Logo

Schmerzensmann

Ident. Nr.: 15/66

ObjID: obj:866477

Details (expert)

Creator/Entity
frühere Zuschreibung: Francesco da Sangallo (1494.03.01),
Bildhauer*in
Date(s)
Datierung: 1500-1525
Material / Technique
Marmor
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 68 x 40 x 31 cm
Gewicht: 70,2 kg

Object Description

Diese Marmorskulptur zeigt Christus als Schmerzensmann, nachdem er verspottet, gefoltert und der Öffentlichkeit vorgeführt worden ist. Seine Augen sind geschlossen, der Kopf hängt schwer herab, der Mund ist leicht geöffnet: eine Haltung, die nicht nur körperliches Leid, sondern auch Isolation, Verletzlichkeit und tiefe Erschöpfung ausdrückt. Die Darstellung ist weniger eine konkrete biblische Szene als vielmehr eine universelle Metapher für menschliche Verzweiflung. Der gezeichnete, gebrochene Körper erinnert an Menschen, die Gewalt, Verlust oder Einsamkeit erfahren haben. Gerade in dieser Verletzlichkeit entfaltet die Skulptur ihre besondere Wirkung und erinnert daran, dass schon ein aufmerksamer Blick auf einen leidenden Menschen Nähe schaffen und Hoffnung stiften kann.

(Alexander Röstel, Mai 2026, als Teil der Ausstellung Das Heilende Museum)

Last updated: 05.08.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Additional items from the collections

Würfelkapitell mit Palmetten- und Blattornament

Würfelkapitell mit Palmetten- und Blattornament

Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. An den vier Schildflächen erscheinen leicht alternierende vegetabile Ornamente im flachen Relief. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)