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Die Wahrsagerin

Ident. Nr.: II.300

ObjID: obj:865653

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Jan Lievens (1607-1674),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: 1630
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Die Wahrsagerin
Translation: The Fortune-Teller
Geographical references
Herstellungsort: Holland,
Region
Material / Technique
Leinwand
Dimensions
Bildmaß: 161,6 x 142,3 cm
Acquisition
1829/30 Überweisung aus den Königlich Preußischen Schlössern

Object Description

Das mit lebensgroßen Figuren ausgestattete Bild gehört in das Frühwerk von Lievens. In einem kellerartigen Raum der von links durch ein kleines Fenster erhellt wird, ist eine alte Frau mit zerschlissenen Kleidern zu erkennen. Sie hat, in einer mit Stroh ausgestopften Trage, ein kleines Kind auf den Rücken gebunden. Ihre Haare sind mit einem Kopftuch verhüllt, an dem ein Zettel mit Schriftzeichen befestigt ist. Ihr zugewandt sitzt links eine vornehme, junge Dame in kostbarer Kleidung. Sie streckt der Alten ihre rechte Hand entgegen, auf der sich ein Geldstück befindet. Die alte Frau weist mit der Linken auf die offene, vom Licht erhellte Hand. Der Vorgang wird von einem hellblonden Mädchen in silberweissem Mantel verfolgt, das sich zu den beiden beugt und mit fragendem Blick seitwärts aus dem Gemälde blickt. Hinten rechts im Dunkel des Hintergrunds ist schemenhaft die Profilsilhouette einer Schwarzen Frau in gestreiftem Kleid zu erkennen. Die Darstellung wurde auch als eine Szene (Preciosa und Dona Clara) aus Cervantes Novelle "La Gitanilla di Madril" identifiziert. Sehr wahrscheinlich befand sich das Gemälde bereits 1632 in der Sammlung von Prinz Frederik Hendrik von Oranien, dem Statthalter der Niederlande, im Stadhouderlijk Kwartier. Das Gemälde inszeniert gezielt Kontraste. So konfrontiert es die reich gekleidete Kundin mit der sichtbar armen Wahrsagerin und platziert das faltige Gesicht der alten in unmittelbare Nähe zum glatten Gesicht der jungen blonden Frau. Diese wiederum ist durch die hellen Töne von Haut, Haar, Gewand und Licht hervorgehoben. Zudem wird ihr Weißsein durch die Kontrastierung mit der im Schatten stehenden Schwarzen Frau betont und explizites Thema des Bildes. In dieser Gegenüberstellung zeigt sich die kolonialistisch geprägte Vorstellungswelt der Zeit.

SIGNATUR / INSCHRIFT: Spees? / Spreu?

Last updated: 14.04.2026

Contact

Institution:

Gemäldegalerie

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