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Thronende Maria mit dem Kind, dem heiligen Nikolaus von Bari, der heiligen Katharina von Alexandrien und einem Stifter

Ident. Nr.: 1130

ObjID: obj:867401

Details (expert)

Involved
Ausführung: Gentile da Fabriano (ca. 1375 - 14.10.1427),
Maler*in
Dating
Ausführung: um 1400/10
Additional titles
Collection title: Thronende Maria mit dem Kind, dem heiligen Nikolaus von Bari, der heiligen Katharina von Alexandrien und einem Stifter
Translation: Mary Enthroned with the Child, Saint Nicolaus of Bari, Saint Catherine of Alexandria and a Donor
Geographical references
Italien,
Land
Material / Technique
Pappelholz
Dimensions
Bildmaß: 133,4 x 115 cm oben gerundet

Object Description

Gentile da Fabriano gilt gemeinhin als einer der führenden italienischen Meister des von Burgund und Nordfrankreich ausgehenden höfischen Stils der Internationalen Gotik, den er in den wichtigsten Kunstzentren Italiens zur Geltung brachte. 1422 wurde er in die Florentiner Malerzunft eingetragen, im gleichen Jahr wie Masaccio. In Florenz wirkte er bis 1425/26 (anschließend im nahen Siena und Orvieto) und erregte mit seinen großen Altarwerken, der 1423 im Auftrag des Palla Strozzi für dessen Familienkapelle in S. Trinità gemalten Altartafel und dem Hochaltarwerk der Kirche S. Niccolò Oltrarno (1425), Aufsehen. Er wurde zeitweilig zum berühmtesten Maler der Stadt, wenn sein Ruhm auch bald von dem Masaccios überstrahlt wurde. Er beeinflußte Maler wie Fra Angelico; neben Jacopo Bellini war auch Domenico Veneziano sein Schüler. Anfang 1427 ging er nach Rom, um im Auftrag Martins V. einen Freskenzyklus in der Lateransbasilika auszuführen, den er wegen seines Todes im Herbst des gleichen Jahres nicht vollenden konnte. Der Verlauf seiner Jugendjahre und die Entwicklung seiner Frühzeit liegen noch im dunkeln. Wo die Ursprünge seiner Kunst liegen, welche verschiedenen Einflüsse in sie eingewirkt haben, darüber gehen die Meinungen auseinander. Gentile stammte aus einer gutsituierten Familie in Fabriano in den Marken. Das früheste sichere Datum stammt erst aus dem Jahre 1408, als er in Venedig eine Zahlung für eine verlorene Altartafel erhielt. Dort bekam er dann den Auftrag zur Freskierung der Szenen in der Sala del Maggior Consiglio im Dogenpalast im Zuge der Erneuerung der Dekoration (1409, 1411, wohl bis 1414). Von 1414 bis 1419 war er in Brescia, wo er im Auftrag des Pandolfo Malatesta Fresken in der Kapelle des Broletto malte. In der zweiten Hälfte des Jahres 1420 war er bereits in Florenz. Sein Geburtsdatum wurde zwischen 1360 und 1385 angesetzt. Gemeinhin wird das Jahr 1370 angenommen. K. Christiansen (1982) vermutete dagegen, daß er um 1385 geboren wurde. Während die Verfechter des früheren Datums annehmen, daß er bereits als Maler selbständig war, als sein Vater, verwitwet, sich 1390 in das Kloster von S. Caterina zurückzog und dort Prokurator wurde, glaubte Christiansen, daß seinGroßvater die Erziehung des erst Fünfjährigen übernahm. Diese Fragen sind für das Berliner Bild nicht ohne Belang, da es offenbar das früheste erhaltene Werk ist. Es stammt nach dem Zeugnis von Amico Ricci (1834) aus der Kirche S. Niccolò in Gentiles Vaterstadt Fabriano. Als die Kirche 1630 um- bzw. neugebaut wurde, wäre das Bild entfernt worden. 1660 befand es sich laut Ricci in Osimo (Marken) im Besitz der Familie Leopardi, später im Besitz des Grafen Ottoni Tiranetti in Meschia bei Fabriano, 1766 in der Sammlung Cagnucci und zu Beginn des 19. Jahrhunderts bei einem Sammler in Matelica (Marken), der es 1828 verkaufte. 1829 befand es sich bei einem Herrn Massani in Rom, wo es der preußische Gesandte Bunsen er - warb, der es dem preußischen Kronprinzen schenkte. Dieser wiederum gab es 1837 als Leihgabe in die Berliner Galerie, bevor er, als König, es ihr 1840 schenkte. Nach A. De Marchi (1992) könnte das Bild aus der Klosterkirche S. Caterina in Castelvecchio in Fabriano stammen, deren Kloster kurz zuvor von den Silvestrinern gegründet worden war und sich 1397 den Olivetanern anschloß. Gentiles Familie war, wie schon erwähnt, engstens mit diesem Kloster verbunden. Nach De Marchi war Gentile wohl ein Protegé von Chiavello Chiavelli, der sich 1378 zum Herrn von Fabriano gemacht hatte und kurz nach 1405 bei Gentile das Polyptychon von Valleromita(Mailand, Pinacoteca di Brera) in Auftrag gab. Er war Verbündeter von Gian Galeazzo Visconti gegen Florenz und hielt sich anläßlich Gian Galeazzos Erhebung zum Herzog 1395 in Mailand auf. Mit seiner Anwesenheit in Mailand könnte auch Gentiles früher Aufenthalt in der Lombardei zusammenhängen. Das Berliner Bild wird als frühestes Werk Gentiles von Boskovits (1987) und De Marchi (1992) um 1395 angesetzt. Christiansen (1982) datierte es um 1406/08. Von besonderem Belang ist die Frage nach der Funktion des Werks, das gemeinhin als Altarbild gilt. Christiansen (1982) glaubte dagegen, das Bild habe ursprünglich zu einem Grabmonument gehört. Maria sitzt auf einer mit einem roten Kissen bedeckten Thronbank. Sie hält mit beiden Händen das auf ihren Knien stehende Christuskind, das zu dem links unten knienden, betenden, im Profil nach rechts gewandten Stifter (in kleinerem Maßstab dargestellt) herabsieht und ihn segnet. Hinter dem Thron ragen zwei Bäume auf, deren Kronen von je sieben musizierenden Engeln bevölkert sind. Zu seiten des Throns steht, bildeinwärts zur Madonna gewandt, je eine Heiligengestalt. Links sieht man den heiligen Nikolaus von Bari in einem kostbaren zinnoberroten, mit Sternen besetzten Pluviale, in der rechten Hand den Krummstab und die drei goldenen Kugeln, sein Attribut, die linke Hand wie segnend über den Stifter haltend, den er der Madonna empfiehlt. Rechts steht die heilige Katharina von Alexandria, Prinzessin und christliche Märtyrerin, die Märtyrerpalme in der rechten und ein Buch in der linken Hand haltend, ge - kleidet in ein kostbares Gewand, das, in einem pflaumenfarbenen Ton lasierend über Silber gemalt, mit einem Muster aus Blütenzweigen versehen und innen mit weißem Pelz gefüttert ist. Darüber trägt sie einen über die Schulter gelegten und mit der linken Hand gerafften, blaß lilablauen, ebenfalls pelzgefütterten Mantel. Die Säume des Gewandes und des gerafften Mantels bilden ein weiches, wellenartig sich schlängelndes Lineament, ähnlich wie der goldbestickte Saum des Mantels der Madonna – Kennzeichen des Weichen Stils der Internationalen Gotik. Thron und Figuren stehen auf einer dunkelgrünen, blühenden Wiese, über der der Goldgrund aufsteigt. Die kompositorische Anlage ist die einer Sacra Conversazione, für die es Parallelbeispiele bei Altarbildern im Veneto und in den Marken gibt. Für die Entwicklung von Gentiles frühem Stil hat man Werke der umbrischen und sienesischen Malerei des späten Trecento, aber auch Reflexe der venezianischen Malerei und Einflüsse der lombardischen Miniaturmalerei des späten Trecento verantwortlich gemacht. Nach Christiansen kann Gentile lombardische Miniaturen in den Marken kennengelernt haben, wo auch andere Maler von ihnen beeinflußt wurden. Boskovits (1987) sah in den umbrisch-märkischen Meistern des ausgehenden Trecento die Voraussetzungen für Gentiles Frühwerk. Dem widersprach aber De Marchi, der erneut, wie andere Forscher vor ihm, die Voraussetzungen für Gentiles Frühwerk in der Lombardei, insbesondere in Pavia sah, das 1359 von Galeazzo II. Visconti erworben worden war und unter Gian Galeazzo Visconti eine Blütezeit erlebte (1396 Beginn des Baus der Kartause und Freskierung des bis 1365 erbauten Castello Visconteo). Gentile wäre dort von Miniaturmalern wie Giovannino de’ Grassi und dem »maestro del Guiron«, von dem anonymen Maler, der um 1395 Fresken mit weiblichen Figuren (damiselle) im Castello Visconteo schuf, dem jungen Michelino da Besozzo und Jean d’Arbois beeinflußt worden. Christiansen glaubte an erste entscheidende Anregungen durch Zanino di Pietro, der sich 1389 und 1394 bis 1405 in Bologna und 1407 in Venedig aufhielt, aber auch Werke in die Marken lieferte. Die Forschung beurteilte diese Ableitung allerdings eher skeptisch. In dem Berliner Bild sah aber auch Christiansen Einflüsse der lombardischen Miniaturmalerei wirksam. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf einem seit 1945 verschollenen Bruchstück des Originalrahmens: + gentilis de fabriano opus (eher: pinsit?) +
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Last updated: 03.07.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019