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Die Kreuzigung Christi

Ident. Nr.: 1074A

ObjID: obj:866946

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Giotto (um 1267 - 1337),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: um 1315/20
Systematics/Type
Additional titles
Die Kreuzigung Christi
Translation: The Crucifixion of Christ
Geographical references
Herstellungsort: Italien,
Land
Material / Technique
Pappelholz
Dimensions
Bildmaß: 59,7 x 36,2 cm
Acquisition
1821 Ankauf aus der Sammlung des Kaufmanns Edward Solly, Berlin

Object Description

Während acht Gemälde der Sammlung Solly zum Zeitpunkt des Erwerbs der Sammlung für das Berliner Museum – irrtümlich – als Werke des Malers Giotto galten, wird diese großartige Kreuzigung erst seit relativ kurzer Zeit mit Sicherheit diesem Meister zugeordnet. Aloys Hirt entschied 1823, das Bild nicht für das künftige Museum, sondern für einen möglichen Tausch mit anderen Galerien zu bestimmen, ein Hinweis darauf, dass man es als unbedeutend einstufte. Im entsprechenden Inventar wurde die Zuschreibung der Tafel zunächst zu »Bartolo Senese« (möglicherweise Bartolo di Fredi, einem Sieneser Maler im späten 14. Jahrhundert), dann zu »Memmi« (der Nachname zweier weiterer Künstler aus Siena, deren Schaffenszeit in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts fällt, Lippo Memmi und Simone Martini) korrigiert. 1837 war die Kreuzigung eines von 59 Werken, die für das Museum in Königsberg als Teil einer Gruppe von acht Gemälden »aus der Schule von Giotto« bestimmt waren. Geführt wurde es nun als Werk von Spinello Aretino, einem Maler, der zu Beginn des 15. Jahrhunderts in Arezzo tätig war. Die Ausdruckskraft und Bedeutsamkeit dieser Malerei entging offenbar allen, die in jener Zeit damit befasst waren. 

Erst durch Wilhelm Bode rückte unsere Tafel stärker in den Fokus: 1884 sortierte er zahlreiche, in seinen Augen weniger bedeutende Arbeiten aus der Berliner Museumssammlung aus und holte im Gegenzug zahlreiche Leihgaben aus Provinzialgalerien in die Hauptstadt zurück, darunter auch diese Tafel, mit der Kreuzigung, die seiner Meinung nach von keinem Geringeren als von Giotto stammte. Zwar stellte man Bodes Kompetenz in Berlin nur selten in Frage, doch war dieses Urteil unter den Experten für italienische Kunst umstritten: Man unterstellte dem Berliner Kunsthistoriker, ein Werk seiner Sammlung zu überschätzen, wie das bei so vielen Kuratoren vor und nach ihm der Fall war. Lange Zeit galt das Bild in Fachkreisen daher als Werk aus der »Werkstatt von Giotto«; so bezeichnet ging es 1937 als Leihgabe nach Florenz, wo eine große Ausstellung dem Florentiner Maler gewidmet war. Zwar änderte auch diese Ausstellung nicht die Meinung der meisten Gelehrten, überzeugte aber Roberto Longhi davon, dass die Tafel zwar stark restauriert, aber vom Meister selbst gemalt worden war. Dieses Urteil fand erst Anfang des 21. Jahrhunderts allgemeine Zustimmung. 

Heute gibt es keinen Grund mehr, die Urheberschaft von Giotto in Frage zu stellen: Der Künstler hat Spuren seiner überragenden Malkunst in den kleinsten Details dieser Kreuzigung hinterlassen, der eine große Zahl von Personen mit ganz unterschiedlicher Mimik und Gestik beiwohnen: von den schmerzverzerrten Gesichtern bis zu dem Soldaten, der sich die Nase zuhält, um nicht den Geruch des Todes, der dem Körper des Gekreuzigten entströmt, einatmen zu müssen. So wurde aus der anfangs wenig beachteten Kreuzigung eines der Meisterwerke der Gemäldegalerie.

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Dieses Werk wurde erst relativ spät als von Giotto anerkannt. Heute sind sich die Kritiker einig, dass es der Meisters war, der es malte. Die Fähigkeit des Künstlers, eine beeindruckende Anzahl von Charakteren darzustellen, aber auch intensive Emotionen zu vermitteln ist bewundernswert. Besonders die Engel am Himmel, gemalt auf die Vergoldung des Gemäldes, sind außergewöhnliche virtuos gestaltet.

Last updated: 29.07.2026

Contact

Institution:

Gemäldegalerie

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Stillleben mit toten Vögeln

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Auf einer vom Bildrand angeschnittenen Tischplatte sind mehrere tote Vögel arrangiert: Ein Rebhuhn liegt kopfüber auf einem Holzeimer mit Bügel im Hintergrund, die Krallen nach links ausgestreckt. Bei dem auf einen Zweig gespießten Vogel in der Mitte handelt es sich vermutlich um eine Drosselart. Es war üblich, Drosseln mit leimbestrichenen Zweigen zu fangen. Links vorne liegt ein großer Buntspecht, rechts daneben ein Wiedehopf. Als Autor des kleinen ovalen Gemäldes vermutete man früher den Leidener Maler und Zeichner Philips Angel, den Verfasser des bedeutenden Traktats „Het Lof der Schilderkonst“ („Lob der Malerei“). Tatsächlich stammt das Berliner Bild jedoch von der Hand seines Großcousins, des gleichnamigen Middelburger Stilllebenspezialisten und Radierers.| Britta BodeSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. unten: P Angel 1650_______________________________________________________________________________________________________________________________________On a table, cut into by the edge of the painting, several dead birds are arranged in different poses. A partridge lies upside-down on a wooden basket with a hanger in the background, claws stretched out to the left. Corresponding with the capturing technique of the time, the thrush is skewered up with a glue covered twig. In the front, left, lies a woodpecker, right next to it a Eurasian hoopoe. This hand-palm sized oval has been formerly attributed as one of the lesser known works of Leidener painter and draughtsman Philips Angel. Angel was the author of the important treatise „Het Lof der Schilderkonst“ („Praise to art”). The Berlin painting, however, has been attributed to his great-cousin, a Middelburg still-life specialist and etcher by the same name.| Britta Bode

Ruhe auf der Flucht nach Ägypten

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An einem rasenbedeckten Hang ruht die Heilige Familie. Maria sitzt am Rain eines rechts vorbeiführenden Weges, das Kind in ihrem Schoß. Dahinter steht Joseph, den Hut in der Hand, und stützt sich auf seinen Stab. Drei prächtig gekleidete Engel in der Mitte singen und flöten. Einer der fünf nackten Engelputten hört ihnen zu, ein anderer schläft, den Kopf auf einem bemoosten Klotz hinten bei der Quelle. Dort schöpft ein anderer Wasser in eine seitlich geöffnete Pilgerflasche. Ein Engel bringt dem Christkind blühende und fruchttragende Erdbeerstauden, ein anderer einen flatternden Vogel, einen Papagei. Vielerlei Pflanzen, darunter Himmelsschlüssel, Distel, Akelei und Erdrauch, geben dem Ort den Anschein eines blühenden Gartens. Die Szene wird nach hinten abgeschlossen durch den aufsteigenden Hang links, auf dem um die frische Fichte herum grüne und dürre Bäume stehen, durch die altersgraue Tanne in der Mitte und durch die Birke rechts im Bild. Im Hintergrund erblickt man Berge und Gebirgszüge. Die Darstellung des Geschehens ist ungewöhnlich und mit zahlreichen legendären und symbolischen Anspielungen durchflochten. Der blühende Garten im Vordergrund, von der Bergwelt hinten abgeschlossen, ist als ein Platz der Freude und des Geborgenseins zu verstehen. Mehrere Pflanzen findet man da, die auf Maria und Christus oder auf mit ihnen verbundene Ereignisse anspielen. Die Erdbeere gilt als eine Frucht des Paradieses. Die Akelei wie auch der Himmelsschlüssel sind Pflanzen, die sinnbildhaft auf Maria und Christus und auf die Passion hindeuten. Auch die Distel, als eine dornentragende Pflanze, erinnert an die Dornenkrone und das Leiden Christi. So mischt sich in das Bild der Freude auch der Hinweis auf die kommende Leidenszeit. Die Quelle, die aus dem Hang sprudelt, entsprang nach der Legende auf ein Wort des Christuskindes, um die ermüdeten Reisenden zu erquicken. Sie verwandelte zugleich den wüsten Platz in einen Garten. Auch die musizierenden und spielenden Engel gehören in diesen Zusammenhang. Durch die symbolische Ausdeutung der Umgebung und die Erscheinung der Engel wächst dem Ort die Qualität eines Paradiesgartens zu. Der Ort der Ruhe auf der Flucht ist zugleich ein Ort himmlischer Freuden. Graphische Vorlagen Dürers wie die Heilige Familie mit den Hasen von 1496/97 haben anscheinend die Bildgestalt Cranachs mit bestimmt. Einige Motive der Darstellung sind dort vorgebildet. Cranach hat später, 1509, die Komposition in Holzschnitten noch einmal verarbeitet. Eine ziemlich getreue Kopie des Gemäldes wird in Wien verwahrt. Ihre Existenz deutet darauf hin, daß unser Gemälde von Cranach noch vor seiner Abreise aus Wien gemalt wurde. Das Gemälde ist das erste von Cranach signierte und datierte Werk. Die Rekonstruktion und Sicherung der Malerei Cranachs vor seiner Wittenberger Zeit wäre ohne die Kenntnis dieses Bildes kaum möglich gewesen. Lange Zeit war es nur durch Beschreibungen, aber kaum durch Anschauung bekannt. 1892 wurde es auf einer Ausstellung in München erstmals gezeigt. Dieses Ereignis bestimmte die Forschung über Cranachs Frühzeit wesentlich mit. Das Gemälde ist eines der frischesten und künstlerisch bedeutendsten Werke Cranachs überhaupt. Wilhelm H. Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: am unteren Rand: Monogramm LC (auf einem Zettel) und Datum 1504___________________________________________________________________________________________The Holy Family is resting on a grassy slope. Mary sits on the edge of a path on the right, the child in her lap. Joseph stands behind her holding his hat in his hand and leaning on his staff. Three sumptuously dressed angels stand in the middle singing and playing flutes. One of the five naked angel cherubs is listening to them, another is asleep resting its head on the mossy hill behind, near the spring. There, a third cherub is drawing water into a pilgrim’s flask with an opening at the side. An angel brings the Christ child strawberry plants in flower and in fruit; another brings a bird flapping its wings, a parrot. The many varieties of plants, among them cowslips, thistles, columbine and fumitory, give the place the appearance of a flowering garden. The scene is enclosed from behind by the hillside rising on the left on which both green and dead trees stand around the young spruce, by the aging grey fir tree in the middle and by the birch on the right. Mountains can be seen in the background.The depiction of the scene is unusual because of the numerous legendary and symbolic allusions that are woven in. The flowering garden in the foreground, enclosed by the mountains in the background, can be interpreted as a place of joy and as a sanctuary. Several of the plants are allusions to Mary and Christ or to events connected with them. The strawberry is considered to be a fruit of paradise, while the columbine and the cowslip stand for Mary and Christ and refer to the Passion. The thistle, too, as a thorny plant recalls the crown of thorns and the suffering of Christ. Thus, the joyous scene is marred by allusions to the suffering to come. According to legend, the spring began bubbling out of the hillside at the Christ child’s bidding in order to quench the thirst of weary travellers. At the same time, it transformed the barren place into a garden to which the playing and music-making angels also belong. The symbolic interpretation of the surroundings and the appearance of the angels lends the place the quality of a garden of paradise. The resting place during the flight is simultaneously a scene of heavenly joy.Dürer’s graphic models for the painting, such as the Holy Family with the Rabbits from 1496/97, apparently also had an influence on Cranach’s composition. Some of the motifs are already present there. Later, in 1509, Cranach reworked the composition in woodcuts. A copy of the painting that is highly faithful to the original is preserved in Vienna. Its existence suggests that the Cranach in question here was painted before the artist left Vienna.This is the first work to be signed and dated by Cranach. Without knowledge of this painting, it would have been well-nigh impossible to reconstruct and reliably attribute Cranach’s pre-Wittenberg oeuvre. For a long time, it was known only through descriptions but without actually having been seen. It was shown for the first time at an exhibition in Munich in 1892. This event played a major role in subsequent research into Cranach’s early period. The painting is one of the freshest and artistically most significant works that Cranach ever produced. Wilhelm H. Köhler | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019