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Blumenstrauß

Ident. Nr.: 688A

ObjID: obj:865413

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Jan Brueghel (der Ältere) (1568 - 1625),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: 1620
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Blumenstrauß
Translation: Bouquet of Flowers
Geographical references
Herstellungsort: Flandern,
Region
Material / Technique
Eichenholz
Dimensions
Bildmaß: 64,1 x 59,9 cm achteckig
Acquisition
1862 Ankauf aus der Sammlung des Restaurators der Gemäldegalerie Christian Xeller, Berlin

Object Description

Blumen unterschiedlicher Sorten und Blütezeiten sind in detailgetreuer Abbildung zu einem reichen, dicht bestückten Bukett zusammengestellt. Einzelne aus dem Strauß herausragende Zweige reichen bis an dem Bildrand heran und füllen so die gesamte Komposition aus. Auf dem Tisch liegen unter dem Strauß ein kleiner Blumenkranz und ein Johannesbeerzweig. Daneben befindet sich ein kleiner, kauernder Falter, weitere Insekten wie Schmetterlinge und Käfer sind im oberen Bereich des Buketts zu erkennen. Die in voller Pracht erblühten Blumen heben sich hell vom dunklen Grund des Bildes ab und treten leuchtend hervor. Die differenzierte Verteilung von Licht und Schatten auf der hölzernen Oberfläche auf der die Vase steht, macht die Raumwirkung des Bildes erst greifbar.
Da man im 17. Jahrhundert noch am Beginn der Blumenzucht stand, stellten Blumensträuße eine große Besonderheit dar. Sowohl reale Sträuße wie auch gemalte Exemplare wurden als kostbare Rarität empfunden, vergleichbar mit exotischen Muscheln, Porzellan oder Gemmen. Bei dem hier präsentierten Tongefäß mit in Relief gearbeiteten Medaillons, die das „Wasser“ und die „Erde“ darstellen, handelt es sich um ein eigenständiges, wertvolles Kunstobjekt. Brueghel verwendete das Motiv des Tongefäßes noch auf weiteren Blumenstillleben.
Viele der hier dargestellten Blumen galten im 17. Jahrhundert als ausgesprochene Seltenheit. Die malerische Umsetzung und Zusammenstellung so besonderer und verschiedenartiger Blumen stellte daher eine große Herausforderung dar. Jan Brueghel d. Ä., sesshaft in Antwerpen, studierte zu diesem Zweck eigens in den Gärten des Erzherzogpaares in Brüssel die Blumensorten direkt vor Ort, „nach der Natur“. Damit waren diese Arbeiten jedoch auf die Monate im Frühling und Sommer beschränkt. Um dennoch möglichst effizient arbeiten zu können, begann Brueghel im Frühjahr mit mehreren Gemälden gleichzeitig, an denen er dann parallel arbeitete. Das Berliner Bild ist noch anderen Blumenstillleben von Brueghel sehr verwandt, die möglicherweise zur gleichen Zeit entstanden. Wie wir aus seinen Briefen erfahren, entstanden alle Bilder direkt nach der Natur und ohne die Unterstützung von Assistenten. Brueghels Aussage, er fertige seine Bilder ohne Vorzeichnungen oder Ölstudien und ausschließlich nach dem natürlichen Vorbild an, muss indes nicht zu strikt interpretiert werden, da der Künstler für etliche seiner Bilder Unterzeichnungen anlegte und vermutlich bereits auch fertiggestellte Werke oder botanische Drucke als Vorlagen heranzog.
Durch die detaillierte, realistische Darstellung und seine herausragenden technischen Fähigkeiten gelingt Brueghel hier eine überzeugende Darstellung der verschiedenen Materialien und Texturen: der zarten, samtigen Blütenblätter, des kostbaren, glänzenden Tongefäßes und der stumpfen, vergleichsweise derben Holzoberfläche des Tisches. Diese äußerst verfeinerte Malweise von Texturen trug ihm denn auch den Namen „Samt-Brueghel“ ein. In seinen Blumenstillleben gelingt ihm zudem die Verbindung von ästhetischer Raffinnesse und erstaunlicher botanischer Exaktheit – eine Kombination, die, wie Brueghel selbst es ausdrückte „im Winter einen schönen Anblick“ garantierte. Katja Kleinert | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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This abundant, densely packed bouquet consists of a vibrant mix of flowers that bloom at different times portrayed with great attention to detail. Individual sprays in the bouquet extend out of the main cluster as far as the edge of the painting, filling the entire composition. On the table underneath the bouquet lies a small wreath of flowers and a redcurrant branch. Next to it sits a small moth; other insects, such as butterflies and beetles, can be seen in the upper section of the painting. The flowers, all of which are in full bloom, stand out in varying degrees of lightness against the dark background, almost like pale gems. The careful distribution of light and shade on the wooden surface on which the vase stands gives depth to the painting.

Flower cultivation was just beginning to become popular in the 17th century, and bouquets were considered something very special. Both real bouquets and painted ones were seen as costly rarities, comparable to exotic shells, porcelain or precious stones. The ceramic vase in this painting has on it medallions with a design in relief representing water and earth. It is a costly work of art in its own right. Brueghel used the motif of the ceramic vase on several of his other flower still-life paintings. Many of the flowers shown here would have been rarities in the 17th century. The painterly depiction and the combination of such exotic and varied flowers was a considerable challenge. Jan Brueghel the Elder, who lived and worked in Antwerp, studied the flowers in situ in the garden of the Archdukes in Brussels. However, this meant that he had to restrict his work to spring and summer. In order to be able to work as efficiently as possible, Brueghel started several paintings simultaneously in the spring and would work on them in parallel. The Berlin painting is closely related to other flower still-lifes by Brueghel, and they may all have been produced at the same time. We know from his letters that all pictures were painted from nature and without the aid of assistants. Brueghel’s assertion that he produced his paintings without sketches or oil studies, and only from life, should not be interpreted too literally as the artist did in fact produce sketches on canvas for many of his pictures and probably also used existing paintings and botanical prints as models.

Through the highly detailed, realistic depiction and his outstanding technical skill, Brueghel succeeds in producing a highly life-like depiction of all the different materials and textures: the delicate, velvety petals, the sheen of the valuable vase, the dull and comparatively rugged surface of the wooden table. This exceptionally detailed and refined style of painting earned him the byname “Velvet Brueghel”. In his flower still-life he also succeeds in combining aesthetic refinement and astonishing botanical precision – a combination which, as Brueghel himself put it, guaranteed a “beautiful sight in the winter”. Katja Kleinert | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 03.07.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

Der dargestellte Wladislaw IV. (1595 – 1648) war seit 1632 König von Polen. Auf seinem reich dekorierten Wams ist eine Kette erkennbar, die ihn als Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ kennzeichnet, dem er seit 1615 angehörte. Er trägt ein violettes Käppchen. Auffällig an der Frisur Wladislaws IV. ist ein dünner Zopf, der auf die linke Schulter fällt und dessen Ende von einer breiten Schleife zusammengehalten wird. Er war in zweiter Ehe mit Louise – Marie, Prinzessin von Gonzaga, Mantua, Montferrat und Nevers („Fille de France“, d.h. Prinzessin von Geblüht) vermählt. Die Trauung fand in Abwesenheit des Bräutigams im Jahre 1645 in der Kathedrale St. Denis statt. Dabei wurde der polnische König durch den Woiwoden von Posen, Christoph Graf Bnin Opalinski vertreten. Mehrmonatige Feierlichkeiten zogen Viele nach Paris, so auch den gefragten Genfer Miniaturmaler Paul Prieur (Um 1620 - 1682/83). Der umtriebige Hugenotte schuf dort zu dieser Zeit auch die Berliner Miniatur. Es wird sich dabei um ein diplomatisches Geschenk des polnischen Königs an den Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm von Brandenburg) gehandelt haben, der im Jahre 1640 Wladislaw IV. den Lehnseid als Herzog von Preußen leistete und 1646 aus Anlass des Einzugs der aus Paris kommenden polnischen Königin Louise-Marie in Danzig anwesend war. Auf dem Contreémail der Miniatur ist in der Mitte ein von der Sonne gekrönter Obelisk auf vier Kugeln auf einem Postament geschildert. Traditionell als „Gloria dei principe“ (Ruhm des Prinzen) lesbar. Dem gesellt sich die Umschrift HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (Ehre ist der Lohn der Tugend). Die vorzügliche, auf einem Bildträger aus Gold gearbeitet, Berliner Emailminiatur eröffnet die Reihe von Paul Prieurs datierten Arbeiten. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Rückseite: HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (umlaufend); unten: prieur Fecit / 1645

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

Von den bedeutenderen Meistern des Bologneser Spätmanierismus (O. Samacchini, L. Sabatini, P. Fontana) war Bartolomeo Passarotti zweifellos der fortschrittlichste, derjenige, der am deutlichsten Stilelemente der Carracci vorwegnahm. Agostino Carracci war zeitweilig sein Schüler, Annibale Carracci wurde in seiner Frühzeit stark von ihm beeinflusst. Passarotti hat in Rom bei Taddeo Zuccari gearbeitet (1551), stand aber andererseits in der Tradition des Bologneser Manierismus (Pellegrino Tibaldi) und wurde auch von Parmigianino und Niccolò dell`Abate beeinflusst. Sein Oeuvre besteht aus drei Komplexen: Altarbilder, Porträts und Genrebilder. Die Altarbilder befinden sich ausnahmslos noch am Ort, in Kirchen Bolognas und der Emilia sowie im Museum von Bologna. Besonders berühmt war Passarotti als Porträtmaler. Seine weit verbreiteten und gelegentlich auf dem Markt vorkommenden Porträts bildeten die unmittelbare Vorstufe für die Porträtkunst der Carracci.Auch die kleinste Werkgruppe, die der Genrebilder, wurde für die Carracci vorbildlich. So galt das Berliner Bild der "Schachspieler", das 1971 dem Ludovico Carracci zuerkannt wurde, lange als Werk Passarottis (A. Venturi, 1933). Zu der kleinen Gruppe der Genrebilder Passarottis gehört das vorliegende, aus dem Londoner Kunsthandel angebotene Bild einer halb stilllebenhaft, halb porträthaft (in Dreiviertelfiguren) gefassten Marktszene: eine alte Marktfrau, die mit Geflügel und Gemüse handelt, preist ihre Hühner an. Mit beiden Armen hat sie eine Henne und einen Hahn gepackt und hält sie dem Betrachter als ideellem Käufer entgegen, ihn anblickend, den sprechend geöffneten Mund zu einem leichten Lächeln verzogen. Sie lehnt mit dem rechten Arm auf den hölzernen Hühnerkäfig, auf dem links hinten ein Hahn thront. Im Hintergrund ferner eine Stange, an der, mit einem Band befestigt, ein Schild hängt, auf dem der Buchstabe P (= Pollaiolo [Geflügel-Verkäufer], aber wohl auch das Monogramm des Künstlers) steht. In der rechten Bildhälfte sieht man eine bildeinwärts gerichtete junge Frau mit ihrem Jungen. Es bleibt unklar, ob sie eine Kundin oder eine zweite Verkäuferin ist. Das Halsband aus roten Steinen und der relativ aufwendige, schleierartige Überhang deuten wohl eher auf eine Kundin hin. Ihr verlorener Blick aus den Augenwinkeln geht am Betrachter vorbei. Sie schmiegt ihr Kind mit dem linken Arm an sich (sie greift in sein Haar), vielleicht will sie den Jungen, der gerade mit der Hand nach einem Kürbis greift, zurückhalten. Im Vordergrund unten ein Korb (oder eine Karre) prallgefüllt mit Zwiebeln und Kürbissen.Die Figuren und der stilllebenhaft arrangierte Kürbishaufen sind eng ins Bildfeld eingepasst. Figuren und Formen, ganz in der vordersten Bildebene platziert, vermitteln den Eindruck bedrängender Nähe und handgreiflicher Wirklichkeit. Dieser Eindruck wird unterstrichen durch die pastose Malweise, die freie, lockere Pinselschrift, eine Faktur, die, zusammen mit der Art der Gewandbehandlung und der Modellierung, vor allem aber der Farbigkeit, ganz unmittelbar auf die wenige Jahre später entstandenen Genrebilder Annibale Carraccis (Schlachterladen in Oxford, Bohnenesser in Rom, Gal. Colonna) vorausweist. Annibale Carracci hat in seinen Genrebildern, die alle in die Frühzeit fallen, mit dem gleichen Realismus, der gleichen Naturbeobachtung gearbeitet. Gleichwohl würde man die Bilder als lediglich realistische Markstücke im Sinne des 19. Jahrhunderts missverstehen. Im vorliegenden Bild ist offenbar eine Anspielung auf die drei Lebensalter mit gemeint, außerdem hat die neuere Forschung in den Genrestücken Passarottis und Carraccis Bezüge zur Commedia dell`arte gesehen (letztlich auf Aristoteles' Poetik fußend; vgl. B. Wind, Pitture ridicole: Some Late Cinquecento Comic Genre Paintings, in: "Storia dell'Arte", 20, 1974; ders., Annibale Carracci's "Scherzo": The Christ Church Butcher Shop, in: "The Art Bulletin" 1976). So wie Passarottis Genrebilder einerseits auf die Carracci vorausweisen, fußen sie andererseits auf niederländischen Vorbildern, vor allem von Aertsen und Beuckelaer (vgl. H. Bodmer, Die Kunst des Bartolomeo Passerotti, in: "Belvedere" 1938).Das vorliegende Werk war bis zur Erwerbung unpubliziert. Seine Komposition war jedoch aus einer qualitativ unterlegenen Werkstattreplik bekannt, die Daniele Benati (Una 'Lucrezia' e altre proposte per Bartolomeo Passerotti, in: "Paragone" 379, 1981) publiziert hat. Benati datiert das vorliegende Original in die späten siebziger bzw. frühen achtziger Jahre. Es gibt außer diesem Bild nur noch fünf vollwertige Genrebilder Passarottis, von denen drei Bilder (alle querformatig) dem vorliegenden stilistisch und ikonographisch engstens verwandt sind: "Zwei Fischverkäufer" und "Zwei Schlachter" in Rom, Galleria Nazionale d'Arte Antica (ehemals Slg. Messinger, München) und "Zwei Geflügelverkäuferinnen" (Florenz, Stiftung Longhi, ehemals Berlin, C. Benedict). Diese drei Bilder sind in einem Inventar der Slg. der Marchesi Mattei (Rom) von 1614 zusammen mit einem vierten aufgeführt, das zwei Geflügelverkäuferinnen mit einem Kind darstellt. Es läge nahe, das vorliegende Bild mit dem vierten Bild zu identifizieren, wenn nicht das andersartige Hochformat dagegen spräche. Die Verbindung von derber Drastik des Motivs, von zupackendem Realismus mit malerischer Kultur der Ausführung ist das Charakteristische dieses und der anderen Genrebilder Passarottis. Zugleich ist das Bild ein frühes und bedeutendes Beispiel der für Italien auch im frühen 17. Jahrhundert wichtigen Bildform eines vegetabilen Stilllebens (Gemüse, Früchte, Blumen) mit begleitenden Figuren. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf dem Ladenschild oben: P

Ansicht von Nijmegen

Ansicht von Nijmegen

Rechts über dem Ufer der Waal erhebt sich die Stadt Nijmegen mit dem charakteristischen viereckigen Turm des Valkenhofs. Stadtansichten nehmen im OEuvre van Goyens einen breiten Raum ein, wobei der viel gereiste Künstler sich motivisch auf seine Skizzenbücher stützen konnte. Trotzdem erheben seine äußerst naturgetreu anmutenden Schilderungen keinen Anspruch auf topografische Exaktheit. Der Raum wird perspektivisch durch den diagonal in die Bildtiefe verlaufenden Fluss erschlossen, ein für Goyen typisches Konstruktionsprinzip. Zusammengehalten wird die Komposition durch die atmosphärische, auf Gelb-, Braun- und Grüntönen basierende Farbigkeit. Ebenso wird der Schilderung des Himmels große Aufmerksamkeit geschenkt.| Prestel-Museumsführer - Gemäldegalerie Berlin, 2017SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. an der Fähre: vGOYEN 1649________________________________________________________________________________________________________________________________________The town of Nijmegen with the landmark square tower of the Valkenhof rises above the right bank of the Waal. Town views are a major theme in van Goyen’s work; he travelled a great deal, and was able to rely on his sketch-books for material. Nevertheless, though his pictures seem extremely lifelike, they make no claims to topographical precision. The space is opened up in terms of perspective by the river, which runs diagonally into the depths of the picture, a typical structural principle for van Goyen. The composition is held together by the atmospheric colouring, based on shades of yellow, brown and green. A great deal of attention is also paid to the presentation of the sky.| Prestel Museum Guides - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Lustige Gesellschaft auf einer Terrasse

Lustige Gesellschaft auf einer Terrasse

Der aus Südtirol stammende, in den 1720er und 1730er Jahren an der Wiener Akademie ausgebildete und dort arbeitende Johann Georg Platzer orientierte sich an den Antwerpener Kleinmeistern des 17. Jahrhunderts sowie an der Pariser Malerei des 18. Jahrhunderts. Er schuf vorrangig Feinmalereien auf Kupfer, bei denen es sich häufig um beliebte Objekte für anspruchsvolle Kunstkammern handelte. Dazu muss auch das wohl in die Wiener Zeit zu datierende Berliner Gemälde gezählt werden. Es ist ein typisches Beispiel für Platzers in leuchtenden Farben mit feinem Pinsel auf dünner Grundierung ausgeführte Gesellschaftsstücke mit ihren dicht gefüllten Bildräumen.Eine heitere Gesellschaft bevölkert einen durch die Staffageearchitektur rechts und den Brunnen links begrenzten Garten. Links im Vordergrund reicht ein sitzender junger Kavalier  das eben gefüllte Weinglas der neben ihm stehenden Dame, die einen auffälligen, aus einem Blumenkranz, einer Feder und einem transparenten Schleier bestehenden Kopfputz trägt. Ein Knabe bietet dem Paar Früchte in einer reich verzierten Schale dar. Insbesondere die aufgeschnittene Melone verdeutlicht die darin enthaltene Einladung zum sinnlich erotischen Genuss. Hinter der Stuhllehne erhebt ein weiterer Mann scheinbar mahnend den Zeigefinger. Beobachtet wird dieses Geschehen von zwei im zentralen Bogen der Gartenarchitektur stehenden Männern.Frisuren und Kostüme sind nicht zeitgenössisch, sondern scheinen sich an solche der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts anzulehnen. Mit seinem Berliner Bild verweist Platzer auf Genrebilder mit musizierenden, tanzenden und trinkenden Paaren im Freien vor allem der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts (zum Beispiel Rubens' "Liebesgarten" im Prado, Madrid). Mit diesem in seinem Werk regelmäßig auftretenden inhaltlichen und formalen Rückbezug auf eine frühere Blütezeit der Malerei apelliert der Künstler an den Geschmack einer Sammlerschicht, die mit der Bildsprache dieser Vorbilder vertraut war.In Format und Bildaufbau offenbart das Berliner Bild enge Verwandtschaft zu den ebenfalls in die Wiener Zeit zu rechnenden Pendants "Allegorie des Gehörs" und "Allegorie des Geschmacks" (Graz, Alte Galerie am Landesmusem Joanneum). Zudem ähneln Kleid und Kopfputz der Frauenfigur jenen einer ebenfalls in Graz bewahrten "Tamburinschlägerin mit Flöte spielendem Kavalier". Krapf (2014) ordnet die angeführten Werke innerhalb Platzers Werk in die Gruppe der frühen Konversationsstücke ein.