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Die Angerstein-Kinder

Ident. Nr.: 79.2

ObjID: obj:864323

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Thomas Lawrence (1769 - 1830),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: 1807
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Die Angerstein-Kinder
Translation: The Angerstein Children
Geographical references
Herstellungsort: London,
Stadt
Material / Technique
Leinwand
Dimensions
Bildmaß: 184,3 x 148,8 cm
Acquisition
1979 Ankauf von The Leger Galleries Ltd., London

Object Description

Der damals noch unbekannte Pastellmaler Thomas Lawrence kam 1787 nach London. Schon drei Jahre später hatte er erreicht, dass er ein lebensgroßes Porträt der Königin Charlotte (London, The National Gallery) malen durfte. Lawrence' Erfolg kündigte an, dass er vor den älteren Hoppner und Raeburn der eigentliche Nachfolger des alten Reynolds sein könnte. Er wurde mit Bildnisaufträgen überhäuft und, was wichtiger war, er fand freundschaftlichen Anschluss bei den großen Familien wie den Locks, Boucheretts und den Angersteins. Vor allem der reiche Bankier John Julius Angerstein (1735– 1823), Mitbegründer von Lloyd’s und Berater des Premier Pitt, war sein väterlicher Freund, finanzieller Ratgeber in seinen oft sehr verworrenen Vermögensverhältnissen und Auftraggeber zugleich. Lawrence beriet Angerstein beim Aufbau der Sammlung Alter Meister, die dann nach dessen Tod von der englischen Regierung angekauft wurde und den Grundstock der 1824 gegründeten National Gallery bildete.
Zu den zahlreichen Porträts, die Lawrence für die Angerstein-Familie malte, gehört auch das Berliner Bild. Es wurde am 17. August 1807 begonnen, als der Maler sich in dem Landhaus Woodlands aufhielt. Aber schon zwei Tage später beklagte er sich in einem Brief, er müsse dieses schwierigste aller Themen in einem unruhigen Durchgang malen. Jedermann, die Kinder und andere, renne hin und her, und er könne nichts dagegen sagen. Ob aus diesem oder aus anderen Gründen – das Bild wurde nicht vollendet, wie auch sonst oft bei Lawrence, aber dennoch im folgenden Jahr in der Royal Academy ausgestellt.
Die vier Enkelkinder des alten John Julius Angerstein, zwei Jungen und zwei Mädchen, sind beim Spiel in einem Park dargestellt. Rechts, abgehoben von den anderen, hält der Älteste, John Julius Angerstein (1801–1866), einen Besen. In der Mitte hantiert der Jüngste, Henry Frederick (1805–1821), tollpatschig mit einem viel zu großen Spaten, während seine Schwester Carolina Amelia (1802[?]–1879) ihn noch festhalten muss und Elisabeth Julia (1803[?]–?) hinüberschaut zu ihrem Bruder. Die kunstvoll aufgebaute, in sich abgeschlossene Figurenkomposition steht noch ganz in der klassischen Tradition des 18. Jahrhunderts. Die dargestellte Unbekümmertheit, vor allem aber die warmen, leuchtenden Farben zwischen dem gedeckten Weiß, dem leuchtenden Rot und dem dunklen Hintergrund weisen Lawrence als echten Romantiker aus. Gerade bei den Kinderbildnissen und den Mutter-Kind-Gruppen gelangen dem notorischen Junggesellen Lawrence die schönsten Formulierungen romantischer Bildkunst in England. Ihr Ausdruck reicht von natürlicher Unbefangenheit bis zur elegischen Sentimentalität. Ihre scheinbare Spontaneität lässt aber fast nie seine langsame, genau kalkulierte Arbeitsweise erkennen. Auf diesem Bild gibt es jedoch Spuren dieser dauernd neuen Überlegungen. So lag vorn links zum Beispiel noch ein kleiner Eimer, der dann übermalt wurde; und der rote Vorhang oben, der als traditionelles Würdesymbol auf die repräsentative Aufgabe eines solchen Bildnisses hinweisen soll, ist erst nachträglich hinzugefügt worden. Henning Bock | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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In 1787, an unknown pastel painter named Thomas Lawrence arrived in London. Just three years later, he had come so far that he enjoyed the privilege of painting a life-sized portrait of Queen Charlotte (London, The National Gallery). This success suggested that he, and not the older artists Hoppner and Raeburn, might be the genuine successor to Reynolds. He was showered with commissions, and even more importantly, became connected by ties of friendship to great families such as the Locks, Boucheretts, and Angersteins. In particular the wealthy banker John Julius Angerstein (1735–1823), a cofounder of Lloyd’s and advisor to William Pitt the Younger, was at once his fatherly friend, financial guide (the artist’s pecuniary circumstances were often muddled), and client. Lawrence helped Angerstein to assemble a collection of old master paintings, which was purchased after his death by the English government and became the foundation of the National Gallery, founded 1824.
The present picture is among the numerous portraits which Lawrence painted for the Angerstein family. It was begun on 17 August, 1807, when Lawrence was staying at Woodlands House. Just two days later, he laments in a letter that he is obliged to execute this most difficult of all themes in an unsettled passageway. Everyone, including the children, ran back and forth, and he had nothing whatever to say about it. Whether for this or other reasons, the picture was never finished, as was often the case with Lawrence, but it was nonetheless exhibited the following year at the Royal Academy.
The four grandchildren of the elderly John Julius Angerstein, two boys and two girls, are depicted playing in a park. On the right, detached from the others, the oldest child, John Julius Angerstein (1801–1866), holds a broom. At the centre, the youngest, Henry Frederick (1805–1821), clumsily handles a spade that is far too large for him, while his sister Carolina Amelia (1802[?]–1879) restrains him, and Elisabeth Julia (1803[?]–?) looks up at her brother. The artfully constructed, self-contained figural composition still stands in the classical tradition of the 18th century. The carefree atmosphere, and in particular the warm, radiant colours, set amidst the opaque white, glowing red, and dark background tones, identify Lawrence as a genuine Romantic. In particular, with portraits of children and mother and child groups, the notorious bachelor Lawrence created the most beautiful creations of Romantic pictorial art in England. Its expression ranges from innate impartiality to elegiac sentiment. Almost never does their seeming spontaneity betray his extremely protracted, precisely calculated manner of working. This picture, however, does bear traces of ongoing revision. A little pail formerly visible in the left foreground, for example, was later painted over; and the red curtain, a traditional symbol of social status that refers to the representative task of such portraits, was added only subsequently. Henning Bock | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 15.07.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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