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"So de Oude songen, so pypen de Jongen" / Wie die Alten sungen, so pfeifen auch die Jungen

Ident. Nr.: 795D

ObjID: obj:864346

Details (expert)

Involved
Ausführung: Jan Steen (1625/26 - 1679),
Maler*in
Dating
Ausführung: 1665/70
Additional titles
Collection title: "So de Oude songen, so pypen de Jongen" / Wie die Alten sungen, so pfeifen auch die Jungen
Translation: "So de Oude songen, so pypen de Jongen" (As the Old sing, so Pipe the Young)
Geographical references
Haarlem,
Stadt
Material / Technique
Leinwand
Dimensions
Bildmaß: 85,1 x 100,5 cm

Object Description

Jan Steen darf als einer der fruchtbarsten niederländischen Genremaler des 17. Jahrhunderts gelten. Ebenso wie andere Künstler der Zeit produzierte er mehrfach in seiner Karriere Variationen ein und desselben Bildthemas. Ein auf dem Podest neben der Wiege liegender Zettel weist auf das Thema dieses Bildes hin, "Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen", welches Steen in insgesamt 13 Varianten umsetzte. Eine ungewöhnliche Ausnahme in dieser Reihe von Gemälden stellt das Berliner Bild dar, welches sich sowohl was die Form als auch den Inhalt betrifft von den restlichen Werken deutlich unterscheidet.
Wie maltechnische Untersuchungen gezeigt haben, dürfte Jan Steen für das vorliegende Gemälde zunächst jedoch ein vollständig anderes Bildthema mit abweichender Raumkomposition und Figurengruppen im Sinne gehabt haben. Vermutlich handelte es sich hierbei um eine so genannte "Fröhliche Gesellschaft" in einem großzügigen, herrschaftlichen Raum. Zahlreiche Motive dieses ursprünglich sehr viel anspruchsvolleren Ambientes eliminierte der Maler in der heutigen Fassung. Wesentliche Bildelemente - wie die repräsentative Anlage des Raumes - blieben jedoch erhalten, wurden überarbeitet und in die Komposition des neuen Bildes geschickt einbezogen. Auf diese Art und Weise integrierte Jan Steen das Thema "Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen" in einen Kontext, der zunächst für einen anderen Bildzusammenhang entworfen worden war. Indem Steen ein Bild mit fertiger Kompositionsstruktur möglichst effektiv weiterverarbeitete und dem neuen Kunstwerk zu Grunde legte, entwickelte er aufgrund der neuen Bildstruktur auch eine vollkommen neue Darstellungsform des Sprichwortes und schuf auf diese Weise eine ikonographische Innovation.
Statt, wie in seinen anderen Darstellungen des Sprichwortes "Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen", die Erwachsenen in Form einer über die Stränge schlagenden Gesellschaft ausschließlich in ihrer Funktion als negatives Vorbild zu präsentieren, entschied sich Steen hier für eine Zweiteilung: im Vordergrund des Bildes präsentiert er das positive Beispiel einer gesitteten, verantwortungsvollen Gruppe von Erwachsenen, mit Mutter und Baby in der Wiege. Im Hintergrund des Bildes führt er dagegen das negative Beispiel einer genusssüchtigen, enthemmten Gesellschaft vor, gerahmt von zwei, über ihnen befindlichen Gemälden des Frans Hals, die er vermutlich aus eigener Anschauung kannte: links die „Malle Babbe als Raucherin“ und rechts den „Peeckelharing als Trinker“, deutliche Verweise auf zwei äußerst schlechte Gewohnheiten der Erwachsenen: das Rauchen und das Trinken.
Weshalb der Maler sich sein erstes, fast fertiges Werk nochmals vornahm und komplett überarbeitete, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Dagegen ist seine überaus effektive Vorgehensweise, bei der er geschickt Partien der ersten Version überarbeitete und wirkungsvoll in die Komposition des neuen Bildes einbezog, gut belegbar und der Maler für seine hier zum Einsatz gebrachte Stringenz und Effizienz nur zu bewundern. Dass er gleichzeitig mit der kompositorischen Überarbeitung der Bildanlage auch eine grundlegende inhaltliche Veränderung vornahm, spricht zudem für eine erstaunliche Flexibilität und Erfindungsgabe. Mit seiner neuen ikonographischen Bildinszenierung schuf er eine überraschend innovative und für sein Oeuvre einmalige Version des Sujets. Katja Kleinert und Maria Reimelt | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR: links unten: JSteen (JS verbunden)
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Jan Steen may be regarded as one of the most productive Dutch genre painters of the 17th century. Like other artists of the time, in his career he repeatedly produced variations on the same pictorial subject. A note lying on the pedestal next to the cradle indicates the subject of this picture, "As the Old Sing, So the Young Pipe", a theme to which Steen devoted a total of 13 versions. The Berlin painting is an unusual exception in this series. In both form and content, it clearly differs from the other works.

As technical examinations of this painting have shown, at first Jan Steen probably had a completely different subject in mind. This may well have been a so-called “merry company” in a large, fine room. In the present version, the artist removed many motifs from these surroundings, which were originally of much higher quality. Important elements of the scene such as the imposing room were retained, however, reworked and incorporated into the composition of the new work. By this means Steen integrated the theme “As the Old Sing, So the Young Pipe” into a context that was originally designed for a different depiction. By doing further work on a painting with a finished compositional structure and making it the basis for the new scene, Steen developed an entirely new way of presenting the adage by building on the new structure, and thus established an iconographic innovation.

Instead of showing the adults in the function of a negative role model in a company pursuing pleasure wildly, as in other depictions of the saying “As the Old Sing, So the Young Pipe”, here Steen opted for a division into two parts: in the foreground he presents the good example of a well-behaved, responsible group of adults with a mother and a baby in a cradle. In the background, by contrast, he represents the bad example of an unrestrained group bent on pleasure, framed by two paintings by Frans Hals placed above them, which he probably knew from seeing them himself: on the left Malle Babbe Smoking and on the right Peeckelharing Drinking, clear references to two extremely bad adult habits: smoking and drinking.

Today, we can no longer know why the artist returned to his first, almost finished painting and completely reworked it. However, his highly effective way of proceeding, in which he skilfully worked over parts of the first version and successfully incorporated them into the composition of the new work, is well established, and the artist can only be admired for the rigour and efficiency that he brought to bear here. The fact that while reworking the composition of the scene he at the same time undertook a fundamental change in its content demonstrates astonishing flexibility and inventiveness. With his new iconographical presentation, he created a surprisingly innovative version of the subject that is unique in his oeuvre. Katja Kleinert und Maria Reimelt | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

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»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. 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According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019