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Winterlandschaft mit Holzsteg

Ident. Nr.: 900F

ObjID: obj:868694

Details (expert)

Involved
Ausführung: Philips Wouwerman (1619 - 1668),
Maler*in
Dating
Ausführung: 1660
Additional titles
Collection title: Winterlandschaft mit Holzsteg
Translation: Winter landscape with a boardwalk
Geographical references
Haarlem,
Stadt
Material / Technique
Eichenholz
Dimensions
Bildmaß: 30,6 x 36,9 cm

Object Description

Eine malerische Holzbrücke, die einen zugefrorenen Flußlauf überspannt, begrenzt bereits im Mittelgrund den Blick in die Tiefe der Winterlandschaft. Der Weite des Landes ist dadurch der abgegrenzte Bezirk des Vordergrundes abgewonnen. Figuren sind hier zu sehen, die jedoch eigentümlich verloren wirken und mit ihren Aktivitäten den Bereich, der ihnen zugewiesen ist, nicht füllen. Auf diese Weise dient der Bereich des Vordergrundes nicht ausschließlich als Schauplatz der Figurenstaffage, sondern bleibt Teil des Landschaftsausschnitts. Erst aus dieser Sicht erschließt sich die abwechslungsreiche Beobachtung der Winternatur: die empfindsam abgestuften Spiegelungen auf dem Eis, das unterhalb der Brücke aufgetaut ist, die Übergänge zwischen glattem, verharschtem und flockigem Schnee am rechten Ufer, der Anstieg mit der aufgeweichten, morastig-braunen Altschneedecke links; darüber das Mauerwerk der Brücke, das in seinem ruinösen Zustand den abgerundeten Formen des Terrains nahekommt – und wie alles andere Menschenwerk auch eine verwitterte Beschaffenheit zeigt, als sei es nicht eigentlich gebaut, sondern von der Natur selbst erschaffen und der Zeitlichkeit ihres Werdens und Vergehens unterworfen. Die Vielzahl der dargestellten Details beeindruckt und ist Beleg für die kaum überbietbare Konsequenz, mit der sich der Maler dem Land selbst zugewandt hat. Der Blick bleibt aber nicht nur nach unten gerichtet, sondern führt zugleich auch hoch hinauf in die Weite des Himmels, dessen kühles Licht die naturgegebene Farbigkeit der Dinge auf atmosphärisch gedämpfte Tonwerte abstimmt. Wouwerman komponiert hier eine imposante Wolkendarstellung mit ausgeprägtem Hell-Dunkel-Kontrast in den Bildhälften. Gegen die düster aufziehenden Schneewolken silhouettieren die vereisten Äste des Baumes in fahlsilbrigen Angaben. Zu leicht bänglichen Empfindungen regt dieses Bild an, als sei in ihm ein weithin sichtbares Zeichen für die existenzbedrohenden Kräfte der Natur gesetzt. Ähnlich gehaltvolle Landschaftsbilder, die den poetisch gesteigerten Naturdarstellungen eines Jacob van Ruisdael nicht nachstehen, begegnet man im umfangreichen Schaffen Wouwermans jedoch nur vereinzelt. Sein Interesse galt in erster Linie dem Pferdebild mit edlen Tiermotiven und eleganter Figurenstaffage. Seine Arbeiten dieses Gegenstandes, dem er ebenso abwechslungsreiche wie dekorative Bildgestalt abgewonnen hat, haben die gesamte spätere Pferdemalerei nachhaltig beeinflußt. Jan Kelch | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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A picturesque wooden bridge that crosses a frozen river restricts in the middle ground a view into the depths of the winter landscape. The enclosed area of the foreground is thus claimed from the openness of the land. Human figures can be seen, yet they seem strangely lost and do not fill with their activities the space allocated to them. Here the foreground area does not act exclusively as the scene for the figural staffage, but remains part of the landscape excerpt.

Only from this point of view does a varied observation of nature in winter reveal itself: the sensitively graded reflections on the ice, which has thawed beneath the bridge, the transitions between smooth, crusted and flaky snow on the right bank, the rise with the softened, marshy-brown cover of old snow on the left; above this the masonry of the bridge, which resembles the rounded shapes of the terrain in its ruined condition – and like everything else made by human hand shows its weathered state, as if it had not actually been built but created by nature herself and subjected to the temporality of nature’s growth and decay.

The large number of details depicted is impressive, and bears witness to the almost unsurpassable dedication with which the artist has engaged with the land itself. The beholder’s eye is not, however, only directed downwards, but moves at the same time high up into the expanse of the sky, whose cool light harmonises the natural colouration of things in atmospherically subdued shades. Here Wouwerman composed an imposing representation of clouds with a marked contrast of dark and light between the two halves of the painting. Against the darkly approaching snow clouds, the icy branches of the tree are silhouetted in silvery paleness.

This work stimulates slightly fearful sensibilities, as if it were sending a signal, visible far and wide, of the existentially menacing forces of nature. Similarly laden landscapes that can hold their own alongside the poetically intense nature scenes of Jacob van Ruisdael are, however, only occasionally to be encountered in Wouwerman’s extensive oeuvre. He was primarily interested in painting horses, with fine animal motifs and elegant figure staffage. His work on this subject, from which he drew both varied and decorative depictions, had a lasting influence on all later horse painting. Jan Kelch | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 29.06.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Johannes der Täufer

Johannes der Täufer

Johannes der Täufer predigt in der Wüste und verkündet die Ankunft des Messias. In diesem Gemälde ist er als Prophet dargestellt, mit einem vor Entbehrung ausgezehrtem Körper, eingefallenem Gesicht und beinahe ekstatisch auf das kleine Kruzifix starrend, das den Stab in seinen Händen krönt. Dieses Detail ist sehr ungewöhnlich, da sich das Kreuzsymbol erst lange nach dem Tod Jesu verbreitete. Dem Maler ging es jedoch nicht um historischen Realismus; vielmehr verstärkt er allein durch die Landschaft den zeitlosen Charakter einer fantastischen Vision, die auch aus einem modernen Science-Fiction-Film stammen könnte: Die Sonne ist gerade hinter dem Horizont einer unwirklich anmutenden Landschaft aus merkwürdig geformten und dunstverhangenen Felsen untergegangen. Links erkennt man eine bemerkenswert detailliert ausgeführte Hafenstadt, die Landzunge rechts im Vordergrund scheint einst über die zerstörte Brücke mit ihr verbunden gewesen zu sein. Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. Maria in Porto in Ravenna (heute in der Pinacoteca di Brera, Mailand) hatte Ercole dem traditionellen Schema der Sacra conversazione mit Maria, Christuskind und Heiligen unter dem Thron der Gottesmutter eine Landschaft hinzugefügt, die sich mit der Landschaft in diesem Gemälde vergleichen lässt.Die Landschaftsdarstellung ist hier als Mittel zu verstehen, die Kontemplation eines Gemäldes zu verstärken und die religiöse Meditation zu fördern – ein Bildverständnis, das sich nördlich der Alpen unter der Bezeichnung »Devotio Moderna« oder »neue Frömmigkeit« entwickelte. Der Venezianer Giovanni Bellini gilt als erster großer Interpret dieses Landschaftstypus in Norditalien. Seine heute in Berlin aufbewahrte Auferstehung Christi ist hier als exemplarisch anzusehen. Ercole übernahm von Bellini auch die Verwendung von Öl als Bindemittel, die damals in Norditalien, und vor allem in Ferrara, noch relativ ungebräuchlich war. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. In his altarpiece for the church of Santa Maria in Porto, near Ravenna (today in the Pinacoteca di Brera in Milan), Ercole had already decided to represent, in addition to the Virgin, the Christ Child and the Saints according to the traditional scheme known as the “holy conversation”, a far landscape view under the throne of the Virgin. Such a view is to be strictly compared to the present painting.Landscape is understood here as a way to extend the contemplation of a painting and to deepen religious meditation. This way of appreciating paintings came from the North of the Alps, where it was named devotio moderna or “modern devotion”. The first great interpret of this type of conception of landscape in Northern Italy was the Venetian painter Giovanni Bellini; his Resurrection, today in Berlin, is particularly characteristic in that sense. Ercole took also directly from Bellini the use of oil for binding pigments, which was a relative novelty in Northern Italy at the time, and especially in Ferrara. Until the end of the 19th century, however, the present work was attributed to Bellini’s brother-in-law, Andrea Mantegna, whose enormous fame justified he was considered as the author of many works that had only in common the virtuosity of drawing (this was also the case of the Preparation of Christ’s Tomb by Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

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Von einem leicht erhöhten Betrachterstandpunkt richtet sich der Blick über den Kirchenvorplatz auf die überkuppelte Fassade von St. Peter. Von dort kommend, fährt der aus elf prunkvollen Kutschen bestehende Korso des französischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Etienne-François de Choiseul (1719–1785), über den Platz. Ihn hat Panini in der zweiten Kutsche am offenen Fenster sitzend dargestellt. Choiseul trägt über der Brust das blaue Band des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), den König Ludwig XV. ihm erst im Januar 1756 verliehen hatte. Anlass für die pompöse Ausfahrt war der offizielle Antrittsbesuch des Botschafters bei Papst Benedikt XIV. im Frühjahr 1756. Mit dieser Komposition ließ Choiseul von dem wichtigsten römischen Architektur- und Vedutenmaler seiner Zeit den bis dahin wichtigsten Moment seiner diplomatischen Karriere ins Bild setzen.Lange Zeit hielt man das Berliner Gemälde für die von Choiseul in Auftrag gegebene Version. Diese befindet sich jedoch in Privatbesitz (zuvor als Leihgabe in Edinburgh, National Gallery of Scotland). Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine zweite Version der Komposition aus der Sammlung von Claude François Rogier de Beaufort-Montboissier, abbé de Canilliac (1699–1761). Canilliac war der ranghöchste Gesandte der französischen Kirche in Rom und nach dem Botschafter der zweitwichtigste Vertreter Frankreichs in der Ewigen Stadt. Er gehörte zu jenen kirchlichen Würdenträgern, die Choiseul bei der Papstaudienz begleiteten und mit ihm in der Botschafterkutsche reisten. Während in der von Choiseul beauftragten Version lediglich er selbst als Fahrgast identifizierbar ist, ist auf dem Berliner Gemälde neben ihm auf der Sitzbank ergänzend der abbé de Canilliac dargestellt. Auch er trägt das blaue Band des Ordre du Saint-Esprit, allerdings in der Variante des Klerus nicht diagonal über der Brust sondern um den Nacken gelegt. Ein interessantes Detail des Berliner Gemäldes ist seine gut lesbare Datierung durch den Künstler auf das Jahr 1754 und damit zwei Jahre vor dem dargestellten Ereignis. Canilliac muss also eine bereits 1754 von Panini geschaffene Ansicht des Petersplatzes aus seinem Besitz nachträglich - wohl kurze Zeit nach der Fertigstellung von Choiseuls Gemälde - um die namengebende Figurenstaffage erweitert und um seine Person ergänzt haben lassen. Damit wertete er sein Gemälde nachträglich auf und sicherte sich zugleich symbolisch einen sichtbaren Platz in diesem so wichtigen diplomatischen und kirchenpolitischen Ereignis.Das Berliner Gemälde wurde nach Canilliacs Tod in Rom von Pierre-Jacques-Onésime Bergeret de Grancourt erworben. Wohl aus dieser Zeit stammt sein heutiger Louis XVI-Rahmen mit der unten eingelassenen, ausführlichen Beschreibung der Fassade und des Platzes von St. Peter in französischer Sprache, in dem das dargestellte Ereignis und seine Protagonisten jedoch schon keine Erwähnung mehr finden. | Sarah SalomonSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten auf einem Stein über dem springenden Hund: I.P. PANINI / 1754

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)