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Triumphkruzifix aus Unterröblingen bei Halle

Ident. Nr.: 7810

ObjID: obj:866884

Details (expert)

Dating
Datierung: 1160/70
Material / Technique
Pappelholz, polychromiert
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 109 x 97 x 16 cm

Object Description

Christus steht aufrecht auf dem schrägen Suppedaneum, die Füße sind parallel zueinander etwas nach rechts gerichtet, die schlanken Beine, deren Schienbeinkante sich sanft unter der Haut abzeichnet, schwingen ebenfalls leicht nach rechts aus. Die Oberschenkel werden von dem oberhalb der Knie endenden Lendentuch verdeckt, die Hüfte ist kaum erkennbar nach links verschoben, der schlanke Oberkörper fast vollkommen gerade, das erhobene und gekrönte Haupt hingegen vollzieht eine sichtbare Wendung nach links. Die deutliche Drehung des Körpers nimmt der frontalen Gesamthaltung ihre Strenge. Diese Torsion ist das charakteristische Motiv des Werks und hebt es qualitativ deutlich über das Mittelmaß romanischer Kruzifixe hinaus.
Es handelt sich um den vor allem im 12. Jahrhundert weit verbreiteten und in Deutschland vorherrschenden Typ des „Christus triumphans“, des sichtbar über den Tod siegenden Herrn, der würdevoll aufgerichtet am Kreuz steht, an das er mit vier Nägeln geschlagen ist.
Wie in den meisten Fällen der unterlebensgroßen Kruzifixe haben sich weder in der Unterröblinger Kirche St. Nikolai, aus der die Plastik stammen soll, noch auf älteren Ansichten Hinweise für die ursprüngliche Anbringung erhalten. Für die große Zahl romanischer Kruzifixe mit einer Höhe von kaum mehr als 1 m, die sich in Mittel- und Nordeuropa erhalten haben und oftmals aus kleinen Kirchen stammen, wurden unterschiedliche Aufstellungen vermutet: als Altarkreuze im Chor, unter dem engen Chorbogen auf einem Balken in relativ geringer Höhe oder auf einem Piedestal, der ein seitliches Vorbeischreiten zu bestimmten Anlässen problemlos ermöglichte. Um die Mitte des 12. Jahrhunderts ist das kleine Format aber durchaus typisch für Triumphkreuze in kleineren Kirchen.
Dass der Unterröblinger Kruzifxus vor den bedeutenden sächsischen Skulpturen der Zeit nach 1200 und räumlich entfernt von den im 12. Jahrhundert führenden Kunstzentren am Niederrhein oder in Süddeutschland entstanden ist, mag der Grund für seine bislang geringe Beachtung seitens der Forschung sein. Die wenigen erhaltenen, etwa gleichzeitig entstandenen Kruzifixe der weiteren Umgebung zeigen eine ähnlich aufrechte Haltung, eine Senkung des Kopfs und asymmetrische Anordnung des Lendentuchs, wie etwa der fast doppelt so große Corpus in der Evangelischen Pfarrkirche Klöden an der Elbe (Kreis Jessen, nahe Wittenberg) oder der etwa gleich große Kruzifixus im Halberstädter Domschatz.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 11.04.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Junge Frau

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Die grazile Frauengestalt, in Mieder und einem bodenlangen, die Füße vollständig bedeckenden Kleid gehüllt, ist in einer ausgewogenen Torsion dargestellt. Dem leicht einwärts gekehrten Spielbein, das sich unter dem vom Wind erfassten Stoff deutlich abzeichnet, antwortet der nach links gewendete Oberkörper, während der Kopf sich wiederum über die rechte vorgeschobene Schulter neigt. Die schwungvolle Körperbewegung wird durch die gleichmäßigen, von allen Seiten fein ausgearbeiteten Gewandfalten effektvoll nachgezeichnet. Von gleicher handwerklicher Raffinesse ist die Ausarbeitung der anmutigen Physiognomie und des am Hinterkopf zum Knoten geschlungene Haares. Über die Identität der kleinen Figur lässt sich nur spekulieren. Die frei angesetzten Unterarme mit den zur Seite ausgerichteten und zum Gebet zusammengefalteten Händen, sind wohl eine spätere Ergänzung. In den frühesten Inventareintragungen (1655 und 1757), als sich die Statuette noch in der Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer befand, wurde sie mal mit Turm, mal mit Kelch beschrieben, womit sie eindeutig als hl. Babara zu identifizieren wäre.Bislang konnte kein Künstler dem Werk eindeutig zugeordnet werden. Allerdings finden sich von dem in Regensburg tätigen Maler Albrecht Altdorfer (1480-1538) einige Zeichnungen, in denen nicht nur der gleiche Frauentypus vorkommt, sondern auch ein ganz ähnlicher Körperaufbau mit geradezu identischen Faltenzügen. Es ist daher plausibel, den Autor dieser anmutigen Mädchenfigur in Regensburg, im Umkreis Albrecht Altdorfers zu suchen.

Heiliger Nikolaus

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Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)