Logo

Bildnis eines jungen Mannes

Ident. Nr.: 18

ObjID: obj:864624

Details (expert)

Involved
Ausführung: Antonello da Messina (um 1430 - 1479),
Maler*in
Dating
Ausführung: 1478
Additional titles
Collection title: Bildnis eines jungen Mannes
Translation: Portrait of a Young Man
Geographical references
Italien,
Land
Material / Technique
Nußbaumholz
Dimensions
Bildmaß: 20,4 x 14,5 cm

Object Description

Ein unscheinbarer Zettel, wie zufällig an die Brüstung im Vordergrund geheftet, vermerkt das Entstehungsjahr des Porträts und bezeugt selbstbewusst: »Antonello aus Messina hat mich gemalt« (Antonellus messaneus me pinxit). Ein Jahr vor dem Tod des Malers entstanden, gilt das Bild als das letzte von rund zwölf erhaltenen Porträts des Sizilianers. Ausgeführt wurde es in seiner Heimatstadt, wohin Antonello im Sommer 1476 nach einem etwas mehr als einjährigen Aufenthalt in Venedig
zurückgekehrt war. Es ist mit Abstand das kleinste Bildnis von seiner Hand und zugleich das einzige, das die Figur nicht vor einheitlich dunklem Grund, sondern vor einer Landschaft zeigt. Ein leuchtend blauer Abendhimmel hinterfängt den jungen Mann, der uns, ganz in Schwarz gekleidet, über den Parapetto (die kleine Brüstung) hinweg leicht von oben herab anblickt. Seine charakteristischen Gesichtszüge sind individuell erfasst, das helle Inkarnat und Details wie Wimpern und Augenbrauen
sowie der Pelzbesatz an seinem Wams mit größter Sorgfalt wiedergegeben. Über dem leicht gewellten, rotbraunen Haar sitzt eine zeittypische Kopfbedeckung, die sogenannte Sendelmütze, deren seitlich herabhängende Binde (ital. becho) über die rechte Schulter nach vorn gelegt ist. Bereits mit bloßem Auge ist in diesem Bereich ein Pentimento zu erkennen. Der zunächst breiter angelegte Ärmel, der
ursprünglich bis nahe an den linken Bildrand heranreichen sollte, wurde verkleinert ausgeführt, um so den nötigen Platz für einen Landschaftsausblick zu schaffen. Auf engstem Raum und mit miniaturhafter Genauigkeit evoziert der Maler eine weite baumbestandene Ebene, wobei lange Schatten, einzelne Wolken und der im Dämmerlicht verfärbte Horizont für atmosphärische Stimmung sorgen. Anregungen durch niederländische Vorbilder im Stile Hans Memlings sind unverkennbar. Eine jüngst vorgenommene, eingehende maltechnische Analyse konnte die gelegentlich
geäußerten Zweifel an der Eigenhändigkeit der Landschaftsdarstellung endgültig ausräumen. Die Abfolge der einzelnen Malschichten spricht eindeutig für eine gleichzeitige Ausführung von Figur und Landschaft, eine schwarze Untermalung des Hintergrunds ist nicht nachweisbar. Offenbar entschied sich Antonello mitten im Ausführungsprozess spontan zu einer Planänderung.

Wer sich hier auf solch ungewöhnliche Weise darstellen ließ, wissen wir nicht, doch deuten sowohl die Tracht als auch die frühe Provenienz des Gemäldes aus venezianischem Familienbesitz auf einen in der Lagunenstadt beheimateten Auftraggeber hin.

Nicht ursprünglich ist die unterhalb des Parapetto vielleicht bei einer neuen Rahmung hinzugefügte goldene Inschrift. Sie verleiht dem Porträt im Nachhinein eine moralisierende Note und mahnt den Betrachter: »Im Glück sei bescheiden, im Unglück aber klug« (PROSPERANS • MODESTVS • ESTO • INFORTVNATVS • VERO PRVDENS). Sabine Hoffmann | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
_____________________________

An inconspicuous note, stuck as if by chance to the parapet in the foreground, states the year in which the portrait was painted and testifies self-confidently: “Antonello from Messina painted me” (Antonellus messaneus me pinxit). This work, painted a year before the artist’s death, is thought to be the last of some twelve surviving portraits by the Sicilian. It was made in his home town, to which Antonello had returned in summer 1476 after a stay in Venice lasting somewhat more than a year. It is by far the smallest of his portraits and at the same time the only one that shows the figure against the backdrop of a landscape rather than a uniformly dark background. A radiant blue evening sky lies behind the young man, who, dressed all in black, looks at us slightly from above over the small parapet. His characteristic facial features are shown individually. The light flesh tones and details such as the eyelashes and eyebrows, as well as the fur trimming on his doublet, are rendered with the greatest care. Above his slightly wavy, red-brown hair is placed headgear typical of the time, a cap whose fastening (Italian: becho) hangs down at the side, laid to the front above his right shoulder. Even with the naked eye, an alteration can be discerned in this place. The sleeve, which was originally to have been wider and was intended to extend almost to the left edge of the picture, was painted smaller to make the space needed for a view of the landscape. With great compactness and the accuracy of a miniature, the artist evokes a broad plain with trees. Long shadows, scattered clouds and the horizon coloured by twilight provide an atmospheric mood. The inspiration of models from the Netherlands in the style of Hans Memling is unmistakable. A recently conducted thorough technical analysis of the painting succeeded in dispelling once and for all doubts that had occasionally been expressed about whether the landscape was executed by the artist’s own hand. The sequence of the various layers of paint is clear evidence that the figure and the landscape were painted at the same time. No black underlayer of paint on the background could be demonstrated. Antonello obviously decided suddenly to alter his plans in the middle of the process of producing the work.

We do not know who had himself portraited in such an unusual manner, but both the dress of the sitter and the early provenance of the painting from the ownership of a Venetian family suggest that it was commissioned by a person from that city.

The golden inscription that was added beneath the parapet, perhaps when the work was re-framed, is not original. It lends a retrospective moralising touch to the portrait, admonishing the beholder: “Be modest in prosperity, but prudent in misfortune” (PROSPERANS • MODESTVS • ESTO • INFORTVNATVS • VERO • PRVDENS). Sabine Hoffmann | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 03.07.2026

Contact

Institution:

Gemäldegalerie

Additional items from the collections

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer predigt in der Wüste und verkündet die Ankunft des Messias. In diesem Gemälde ist er als Prophet dargestellt, mit einem vor Entbehrung ausgezehrtem Körper, eingefallenem Gesicht und beinahe ekstatisch auf das kleine Kruzifix starrend, das den Stab in seinen Händen krönt. Dieses Detail ist sehr ungewöhnlich, da sich das Kreuzsymbol erst lange nach dem Tod Jesu verbreitete. Dem Maler ging es jedoch nicht um historischen Realismus; vielmehr verstärkt er allein durch die Landschaft den zeitlosen Charakter einer fantastischen Vision, die auch aus einem modernen Science-Fiction-Film stammen könnte: Die Sonne ist gerade hinter dem Horizont einer unwirklich anmutenden Landschaft aus merkwürdig geformten und dunstverhangenen Felsen untergegangen. Links erkennt man eine bemerkenswert detailliert ausgeführte Hafenstadt, die Landzunge rechts im Vordergrund scheint einst über die zerstörte Brücke mit ihr verbunden gewesen zu sein. Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. Maria in Porto in Ravenna (heute in der Pinacoteca di Brera, Mailand) hatte Ercole dem traditionellen Schema der Sacra conversazione mit Maria, Christuskind und Heiligen unter dem Thron der Gottesmutter eine Landschaft hinzugefügt, die sich mit der Landschaft in diesem Gemälde vergleichen lässt.Die Landschaftsdarstellung ist hier als Mittel zu verstehen, die Kontemplation eines Gemäldes zu verstärken und die religiöse Meditation zu fördern – ein Bildverständnis, das sich nördlich der Alpen unter der Bezeichnung »Devotio Moderna« oder »neue Frömmigkeit« entwickelte. Der Venezianer Giovanni Bellini gilt als erster großer Interpret dieses Landschaftstypus in Norditalien. Seine heute in Berlin aufbewahrte Auferstehung Christi ist hier als exemplarisch anzusehen. Ercole übernahm von Bellini auch die Verwendung von Öl als Bindemittel, die damals in Norditalien, und vor allem in Ferrara, noch relativ ungebräuchlich war. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. In his altarpiece for the church of Santa Maria in Porto, near Ravenna (today in the Pinacoteca di Brera in Milan), Ercole had already decided to represent, in addition to the Virgin, the Christ Child and the Saints according to the traditional scheme known as the “holy conversation”, a far landscape view under the throne of the Virgin. Such a view is to be strictly compared to the present painting.Landscape is understood here as a way to extend the contemplation of a painting and to deepen religious meditation. This way of appreciating paintings came from the North of the Alps, where it was named devotio moderna or “modern devotion”. The first great interpret of this type of conception of landscape in Northern Italy was the Venetian painter Giovanni Bellini; his Resurrection, today in Berlin, is particularly characteristic in that sense. Ercole took also directly from Bellini the use of oil for binding pigments, which was a relative novelty in Northern Italy at the time, and especially in Ferrara. Until the end of the 19th century, however, the present work was attributed to Bellini’s brother-in-law, Andrea Mantegna, whose enormous fame justified he was considered as the author of many works that had only in common the virtuosity of drawing (this was also the case of the Preparation of Christ’s Tomb by Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

Von einem leicht erhöhten Betrachterstandpunkt richtet sich der Blick über den Kirchenvorplatz auf die überkuppelte Fassade von St. Peter. Von dort kommend, fährt der aus elf prunkvollen Kutschen bestehende Korso des französischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Etienne-François de Choiseul (1719–1785), über den Platz. Ihn hat Panini in der zweiten Kutsche am offenen Fenster sitzend dargestellt. Choiseul trägt über der Brust das blaue Band des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), den König Ludwig XV. ihm erst im Januar 1756 verliehen hatte. Anlass für die pompöse Ausfahrt war der offizielle Antrittsbesuch des Botschafters bei Papst Benedikt XIV. im Frühjahr 1756. Mit dieser Komposition ließ Choiseul von dem wichtigsten römischen Architektur- und Vedutenmaler seiner Zeit den bis dahin wichtigsten Moment seiner diplomatischen Karriere ins Bild setzen.Lange Zeit hielt man das Berliner Gemälde für die von Choiseul in Auftrag gegebene Version. Diese befindet sich jedoch in Privatbesitz (zuvor als Leihgabe in Edinburgh, National Gallery of Scotland). Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine zweite Version der Komposition aus der Sammlung von Claude François Rogier de Beaufort-Montboissier, abbé de Canilliac (1699–1761). Canilliac war der ranghöchste Gesandte der französischen Kirche in Rom und nach dem Botschafter der zweitwichtigste Vertreter Frankreichs in der Ewigen Stadt. Er gehörte zu jenen kirchlichen Würdenträgern, die Choiseul bei der Papstaudienz begleiteten und mit ihm in der Botschafterkutsche reisten. Während in der von Choiseul beauftragten Version lediglich er selbst als Fahrgast identifizierbar ist, ist auf dem Berliner Gemälde neben ihm auf der Sitzbank ergänzend der abbé de Canilliac dargestellt. Auch er trägt das blaue Band des Ordre du Saint-Esprit, allerdings in der Variante des Klerus nicht diagonal über der Brust sondern um den Nacken gelegt. Ein interessantes Detail des Berliner Gemäldes ist seine gut lesbare Datierung durch den Künstler auf das Jahr 1754 und damit zwei Jahre vor dem dargestellten Ereignis. Canilliac muss also eine bereits 1754 von Panini geschaffene Ansicht des Petersplatzes aus seinem Besitz nachträglich - wohl kurze Zeit nach der Fertigstellung von Choiseuls Gemälde - um die namengebende Figurenstaffage erweitert und um seine Person ergänzt haben lassen. Damit wertete er sein Gemälde nachträglich auf und sicherte sich zugleich symbolisch einen sichtbaren Platz in diesem so wichtigen diplomatischen und kirchenpolitischen Ereignis.Das Berliner Gemälde wurde nach Canilliacs Tod in Rom von Pierre-Jacques-Onésime Bergeret de Grancourt erworben. Wohl aus dieser Zeit stammt sein heutiger Louis XVI-Rahmen mit der unten eingelassenen, ausführlichen Beschreibung der Fassade und des Platzes von St. Peter in französischer Sprache, in dem das dargestellte Ereignis und seine Protagonisten jedoch schon keine Erwähnung mehr finden. | Sarah SalomonSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten auf einem Stein über dem springenden Hund: I.P. PANINI / 1754

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)