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Bildnis eines jungen Mannes

Ident. Nr.: 12A

ObjID: obj:869143

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Giorgione (1477/78 - 1510),
Maler*in
Date(s)
Anfang 16. Jahrhundert
Additional titles
Collection title: Bildnis eines jungen Mannes
Translation: Portrait of a Young Man
Geographical references
Italien,
Land
Material / Technique
Leinwand
Dimensions
Bildmaß: 59,2 x 47 cm
Acquisition
1891/92 Ankauf aus der Sammlung Jean Paul Richter, Florenz

Object Description

Das Bildnis eines jungen Mannes befand sich bis 1884 in der Sammlung Giustiniani in Padua und wird deshalb auch Bildnis Giustiniani genannt. 1884 bis 1891 gehörte es dem Kunsthistoriker Jean Paul Richter, der es Giorgione zuschrieb und von dem Bode es 1891 kaufte. Es gehört nicht zu den durch Inschriften, Quellen oder Dokumente beglaubigten Werken Giorgiones, aber doch zu dem kleinen Kernbestand, der von fast ausnahmslos allen Forschern als eigenhändig anerkannt wird. Unter diesen Werken sind nur ganz wenige Porträts, die Laura in Wien (Kunsthistorisches Museum; Inschrift mit Datum 1506 auf der Rückseite), das Bildnis einer alten Frau in Venedig (Akademie), das Bildnis Giustiniani und das etwas weniger prominente männliche Porträt Terris in San Diego (Fine Arts Gallery; Inschrift mit Datum 15[1]0 auf der Rückseite). Der in Halbfigur Dargestellte erscheint vor dunklem Grund hinter einer Steinbrüstung, auf die er seine rechte Hand gelegt hat. Die Haltung des Oberkörpers ist fast unmerklich aus der Frontalität verschoben, das Gesicht ist in Dreiviertelansicht gegeben. Der Blick trifft den Betrachter. Der Dargestellte trägt ein blaßviolettes, gestepptes Gewand, das vorn mit Schleifen geschlossen ist. Die oberste hat sich gelöst und läßt das weiße Hemd hervorschauen. Der selbstbewußte Ausdruck, der kühle Blick aus den Augenwinkeln, die ebenmäßig klassischen Formen und der leicht verhangen-melancholische Zug, der über dem Bild liegt, heben das Werk von den vorhergehenden Porträts des späten 15. Jahrhunderts (Antonello da Messina, Giovanni Bellini) ab. Das Motiv der auf der Brüstung ruhenden Hand ist unvenezianisch und könnte von niederländischen Vorbildern abgeleitet sein, etwa von Porträts von Memling, die Giorgione in venezianischen Sammlungen gesehen haben könnte. Es mag aber auch von Leonardo angeregt worden sein. Giorgione hat hier den Schritt zur Hochrenaissance vollzogen. In seiner klassischen Harmonie ist das Bild Werken Raffaels vergleichbar. Dieser Porträttypus wurde bestimmend für den jungen Tizian und für Künstler der Giorgione-Nachfolge wie Cariani. Die Inschrift »V V« auf der Steinbrüstung ist zwar nachgezogen, geht aber wohl auf einen originalen Befund zurück. Sie hat zahlreiche Interpretationen gefunden, zuletzt als »Virtus Vincit« und als »Vivo Vivus«, letztere in Analogie zu Inschriften auf römischen Porträts und Grabmonumenten. Diese Deutung hat zum Teil Anklang gefunden, sie ist aber auch in Frage gestellt worden. Die Datierung ist umstritten. Pignatti (1978), Pallucchini (1981) und andere datieren das Bild um 1506, in die Nähe der Laura. C. Hornig (1976) datierte es um 1500/01, A. Ballarin (1978/79) sogar um 1497/98. D. Rosand (1978) schrieb das Bild zu Unrecht dem jungen Tizian zu. [Gleiche Meinung seitens Joannides 2001]. Erich Schleier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019

SIGNATUR / INSCHRIFT: V V
_____________________________

Until 1884, the Portrait of a Young Man was found in the Giustiniani Collection in Padua, and was known for this reason as the Giustiniani Portrait. From 1884 until 1891, it was owned by the art historian Jean Paul Richter, who attributed it to Giorgione, and who sold it to Wilhelm von Bode in 1891. It is not among those works by Giorgione that can be authenticated on the basis of inscriptions, source materials, or documentation, but nonetheless belongs to the small core of works that are accepted by scholars, virtually without exception, as coming from the artist’s own hand. Very few portraits are found among this group of works: the Laura in Vienna (Kunsthistorisches Museum; inscription on the reverse with the date 1506), the Portrait of an Old Woman in Venice (Galleria dell’Accademia), the Giustiniani Portrait, and the somewhat less prominent male Terris Portrait in San Diego (Fine Arts Gallery; inscription on the reverse the date 15[1]0).

The sitter, depicted as a half-figure, appears against a dark background and behind a stone balustrade, on which he rests his right hand. The upper body is rotated almost imperceptibly away from a frontal position, and the face is shown in a three-quarters view. His gaze is directed toward the viewer. The young man wears a pale violet, quilted garment that closes with bows in the front. The uppermost bow has come undone, allowing the white shirt to show. His self-assured expression, the cool gaze that confronts the viewer from the corners of the sitter’s eyes, the well-proportioned classical forms, and the gently overcast, melancholic atmosphere that suffuses the image distinguishes it from slightly earlier portraits from the late 15th century by artists such as Antonello da Messina and Giovanni Bellini. The motif of the hand resting on balustrade is not Venetian, and could have been derived
from Netherlandish models, for example the portraits by Memling which Giorgione may well have seen in Venetian collections. It may instead have been inspired by Leonardo’s works. In this work, Giorgione has accomplished the transition toward the High Renaissance. In its classical harmony, it is comparable to works by Raphael. This portrait type would become decisive for the young Titian, and for artists who emulated Giorgione, such as Cariani.

The inscription “V V” on the stone balustrade was actually added later, but very likely reproduces the original initials. It has been interpreted variously, most recently as “Virtus Vincit”, but also as “Vivo Vivus”, the latter by analogy with inscriptions on Roman portraits and tomb monuments. This explanation has met with some acceptance, but has also been called into question. The dating of this work is controversial. Pignatti (1978), Pallucchini (1981), and others have dated it to circa 1506, and hence roughly contemporary with the Laura. C. Hornig (1976) dates it to 1500/01, and A. Ballarin (1978/79) has even proposed a date of 1497/98. D. Rosand (1978) regarded this picture, wrongly, to be by the young Titian(this view is shared by Joannides 2001). Erich Schleier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 27.08.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Versonnen blickt der dunkelhaarige junge Mann nach rechts in die Ferne. Von seinem schwarzen Gewand hebt sich ein kostbarer, weißer Spitzenkragen ab, auf den sein langes Haar fällt. Maratti präsentiert den Dargestellten hier schlicht und unprätentiös, zugleich jedoch sehr würdevoll und elegant. Durch eine Inschrift auf der Rückseite sind uns heute Entstehungsjahr und -ort des Gemäldes bekannt, sowie das Alter des Dargestellten. Als er sich 1663 in Rom porträtieren ließ, war er 24 Jahre und drei Monate alt. Maratti gehörte zu den begehrtesten Malern in Rom und arbeitete für die höchsten gesellschaftlichen Kreise, u.a. auch für Papst Clemens IX., dessen von Maratti geschaffenes Bildnis heute zu den bedeutendsten Porträts des 17. Jahrhunderts zählt.| Britta BodeSIGNATUR / INSCHRIFT: Auf der Doublierleinwand Transkription (des 19. Jh.) einer alten Inschrift: AETATIS VAE XXIV / ET III MENS / IN ROMA 1663 / C.M.F.___________________________________________________________________________With a pensive gaze, a dark-haired young man looks to the right into the distance. His long hair falls on the sumptuous, white lace collar that stands out against his black garment. Maratti presents the portrayed modestly and unpretentiously, yet also elegantly and dignified. An inscription on the back tells us the year and place of creation, as well as the age of the portrayed. In 1663, when he was painted in Rome, he was 24 years and three-months-old. Maratti was one of the most sought after artists in Rome and worked for the social elite, including Pope Clemens IX, whose portrait is considered one of the most important paintings of the 17th century.| Britta Bode

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Der Engel weckt den Propheten Elias in der Wüste

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Das kleine Täfelchen zeigt den Propheten Elias eingeschlafen unter einem Baum. Die Darstellung bezieht sich auf eine in der Bibel erzählte Episode, in der die Flucht des Elias vor der ihm angedrohten Rache für die Ermordung der Propheten des Baal geschildert wird (1. Könige 19,1–8). Ein Engel hat sich über Elias gebeugt. Er versucht, ihn mit einer zarten Berührung an der Schulter zu wecken. Mit dem Zeigefinger seiner Rechten weist er auf einen Laib Brot und einen mit Wasser gefüllten Krug, die neben der herabgesunkenen Hand des Propheten stehen. Alle drei Elemente sind in helles Licht getaucht. Das rosafarbene Gewand des Engels, die blonden Haare seines gesenkten Hauptes sowie die weit ausladenden Flügel mit den schwarzen und weißen Federn sind mit pastos aufgetragenen Pinselstrichen ausgeführt. Die Rinde des kräftigen, die linke Bildhälfte begrenzenden Baumes und das Gestrüpp am Boden sind mit dicken Farbtupfern modelliert.Maltechnische Untersuchungen haben gezeigt, dass sich inmitten des Baumstammes einst ein Schlüsselloch befand. In der Röntgenaufnahme sind an der rechten Seite der Tafel zudem zwei Scharniere zu erkennen. Die Ausführung auf Holz und das kleine Format sind demzufolge auf die Funktion des Gemäldes als Türchen zurückzuführen. Da die im Alten Testament geschilderte Speisung des Propheten Elias mit Wasser und Brot eine häufig verwendete Präfiguration für das Abendmahl darstellt, fungierte die Tafel mit großer Wahrscheinlichkeit als Verschluss eines Tabernakels, das zur Aufbewahrung der Hostien und des Abendmahlkelchs diente. In Spanien sind derartige mit bildlichen Darstellungen versehene Türchen in zahlreichen Predellenzonen von Altarretabeln des 17. Jahrhunderts nachweisbar. Zudem lassen die Röntgenaufnahmen darauf schließen, dass die Tafel einst einige Zentimeter höher war und ein länglicheres Format aufwies.Auf Grund der überaus lockeren, an die venezianische Malerei erinnernden Malweise wurde das Bild, das vormals als Werk Domenico Fettis galt, von Giuseppe Fiocco in das Oeuvre von Francesco Maffei eingeordnet. 1970 wurde es von José Roge lío Buendía auf Grund stilistischer Erwägungen schließlich dem in Madrid tätigen Maler Juan Antonio de Frías y Escalante zugeschrieben. Bei dem abgebildeten Tonkrug handelt es sich seiner Meinung nach zudem um ein Modell, wie es in dem bei Madrid gelegenen Städtchen Talavera de la Reina produziert wird. Für eine Verbindung des Gemäldes mit Spanien spricht ferner die Existenz einer vorbereitenden Zeichnung in der Nationalbibliothek in Madrid, die die zentralen Elemente der Komposition wiedergibt, sowie die Provenienz aus der Sammlung Suermondt, zu der zahlreiche Werke zählten, die der preußische Offizier Andreas von Schepeler während seiner Tätigkeit in Madrid zwischen 1815 und 1823 erworben hatte.Von 1667 bis 1668 hatte Escalante einen 18 Leinwandgemälde umfassenden Zyklus mit alttestamentlichen Präfigurationen der Eucharistie für die Ausstattung der Sakristei des im 19. Jahrhundert zerstörten Convento de la Merced Calzada in Madrid ausgeführt, darunter auch eine Darstellung von Elias und dem Engel, die heute im Museo del Prado aufbewahrt wird. Auch wenn sich Paola Rossi 1991 nochmals für eine Zuschreibung des Berliner Bildes an Francesco Maffei aussprach, so machen die genannten Argumente dennoch plausibel, dass das Gemälde erstens von Escalante geschaffen wurde und zweitens zur Ausstattung des genannten Konvents gehörte, der sich ehemals auf dem heute nach Tirso de Molina benannten Platz in Madrid befand. Vor der Feier des Abendmahls hatte es den Priestern dort bei der Entnahme der Hostien und des Weines die heilsgeschichtliche Erfüllung der Ankündigungen des Alten Testamentes ins Bewusstsein gerufen.| Sven Jakstat___________________________________________________________________________________________________This small panel depicts the Prophet Elijah sleeping under a tree. The scene refers to the Bible’s story of Elijah’s flight from retribution for his killing of Baal’s prophets (1 Kings 19:1–8). An angel bends over Elijah and tries to wake him by gently laying a hand on his shoulder. With the finger of his right hand the angel points to a loaf of bread and a water-filled jug next to the Prophet’s limp hand. All three elements are suffused in bright light. The angel’s rose-coloured robe, the blond hair on his lowered head, and the white feathers of his wings are executed in pastose brushstrokes. The bark of the massive tree and undergrowth bounding the left-hand side of the composition are modelled with thick dabs of paint.Scientific examinations showed that there was once a keyhole in the middle of the tree trunk. X-ray images also revealed two hinges attached to the right end of the panel. These combined with the wooden support medium and the painting’s small format indicate that the work once served as a small door. As the story of Elijah being given bread and water was often used in art to prefigure the Eucharist, it is highly likely that this panel once served as the door covering of a tabernacle where the host and Communion chalice were kept. Numerous examples of such decorated doors in the predella areas of seventeenth-century altarpieces have been found in Spain. Furthermore, the X-ray images indicate that the panel was once several centimetres longer and more elongated in shape.The extremely flowing style of painting, reminiscent of Venetian works, led Giuseppe Fiocco to attribute the painting – previously believed to be by Domenico Fetti – to Francesco Maffei. Stylistic considerations finally led José Rogelío Buendía in 1970 to ascribe it to the Madrid painter Juan Antonio de Frias y Escalante. In Buendía’s opinion, the ceramic jug seen in the painting is based on the types of jugs produced in the town of Talavera de la Reina near Madrid. Further evidence of the work’s Spanish provenance is offered by a preliminary drawing in the National Library in Madrid, which displays the same central elements that appear in the painting, as well as its provenance from the Suermondt Collection, which included numerous works acquired by the Prussian officer Andreas von Schepeler while he was stationed in Madrid between 1815 and 1823.From 1667 to 1668, Escalante completed a cycle of eighteen paintings on canvas with Old-Testament prefigurements of the Eucharist for the sacristy of the now destroyed Convento de la Merced Calzada in Madrid, including a painting depicting the angel and Elijah today held by the Museo del Prado. Even though Paola Rossi once again insisted in 1991 that the Berlin painting should be attributed to Francesco Maffei, the arguments given above make a plausible case both that the painting was made by Escalante and that it belonged to the convent, once located on the square now named for Tirso de Molina. The painting served to remind priests of the salvific fulfilment of the Old Testament’s prophecies when they went to remove the host and wine before distributing Holy Communion.| Sven Jakstat