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Eichenblattkapitell

Ident. Nr.: AE 395 a

ObjID: obj:867784

Details (expert)

Dating
Datierung: 2. Hälfte 13. Jahrhundert
Material / Technique
Sandstein
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 20 x 17,5 x 14 cm (mit Schaftstück 39,5 cm)

Object Description

Es handelt sich um ein schlichtes, hohes und kelchförmiges Kapitell, das mit aufrecht stehenden Eichenblättern geschmückt ist. Es scheint sich um ein Wandkapitell gehandelt zu haben, das nur dreiseitig ausgearbeitet war. Zum ursprünglich wohl fast frei stehenden Schaft hin grenzt ein gefaster Ring ab, der Übergang zur quadratischen oberen Platte ist nicht gestaltet. Blätter und Früchte sind relativ flach und lösen sich an keiner Stelle vom Kapitellkörper. Während die Blätter mit der einfachen Durchäderung der Finger stilisiert erscheinen, sind die jeweils zu Dreien aus einem Stängel sprießenden Eicheln durchaus naturalistisch. Auch das Vermeiden von Wiederholungen in der Anordnung belebt das Kapitell.
Größe und Form legt nahe, dass das Kapitell zusammen mit AE 396 Bögen eines kleinen gewölbten Raums, Blendarkaden oder eine Kleinarchitektur getragen hat. In der offensichtlich bis zur Zerstörung im 17./18. Jahrhundert noch erhaltenen romanischen Klosterkirche Marienzell bei Querfurt, ein dreischiffiger Bau ohne ausgeschiedene Vierung, kommt insbesondere der Lettner in Frage. Denkbar ist natürlich auch, dass die Kapitelle aus der Klausur stammen. Ein Vergleich mit den ähnlich gestalteten Kapitellen der Blendarkaden des sogenannten Achteckbaus des Meißener Doms, um 1270/80 im Winkel zwischen südlichem Seitenschiff und Querhausarm errichtet, zeigt, dass auch eine solche Platzierung in der Wand eines gotischen Raums möglich ist. Vorstellbar wäre auch eine Platzierung in der offenbar westlich der Kirche in unbekannter Zeit angebauten Vorhalle, die sekundär mit der Erneuerung der Grablegefunktion 1323 zusammenhängen könnte. Vielleicht stammt das Kapitell auch aus derselben Baukampagne wie ein weiteres Fragment aus dem Kloster Marienzell, einem Kapitell mit Säulensegmenten, das zu einem frühgotischen Wölbbau gehörte (Museum Burg Querfurt, Inv. V 1123 K 4). Auch hier ist das Ornament sehr flach, allerdings handelt es sich um eher konventionelle Rankenformen, wie sie im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts in Sachsen weit verbreitet waren.
Die hohe Kelchform und die naturalistischen Eicheln setzen frühgotische Formen voraus, die in der sächsischen Bauskulptur seit dem Auftreten des Naumburger Meisters um die Mitte des 13. Jahrhunderts verfügbar waren; die Verflachung der Blätter und das Vermeiden von Hinterschneidungen zeigen, dass es sich um noch spätere Werke handelt, auch wenn das Motiv der stehenden Blätter in sehr ähnlicher, aber stilisierterer Form bereits am ehemaligen Refektoriumsportal des sächsischen Zisterzienserklosters Altzella, heute an der Stadtkirche Nossen (um 1230) vorkommt.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 24.02.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)