Logo

Säulchen mit Palmettenkapitell und Basis

Ident. Nr.: AE 158

ObjID: obj:867322

Details (expert)

Date(s)
Datierung: Mitte 12. Jahrhundert
Systematics/Type
Material / Technique
Roter Sandstein
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 26,5 x 23,5 x 23 cm (Kapitell)
Höhe x Breite x Tiefe: x 24 x 21,5 cm (Basis)
Höhe: 104 cm (gesamt)
Acquisition
Erworben 1909 von Paul Weigt, vormaliger Assistent des Konservators der Société pour la conservation des monuments historiques d’Alsace, seit 1909 jedoch Kunsthändler mit Niederlassungen in Straßburg sowie seit 1911 auch in Paris.

Object Description

Das Palmettenkapitell ist von drei Seiten identisch bearbeitet, die vierte zeigt zwar grob dieselbe Gestalt, ist aber glatt belassen. Es hat eine gestreckte, kaum noch als kelchförmig zu bezeichnende Grundform und ist zwischen dem unteren Schaftring und der schmalen Deckplatte mit Diamantband in drei Zonen mit dichtem, flächigem Ornament gegliedert. Die auffälligen Charakteristika des Kapitells sind eine starke Stilisierung vegetabiler Formen, eine Verflachung des Reliefs und die Tendenz, jeden Winkel der Oberfläche mit Ornament auszufüllen.
Größe und dreiseitige Ausarbeitung des Kapitells sprechen dafür, dass es zu einer wandverkleidenden Blendarkatur gehört hat. Die romanischen Kirchen im Elsass zeichnen sich durch eine besonders reiche Gestaltung des Außenbaus bei relativ glatten Innenwänden aus. Die ehemalige Propsteikirche St. Fides in Schlettstadt (Sélestat) etwa besitzt an den Türmen, Apsis und Westbau außen eine reiche Verkleidung, zu der (v. a. am Vierungsturm) auch Säulen mit Kapitellen gehören, die in den Maßen dem Berliner Stück entsprechen. An seiner elsässischen Herkunft kann kaum gezweifelt werden. Motive dieser Region sind etwa das zungenartige Ornament in der mittleren Zone, die ösenartige Gestalt der Blätter durch starke Vertiefung in der Mitte und besonders das flache Relief, das ungeachtet der klassischen Kapitellformen alle Freiräume ausfüllt.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 02.04.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Additional items from the collections

Liturgischer Teller (Patene)

Liturgischer Teller (Patene)

Die Patene gehört zu einer durch zahlreiche ähnliche Objekte relativ gut bekannten Gruppe liturgischer Gefäße, die vermutlich überwiegend in Konstantinopel gefertigt wurden. Auf dem Rand sind die Einsetzungsworte der byzantinischen Liturgie in sorgfältiger Schrift eingraviert: ΛAB(ETE) ΦAΓETE TOYTO AI(C)TIN TO COMA MO(Y) TO Y(ΠE)P YM(ON) (K)ΛOMAINON IC AΦECCIN AMAPTION AMHN (Nehmt und esst, das ist mein Leib, der für euch hingegeben wurde zur Vergebung der Sünden. Amen). Im Zentrum der dreifigurigen Komposition steht der bärtige Christus auf einem Bema in leichter Ponderation, bekleidet mit Tunika und Pallium. In der Linken hält er ein Evangelienbuch, die Rechte ist segnend vor der Brust erhoben. Das langgestreckte Haupt wird von einem Nimbus mit diagonal eingeschriebenem Kreuz umgeben. Zu beiden Seiten der Beischriftkürzel IC XC für »Iesous Christos«. Auf dem Ehrenplatz zu seiner Rechten steht der hl. Stephanos mit Beischrift O (mit eingeschriebenem A) CTEΦANOC (der hl. Stephanos), jugendlich und bartlos, mit Nimbus und bekleidet mit den Gewändern eines Diakons. Mit der Rechten schwenkt er an einer Kette ein Räuchergefäß, in der Linken hält er vermutlich eine Pyxis. Zur Linken Christi steht Kaiser Konstantin d. Gr., der in Byzanz als Heiliger verehrt wurde und daher vor seiner senkrecht angebrachten Namensbeischrift KONCTANTINOC das Kürzel O mit eingeschriebenem A für »der hl. Konstantinos« führt. Er ist mit dem für die mittelbyzantinische Zeit typischen Kaiserornat bekleidet – dem Sakkos und dem kunstvoll drapierten und reich mit angedeutetem Edelsteinbesatz verzierten Loros. In der Rechten hält er das mit einem Kreuz bekrönte Szepter, in der Linken die Sphaira, ebenfalls mit einem Kreuz. Im Unterschied zu den meist großformatigen, oft mit Stifterinschriften versehenen Silberdiskoi der frühbyzantinischen Zeit waren die eher bescheidenen mittelbyzantinischen Patenen aus Kupferblech wohl Massenproduktion für den Bedarf der zahllosen Kirchen.