Logo

Die Madonna mit dem Zeisig

Ident. Nr.: 557F

ObjID: obj:868686

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Albrecht Dürer (1471 - 1528),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: 1506
Additional titles
Collection title: Die Madonna mit dem Zeisig
Translation: The Madonna with the Siskin
Geographical references
Venedig,
Stadt
Material / Technique
Pappelholz
Dimensions
Tafelmaß: 93,5 x 78,9 cm
Acquisition
1892/93 Ankauf aus der Sammlung Schomburg Henry Kerr, 9. Marquis of Lothian, New Battle Abbey

Object Description

Maria, gekleidet in ein blaues Gewand, thront mit dem Kind, das auf einem roten Kissen in ihrem Schoß sitzt, inmitten einer weiten Landschaft. Ihr zu Füßen steht, rechts im Bild, Johannes der Täufer als Knabe, erkennbar an seinem »härenen Gewand«. Ein Engel, der das Stabkreuz des Täufers trägt, begleitet ihn. Johannes reicht der Gottesmutter einen Strauß Maiglöckchen. Die Rechte Marias stützt sich auf ein Buch. Das Christuskind, von dem offenen Hemdchen kaum bedeckt, hält in seiner rechten Hand einen Sauglutscher, wie man ihn in früheren Zeiten Kindern zur Beruhigung gab. Auf seinem linken, erhobenen Arm hat sich ein Zeisig niedergelassen. Christus neigt den Kopf, wie um dem Vogel zuzuhören. Die Gestalt der Muttergottes ist hinterfangen von dem leuchtendroten Baldachin des sonst unsichtbaren Throns, zu dessen beiden Seiten der Blick in eine weite Tallandschaft mit Ruinen und Gehöften zwischen Bäumen fällt. Um das Haupt Mariens schweben zwei Cherubim und krönen sie mit einem Kranz aus roten und weißen Rosen. Links vorn auf einem Tischchen liegt ein Zettel mit Dürers Inschrift: »albert(us) durer german(us) / faciebat post virginis / partum 1506 AD«. Demnach hat Dürer das Bild 1506 in Venedig gemalt – wie wir aus anderen Quellen erschließen können, in zeitlicher Nähe zu der großen Tafel mit dem Rosenkranzfest (Prag, Národní Galerie), die Dürer für die deutschen Kaufleute in Venedig gemalt hat. Auch die »Zeisigmadonna« ist eigentlich eine Muttergottes mit dem Rosenkranz. Engelkrönen sie damit; er ist ein Sinnbild der himmlischen Freuden, die Maria in der Seligkeit widerfahren. Die roten und weißen Blüten deuten die Geheimnisse des Rosenkranzes an, die Leiden und Freuden im Leben Marias. Die Darstellung enthält weitere sinnbildliche Anspielungen. Die Maiglöckchen sind unter den ersten Blüten im Jahreslauf und verkünden den Frühling und neues Leben. Sie sind daher zu einem Symbol für die Ankunft Christi geworden. Ihr süßer Duft und das unschuldige Weiß ihrer Blüten machen sie zum Sinnbild der Gottesmutter und ihrer Unbefleckten Empfängnis. Der Name der Blüten – convallaria – erinnert auch an eine Metapher im Hohelied Salomonis, die man auf Maria bezieht: »Ich bin eine Rose von Sharon und eine Lilie im Tal«. Vom Zeisig sagt man, dass er Disteln und Dorniges fräße. Dies deutet hin auf die Dornenkrone Christi und seine Passion. Das Wispern des Vogels in das Ohr des Knaben hat man also so zu verstehen, dass dem Kind seine Bestimmung und sein späteres Leiden angekündigt werden. Der Vogel ist mithin Symbol für die Bedingtheit zwischen Menschwerdung Christi und Passion. Das Buch, das so deutlich gezeigt wird, meint die Heilige Schrift, in der die Geburt des neuen Königs vorausgesagt wird. Sie ist nunmehr erfüllt. Auch die Ruinen in der Landschaft sind nicht nur malerisch. Nach dem Verständnis der Zeit sind es die des Palastes König Davids, in denen der Legende zufolge die Geburtshütte stand. Der Palast Davids weist einerseits auf die königliche Herkunft Christi, der aus Davids Stamm kam, andererseits zeigt er in seinem Zerfall an, dass der Alte Bund zugrunde gegangen ist. Durch Christus hat Gott einen Neuen Bund mit den Menschen geschlossen. Das Motiv des Christuskindes mit dem Zeisig hat offenbar eine lange Tradition. Ein böhmisches Marienbild aus Most aus der Zeit von vor 1350 belegt dies. Die Einbeziehung des Johannesknaben in das Muttergottesbild weist auf italienische Quellen hin. Wahrscheinlich hat Dürer diese in Venedig kennengelernt. Vermutlich hat er das Gemälde mit zurück nach Nürnberg gebracht. Wilhelm H.Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Holzbank links vorn auf einem Zettel: Alber[tu]s durer german(us) / faciebat post virginis / partum 1506. Daneben das Monogramm: AD
____________________________________________________________________________


The Virgin Mary dressed in a blue robe is enthroned with the child who is sitting on a red cushion on her lap amidst a broad landscape. At her feet in the right of the picture is John the Baptist as a boy, identifiable by his “hair shirt”. An angel accompanies John the Baptist, carrying his cross staff. John is handing the Mother of God a bunch of lilies of the valley. Mary’s right hand is resting on a book. The Christ child, hardly covered by his open little shirt, is holding a pacifier in his right hand, of the kind that used to be given to children to comfort them. A siskin has alighted on his left, raised arm. Christ is inclining his head as if listening to the bird. The figure of the Mother of God is framed by the bright red baldachin of the otherwise invisible throne, on either side of which there is a view into a broad landscape with ruins and farmsteads between trees. Two cherubs are hovering above of Mary’s head, crowning her with a wreath of red and white roses. At the front left on a little table lies a note with Dürer’s inscription: “albert(us) durer german(us) / faciebat post virginis / partum 1506 AD”.

According to this, Dürer painted the picture in Venice in 1506 – as other sources also lead us to conclude – at around the same time as the large panel depicting the Feast of the Rosary (Prague, Národní Galerie, fig. left), which Dürer painted for the German merchants in Venice. The Madonny of the Siskin is actually a portrayal of the Mother of God with a rosary, for the angels are crowning her with one as a symbol of the heavenly joys that Mary will experience in her beatitude. The red and
white blossoms allude to the mysteries of the rosary, the suffering and joy in the life of Mary. The depiction also contains other symbolic allusions. The lilies of the valley are among the earliest flowers to blossom in the year and hence herald spring and new life. They have thus become a symbol for the advent of Christ. With their sweet smell and white colour of innocence, the blossoms are a symbol for the Mother of God and her Immaculate Conception. The name of the flowers – convallaria – also
recalls a metaphor in the Song of Songs, referring to Mary: “I am a rose of Sharon and a lily in the valley”.

The siskin is reputed to eat thistles and other prickly plants. This, in turn, is an allusion to Christ’s crown of thorns and his Passion. The bird whispering in the ear of the child can thus be interpreted as the child being told of his mission and his suffering to come. The bird is also a symbol for the contingency of Christ becoming man and for the Passion. The prominent position accorded to the book is clearly a reference to the Holy Scriptures in which the birth of the new king is prophesied.
Now it has been fulfilled. The ruins in the landscape are no mere artistic detail, either. At the time, they were generally known to stand for the palace of King David, where, according to legend, the hut where Christ was born stood. David’s palace alludes on the one hand to the royal origin of Christ from the lineage of David; on the other hand, its ruinous state stands for the decline of the Old Covenant, for through Christ God has concluded a New Covenant with mankind.

The motif of the Christ child with a siskin evidently has a long tradition. A Bohemian picture of the Virgin Mary from Most dating from before 1350 testifies to this. The inclusion of John the Baptist as a boy in the depiction of the Mother of God indicates Italian models, which Dürer may have encountered in Venice. He probably brought the painting back with him to Nuremberg. Wilhelm H.Köhler | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Gemäldegalerie

Additional items from the collections

Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste

Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste

Das kleine Täfelchen zeigt den Propheten Elias eingeschlafen unter einem Baum. Die Darstellung bezieht sich auf eine in der Bibel erzählte Episode, in der die Flucht des Elias vor der ihm angedrohten Rache für die Ermordung der Propheten des Baal geschildert wird (1. Könige 19,1–8). Ein Engel hat sich über Elias gebeugt. Er versucht, ihn mit einer zarten Berührung an der Schulter zu wecken. Mit dem Zeigefinger seiner Rechten weist er auf einen Laib Brot und einen mit Wasser gefüllten Krug, die neben der herabgesunkenen Hand des Propheten stehen. Alle drei Elemente sind in helles Licht getaucht. Das rosafarbene Gewand des Engels, die blonden Haare seines gesenkten Hauptes sowie die weit ausladenden Flügel mit den schwarzen und weißen Federn sind mit pastos aufgetragenen Pinselstrichen ausgeführt. Die Rinde des kräftigen, die linke Bildhälfte begrenzenden Baumes und das Gestrüpp am Boden sind mit dicken Farbtupfern modelliert.Maltechnische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich inmitten des Baumstammes einst ein Schlüsselloch befand. In der Röntgenaufnahme sind an der rechten Seite der Tafel zudem zwei Scharniere zu erkennen. Die Ausführung auf Holz und das kleine Format sind demzufolge auf die Funktion des Gemäldes als Türchen zurückzuführen. Da die im Alten Testament geschilderte Speisung des Propheten Elias mit Wasser und Brot eine häufig verwendete Präfiguration für das Abendmahl darstellt, fungierte die Tafel mit großer Wahrscheinlichkeit als Verschluss eines Tabernakels, das zur Aufbewahrung der Hostien und des Abendmahlkelchs diente. In Spanien sind derartige mit bildlichen Darstellungen versehene Türchen in zahlreichen Predellenzonen von Altarretabeln des 17. Jahrhunderts nachweisbar. Zudem lassen die Röntgenaufnahmen darauf schließen, dass die Tafel einst einige Zentimeter höher war und ein länglicheres Format aufwies.Auf Grund der überaus lockeren, an die venezianische Malerei erinnernden Malweise wurde das Bild, das vormals als Werk Domenico Fettis galt, von Giuseppe Fiocco in das Oeuvre von Francesco Maffei eingeordnet. 1970 wurde es von José Roge lío Buendía auf Grund stilistischer Erwägungen schließlich dem in Madrid tätigen Maler Juan Antonio de Frías y Escalante zugeschrieben. Bei dem abgebildeten Tonkrug handelt es sich seiner Meinung nach zudem um ein Modell, wie es in dem bei Madrid gelegenen Städtchen Talavera de la Reina produziert wird. Für eine Verbindung des Gemäldes mit Spanien spricht ferner die Existenz einer vorbereitenden Zeichnung in der Nationalbibliothek in Madrid, die die zentralen Elemente der Komposition wiedergibt, sowie die Provenienz aus der Sammlung Suermondt, zu der zahlreiche Werke zählten, die der preußische Offizier Andreas von Schepeler während seiner Tätigkeit in Madrid zwischen 1815 und 1823 erworben hatte.Von 1667 bis 1668 hatte Escalante einen 18 Leinwandgemälde umfassenden Zyklus mit alttestamentlichen Präfigurationen der Eucharistie für die Ausstattung der Sakristei des im 19. Jahrhundert zerstörten Convento de la Merced Calzada in Madrid ausgeführt, darunter auch eine Darstellung von Elias und dem Engel, die heute im Museo del Prado aufbewahrt wird. Auch wenn sich Paola Rossi 1991 nochmals für eine Zuschreibung des Berliner Bildes an Francesco Maffei aussprach, so machen die genannten Argumente dennoch plausibel, dass das Gemälde erstens von Escalante geschaffen wurde und zweitens zur Ausstattung des genannten Konvents gehörte, der sich ehemals auf dem heute nach Tirso de Molina benannten Platz in Madrid befand. Vor der Feier des Abendmahls hatte es den Priestern dort bei der Entnahme der Hostien und des Weines die heilsgeschichtliche Erfüllung der Ankündigungen des Alten Testamentes ins Bewusstsein gerufen.| Sven Jakstat___________________________________________________________________________________________________This small panel depicts the Prophet Elijah sleeping under a tree. The scene refers to the Bible’s story of Elijah’s flight from retribution for his killing of Baal’s prophets (1 Kings 19:1–8). An angel bends over Elijah and tries to wake him by gently laying a hand on his shoulder. With the finger of his right hand the angel points to a loaf of bread and a water-filled jug next to the Prophet’s limp hand. All three elements are suffused in bright light. The angel’s rose-coloured robe, the blond hair on his lowered head, and the white feathers of his wings are executed in pastose brushstrokes. The bark of the massive tree and undergrowth bounding the left-hand side of the composition are modelled with thick dabs of paint.Scientific examinations showed that there was once a keyhole in the middle of the tree trunk. X-ray images also revealed two hinges attached to the right end of the panel. These combined with the wooden support medium and the painting’s small format indicate that the work once served as a small door. As the story of Elijah being given bread and water was often used in art to prefigure the Eucharist, it is highly likely that this panel once served as the door covering of a tabernacle where the host and Communion chalice were kept. Numerous examples of such decorated doors in the predella areas of seventeenth-century altarpieces have been found in Spain. Furthermore, the X-ray images indicate that the panel was once several centimetres longer and more elongated in shape.The extremely flowing style of painting, reminiscent of Venetian works, led Giuseppe Fiocco to attribute the painting – previously believed to be by Domenico Fetti – to Francesco Maffei. Stylistic considerations finally led José Rogelío Buendía in 1970 to ascribe it to the Madrid painter Juan Antonio de Frias y Escalante. In Buendía’s opinion, the ceramic jug seen in the painting is based on the types of jugs produced in the town of Talavera de la Reina near Madrid. Further evidence of the work’s Spanish provenance is offered by a preliminary drawing in the National Library in Madrid, which displays the same central elements that appear in the painting, as well as its provenance from the Suermondt Collection, which included numerous works acquired by the Prussian officer Andreas von Schepeler while he was stationed in Madrid between 1815 and 1823.From 1667 to 1668, Escalante completed a cycle of eighteen paintings on canvas with Old-Testament prefigurements of the Eucharist for the sacristy of the now destroyed Convento de la Merced Calzada in Madrid, including a painting depicting the angel and Elijah today held by the Museo del Prado. Even though Paola Rossi once again insisted in 1991 that the Berlin painting should be attributed to Francesco Maffei, the arguments given above make a plausible case both that the painting was made by Escalante and that it belonged to the convent, once located on the square now named for Tirso de Molina. The painting served to remind priests of the salvific fulfilment of the Old Testament’s prophecies when they went to remove the host and wine before distributing Holy Communion.| Sven Jakstat

Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

Christus als Schmerzensmann mit Maria und Johannes

Christus sitzt niedergesunken vor dem Kreuz am Boden, während es auf Golgatha Abend wird. Seine Glieder wirken kraftlos; Wundmale an Händen und Füßen sowie die Dornenkrone zeichnen den Gemarterten. Als weitere Arma Christi lehnen der Ysop-Stab mit Essigschwamm, die Lanze und eine Leiter gegen das Kreuz; die drei Nägel liegen weiter hinten links im Halbdunkel. Ein Stück entfernt von Christus sitzt Maria, ganz in Dunkelblau. Sie ringt die Hände im Schmerz und blickt traurig zu ihrem Sohn hinüber. Neben ihr hockt Johannes, der sich eng in seinen roten Mantel gehüllt hat und das kummervolle Gesicht in der bekannten Melancholie-Geste in die linke Hand stützt. Von der grünen Wiese um die Protagonisten herum setzt sich die felsige Hintergrundlandschaft ab. Unter einem baumbestandenen Hügel ganz links öffnet sich die für Christus bestimmte Grabeshöhle mit einem rötlichen Steinsarkophag darin, während sich rechts die ummauerte, von einem Graben geschützte Stadt Jerusalem mit zahlreichen Türmen und dem runden Salomonischen Tempel in ihrer Mitte erhebt. Durch das Stadttor kehrt soeben der letzte der an der Kreuzigung Beteiligten zurück. Er hat ein bläuliches Tuch über die Schulter geworfen, bei dem es sich um den unteilbaren Rock Christi handeln dürfte.Künstlerisch höchst subtil und poetisch ist die kleine Tafel auch ikonografisch ungewöhnlich, vielleicht sogar einzigartig unter den Gemälden der Zeit um 1400. Auf eigenwillige Art wird nämlich in dem Bild eine Szene, die einen bestimmten Moment der Passionsgeschichte aufgreifen könnte, mit der dem Handlungsablauf völlig enthobenen Gestalt Christi kombiniert. Dieser erscheint als Schmerzensmann, der gestorben und doch lebendig, Mensch und Gott zugleich ist. Die Erlösungstat ist »vollbracht« (Johannes 19,30), doch statt des Todes hat den Erlöser hier Erschöpfung ergriffen. Wahrscheinlich haben wir es bei dem Berliner Bild mit einer ikonografischen Neuerfindung zu tun, die den spezifischen Wünschen des Auftraggebers entsprang. Hier soll nicht zeichenhaft oder repräsentativ vorgeführt, sondern über den emotionalen Gehalt eines üblichen Schmerzensmannes hinaus das Miterleben und Mitfühlen angespornt werden: Johannes scheint die traurig-meditative Haltung vorzugeben, mit der das Bild vom Gläubigen betrachtet sein will. Maria aber fungiertals primäre Vermittlerin, sie nimmt die Mitte des Bildes ein, ist uns zugewandt und zugleich auf Christus ausgerichtet.Künstlerisch lässt sich das Täfelchen der großen Gruppe österreichischer Tafelmalereien aus dem ersten Drittel des 15. Jahrhunderts zuordnen. Obgleich sich verschiedene Notnamen etabliert haben, ist eine genauere Zuordnung der einzelnen Werke problematisch. Das Berliner Täfelchen steht sowohl den Tafeln eines Marienlebens in Klosterneuburg, die unter der Bezeichnung »Meister der Darbringungen « geführt werden, als auch der großen, in London befindlichen Tafel eines Gnadenstuhls nahe; ob es aber von einem der jeweils verantwortlichen Maler selbst stammt, muss offen bleiben. Stephan Kemperdick | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________Christ is slumped on the ground below the cross as evening falls on Golgotha. His limbs are limp, drained of strength; the stigmata on his hands and feet and the crown of thorns signify his martyrdom. Other arma christi or instruments of the Passion – the hyssop reed with, the sponge of vinegar, the lance and the ladder – are leaning against the cross; further behind on the left in the semi-darkness lie the three nails. The Virgin Mary, clad entirely in dark blue, sits a short distance away from Christ. She is wringing her hands in sorrow as she looks sadly across to her son. John, who has wrapped himself tightly in his red cloak, is squatting beside herleaning his sad face on his left hand in the well-known gesture of melancholy. The rocky landscape in the background contrasts with the grassy meadow surrounding the protagonists. Below a tree-lined hill on the far left, the cave sepulchre intended for Christ containing a reddish stone sarcophagus opens up, while on the right the many towers of the walled and moated city of Jerusalem point skywards. The round Temple of Solomon can be seen in the middle. The last of those who attended the crucifixion is returning through the city gate. He has thrown a bluish cloth over his shoulder, probably the Seamless Robe of Christ. In artistic terms, the small panel is extremely subtle and poetic. Its iconography is unusual, if not indeed unique among the paintings of the period around 1400, for it combines a scene apparently portraying a moment in the Passion story with a Christ figure completely disassociated from the course of events. Here Christ is depicted as the Man of Sorrows, who has died and yet lives on simultaneously as man and God. The act of redemption has been “fulfilled” (John 19:30), but here the saviour is shown not as dead but as overcome with exhaustion. Probably the Berlin painting was an iconographic novelty painted to fulfil the specific wishes of the person who commissioned it. The work is not intended as an emblematic or showcase piece but instead seeks to go beyond the emotional substance usually associated with a Man of Sorrows to encourage the viewer to witness and empathise with what he or she sees: Saint John appears to be demonstrating the melancholy, meditative pose with which the faithful are supposed to view the painting. However, the chief intermediary is Mary. She occupies the centre of the picture, her gaze directed bothtowards the viewer and towards Christ. In art historical terms, the small panel can be placed among the large group of Austrian panel paintings from the first third of the 15th century. Although various provisional names for the artist have become established, a more precise attribution of the individual works is difficult. The little Berlin panel bears a close resemblance both to the panels depicting the Life of the Virgin Mary in Klosterneuburg, whose author is known as Master of the Presentations, and to the large panel of the Throne of Mercy in London. Whether either of the painters responsible for these works painted the Berlin panel must remain open, however. Stephan Kemperdick | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

Wladislaw IV. (1595-1648) von Polen / Allegorische Darstellung der Tugend

Der dargestellte Wladislaw IV. (1595 – 1648) war seit 1632 König von Polen. Auf seinem reich dekorierten Wams ist eine Kette erkennbar, die ihn als Ritter des Ordens vom Goldenen Vließ kennzeichnet, dem er seit 1615 angehörte. Er trägt ein violettes Käppchen. Auffällig an der Frisur Wladislaws IV. ist ein dünner Zopf, der auf die linke Schulter fällt und dessen Ende von einer breiten Schleife zusammengehalten wird. Er war in zweiter Ehe mit Louise – Marie, Prinzessin von Gonzaga, Mantua, Montferrat und Nevers („Fille de France“, d.h. Prinzessin von Geblüht) vermählt. Die Trauung fand in Abwesenheit des Bräutigams im Jahre 1645 in der Kathedrale St. Denis statt. Dabei wurde der polnische König durch den Woiwoden von Posen, Christoph Graf Bnin Opalinski vertreten. Mehrmonatige Feierlichkeiten zogen Viele nach Paris, so auch den gefragten Genfer Miniaturmaler Paul Prieur (Um 1620 - 1682/83). Der umtriebige Hugenotte schuf dort zu dieser Zeit auch die Berliner Miniatur. Es wird sich dabei um ein diplomatisches Geschenk des polnischen Königs an den Großen Kurfürsten (Friedrich Wilhelm von Brandenburg) gehandelt haben, der im Jahre 1640 Wladislaw IV. den Lehnseid als Herzog von Preußen leistete und 1646 aus Anlass des Einzugs der aus Paris kommenden polnischen Königin Louise-Marie in Danzig anwesend war. Auf dem Contreémail der Miniatur ist in der Mitte ein von der Sonne gekrönter Obelisk auf vier Kugeln auf einem Postament geschildert. Traditionell als „Gloria dei principe“ (Ruhm des Prinzen) lesbar. Dem gesellt sich die Umschrift HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (Ehre ist der Lohn der Tugend). Die vorzügliche, auf einem Bildträger aus Gold gearbeitet, Berliner Emailminiatur eröffnet die Reihe von Paul Prieurs datierten Arbeiten. SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. auf der Rückseite: HONOR VIRTVTIS PRAEMIVM (umlaufend); unten: prieur Fecit / 1645