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Der Mennonitenprediger Cornelis Claesz Anslo und seine Frau Aeltje Gerritsdr Schouten

Ident. Nr.: 828L

ObjID: obj:868879

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Rembrandt Harmensz van Rijn (1606 - 1669),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: 1641
Additional titles
Collection title: Der Mennonitenprediger Cornelis Claesz Anslo und seine Frau Aeltje Gerritsdr Schouten
Translation: The Mennonite Preacher Cornelis Claesz Anslo and his Wife Aeltje Gerritsdr Schouten
Geographical references
Amsterdam,
Stadt
Material / Technique
Leinwand
Dimensions
Bildmaß: 176 x 210 cm
Acquisition
1894 Ankauf von Bertram 4th Earl of Ashburnham, Sussex

Object Description

Cornelis Claesz. Anslo (1592-1646) war ein erfolgreicher Unternehmer und zugleich einer der führenden Geistlichen unter Hollands Mennoniten. Als Lehrer stand er der waterländischen Gemeinde in Amsterdam vor, einer liberal orientierten Gruppierung der Täuferbewegung. Den Wohlstand hatte Anslo von seinem Vater Claes Claesz, gleichfalls Mennonit, ererbt. Wie dieser war er Tuchhändler mit weitreichenden Geschäftsbeziehungen insbesondere zu den Ostseeländern. In Urkunden wird er auch als Reeder geführt. Das vom Vater 1615/16 gegründete Anslohofje, ein Heim für bedürftige, ältere Frauen, hat er weiter betrieben. Aber nicht nur sein soziales Engagement ist Indiz einer tief religiösen Einstellung. 1642 zahlte er an die Gläubiger seines Schwagers, dem in Danzig ein Geschäft missglückt war, den damals substantiellen Betrag von 60.000.00 Gulden, obschon er hierzu nicht verpflichtet gewesen wäre. »Ich bin ein Prediger«, schrieb er, »und trete vor meine Mitmenschen, um sie auf ihre Pflichten hinzuweisen und sie zu ermahnen, gemäß Matthäus 7, 12, anderen das zu tun, was diese wollen, daß ihnen selber getan werde … Nein! Ich möchte nicht (obwohl ich nicht zu zahlen brauche), daß durch diese Umstände meine Predigt fruchtlos zu mir zurückkehrt und dadurch in irgendeiner Weise an Kraft verliert. « 1641 bezog Anslo im Zentrum der Stadt, an der Oude Zijds Achterburgwal – heute die Nr. 173 –, ein neues, großes Haus, das er ein Jahr später kaufte. Das 1641 datierte Doppelporträt der Berliner Gemäldegalerie dürfte für dieses Domizil bestimmt gewesen sein. Setzt die Wahl des großen Bildformats die Auftragserteilung durch den reichen Geschäftsmann voraus, so ist er doch nicht in dieser Profession, sondern in der des Predigers dargestellt. Anslo ist in seinem Arbeitszimmer wiedergegeben. Von der Bibel, die aufgeschlagen auf dem Arbeitstisch liegt, wendet er sich sprechend seiner Frau Aeltje Gerritsdr. Schouten (1589-1657) zu, mit der er seit 1611 verheiratet war. Die Gebärde seiner Linken, die das Zentrum der Gesamtkomposition markiert und in spontaner Bewegung die Bildfläche zu durchstoßen scheint, verleiht seiner Rede Nachdruck. Die Hingabe der Frau an das Wort des Predigers lässt vermuten, dass sich das geistliche Gespräch im Sinne der »brüderlichen Ermahnung« vollzieht, einer Einstellung, zu der die für die mennonitische Glaubenslehre grundlegenden Verse Matthäus 18, 15-20 aufrufen. Dass Anslo das Evangelium nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch im privaten Kreise, vor seinen Kindern und seiner Frau, mit »kirchlichem Anspruch« verkündet haben muss, belegen die Notizen, die Cornelis van der Vliet, ein Nachkomme des Predigers und letzter Besitzer der Familie 1767 niedergeschrieben hat. Das Gemälde steht in unmittelbarem Zusammenhang mit Rembrandts Radierung von 1641, die den Prediger allein zeigt, und den beiden 1640 datierten Zeichnungen, von denen das Blatt in London die Radierung und das Blatt, das sich in Paris befindet, das Gemälde vorbereitet. Vermutlich auf die Radierung und vermutlich auch im Auftrage Anslos, der als gewandter Redner bekannt war, hat Joost van den Vondel einen Vierzeiler verfaßt, der in freier Übersetzung lautet: »Nun denn, Rembrandt, male Cornelis’ Stimme, / Das Sichtbare ist der unwichtigste Teil von ihm: / Das Unsichtbare erfährt man nur durch die Ohren. / Wer Anslo sehen will, muß ihn hören.« Der Vers ist Ausdruck der allgemeinen protestantischen Auffassung, in der Vermittlung des Glaubens dem Wort den unbedingten Vorrang vor dem Bild einzuräumen. Obschon die Mennoniten im 17. Jahrhundert längst nicht mehr so bilderfeindlich eingestellt waren wie noch gegen Ende des vorangegangenen Jahrhunderts, war der theologische Streit zwischen Wort und Bild, Hören und Sehen, Geist und Körper durchaus noch lebendig. Das bestätigt auch die Radierung, in der das Motiv eines abgehängten, mit der Rückseite dem Betrachter zugekehrten Gemäldes, das neben der Gestalt Anslos unter leerem Nagel an der Wand lehnt, die Frage nach dem Primat von Wort oder Bild eindeutig beantwortet – allerdings in attributiver Form. Im Gemälde dagegen hat Rembrandt die Kraft des Wortes bzw. die Stimme des großen Predigers in szenischer Verlebendigung erfasst. Durch die Erweiterung zu einem Doppelbildnis finden Anslos Worte eine Hörerin, seine Gebärde ein Ziel. In der Anteil nehmenden Haltung der Frau verdeutlichen sich Sinn und Wirkung seiner Rede. So ist das »gesprochene Wort« zum übergeordneten Bildgegenstand erhoben, der das Nebeneinander der Figuren begründet und – in der Art eines Historienbildes – in handlungsmäßiger Geschlossenheit vor Augen führt. Jan Kelch | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: links unter dem Tisch auf dem ehemals erkennbaren Querstreben des Tisches: Rembrandt••f:• 1641
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Cornelis Claesz Anslo (1592–1646) was both a successful businessman and at the same time a leading Dutch Mennonite preacher. Anslo had inherited his wealth from his father Claes Claesz, who was also a Mennonite, and like his father, he was a cloth merchant with far-reaching business connections, especially to the Baltic region. Documents also mention him as a ship owner. He continued to run the Anslohofje, a home for needy older women that his father had founded in 1615/16. His social commitment is not, however, the sole indication of his profound religious beliefs. In 1642, he paid 60,000 guilders, a substantial sum at that time, to the creditors of his brother-in-law, who had suffered a commercial failure in Danzig, even though he was not obliged to do so. In 1641, Anslo moved to the city centre, to Oudezijds Achterburgwal, to a large new house, today no. 173, which he bought a year later. The double portrait in the Berlin Gemäldegalerie dated 1641 must have been intended for this residence.

Although the choice of a large format implies that the commission was given by a prosperous businessman, he is not depicted as a member of this profession but as a preacher. Anslo is shown in his study. From the Bible, which lies open on the desk, he turns and speaks to his wife Aeltje Gerritsdr Schouten (1589–1657), to whom he had been married since 1611. The gesture of his left hand, which marks the centre of the whole composition and seems to thrust through the surface of the picture in a spontaneous movement, lends emphasis to his words. That Anslo must have preached the gospel not only in public but also in his private circles, to his children and his wife, with “an ecclesiastical mission” is demonstrated by the notes that Cornelis van der Vliet, a descendant of the preacher and the last head of the family, committed to paper in 1767.

The painting is directly associated with Rembrandt’s etching of 1641, which depicts the preacher alone (fig. left). Presumably in connection with the etching and probably also by commission of Anslo, who was known as an eloquent speaker, Joost van den Vondel composed four lines of verse, which can be freely translated as “Now then, Rembrandt, paint Cornelis’ voice, / What is visible is the least important part of him: / The invisible can only be experienced through the ears. / Those who want to see Anslo must hear him”. The verse expresses the generally held Protestant view that the word takes absolute priority over the image in disseminating religious faith. Although the Mennonites had long ceased to be as iconoclastic in the 17th century as they had been towards the end of the previous century, the theological dispute between the word and the image, hearing and seeing, the mind and the body, was still well and truly alive. This is confirmed by the etching, in which the motif of a painting that has been taken down, showing its reverse side to the beholder and leaning against the wall next to the figure of Anslo beneath a naked nail on the wall, unambiguously answers the question of whether the word or the image has primacy. In the painting, however, Rembrandt has captured the power of the word or of the great preacher’s voice, imparting life to the scene. In extending the likeness to a double portrait, he gives Anslo’s words an audience, his gesture a recipient. That his address is meaningful and effective is made clear by the sympathetic posture of his wife. Thus, the spoken word is elevated to the primary subject of the picture, which explains the juxtaposition of the figures and – in the manner of a history painting – presents the scene to the eye as a coherent act. Jan Kelch | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 03.07.2026

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Gemäldegalerie

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Medaillonkette mit den Darstellungen von Pfalzgraf Philipp (1627 - 1655), Pfalzgräfin Henriette (Fürstin von Siebenbürgen, 1626 - 1651), Pfalzgraf Moritz (1620 - 1652), Pfalfgräfin Elisabeth (Äbtissin von Herford, 1618 - 1680), Pfalzgraf Karl Ludwig (Kurfürst von der Pfalz, 1617 - 1686), das Herrscherpaar Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz (König von Böhmen, 1596 - 1632), Kurfürsten Elisabeth von der Pfalz (Königin von Böhmen, 1596 - 1662), Pfalzgraf Rupert (1619 - 1682) und Pfalzgräfin Luise Hollandine (Äbtissin von Maubuisson, 1622 - 1709).Sieben der Darstellung sind mit mit den Initialen des Künstlers versehen. Die des Herrscherpaares jedoch nicht, diese weisen auf stilistische Anregungen durch Gemälde von Hoskins d. Ä. oder van Dycks hin. Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz vermählte sich 1613 mit Elisabeth Stuart, der Tochter Jakobs I. von England. Damit waren Hoffnungen auf eine Stärkung der evangelischen Pfalz im Reich verbunden. Im Jahre 1616 heiratete die Schwester des Pfälzers, Elisabeth Charlotte, den brandenburgischen Kurprinzen Georg Wilhelm. 1619 wählte die böhmischen Stände Friedrich V. von der Pfalz zu ihrem König, womit sie die rechtmäßige Herrschaft Kaiser Ferdinand II. mißachteten. Die Unbotmäßigen votierten damit für den Glaubensgenossen Friedrich V. als Haupt der protestantischen Union. Dieser Entscheidung widersetzte sich das Haus Habsburg. Der lebenslustige und risikobereite "Winterkönig" (Freidrich V.) schöpfte die neue königliche Würde reichlich aus. Jedoch weder England noch die Niederlande oder Brandenburg konnten dem Glaubensbruder wegen eigener innenpolitischen Schwierigkeiten beistehen. Auf diplomatischen Druck Englands und Frankreichs hin verhielt sich die protestantische Union neutral, was zu einer Isolierung Friedrich V. führte (3. Juli 1620: Ulmer Vertrag). Am 8. November 1620 stand der "Winterkönig" den Heeren des Kaisers, Kursachsens und Spaniens in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag gegenüber. Schon nach einer Stunde beherrschten die Armeen der katholischen Liga unter Tillys Kommando die Walstatt. Friedrich V. und Familie flohen zuerst zum Schwager nach Brandenburg. Im Neumärkischen Küstrin an der Oder wurde noch im selben Jahr (1620) Pfalzgraf Moritz geboren. In Gefangenschaft von Seeräubern ist er später in Algier verschollen. Pfalzgraf Ruprecht studierte 1634 gemeinsam mit dem brandenburgischen Kurprinzen (seit 1675 der Große Kurfürst genannt) in Leiden. Die einstige böhmische Königin und Tante des Hohenzollern, Elisabeth von der Pfalz, lebte seit Beginn ihres Wittums (1632) in Rhenen bei Arnheim.Die Medaillonkette wurde am 19. März 1689 unter der Inv.Nr.53 auf die Kunstkammer im Berliner Schloß gegeben. Schon das Inventar von 1694 meldete den Verlust des Miniaturporträts von Pfalzgraf Gustav, welcher einjährig starb. Inzwischen fehlen zwei weitere Bildnisse. Aleander Cooper (um 1605 London - 1660 Stockholm) - einer der bedeutendsten Miniaturmaler - war seit 1631 im Haag tätig, wo er wohl auch die Berliner Medaillonkette schuf (R.M.).SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. Auf den beiden Deckeln unter einer Königskrone: SHE? (verbunden)Porträts von links:1. rechts unten im Grund: A[C]; Rückseite: Philippus P.P. / Aet: 5: / 26 Octobrio 1632; 2. links im Grund: AC; Rückseite: Herriette P.P. / Aet. 6: / 7 Juli 1632.;3. links im Grund: AC; Rückseite: Mauritius P.P. / Aet: 11: / 6 Januari 1632.;4. Rückseite: Elisabetha, P.P. / Aet: 13: / 26 Nouem: 1632; 5. rechts unten im Grund: AC; Rückseite: Carolus. P.P.E. / Aet. 14: / 22 Decem 1632.;6. Rückseite: Federicus R•B• / AET: 36 / 16 Augus 1632.7. Rückseite: Elisabetha R• B• / Aet 36: / 19 Augus 1632;8. Rechts unten im Grund: AC; Rückseite: Rupertus P•P• / Aet: 12: / 17 Decem 1632.;9. rechts im Grund: A[C]; Rückseite: Louisa P•P•. / Aet: 10: / 8 April: 1632.;10. Porträt verschollen; Rückseite: Eduardus P•P• / Aet: 8: / 6 Octobrio 1632•; 11. Porträt verschollen; Rückseite: Sophia P•P• / Aet: 2: / 14 Octobris 1633•12. Porträt verschollen; Rückseite: Gustavus P•P• / Aet: 1: / 4 Januari 1633

Kardinal Ludovico Trevisan

Kardinal Ludovico Trevisan

Mantegnas außergewöhnliches Porträt zeigt den in Venedig geborenen Ludovico Trevisan (1401-1465), der auch unter dem Namen Scarampi oder Mezzarota bekannt ist. Es entstand zwischen dem 27. Mai 1459 und dem 8. Februar 1460 während des Fürstenkongresses von Mantua, auf dem Papst Pius II. um Unterstützung für den Kampf gegen die Osmanen warb. Trevisan war als reicher, mächtiger und gebildeter Mann innerhalb der kirchlichen Hierarchie aufgestiegen; 1435 wurde er Bischof von Trau, 1437 Erzbischof von Florenz, 1439 Patriarch von Aquileia und am 1. Juli 1440 Kardinal und zugleich Kämmerer (camerlengo) des Heiligen Stuhls. In der Schlacht von Anghiari stellte er 1440 seine militärischen Fähigkeiten als Befehlshaber der päpstlichen Truppen im Kampf gegen den Mailänder General Niccolò Piccinino unter Beweis. 1457 führte er eine erfolgreiche Seekampagne gegen die Türken im östlichen Mittelmeer und kehrte im März 1459 nach Rom zurück. Auf dem Kongress von Mantua wandte er sich gegen die Kreuzzugspläne Papst Pius’ II. und opponierte öffentlich gegen den venezianischen Kardinal Pietro Barbo, den späteren Papst Paul II. Er stand in Kontakt mit den bedeutendsten Humanisten und Antiquaren seiner Zeit, darunter Niccolò Niccoli, Poggio Bracciolini und Cyriacus von Ancona. Zudem trug er eine außergewöhnliche Sammlung von Kunstwerken und Altertümern darunter Münzen, Kameen, Gemmen und Bronzebüsten zusammen (s. das Inventar seiner Sammlungen in Florenz, publiziert bei Bagemihl 1993). Um 1461 beschäftigte er den Medailleur und Goldschmied Cristoforo di Geremia aus Mantua, der sich in Rom mit Altertümern befasst hatte und dem die Portraitmedaille mit offensichtlichen Rekursen auf römische Münzen (s. unten) zugeschrieben wird.Mantegnas Bildnis ist ein Meilenstein der italienischen Porträtkunst. Qualitäten der klassischen Skulptur werden in dieser Tafel auf die Malerei übertragen, sodass sich die Forderung des Dichters und Humanisten Ulisse degli Aleotti an den Künstler, der »in der Malerei [ein Bild] lebensnah und wahr herauszumodellieren und zu formen habe« wie ein Bildhauer (scolpi in pictura [l’imagine] propria viva et vera; s. Kristeller 1902, S. 488), zu erfüllen scheint. Der rote Klerikermantel oder ferraiolo gibt dem im Dreiviertelprofil gezeigten Brustbildnis Ludovicos auf ähnliche Weise Halt wie die Umhangdraperien (paludamentum) von Mantegnas gemalten Marmorbüsten römischer Kaiser oder Generäle an der Decke der Camera degli Sposi im Castello di San Giorgio des Palazzo Ducale zu Mantua. Zugleich akzentuiert Mantegna die darstellerischen Möglichkeiten der Malerei: in der stofflichen Wiedergabe des Seidenmoirés und dem unter dem weißen, halbtransparenten Chorhemd durchscheinenden Rot des Talars. Beim Vergleich des kompromisslos strengen Porträts des Kardinals Trevisan mit dem delikaten Profilbildnis des jungen Gonzaga-Prälaten oder mit dem naturalistischer anmutenden Bildnis in den Uffizien, dessen Modell meist als Carlo de’ Medici angesprochen wird (Agosti 2005, S. 320–321, 352–354, Nr. 173–177; Ausst.-Kat. Mantua 2006/07, S. 70), zeigt sich das Potenzial seiner malerischen Annäherungsmöglichkeiten an die Persönlichkeit des jeweils Dargestellten (In dem weicher ausgeleuchteten, doch noch klar beschreibenden Bildnis in den Uffizien scheint Mantegna mit dem Naturalismus der niederländischen Portraits zu wetteifern, ohne jedoch die strenge, skulptural begriffene Monumentalität seiner Kunst aufzugeben.). Der Rekurs auf ein klassisches Repertoire, der etwa an das Relief einer römischen Stele denken lässt, wie sie auf den Gütern von Jacopo Marcello in Monselice bei Padua zu finden waren, mäßigt im Fall des Trevisan-Bildnisses einerseits die herbe Erscheinung des Kardinals, den der Mantuaner Chronist Andrea Schivenoglia so beschrieb: »Ein kleiner, schwarzer, haariger Mann von äußerst hochmütigem und finsterem Aussehen« (»homo pizolo, negro, peloxo, com aìero molto superbo e schuro«; Übers. SH); andererseits dient er der Veranschaulichung eines besonderen Wesenszugs Trevisans: der virtù. Wie Kristeller bemerkte, »prägt sich in dem scharf geschnittenen Munde, den fest zusammengezogenen Augenbrauen« ein eiserner Wille aus; »hohe Intelligenz und feurige Leidenschaftlichkeit leuchten aus den klaren, scharfblickenden Augen; etwas Misstrauisches liegt in dem Blick, in der Senkung der Augenbrauen. Energie und Selbstsucht, die Grundzüge dieses Charakters, sind überzeugend in dem Gesichte zum Ausdruck gebracht.« (Kristeller 1902, S. 179–180).Bibliographie:Kristeller, 1901, pp. 170-73; Tietze-Conrat, 1955, pp. 11-12; Lightbown, 1986, pp. 81-82, 408-10; Campbell, 1990, p. 228; Christiansen, in Martineau, 1992, pp. 333-35; de Nicolò Salmazo 2004, pp. 146; Santucci 2004, pp. 98-100; Agosti 2005, p. 28; Poldi and Villa, in Lucco 2006, p. 57.Text aus "Gesichter der Renaissance" 2011, Autor: Keith Christiansen