Logo

Wandpfeilerkapitell

Ident. Nr.: AE 179

ObjID: obj:864972

Details (expert)

Date(s)
Datierung: 2. Hälfte 13. Jahrhundert
Systematics/Type
Material / Technique
Sandstein
Dimensions
Höhe: 25 cm
Breite: 40 cm
Tiefe: 41 cm
Acquisition
Erworben 1910 vom Antiquitätenhändler Hans Vogler in Berlin.

Object Description

Über einem relativ flachen Halsring mit Grat, der um das gesamte Pfeilerprofil herumläuft, erhebt sich der rein ornamental verzierte Kapitellkörper auf annähernd quadratischem Grundriss. Kelche und hintere Seitenwände werden mit eingerollten Blättern geschmückt, an den Ecken bilden sich blütenförmige Voluten, in der Mitte der Vorderseite wachsen zwei Blätter zu einer breiten Volute zusammen. An den Seiten vereinigt sich jeweils eine Blattvolute des Kelchs mit einem aus den glatten Seiten herauswachsenden Blatt.
Wie der rückseitige Wandanschluss zeigt, vermittelte das Kapitell einst zwischen einem Gurtbogen und einem Wandpfeiler. Größe und Tiefe sprechen für einen stattlichen Raum, vielleicht das Seiten- oder gar Mittelschiff einer Kirche. Pfeiler- und Gurtprofile mit dreiviertelgerundeten Kanten und dazwischen liegender Ecke sind im Laufe des 13. Jahrhunderts Allgemeingut geworden. Die Einzelformen – der schmale und gratige Halsring, die sich aus dem glatten Kelch heraus entwickelnden Blattstängel und die ausgebreiteten, plastischen Blattvoluten – weisen auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der verwendete Stein spricht für eine Entstehung im mitteldeutschen, vielleicht sächsischen Raum.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 23.04.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Additional items from the collections

Liturgischer Teller (Patene)

Liturgischer Teller (Patene)

Die Patene gehört zu einer durch zahlreiche ähnliche Objekte relativ gut bekannten Gruppe liturgischer Gefäße, die vermutlich überwiegend in Konstantinopel gefertigt wurden. Auf dem Rand sind die Einsetzungsworte der byzantinischen Liturgie in sorgfältiger Schrift eingraviert: ΛAB(ETE) ΦAΓETE TOYTO AI(C)TIN TO COMA MO(Y) TO Y(ΠE)P YM(ON) (K)ΛOMAINON IC AΦECCIN AMAPTION AMHN (Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wurde zur Vergebung der Sünden. Amen). Im Zentrum der dreifigurigen Komposition steht der bärtige Christus auf einem Bema in leichter Ponderation, bekleidet mit Tunika und Pallium. In der Linken hält er ein Evangelienbuch, die Rechte ist segnend vor der Brust erhoben. Das langgestreckte Haupt wird von einem Nimbus mit diagonal eingeschriebenem Kreuz umgeben. Zu beiden Seiten der Beischriftkürzel IC XC für »Iesous Christos«. Auf dem Ehrenplatz zu seiner Rechten steht der hl. Stephanos mit Beischrift O (mit eingeschriebenem A) CTEΦANOC (der hl. Stephanos), jugendlich und bartlos, mit Nimbus und bekleidet mit den Gewändern eines Diakons. Mit der Rechten schwenkt er an einer Kette ein Räuchergefäß, in der Linken hält er vermutlich eine Pyxis. Zur Linken Christi steht Kaiser Konstantin d. Gr., der in Byzanz als Heiliger verehrt wurde und daher vor seiner senkrecht angebrachten Namensbeischrift KONCTANTINOC das Kürzel O mit eingeschriebenem A für »der hl. Konstantinos« führt. Er ist mit dem für die mittelbyzantinische Zeit typischen Kaiserornat bekleidet – dem Sakkos und dem kunstvoll drapierten und reich mit angedeutetem Edelsteinbesatz verzierten Loros. In der Rechten hält er das mit einem Kreuz bekrönte Szepter, in der Linken die Sphaira, ebenfalls mit einem Kreuz. Im Unterschied zu den meist großformatigen, oft mit Stifterinschriften versehenen Silberdiskoi der frühbyzantinischen Zeit waren die eher bescheidenen mittelbyzantinischen Patenen aus Kupferblech wohl Massenproduktion für den Bedarf der zahllosen Kirchen.