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Kelchblock-Doppelkapitell

Ident. Nr.: AE 514

ObjID: obj:864908

Details (expert)

Date(s)
Datierung: 1170-80
Datierung: um 1170/1180
Systematics/Type
Material / Technique
Kalksandstein
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: Kapitell: 23 x 42,5 x 24 cm
Acquisition
Das Stück befand sich unter den zwei Dutzend rheinischen Kapitellen, die laut Inventarbuch im Jahr 1900 im Hof des Neuen Museums entdeckt wurden.

Object Description

Das figürliche Doppelkapitell besteht aus zwei mäßig gestreckten Kelchblöcken, die unter einer gemeinsamen Deckplatte mit jeweils zwei Mittelknäufen an den Längsseiten zusammengefasst und unten von je einem leicht gefasten Halsring begrenzt werden. Der tektonische Aufbau tritt stark hinter dem aus Ranken und Vögeln bestehenden Ornament zurück, das sich in enger Verschränkung um die somit optisch verschmelzenden Einzelkapitelle herum zieht. An den Längsseiten wenden sich jeweils zwei drachenartige Vogelwesen symmetrisch einander zu.
Die Prämonstratenserabtei Knechtsteden wurde um 1130 vom Kölner Domdekan Hugo von Sponheim gegründet. Mit der Errichtung der Kirche scheint man bereits wenige Jahre später unter dem ersten Propst Heribert begonnen zu haben. Bis zum Tod seines Nachfolgers Andreas 1151 sollen die Ostteile bis zum Querhaus fertig, in der Amtszeit des dritten Propsts Hermann (bis 1181) – möglicherweise schon zum Zeitpunkt einer 1162 überlieferten Anniversarstiftung für die Ausstattung der Kirche – der gesamte Bau vollendet worden sein. Offenbar in mehreren Abschnitten wurde im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts die Klausur mit Kreuzgang errichtet – eine glaubhafte Datierung, die sich allerdings hauptsächlich auf stilistische Vergleiche und Quellenauslegung stützt. In der sogenannten Fundatio Knechtstedensis, einer anonymen historiografischen Schrift aus dem frühen 18. Jahrhundert, wird unmittelbar nach der genannten Anniversarstiftung des Kölner Domdekans Albertus Aquensis von 1162 von einem Goldschmied Albertus berichtet, der eine Werkstatt auf dem Klostergelände unterhielt und auf eigene Kosten große Teile der Klausur errichtete. Man kann davon ausgehen, dass der Goldschmied Stifter und zugleich Architekt, zumindest aber gestalterisch am Klausurbau inklusive Kreuzgang beteiligt gewesen ist. Damit hätte man nicht nur einen zeitlichen, sondern zudem auch einen künstlerischen Anhaltspunkt. Das Kapitell stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Kreuzgang.
Einander zugewandte, von Ranken umgebene Vogelmischwesen entsprechen dem allgemeinen Kanon romanischer Kapitellornamentik. Gemeinsam mit einem im Zweiten Weltkrieg verloren gegangenen im Clemens-Sels-Museum (Inv. 1793) und vier Kapitellen am Haus Gripswald gehört das Berliner Stück aber zu den frühesten Exemplaren und verdeutlicht bereits die Vielfalt der Möglichkeiten, wenn auch etwas unausgereift hinsichtlich des Verhältnisses von Kapitell und Figur.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 06.02.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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