald (1685–1768), Gouverneur von Memel (Ostpreußen). Die links oben erkennbaren Wappen der Familien von Lehwald und von Buddenbrock nehmen auf diese Eheschließung Bezug. Sie sind wohl auch erst zu diesem Termin von fremder Hand aufgetragen worden. Anna Agnes Sophie von Lehwald wird in einem spitzengesäumten Atlaskleid, kontrastiert von einem roten Mantel, präsentiert. Sie steht neben einem Springbrunnen, dessen bildhauerischer Schmuck allerlei Schalentierwerk zeigt. Gemäß damaliger Vorliebe für mythologische Andeutungen, dürfte die Porträtierte hierdurch als Quellnymphe zu interpretieren sein. Im dunklen Hintergrund ist links eine Balustrade mit Skulptur in Parklandschaft erkennbar. Da Barbara Rosina Lisiewska-Matthieu-de Gasc, so sie signierte, stets ihren aktuellen Namen verwendete, wird das Berliner Bildnis noch vor ihrer ersten Vermählung im Jahre 1741 entstanden sein. In dieser Zeit arbeitete die Malerin im Atelier des Vaters Georg Lisiewski (1674-1750). Das Kleid mit den Kaskadenspitzenärmel sowie die unmotiviert in eine Mantelfalte greifenden Finger sind charakteristische Eigenarten ihrer Gemälde der 1740er Jahre. Gemeinsam mit den später eingezeichneten Wappen wurde das allseitig beschnittene Porträt nachträglich zu einem Pedant eines Bildnisses ihres Gatten von der Hand ihres Vaters Georg Lisiewski gemacht, das sich ebenfalls im Besitz der Berliner Gemäldegalerie befindet (Kat.Nr. 2287).SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts unten am Brunnenbeckenrand: „peint par Rosina Lisiews[ka]“