Logo

Doppelkapitell mit Säule

Ident. Nr.: AE 518

ObjID: obj:865282

Details (expert)

Date(s)
Datierung: 2. Hälfte 13. Jahrhundert
Material / Technique
Kalksandstein
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 22 x 43 x 29 cm (Gesamthöhe: 104 cm)
Höhe x Durchmesser: 70 x 15,5 cm (Säulenschäfte)
Höhe x Breite x Tiefe: 22,5 x 43 x 27,5 cm (laut Inventarbuch)
Acquisition
1900 mit zahlreichen Objekten niederrheinischer Bauskulptur im Hof des Neuen Museums aufgefunden.

Object Description

Über zwei gespitzten, sich im Grundriss knapp überschneidenden Schaftringen ragt ein kelchförmiges Doppelkapitell auf, das an allen Seiten mit regelmäßig angeordnetem Laubwerk verkleidet ist. Jeweils an den Ecken und in der Mitte der Längsseiten wächst knapp über dem Halsring ein aufrecht stehendes, dreiteiliges Laubblatt aus dem Stein. Die Rippen des handförmigen, gezackten Blatts sind durch Einschnitte klar markiert; ein vertikaler Schnitt in den Blättern der Längsseiten kaschiert die Schnittstelle zwischen den beiden Kelchen. Zwischen den Blättern befindet sich zurückgesetzt jeweils ein weiteres Blatt mit verdeckten Seitenteilen, dessen oberer Abschluss in einer Ebene mit dem der vorderen Blattreihe liegt. Die Blätter sind Ahornblättern ähnlich, doch ist eine exakte botanische Bestimmung nicht möglich – und wohl auch nicht intendiert. Wie allgemein in der frühgotischen Bauskulptur bestimmte auch hier der ornamentale Wert als Zierform über den Grad der Abstraktion bzw. der Naturnähe.
Größe und Gestalt des allseitig ausgearbeiteten, also ursprünglich freistehenden Doppelkapitells sprechen für die Platzierung in einem Kreuzgang. Dort waren seit dem frühen 12. Jahrhundert Doppelsäulen und -kapitelle die üblichen Stützen der Arkaden. Im Verhältnis zu den fantasievollen Kapitellen der Jahrzehnte um 1200, die aus dem Rheinland nach Berlin gelangten, erscheint AE 518 nüchtern und spannungslos. Dies liegt weniger an der geringeren Qualität, als an einer grundsätzlich geänderten Auffassung von Bauskulptur, die sich in der Region vor allem in dem 1248 begonnenen Neubau des Kölner Doms und verwandten Bauten wie der Zisterzienser-Klosterkirche Altenberg manifestiert. Die Reihung und symmetrische Anordnung des nun fast durchgängig vegetabilen und nicht mehr figürlichen Kapitelldekors hat sich um die Mitte des 13. Jahrhunderts allgemein durchgesetzt.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 06.02.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Additional items from the collections

Würfelkapitell mit Palmetten- und Blattornament

Würfelkapitell mit Palmetten- und Blattornament

Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. An den vier Schildflächen erscheinen leicht alternierende vegetabile Ornamente im flachen Relief. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)