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Frauenbildnis

Ident. Nr.: 16/73

ObjID: obj:869086

Details (expert)

Date(s)
Datierung: 1730/1740
Material / Technique
Elfenbein, Holz (Sockel)
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 16,1 x 9 x 6,5 cm

Object Description

Die bürgerliche, etwa 30-jährige Frau trägt eine fein gestickte Haube, die hinten mittels einer Schleife gehalten wird. Unter dem Saum quillt in welligen Strähnen das bis zur Schulter fallende Haar hervor. Das feine Ornament der Kopfbedeckung kontrastiert harmonisch zum schlichten Schnitt ihrer weit und locker getragenen Bluse, die vorne einen tiefen, V-förmigen Ausschnitt bildet. Darüber trägt sie einen über ihre linke Schulter gelegten Umhang, der mit dem Stoff ihrer Bluse nahezu verschmilzt. Ihr schmales Gesicht, das durch die hohe Stirn und das längliche, volle Kinn bestimmt wird, weist überaus weiche, gütige Züge auf. Der kleine, leicht lächelnde Mund mit den geschlossenen vollen Lippen verleiht der jungen Frau eine sinnliche Ausstrahlung, die mit dem verträumt zur Seite blickenden Augen einen ganz besonderen Reiz ausstrahlt.
Bei der fein gearbeiteten Frauen-Büste handelt es sich allerdings um kein individuelles Porträt. Es ist das Gegenstück eines separat gearbeiteten, aber dazugehörigen Pendants, das in Kontrast einen grimassierenden Mann mit Schlapphut darstellt (Siehe Inv.-Nr. 17/73), auf den sie ihren Blick gewendet hat.
In ihrer Gegensätzlichkeit spiegeln beide Büsten unterschiedliche Charaktereigenschaften, aber auch verschiedene Lebens- bzw. Weltanschauungen wider, die im Œuvre des Künstlers wiederholt vorkommen. Welche literarische Vorlage hier Pate gestanden hat, konnte bislang nicht beantwortet werden.
Die Büste kann aufgrund der rückwärtig eingeritzten Signatur JCL Lück als ein Werk des wohl in Dresden gebürtigen Kleinplastikers Johann Christoph Ludwig Lücke zugeschrieben werden. Neben seinen zahlreichen Werken in Elfenbein – aber auch in Stein – war er ferner auf den Gebieten des Porzellans (1728/29 in Meißen, 1750/51 in Wien und 1751 in Fürstenberg), der Fayence und sogar der Papiermaché-Technik tätig. Er führte ein unstetes Leben als Wanderkünstler, da ihm eine Festanstellung als Hofkünstler verwehrt blieb. Insbesondere seine hervorragenden Fähigkeiten als Porträtist begründeten seinen Ruhm, die ihn an zahlreiche Fürstenhäuser im In- und Ausland führten.

Hans-Ulrich Kessler

Last updated: 29.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Evangelist Markus vom Münnerstädter Retabel

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Die Evangelisten vom Münnerstädter AltarDer Altar, den Riemenschneider 1490-1492 für die Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Münnerstadt anfertigte, ist ein Schlüsselwerk in der Entwicklung der spätmittelalterlichen Skulptur. Er gehörte zu den frühesten Retabeln, die ohne Farbfassung geliefert wurde, aber die Abwesenheit von Polychromie scheint als störend empfunden gewesen zu sein und 1504-1506 wurde der Nürnberger Bildhauer Veit Stoss beauftragt, den Altar zu vergolden und bemalen. Der Altar wurde zwischen 1649 und 1653 auseinander genommen und umgestaltet. Mehrere skulpturalen Elemente wurden entfernt und fanden ihren Weg letztendlich in öffentliche Sammlungen. In den frühen 1980er Jahren wurden die Teile, die in Münnerstadt geblieben waren, in eine moderne Umrahmung im Kirchenraum installiert, damit sie wieder auf der richtigen Höhe und im richtigen Licht präsentiert werden konnten. Kopien der Skulpturen in München und Berlin wurden später dem Ensemble hinzugefügt. Das Bildprogramm thematisierte das Leben der Hl. Maria Magdalena, Patronin der Kirche. Als reuende Kurtisane, die sich Gott gewandt hatte, diente Sie als Vorbild, dass sogar Sünder Heiligen werden können und dass die Hoffnung auf Erlösung jedem zusteht. Im Schrein des Münnerstädter Altars wurde sie, zwischen dem Hl. Kilian und der Hl. Elisabeth von Thüringen, von Engeln zum Himmel getragen. Im Aufzug standen die Muttergottes und Johannes der Evangelist an beiden Seiten der Dreifaltigkeit; noch höher stand Johannes der Täufer. Die Predella enthielt die vier Evangelisten. Auf den Flügeln waren vier Reliefs mit Szenen aus der Legende der Hl. Maria Magdalena zu sehen: links Christus im Hause Simons über Die Erscheinung Christi vor Maria Magdalena und rechts die letzte Kommunion von Maria Magdalena über einer Darstellung ihrer Grablegung. Die Gesamthöhe des Retabels betrug ca. 13 Meter. Die Evangelisten in der Predella bildeten das theologische und visuelle Fundament für den Altar, dessen vereinheitlichende Thema die Erlösung durch Christi Tod ist. Die Aneinanderreihung der Figuren von links nach rechts widerspiegelt die Reihenfolge, in welcher ihre Evangelien in der Bibel erscheinen. Ihre Haltungen und die Anordnung ihrer Gewänder korrespondieren miteinander und führen das Auge zur Mitte der Gruppe. Die Evangelisten sind im Alter, Stimmung und Pose höchst unterschiedlich dargestellt. Man glaubte im Mittelalter, dass die Evangelisten Matthäus und Johannes den Aposteln dieser Namen identischen seien; deswegen sind sie in zeitlosen Draperien portraitiert. Demgegenüber tragen Markus und Lukas die Kopfbedeckung und Gelehrtentracht der Humanisten. Riemenschneider folgt einer Tradition, die zur frühchristlichen Zeit zurückführt, in der Matthäus und Johannes als Augenzeugen Christi erkannt wurden, während Markus und Lukas, als vermuteten Nachfolger von Petrus und Paulus, als Vorbilder frommer Gelehrsamkeit verehrt wurden. Der Engel von Matthäus und der Adler von Johannes waren einzeln geschnitzt und an der Rückwand der Predella befestigt.