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Galante Konversation

Ident. Nr.: 791

ObjID: obj:864632

Details (expert)

Involved
Ausführung: Gerard ter Borch (der Jüngere) (1617 - 1681),
Maler*in
Dating
Ausführung: 1654/55
Additional titles
Collection title: Galante Konversation
Die väterliche Ermahnung
Translation: The Galant Conversation
Geographical references
Delft,
Stadt
Material / Technique
Leinwand
Dimensions
Bildmaß: 71,4 x 61 cm

Object Description

Eine der charakteristischsten Fähigkeiten des niederländischen Malers Gerard ter Borch liegt in der subtilen Behandlung seiner Sujets und dem bewusst gewählten, oftmals uneindeutigen Moment des Sujets. So ist es nicht nur die herausragende, verfeinerte Maltechnik ter Borchs, die die besondere Qualität seiner Werke auszeichnet, sondern darüber hinaus auch die Vieldeutigkeit seiner Darstellungen. Dies trifft auch auf das Berliner Gemälde zu, das 1765 in einem Reproduktionsstich von J. G. Wille den Titel »Instruction Paternelle« (Die väterliche Ermahnung) erhielt. Unter diesem Namen wurde das Bild, bei dem sich um das bekannteste Werk von Gerard ter Borch handeln dürfte, berühmt. Allerdings fragt sich, wie berechtigt diese Umschreibung des Bildes tatsächlich ist. So widerspricht das jugendliche Alter der Dargestellten, als auch die gespreizte Haltung des sitzenden Kavaliers, der mit federgeschmücktem Hut und Degen als Militär zu identifizieren ist, einer Deutung als Familienszene. Auch offenbart sich in seiner erhobenen Rechten sicherlich kein erzieherischer Gestus. Stattdessen meinte man nun in der Hand des Mannes eine Münze erkennen zu können. Mit dieser Feststellung wandelte sich die Interpretation des Bildes in eine Bordell-Szene mit leichtlebigem Kavalier, der versucht, sich bei der jungen, in Rückenansicht gezeigten Frau Liebesdienste zu erkaufen. Tatsächlich lässt sich jedoch weder auf dem Berliner Gemälde noch auf dem genannten Stich eine derartige Münze nachweisen.
Dennoch spricht einiges dafür, dass es sich hierbei um die Darstellung um eine amouröse Verführung mit gesellschaftlichen Folgen handelt. Der selbstsichere, ja geradezu selbstgefällige Ausdruck des galanten Kavaliers, der etwas zu eindringlich auf die junge Frau einredet, deutet auf die Anbahnung einer Liebesaffäre. Im Gegensatz dazu präsentiert ter Borch dem Betrachter in der wundervoll angelegten Rückenfigur, die – wie Goethe es formulierte- „herrliche Gestalt im faltenreichen, weißen Atlaskleid«, das beispielhafte Abbild einer zurückhaltenden, jungen Dame. Kostbar gekleidet, mit der vornehm kontrollierten Haltung einer unverheirateten Dame von Stand ist sie den Avancen des erfahrenen Mannes ausgesetzt. Da ihr Gesicht nicht zu erkennen ist, bleibt offen, wie Ihre Reaktion ausfallen wird. Der Handlungsort mit dem durch Vorhänge verschlossenen Himmelbett und dem Toilettentisch der jungen Dame verweisen jedoch bereits auf den vermutlich amourösen Ausgang des Geschehens. Die zweite, anwesende Frau, vermutlich eine Art von Kupplerin, entzieht sich der Situation indem sie mit niedergeschlagenen Augen, versunken aus einem Weinglas trinkt. Wie grenzwertig die dargestellte Situation ist, verkörpert die Figur auf einer etwas früher entstandenen Fassung des Gemäldes im Amsterdamer Rijksmuseum, auf der die Szene als Querformat widergegeben ist. Hier ist in dem nach rechts hin breiteren Bildausschnitt das Motiv eines Hundes hinzugefügt, der mit eingezogenem Schwanz und in geduckter Haltung ängstlich aus dem Bild schaut. Indem ter Borch den Betrachter in spannungsvoller Ungewissheit lässt über die Erwiderung der jungen Frau, bleibt der Ausgang des Geschehens und unbestimmt und Neugierde erweckend. Das Thema der Verführung einer jungen, noch unbedarften Frau hat ter Borch mehrfach aufgegriffen, etwa um 1662 in Die Aufwartung eines jungen Offiziers (Polesden Lacey, The McEwan Collection) oder beim Jungen Paar beim Wein (Berlin, Gemäldegalerie, bzw. London, Buckingham Palace). Alle Bilder präsentieren das amouröse Geschehen auf die Hauptakteure konzentriert, in den Darstellungen zurückhaltend und mit vielschichtigen Andeutungen und Gesten versehen.
Eine zeitliche Einordnung des Berliner Bildes um kurz vor 1655 ermöglicht eine datierte Kopie des ter Borch-Schülers Caspar Netscher, welche sich im Museum zu Gotha befindet. Insgesamt lassen sich nicht weniger als 24 Wiederholungen, Teilkopien und Nachahmungen anführen, die von der außerordentlichen Beliebtheit des Berliner Bildes zeugen. Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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One of the most characteristic talents of the Dutch artist Gerard ter Borch lies in his subtle handling of themes and the consciously chosen, often ambiguous significance of the subject. Thus it is not only ter Borch’s outstanding, refined painting technique that marks the particular quality of his works, but beyond that the multiple meanings of his depictions. This applies to the painting in Berlin that was given the title Instruction Paternelle (The Paternal Admonition) in 1765 when reproduced in an engraving by J.G. Wille. Under this name, the work, which is probably the bestknown by Gerard ter Borch, became famous. The justification for this description of the painting is questionable, however. The youthfulness of the persons portrayed and the crossed leg of the seated cavalier, whose feathered hat and sword identify him as a soldier, argue against interpreting it as a family scene. The raised right
hand is certainly not to be seen as a gesture of instruction. Instead, it was believed that a coin can be discerned in the man’s hand. This realisation transformed the interpretation of the scene to make it a brothel with a free-and-easy cavalier, who is trying to buy the erotic services of the young woman shown from the rear. In fact, it cannot be demonstrated that there is such a coin either on the Berlin painting or on the above-mentioned engraving.

Nevertheless, there are good reasons to think that this is a depiction of seduction with social consequences. The self-assured, even smug expression of the gallant, who is speaking to the young woman a little too urgently, suggests that a love affair is being initiated. In contrast to this, ter Borch presents to the beholder in a wonderfully formed view from the rear, as Goethe expressed it, “a superb figure in a white dress of satin with many folds”, an exemplary portrayal of a reserved young lady. Expensively dressed, with the genteelly controlled posture of an unmarried lady of rank, she is exposed to the advances of an experienced man. As her face cannot be seen, it remains entirely unclear what her reaction will be. The location of these events with a four-poster bed closed off by curtains and the table for the young lady’s toilette, however, already point to the probably amorous conclusion to the scene. The second woman in the picture, presumably some kind of procuress, withdraws from the situation by drinking from a glass of wine with lowered eyes. The dubious nature of the situation depicted here is embodied by the figure on a somewhat earlier version of the painting in the Rijksmuseum in Amsterdam, where the scene is presented in a broad format. Here, in an extension of the picture to the right, a dog has been added, looking fearfully out of the scene with its tail between
its legs and its head bowed. By leaving the viewer in a state of suspense and uncertainty about the young woman’s response, ter Borch makes the outcome of the events undetermined and arouses curiosity. Ter Borch took up the theme of the seduction of a young, inexperienced woman several times, for example in 1662 in The Introduction (Polesden Lacey, The McEwan Collection) and A Young Couple Drinking Wine (Berlin, Gemäldegalerie and London, Buckingham Palace). In all of these paintings, the amorous events are presented with a focus on the main protagonists, with a restrained manner of depiction and ambiguous references and gestures.

A chronological context for the Berlin painting shortly before 1655 is possible thanks to a dated copy by ter Borch’s pupil Caspar Netscher, now in the Museum zu Gotha. In total no fewer than 24 repetitions, part-copies and imitations can be identified, testifying to the extraordinary popularity of the Berlin work. Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 16.04.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer predigt in der Wüste und verkündet die Ankunft des Messias. In diesem Gemälde ist er als Prophet dargestellt, mit einem vor Entbehrung ausgezehrtem Körper, eingefallenem Gesicht und beinahe ekstatisch auf das kleine Kruzifix starrend, das den Stab in seinen Händen krönt. Dieses Detail ist sehr ungewöhnlich, da sich das Kreuzsymbol erst lange nach dem Tod Jesu verbreitete. Dem Maler ging es jedoch nicht um historischen Realismus; vielmehr verstärkt er allein durch die Landschaft den zeitlosen Charakter einer fantastischen Vision, die auch aus einem modernen Science-Fiction-Film stammen könnte: Die Sonne ist gerade hinter dem Horizont einer unwirklich anmutenden Landschaft aus merkwürdig geformten und dunstverhangenen Felsen untergegangen. Links erkennt man eine bemerkenswert detailliert ausgeführte Hafenstadt, die Landzunge rechts im Vordergrund scheint einst über die zerstörte Brücke mit ihr verbunden gewesen zu sein. Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. Maria in Porto in Ravenna (heute in der Pinacoteca di Brera, Mailand) hatte Ercole dem traditionellen Schema der Sacra conversazione mit Maria, Christuskind und Heiligen unter dem Thron der Gottesmutter eine Landschaft hinzugefügt, die sich mit der Landschaft in diesem Gemälde vergleichen lässt.Die Landschaftsdarstellung ist hier als Mittel zu verstehen, die Kontemplation eines Gemäldes zu verstärken und die religiöse Meditation zu fördern – ein Bildverständnis, das sich nördlich der Alpen unter der Bezeichnung »Devotio Moderna« oder »neue Frömmigkeit« entwickelte. Der Venezianer Giovanni Bellini gilt als erster großer Interpret dieses Landschaftstypus in Norditalien. Seine heute in Berlin aufbewahrte Auferstehung Christi ist hier als exemplarisch anzusehen. Ercole übernahm von Bellini auch die Verwendung von Öl als Bindemittel, die damals in Norditalien, und vor allem in Ferrara, noch relativ ungebräuchlich war. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. In his altarpiece for the church of Santa Maria in Porto, near Ravenna (today in the Pinacoteca di Brera in Milan), Ercole had already decided to represent, in addition to the Virgin, the Christ Child and the Saints according to the traditional scheme known as the “holy conversation”, a far landscape view under the throne of the Virgin. Such a view is to be strictly compared to the present painting.Landscape is understood here as a way to extend the contemplation of a painting and to deepen religious meditation. This way of appreciating paintings came from the North of the Alps, where it was named devotio moderna or “modern devotion”. The first great interpret of this type of conception of landscape in Northern Italy was the Venetian painter Giovanni Bellini; his Resurrection, today in Berlin, is particularly characteristic in that sense. Ercole took also directly from Bellini the use of oil for binding pigments, which was a relative novelty in Northern Italy at the time, and especially in Ferrara. Until the end of the 19th century, however, the present work was attributed to Bellini’s brother-in-law, Andrea Mantegna, whose enormous fame justified he was considered as the author of many works that had only in common the virtuosity of drawing (this was also the case of the Preparation of Christ’s Tomb by Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

Von einem leicht erhöhten Betrachterstandpunkt richtet sich der Blick über den Kirchenvorplatz auf die überkuppelte Fassade von St. Peter. Von dort kommend, fährt der aus elf prunkvollen Kutschen bestehende Korso des französischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Etienne-François de Choiseul (1719–1785), über den Platz. Ihn hat Panini in der zweiten Kutsche am offenen Fenster sitzend dargestellt. Choiseul trägt über der Brust das blaue Band des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), den König Ludwig XV. ihm erst im Januar 1756 verliehen hatte. Anlass für die pompöse Ausfahrt war der offizielle Antrittsbesuch des Botschafters bei Papst Benedikt XIV. im Frühjahr 1756. Mit dieser Komposition ließ Choiseul von dem wichtigsten römischen Architektur- und Vedutenmaler seiner Zeit den bis dahin wichtigsten Moment seiner diplomatischen Karriere ins Bild setzen.Lange Zeit hielt man das Berliner Gemälde für die von Choiseul in Auftrag gegebene Version. Diese befindet sich jedoch in Privatbesitz (zuvor als Leihgabe in Edinburgh, National Gallery of Scotland). Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine zweite Version der Komposition aus der Sammlung von Claude François Rogier de Beaufort-Montboissier, abbé de Canilliac (1699–1761). Canilliac war der ranghöchste Gesandte der französischen Kirche in Rom und nach dem Botschafter der zweitwichtigste Vertreter Frankreichs in der Ewigen Stadt. Er gehörte zu jenen kirchlichen Würdenträgern, die Choiseul bei der Papstaudienz begleiteten und mit ihm in der Botschafterkutsche reisten. Während in der von Choiseul beauftragten Version lediglich er selbst als Fahrgast identifizierbar ist, ist auf dem Berliner Gemälde neben ihm auf der Sitzbank ergänzend der abbé de Canilliac dargestellt. Auch er trägt das blaue Band des Ordre du Saint-Esprit, allerdings in der Variante des Klerus nicht diagonal über der Brust sondern um den Nacken gelegt. Ein interessantes Detail des Berliner Gemäldes ist seine gut lesbare Datierung durch den Künstler auf das Jahr 1754 und damit zwei Jahre vor dem dargestellten Ereignis. Canilliac muss also eine bereits 1754 von Panini geschaffene Ansicht des Petersplatzes aus seinem Besitz nachträglich - wohl kurze Zeit nach der Fertigstellung von Choiseuls Gemälde - um die namengebende Figurenstaffage erweitert und um seine Person ergänzt haben lassen. Damit wertete er sein Gemälde nachträglich auf und sicherte sich zugleich symbolisch einen sichtbaren Platz in diesem so wichtigen diplomatischen und kirchenpolitischen Ereignis.Das Berliner Gemälde wurde nach Canilliacs Tod in Rom von Pierre-Jacques-Onésime Bergeret de Grancourt erworben. Wohl aus dieser Zeit stammt sein heutiger Louis XVI-Rahmen mit der unten eingelassenen, ausführlichen Beschreibung der Fassade und des Platzes von St. Peter in französischer Sprache, in dem das dargestellte Ereignis und seine Protagonisten jedoch schon keine Erwähnung mehr finden. | Sarah SalomonSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten auf einem Stein über dem springenden Hund: I.P. PANINI / 1754

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)