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Bücherstillleben

Ident. Nr.: 1667

ObjID: obj:868116

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Unbekannt,
Maler*in
Date(s)
Ausführung: um 1630/40
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Bücherstillleben
Translation: Still Life with Books
Geographical references
Herstellungsort: Spanien,
Land
Material / Technique
Leinwand
Dimensions
Bildmaß: 34,9 x 56,8 cm
Acquisition
1908 Schenkung von Robert Langton Douglas, London

Object Description

Das Berliner „Bücherstilleben" gilt auf Grund der ungewöhnlichen Thematik und seiner beeindruckenden malerischen Qualität als eines der herausragenden Beispiele dieser damals noch jungen Gattung innerhalb der spanischen Kunstgeschichte. Auf einem hellroten Tuch sind vor schwarzem Hintergrund drei unterschiedlich große, in Pergament gebundene Bücher, ein gefaltetes Papier, eine Sanduhr sowie ein Tintenfass mit einem Federkiel arrangiert. Die wie zufällig verteilt anmutenden Gegenstände, die bis dahin höchstens als Attribute in Darstellungen von Heiligen oder in Portraits Bildwürdigkeit erlangt hatten, werden von einem kräftigen Lichtstrahl von der linken Seite beleuchtet. Deutlich zeichnen sich die harten Schlagschatten auf dem Tuch ab. Die abgegriffene Schreibfeder mit ihren zusammengedrückten Fahnen, die eingeknickten Buchecken und die abgenutzten Einbände weisen auf rege Benutzung hin. Wie die im Halbschatten hinter dem aufgeschlagenen Buch abgestellte Sanduhr, die gerade erst umgedreht wurde, zeugen sie von der Anwesenheit eines im Bild nicht sichtbaren Menschen. Obwohl die geöffneten Seiten des auf dem großen Folianten liegenden Buches sichtbar sind, können die mit brauner Tinte geschriebenen Buchstaben nicht entziffert werden. Auch der Inhalt der anderen Bücher bleibt dem Betrachter verborgen. Offensichtlich ging es dem Maler nicht darum, konkrete Werke, etwa religiösen oder literarischen Inhalts, auf wiedererkennbare Weise darzustellen. Stattdessen lag die Bildintention auf einer möglichst wirklichkeitsnahen Wiedergabe der alltäglichen Gegenstände. Obwohl die Seiten des großen Folianten mit langen groben Pinselstrichen gemalt sind, entsteht der Eindruck, jede einzelne Seite könne angefasst und umgeblättert werden. Selbst das Gewicht der Bücher und die Steifheit ihrer Einbände sind, allein durch die Betrachtung des Gemäldes, erfahrbar. Die Kunstfertigkeit des Malers scheint umso verblüffender, als es ihm gelang, diesen Effekt ausschließlich mit den Farben Weiß, Schwarz, Braun und Rot zu erzielen. Darüber hinaus verzichtete er auf in derartigen Bildern häufig zur Anwendung kommende illusionistische Tricks, durch die das Herausragen einzelner Gegenstände aus der Bildoberfläche vorgetäuscht wird. Lediglich das rote Tuch wirft an der vorderen Kante, die zugleich die Oberfläche des Bildes markiert, drei dezente Falten.
Der Maler, der die einfachen Gegenstände auf so virtuose Weise wiedergegeben hat, ist bislang nicht ermittelt. Zwar wurden immer wieder auch italienische Meister als mögliche Urheber genannt, dennoch geht die Mehrzahl der Experten von einem in Madrid tätigen Maler aus. Zum einen weist das Sujet Verbindungen zu den dort gemalten Vanitas-Bildern auf, zum anderen ist es zuerst im Besitz der Familie des in Spanien tätigen Gesandten John Hookham Frere nachweisbar. Neben Antonio de Pereda und Francisco Collantes, die beide schon zu Lebzeiten für ihre Meisterschaft auf diesem Gebiet berühmt waren (Kat.Nr. 1979), wurde u.a. auf die Nähe zu einem in Privatbesitz befindlichen Bücherstilleben hingewiesen, das auf Grund des eingefügten Monogramms »Alo GV« als Werk von Alonso Gutiérrez gilt. Selbst eine Zuschreibung an Diego Velázquez oder Alonso Cano wurde einst für möglich gehalten.
Auch die Frage, für wen und für welchen Ort das Gemälde bestimmt war, ist nicht geklärt. Die Bücher als Speicher menschlichen Wissens und die Sanduhr, die das Vergehen der Zeit anzeigt, sind Symbole, die häufig in Vanitas-Bildern dargestellt werden. Sie vergegenwärtigen die Vergänglichkeit alles Weltlichen und führen die Kurzlebigkeit und Unbeständigkeit menschlichen Tuns vor Augen. Peter Cherry vermutet deshalb, das Gemälde könne für einen privaten Sammler geschaffen worden sein, in dessem Alltag derartige Objekte eine prägende Rolle spielten. Außer Frage steht, dass das kleinformatige Bild, das auf eine nahsichtige Betrachtung ausgelegt ist, durch seine malerische Virtuosität und die zahlreichen Assoziationsmöglichkeiten sowohl Bewunderung auslösen als auch tiefgreifende Deutungen anregen sollte.| Sven Jakstat
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Because of its unusual subject matter and the impressive quality of the execution, the Berlin painting "Still Life with Books" is considered to be an outstanding example of what was then a still young genre in Spanish art history. Three books of different sizes bound in parchment, a folded paper, an hourglass, and an ink pot with a quill are arranged on a light red cloth before a black background. Until that time, objects such as these had been considered worthy of being painted only as the attributes of saints or in portraits. They are arranged seemingly at random and illuminated by a powerful beam of light from the left, casting hard fall shadows on the cloth. The worn quill with torn vanes, the dog-eared corners of the book’s pages, and the tattered covers suggest that the objects have seen frequent use. Along with the hourglass, which can be seen in the half-shadow behind the open book and which appears to have been turned over just a moment ago, they testify to the presence of a person who cannot be seen in the picture. Although the open pages of the book lying on the large folio volume are visible, it is impossible to decipher the letters written in brown ink, and the content of the other books too remains hidden from the viewer. Apparently the painter’s intention was not to portray clearly identifiable works, with for example religious or literary content, but instead to depict everyday objects as realistically as possible. Although the pages of the large folio volume are painted with long, rough brushstrokes, the impression is created that each page could be touched and turned over, and even the weight of the books and the stiffness of the bindings are almost tangible. The fact that the painter manages to achieve this effect with a palette of nothing but white, black, brown, and red testifies to his astounding artistic talent. What is more, he refrains from employing the kind of illusionist tricks often used in pictures like this to make certain objects appear to project out of the painting. Only the red cloth displays three subtle creases on the front edge, which simultaneously marks the surface of the picture.
The identity of the painter who succeeded in rendering such simple objects in such a virtuoso manner remains a mystery to this day. Even though the painting has on several occasions been attributed to Italian masters, the majority of experts assume the work was painted by an artist working in Madrid. For one thing, the subject reminds us of the "Vanitas" pictures painted in Spain, and for another, the first record we have of the painting is in the possession of the family of the British envoy to Spain, John Hookham Frere. Alongside Antonio de Pereda and Francisco Collantes, both known during their lifetimes for their mastery in this genre (Cat.No. 1979), reference has also been made to a privately owned still life of books, which on the evidence of the monogram “Alo GV” is considered to be the work of Alonso Gutiérrez. There has also been some speculation that it may have been created by Diego Velázquez or Alonso Cano.
The question of the painting’s intended recipient and location too remains unresolved. The books as reservoirs of human knowledge and the hourglass showing the passing of time are symbols that often appear in "Vanitas" pictures. They illustrate the transitory nature of all worldly things and highlight the temporary, evanescent nature of human activity. Peter Cherry therefore suspects that the painting may have been created for a private collector in whose everyday life such objects played a significant role. Unquestionably, the painterly virtuosity and multiple associations of the small-format picture, which art historians assume was intended to be viewed at close quarters, are intended to arouse admiration and prompt profound interpretations.| Sven Jakstat

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Gemäldegalerie

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Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

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Christus sitzt niedergesunken vor dem Kreuz am Boden, während es auf Golgatha Abend wird. Seine Glieder wirken kraftlos; Wundmale an Händen und Füßen sowie die Dornenkrone zeichnen den Gemarterten. Als weitere Arma Christi lehnen der Ysop-Stab mit Essigschwamm, die Lanze und eine Leiter gegen das Kreuz; die drei Nägel liegen weiter hinten links im Halbdunkel. Ein Stück entfernt von Christus sitzt Maria, ganz in Dunkelblau. Sie ringt die Hände im Schmerz und blickt traurig zu ihrem Sohn hinüber. Neben ihr hockt Johannes, der sich eng in seinen roten Mantel gehüllt hat und das kummervolle Gesicht in der bekannten Melancholie-Geste in die linke Hand stützt. Von der grünen Wiese um die Protagonisten herum setzt sich die felsige Hintergrundlandschaft ab. Unter einem baumbestandenen Hügel ganz links öffnet sich die für Christus bestimmte Grabeshöhle mit einem rötlichen Steinsarkophag darin, während sich rechts die ummauerte, von einem Graben geschützte Stadt Jerusalem mit zahlreichen Türmen und dem runden Salomonischen Tempel in ihrer Mitte erhebt. Durch das Stadttor kehrt soeben der letzte der an der Kreuzigung Beteiligten zurück. Er hat ein bläuliches Tuch über die Schulter geworfen, bei dem es sich um den unteilbaren Rock Christi handeln dürfte.Künstlerisch höchst subtil und poetisch ist die kleine Tafel auch ikonografisch ungewöhnlich, vielleicht sogar einzigartig unter den Gemälden der Zeit um 1400. Auf eigenwillige Art wird nämlich in dem Bild eine Szene, die einen bestimmten Moment der Passionsgeschichte aufgreifen könnte, mit der dem Handlungsablauf völlig enthobenen Gestalt Christi kombiniert. Dieser erscheint als Schmerzensmann, der gestorben und doch lebendig, Mensch und Gott zugleich ist. Die Erlösungstat ist »vollbracht« (Johannes 19,30), doch statt des Todes hat den Erlöser hier Erschöpfung ergriffen. Wahrscheinlich haben wir es bei dem Berliner Bild mit einer ikonografischen Neuerfindung zu tun, die den spezifischen Wünschen des Auftraggebers entsprang. Hier soll nicht zeichenhaft oder repräsentativ vorgeführt, sondern über den emotionalen Gehalt eines üblichen Schmerzensmannes hinaus das Miterleben und Mitfühlen angespornt werden: Johannes scheint die traurig-meditative Haltung vorzugeben, mit der das Bild vom Gläubigen betrachtet sein will. Maria aber fungiertals primäre Vermittlerin, sie nimmt die Mitte des Bildes ein, ist uns zugewandt und zugleich auf Christus ausgerichtet.Künstlerisch lässt sich das Täfelchen der großen Gruppe österreichischer Tafelmalereien aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts zuordnen. Obgleich sich verschiedene Notnamen etabliert haben, ist eine genauere Zuordnung der einzelnen Werke problematisch. Das Berliner Täfelchen steht sowohl den Tafeln eines Marienlebens in Klosterneuburg, die unter der Bezeichnung »Meister der Darbringungen « geführt werden, als auch der großen, in London befindlichen Tafel eines Gnadenstuhls nahe; ob es aber von einem der jeweils verantwortlichen Maler selbst stammt, muss offen bleiben. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________Christ is slumped on the ground below the cross as evening falls on Golgotha. His limbs are limp, drained of strength; the stigmata on his hands and feet and the crown of thorns signify his martyrdom. Other arma christi or instruments of the Passion – the hyssop reed with, the sponge of vinegar, the lance and the ladder – are leaning against the cross; further behind on the left in the semi-darkness lie the three nails. The Virgin Mary, clad entirely in dark blue, sits a short distance away from Christ. She is wringing her hands in sorrow as she looks sadly across to her son. John, who has wrapped himself tightly in his red cloak, is squatting beside herleaning his sad face on his left hand in the well-known gesture of melancholy. The rocky landscape in the background contrasts with the grassy meadow surrounding the protagonists. Below a tree-lined hill on the far left, the cave sepulchre intended for Christ containing a reddish stone sarcophagus opens up, while on the right the many towers of the walled and moated city of Jerusalem point skywards. The round Temple of Solomon can be seen in the middle. The last of those who attended the crucifixion is returning through the city gate. He has thrown a bluish cloth over his shoulder, probably the Seamless Robe of Christ. In artistic terms, the small panel is extremely subtle and poetic. Its iconography is unusual, if not indeed unique among the paintings of the period around 1400, for it combines a scene apparently portraying a moment in the Passion story with a Christ figure completely disassociated from the course of events. Here Christ is depicted as the Man of Sorrows, who has died and yet lives on simultaneously as man and God. The act of redemption has been “fulfilled” (John 19:30), but here the saviour is shown not as dead but as overcome with exhaustion. Probably the Berlin painting was an iconographic novelty painted to fulfil the specific wishes of the person who commissioned it. The work is not intended as an emblematic or showcase piece but instead seeks to go beyond the emotional substance usually associated with a Man of Sorrows to encourage the viewer to witness and empathise with what he or she sees: Saint John appears to be demonstrating the melancholy, meditative pose with which the faithful are supposed to view the painting. 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Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

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Der dargestellte Wladislaw IV. (1595 – 1648) war seit 1632 König von Polen. Auf seinem reich dekorierten Wams ist eine Kette erkennbar, die ihn als Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ kennzeichnet, dem er seit 1615 angehörte. Er trägt ein violettes Käppchen. Auffällig an der Frisur Wladislaws IV. ist ein dünner Zopf, der auf die linke Schulter fällt und dessen Ende von einer breiten Schleife zusammengehalten wird. Er war in zweiter Ehe mit Louise – Marie, Prinzessin von Gonzaga, Mantua, Montferrat und Nevers („Fille de France“, d.h. Prinzessin von Geblüht) vermählt. Die Trauung fand in Abwesenheit des Bräutigams im Jahre 1645 in der Kathedrale St. Denis statt. Dabei wurde der polnische König durch den Woiwoden von Posen, Christoph Graf Bnin Opalinski vertreten. Mehrmonatige Feierlichkeiten zogen Viele nach Paris, so auch den gefragten Genfer Miniaturmaler Paul Prieur (Um 1620 - 1682/83). Der umtriebige Hugenotte schuf dort zu dieser Zeit auch die Berliner Miniatur. Es wird sich dabei um ein diplomatisches Geschenk des polnischen Königs an den Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm von Brandenburg) gehandelt haben, der im Jahre 1640 Wladislaw IV. den Lehnseid als Herzog von Preußen leistete und 1646 aus Anlass des Einzugs der aus Paris kommenden polnischen Königin Louise-Marie in Danzig anwesend war. Auf dem Contreémail der Miniatur ist in der Mitte ein von der Sonne gekrönter Obelisk auf vier Kugeln auf einem Postament geschildert. Traditionell als „Gloria dei principe“ (Ruhm des Prinzen) lesbar. Dem gesellt sich die Umschrift HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (Ehre ist der Lohn der Tugend). Die vorzügliche, auf einem Bildträger aus Gold gearbeitet, Berliner Emailminiatur eröffnet die Reihe von Paul Prieurs datierten Arbeiten. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Rückseite: HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (umlaufend); unten: prieur Fecit / 1645

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

Zwei Marktfrauen und ein Junge mit Geflügel und Gemüse

Von den bedeutenderen Meistern des Bologneser Spätmanierismus (O. Samacchini, L. Sabatini, P. Fontana) war Bartolomeo Passarotti zweifellos der fortschrittlichste, derjenige, der am deutlichsten Stilelemente der Carracci vorwegnahm. Agostino Carracci war zeitweilig sein Schüler, Annibale Carracci wurde in seiner Frühzeit stark von ihm beeinflusst. Passarotti hat in Rom bei Taddeo Zuccari gearbeitet (1551), stand aber andererseits in der Tradition des Bologneser Manierismus (Pellegrino Tibaldi) und wurde auch von Parmigianino und Niccolò dell`Abate beeinflusst. Sein Oeuvre besteht aus drei Komplexen: Altarbilder, Porträts und Genrebilder. Die Altarbilder befinden sich ausnahmslos noch am Ort, in Kirchen Bolognas und der Emilia sowie im Museum von Bologna. Besonders berühmt war Passarotti als Porträtmaler. Seine weit verbreiteten und gelegentlich auf dem Markt vorkommenden Porträts bildeten die unmittelbare Vorstufe für die Porträtkunst der Carracci.Auch die kleinste Werkgruppe, die der Genrebilder, wurde für die Carracci vorbildlich. So galt das Berliner Bild der "Schachspieler", das 1971 dem Ludovico Carracci zuerkannt wurde, lange als Werk Passarottis (A. Venturi, 1933). Zu der kleinen Gruppe der Genrebilder Passarottis gehört das vorliegende, aus dem Londoner Kunsthandel angebotene Bild einer halb stilllebenhaft, halb porträthaft (in Dreiviertelfiguren) gefassten Marktszene: eine alte Marktfrau, die mit Geflügel und Gemüse handelt, preist ihre Hühner an. Mit beiden Armen hat sie eine Henne und einen Hahn gepackt und hält sie dem Betrachter als ideellem Käufer entgegen, ihn anblickend, den sprechend geöffneten Mund zu einem leichten Lächeln verzogen. Sie lehnt mit dem rechten Arm auf den hölzernen Hühnerkäfig, auf dem links hinten ein Hahn thront. Im Hintergrund ferner eine Stange, an der, mit einem Band befestigt, ein Schild hängt, auf dem der Buchstabe P (= Pollaiolo [Geflügel-Verkäufer], aber wohl auch das Monogramm des Künstlers) steht. In der rechten Bildhälfte sieht man eine bildeinwärts gerichtete junge Frau mit ihrem Jungen. Es bleibt unklar, ob sie eine Kundin oder eine zweite Verkäuferin ist. Das Halsband aus roten Steinen und der relativ aufwendige, schleierartige Überhang deuten wohl eher auf eine Kundin hin. Ihr verlorener Blick aus den Augenwinkeln geht am Betrachter vorbei. Sie schmiegt ihr Kind mit dem linken Arm an sich (sie greift in sein Haar), vielleicht will sie den Jungen, der gerade mit der Hand nach einem Kürbis greift, zurückhalten. Im Vordergrund unten ein Korb (oder eine Karre) prallgefüllt mit Zwiebeln und Kürbissen.Die Figuren und der stilllebenhaft arrangierte Kürbishaufen sind eng ins Bildfeld eingepasst. Figuren und Formen, ganz in der vordersten Bildebene platziert, vermitteln den Eindruck bedrängender Nähe und handgreiflicher Wirklichkeit. Dieser Eindruck wird unterstrichen durch die pastose Malweise, die freie, lockere Pinselschrift, eine Faktur, die, zusammen mit der Art der Gewandbehandlung und der Modellierung, vor allem aber der Farbigkeit, ganz unmittelbar auf die wenige Jahre später entstandenen Genrebilder Annibale Carraccis (Schlachterladen in Oxford, Bohnenesser in Rom, Gal. Colonna) vorausweist. Annibale Carracci hat in seinen Genrebildern, die alle in die Frühzeit fallen, mit dem gleichen Realismus, der gleichen Naturbeobachtung gearbeitet. Gleichwohl würde man die Bilder als lediglich realistische Markstücke im Sinne des 19. Jahrhunderts missverstehen. Im vorliegenden Bild ist offenbar eine Anspielung auf die drei Lebensalter mit gemeint, außerdem hat die neuere Forschung in den Genrestücken Passarottis und Carraccis Bezüge zur Commedia dell`arte gesehen (letztlich auf Aristoteles' Poetik fußend; vgl. B. Wind, Pitture ridicole: Some Late Cinquecento Comic Genre Paintings, in: "Storia dell'Arte", 20, 1974; ders., Annibale Carracci's "Scherzo": The Christ Church Butcher Shop, in: "The Art Bulletin" 1976). So wie Passarottis Genrebilder einerseits auf die Carracci vorausweisen, fußen sie andererseits auf niederländischen Vorbildern, vor allem von Aertsen und Beuckelaer (vgl. H. Bodmer, Die Kunst des Bartolomeo Passerotti, in: "Belvedere" 1938).Das vorliegende Werk war bis zur Erwerbung unpubliziert. Seine Komposition war jedoch aus einer qualitativ unterlegenen Werkstattreplik bekannt, die Daniele Benati (Una 'Lucrezia' e altre proposte per Bartolomeo Passerotti, in: "Paragone" 379, 1981) publiziert hat. Benati datiert das vorliegende Original in die späten siebziger bzw. frühen achtziger Jahre. Es gibt außer diesem Bild nur noch fünf vollwertige Genrebilder Passarottis, von denen drei Bilder (alle querformatig) dem vorliegenden stilistisch und ikonographisch engstens verwandt sind: "Zwei Fischverkäufer" und "Zwei Schlachter" in Rom, Galleria Nazionale d'Arte Antica (ehemals Slg. Messinger, München) und "Zwei Geflügelverkäuferinnen" (Florenz, Stiftung Longhi, ehemals Berlin, C. Benedict). Diese drei Bilder sind in einem Inventar der Slg. der Marchesi Mattei (Rom) von 1614 zusammen mit einem vierten aufgeführt, das zwei Geflügelverkäuferinnen mit einem Kind darstellt. Es läge nahe, das vorliegende Bild mit dem vierten Bild zu identifizieren, wenn nicht das andersartige Hochformat dagegen spräche. Die Verbindung von derber Drastik des Motivs, von zupackendem Realismus mit malerischer Kultur der Ausführung ist das Charakteristische dieses und der anderen Genrebilder Passarottis. Zugleich ist das Bild ein frühes und bedeutendes Beispiel der für Italien auch im frühen 17. Jahrhundert wichtigen Bildform eines vegetabilen Stilllebens (Gemüse, Früchte, Blumen) mit begleitenden Figuren. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf dem Ladenschild oben: P