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Tugendkapitell

Ident. Nr.: AE 358 a

ObjID: obj:864963

Details (expert)

Date(s)
Datierung: 1160-70
Systematics/Type
Material / Technique
Quarzsandstein
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 29,5 x 31,5 x 32 cm
Gewicht: 51 kg
Durchmesser: 26 cm (Wulst unten, Außenmaß)
Acquisition
1914 den Königlichen Museen 1914 von Fritz Hahn geschenkt, der kurz darauf das Rittergut Röderhof und das 1804 säkularisierte Benediktinerkloster Huysburg nördlich von Halberstadt, wo sich die Stücke bis dahin befunden hatten, verkaufen musste. Den umfangreichen Besitz hatte die Familie Hahn 1879 von den Nachkommen des preußischen General-Feldmarschalls Carl Friedrich von dem Knesenbeck (1768–1848) erworben.

Object Description

Innerhalb der Vielfalt von Beispielen romanischer Bauornamentik im Gebiet des mittelalterlichen Herzogtums Sachsens nimmt die Kapitellskulptur aus Kloster Huysburg, in der künstlerischen Qualität mit den herausragenden Beispielen in Königslutter und Riechenberg vergleichbar, eine Sonderstellung ein. Vergleichsstücke finden sich lediglich im ebenfalls auf dem Territorium des Bistums Halberstadt gelegenen Kloster Ilsenburg. Die Huysburger Kapitelle in Berlin stammen von abgebrochenen Bauteilen des Klosterbezirks und sind auch hinsichtlich ihrer Entstehungszeit nicht einheitlich. Für die meisten von ihnen ist die strenge Form des Würfelkapitells verbindlich – konstruktiv entwickelt aus der Durchdringung von Quader und Kugel, in Niedersachsen erstmals nachweisbar in der von Bischof Bernward erbauten Klosterkirche St. Michael in Hildesheim (Teilweihe 1022). Im Unterschied zum ›Urbild‹ sind an der Kapitellfolge aus Kloster Huysburg die Schildflächen mit vegetabilen Motiven geschmückt. Zwei der Kapitelle zeigen figürliche Darstellungen, Heilige bzw. Tugenden, die im Stil Ähnlichkeiten mit der ›Siegburger Madonna‹ im Museum Schnütgen in Köln aufweisen. Möglicherweise sind rheinische Steinmetzen (vielleicht von der Abtei Siegburg vermittelt?) am Ausbau des Klosters Huysburg beteiligt gewesen.

Last updated: 12.04.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Allegorie des Wahnsinns

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Die auf einem Segmentbogen lagernde Aktfigur eines kahlköpfigen, finster dreinblickenden Mannes scheint in einem Anfall von Wut mit weit geöffnetem Mund zu brüllen. Aufgrund seines unberechenbaren Temperaments sind die Hände an den Gelenken miteinander verkettet. Nicht nur der sanft geschwungene Giebel, auch die Komposition der darauf ausgestreckten Figur erinnert an Michelangelos lagernde, die Zeiten des Tages symbolisierende Gottheiten aus der Medici-Kapelle in San Lorenzo in Florenz. Insbesondere das Motiv des sich auf dem Unterarm stützenden Armes, der die Aufrichtung des Oberkörpers erlaubt, ist Michelangelos Figur des „Abends“ entlehnt.Das bei seiner Erwerbung 1908 zunächst noch Pietro Tacca (1577-1640) zugeschriebene Modell konnte inzwischen mit überzeugenden Argumenten dem dänischen und überwiegend in England tätigen Bildhauer Caius Gabriel Cibber zugewiesen werden. Die hier dargestelte Allegorie des Wahnsinns ist das Pendant zur Liegefigur der Melancholie, die der Bildhauer als Giebelfiguren für das Hauptportal des Royal Bethlem Hospitals in Moorfields schuf. Das 1247 in Bedlam, vor den Toren Londons gegründete Hospital war seit dem Ende des 14. Jahrhunderts ein Heim für Geisteskranke. Als die Stadt 1666 einem Brand weitgehend zum Opfer fiel, ließ man zwischen 1674 bis 1676 einen Neubau nach den Plänen des Architekten Robert Hooke (1635-1703) außerhalb der Stadt in Moorfields errichten, wofür Cibber schließlich die beiden lebensgroßen Liegefiguren in Stein schuf. Bei dem hier ausgestellten Werk handelt es sich um einen ersten künstlerischen Entwurf des Künstlers.