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Schrein mit dem heiligen Pankratius

Ident. Nr.: 3198

ObjID: obj:866222

Details (expert)

Dating
Datierung: um 1300
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 123 x 30,7 x 23 cm (Statue)
Gewicht: 12,2 kg (Statue)
Höhe x Breite x Tiefe: 175 x 71 x 38 cm (Schrein)
Gewicht: 27 kg (Schrein)

Object Description

Die Figur des heiligen Pankratius steht in ihrem ursprünglich zugehörigen Schrein. Mit heute verlorenen Flügeln konnte er so geschlossen werden, dass nur noch das untere Brett der Bodenplatte und die obere Leiste mit Zinnenkranz zu sehen waren.
Die an die Schreinrückwand gelehnte Standfigur fügt sich in ihren Proportionen und wenig ausgreifenden Gesten ausgezeichnet in die umgebende Rahmenarchitektur. Der Heilige trägt ein bodenlanges und hoch gegürtetes Gewand mit breit abgesetztem Saum sowie einen stoffreichen Mantel, dessen über die rechte Schulter nach vorn fallendes Ende gerafft und unter dem linken Unterarm geklemmt ist Voluminöses, stark gewelltes und halblanges Haar rahmt ein ebenmäßiges, jugendliches Gesicht, dem schmale Lippen, eine längliche Nase und relativ hoch liegende Augen einen ruhigen und ernsten Ausdruck verleihen. Die Gesichtszüge sind sorgfältig ausgeführt; Kinn, Wangenknochen und Brauen zeichnen sich deutlich unter der Haut ab.
Dass es sich bei dem wenig spezifisch dargestellten Jüngling sehr wahrscheinlich um Pankratius handelt, legt zunächst lediglich das für das späte Mittelalter bezeugte Patrozinium der Herkunftskirche nahe. Doch stimmt die Darstellung des jungen, bartlosen und zivil gekleideten Manns ohne Kopfbedeckung und vermutlich mit Schwert und Palmzweig mit der im 13. Jahrhundert geläufigen Ikonografie des römischen Heiligen überein. Dessen Verehrung war in Deutschland um 1300 noch nicht so allgemein verbreitet wie im 15. Jahrhundert und konzentrierte sich zunächst auf den südostdeutschen Raum, Niedersachsen und Westfalen.
Der laut Legende als Sohn eines reichen römischen Bürgers jung zum Christentum übergetretene und im Alter von 14 Jahren deshalb enthauptete Pankratius war in erster Linie ein Patron des Adels. Nur so ist seine spätere Darstellung als Ritter zu erklären.
Die Entstehung der Schreinfigur steht im engen Zusammenhang mit einer bemerkenswerten Erweiterung der Kirche in Steinkirchen bei Lübben. Im späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert wurde der vor 1250 errichtete Saalbau mit eingezogenem Chor, der sich nur durch das Baumaterial (Backstein) von übrigen Dorfkirchen der Region unterschied, erheblich erweitert. Um 1500, als man den Kult belebte oder wiederbelebte, nahm man auch die relativ aufwendige Neufassung von Schrein und Figur vor. Zugleich fanden umfangreiche Instandsetzungsarbeiten an Kirche und Ausstattung statt, denen die Einnahmen durch die Pilger zugute kommen sollten.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 10.04.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

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Das markante Gesicht des Dargestellten ist im strengen Profil nach links wiedergeben, während der Oberkörper sich ein wenig zum Betrachter hinwendet, was eine leichte Bewegung suggeriert. Das Barett mit herabgeschlagener Krempe wie auch der Mantel mit pelzverbrämtem Kragen, der so genannten Schaube, zeigen an, dass hier eine vornehme Persönlichkeit porträtiert wurde, ist doch die beschriebene Tracht allein dem ersten Stand vorbehalten gewesen. Das Relief weist weder eine Inschrift noch ein Familienwappen auf, die die Identität des hier Dargestellten preisgibt. Das scharf gezogene Profil mit der leicht gebogenen Nase und dem runden Kinn lassen den Porträtierten nicht zuletzt auch aufgrund seiner halblangen, die Ohren bedeckenden Haare, leicht als den Bischof Philipp von Freising und Naumburg identifizieren, wie der Vergleich zu zahlreich gesicherten Porträts des Dargestelllten belegen. Neben Gemälden existieren von ihm auch weitere Bildnisreliefs, von denen das von Loy Hering (1484/85-nach 1554) in Solnhofener Stein gearbeitete (Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) zu den prominentesten zählt. Das hier vorgestellte Brustbild Philipps ist hingegen für die Zeit von ungewöhnlicher Größe. Wie bereits festgestellt wurde, handelt es sich hier wohl um eine eigenhändige Wiederholung von Friedrich Hagenauers Medaille des Bischofs Philipp von Freising und Naumburgs. Durch die Übertragung vom ausgewogenen rund der Medaille in das hochrechteckige Format entstand ein ungewöhnlicher, weitaus steilerer Bildausschnitt. Es wird vermutet, dass Friedrich Hagenauer die Vergrößerung auf Wunsch des Auftraggebers ausführte. Der vorgesehene Bestimmungsort des Reliefs blieb bis heute unbekannt.Hans-Ulrich Kessler