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Bildnis einer Dame (wahrscheinlich Condesa de Monterrey)

Ident. Nr.: 413E

ObjID: obj:869165

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Diego Rodríguez de Silva y Velázquez (1599 - 1660),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: 1635
Additional titles
Collection title: Bildnis einer Dame (wahrscheinlich Condesa de Monterrey)
Translation: Portrait of a Lady (probably Condesa de Monterrey)
Geographical references
Spanien,
Land
Material / Technique
Öl auf Leinwand
Dimensions
Bildmaß: 123,7 x 101,7 cm
Acquisition
1887 Ankauf aus der Sammlung Lord William Humble Ward, 2. Earl of Dudley, London

Object Description

Neben den weiblichen Mitgliedern der königlichen Familie hat Diego Velázquez nur sehr wenige Frauen porträtiert. Auf Grund seines intimen Charakters nimmt dieses – zugleich hoch repräsentative – Gemälde eine Sonderstellung in seinem Schaffen ein. Zu sehen ist eine elegant gekleidete Dame in Dreiviertelansicht vor einem neutralen, grau-beigen Hintergrund. Ihre Wangen sind leicht gerötet. Verwegen lächelnd fixiert sie den Betrachter. Mit der rechten Hand umgreift sie die Lehne eines mit rotem Samt bespannten Stuhls, in der Linken ist ein Fächer zu erahnen. Die Aufmachung der Porträtierten ist nicht pompös, aber ausgesprochen luxuriös. In den zu einer Tolle aufgetürmten braunen Locken steckt eine weiße Diamantrose. Ihre Ohren sind mit kostbaren Perlenohrringen geschmückt. Filigran gearbeitete, mit Edelsteinen besetzte Ringe zieren ihre Finger. Das gemusterte Kleid ist aus kostspieligem schwarzem Samt. Dem Mieder sind aus schwarzem Gagat gearbeitete Knöpfe appliziert. Wie die Unterärmel ist der Brusteinsatz mit golden glänzenden Stickereien verziert. Darüber ist in einer mit schwarzen Edelsteinen gefassten Brosche eine schwere Goldkette zusammengeführt. Die Haltung der Dargestellten mit der auf der Stuhllehne abgestützten rechten Hand und dem herabhängenden linken Arm entspricht dem Typus des höfischen Damenportraits (Kat.Nr. 413C).
Wer die hochrangige Dame ist, die sich vom Hofmaler in repräsentativer Weise verewigen ließ, ist nicht eindeutig geklärt. Bevor die Rückseite der originalen Leinwand im 19. Jahrhundert überspannt wurde, war dort in alter Handschrift »Juana de Miranda«, der Name von Velázquez’ Frau, sichtbar. Von der Tochter seines Lehrers Francisco Pacheco ist jedoch kein gesichertes Portrait bekannt. Zudem wurde schon früh daran gezweifelt, dass sich die Frau des Malers in einer derart kostspieligen Aufmachung und noch dazu in der Pose einer Hofdame hätte darstellen lassen dürfen. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt das Gemälde dann als Portrait von Inés de Zúñiga (1584–1647), der Gemahlin des allmächtigen Conde Duque de Olivares. Allerdings wurde die Aussagekraft der zum Vergleich angeführten Darstellungen, ein Stich von Francisco de Herrera aus der Nationalbibliothek in Madrid von 1627 sowie eine Porträtzeichnung aus der Albertina in Wien, bald in Frage gestellt. 1964 hat José Camón Aznar die Porträtierte schließlich mit Leonor María de Gúzman (1591–1654), der Schwester des Conde Duque de Olivares, identifiziert. Sie war die Gemahlin des Conde de Monterrey, der von 1628 bis 1631 spanischer Botschafter in Rom und von 1631 bis 1637 Vizekönig von Neapel war. Als visuelles Argument führte der Autor die von Giuliano Finelli zwischen 1635 und 1637 in Neapel gefertigte Skulptur der Gräfin an, die am Grabmal der Monterreys am Hochaltar des Convento de las Agustinas Descalzas in Salamanca aufgestellt ist. Auch die gestickten Sterne am Mieder und den Ärmeln könnten auf den Conde de Monterrey, der Sterne in seinem Wappen führte, als Auftraggeber verweisen. Dass Velázquez die Condesa zu Lebzeiten portraitierte, ist bekannt. Nach einem Fieberanfall in Rom hatte Velázquez die Hilfe Monterreys in Anspruch genommen. Die für diesen Abschnitt im Schaffen von Velázquez charakteristischen Grau- und Brauntöne sowie die offene Malweise etwa im Bereich des Kragens lassen auf eine Entstehung des Gemäldes in den 1630er Jahren schließen. Das Portrait, das auf eindrückliche Weise die privilegierte soziale Stellung der Dargestellten bezeugt, könnte demzufolge sowohl in Rom als auch nach der Rückkehr der Condesa nach Madrid 1638 entstanden sein. | Sven Jakstat, in: El Siglo de Oro. Die Ära Velázquez, Ausst. Kat. (Berlin: Gemäldegalerie; München: Kunsthalle, 2016), Kat. 57, S. 184.
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Apart from the female members of the royal family, Diego Velázquez painted very few portraits of women. This highly imposing painting occupies a special place in his oeuvre thanks to its intimate character. It shows an elegantly dressed lady in three-quarter view before a neutral, grey-beige background. With slightly blushing cheeks and a knowing smile on her face, she fixes her gaze on the viewer. Her right hand is grasping the back of a chair upholstered in red velvet, while in her left, she appears to be holding a fan. Although not ostentatious, the subject’s attire is certainly extremely sumptuous. A white diamond rose is visible in her wavy brown hair, which is swept up into a quiff. Precious pearl earrings adorn her ears, while her fingers are embellished with intricately worked rings set with precious stones. Her patterned dress is made of costly black velvet, the buttons on her bodice of black jet. Both the lower sleeves and the bodice insert are decorated with lustrous gold embroidery. Above it is a brooch set with black precious stones joining the ends of a heavy gold chain. The lady’s pose, with her right hand resting on the back of the chair and the left hand hanging down, is typical of a portrait of a woman at court (Cat.No. 413C).
The identity of this lady of high rank, captured for posterity in a noble pose by the court painter, has not been established beyond doubt. Before the back of the original canvas was covered in the nineteenth century, the handwritten name of Velázquez’s wife “Juana de Miranda” was visible. There is, however, no clear evidence that a portrait of the daughter of Velázquez’s teacher, Francisco Pacheco, was ever painted. What is more, doubts have existed for a long time that it would have been permissible for the wife of the painter to be depicted in such extravagant garb, let alone in the pose of a lady of the court. In the first half of the twentieth century, the portrait was considered to be that of Inés de Zúñiga (1584–1647), the wife of the powerful Conde Duque de Olivares. However, the validity of the works cited by way of comparison, an engraving by Francisco Herrera from the National Library in Madrid dated 1627 and a portrait drawing held by the Albertina in Vienna, was soon called into question. In 1964, José Camón Aznar identified the subject as Leonor María de Gúzman (1591–1654), the sister of the Conde Duque de Olivares and wife of the Count of Monterrey, who served as Spanish ambassador in Rome from 1628 to 1631 and as viceroy in Naples from 1631 to 1637. As a visual argument, the author cited the sculpture of the countess made by Giuliano Finelli between 1635 and 1637 in Naples, which adorns the Monterreys’ tomb by the main altar of the Convento de las Agustinas Descalzas in Salamanca. The stars embroidered on her bodice and sleeves likewise suggest a connection with the Count of Monterrey, whose coat of arms featured stars, as the commissioner of the portrait. Additionally, we know that Velázquez painted the countess during her lifetime after receiving help from the Monterreys when he came down with a fever while in Rome. The characteristic grey and brown tones and the open style of painting – discernible, for instance, around the collar – suggest that it was painted in the 1630s. The portrait, an impressive testimony to the privileged social status of the subject, is therefore likely to have been painted either in Rome or following the countess’s return to Madrid in 1638. | Sven Jakstat, in: El Siglo de Oro. The Age of Velázquez, exh. cat. (Berlin: Gemäldegalerie; Munich: Kunsthalle, 2016), cat. 57, p. 184.

Last updated: 25.08.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Selbstbildnis

Selbstbildnis

Als eines von nur zwei sicher Tizian zugeschriebenen Selbstportraits (das zweite hängt in Madrid im Museo del Prado) gelangt das teils unvollendete Bild 1821 in die Berliner Gemäldegalerie. Es wurde vorher in der Casa Barbarigo zu Venedig aufbewahrt, vermutlich seit 1581, als Tizians Sohn, Pomponio Vecellio, das Haus mit dem gesamten Inventar an Cristoforo Barbarigo verkaufte. 1815 wurde das Selbstbildnis von Leopoldo Cicognara gekauft und unmittelbar danach an Edward Solly veräußert.Das Selbstbildnis zeigt den etwa 70-jährigen Maler im Profil. Er trägt einen pelzverbrämten ärmellosen Mantel und hat die rechte Hand auf den Tisch gelegt, während die linke Hand auf seinem Bein ruht. Über dem weißen Hemd sticht eine Goldkette hervor, die ein Zeichen der Erhebung Tizians in den Adelsstand durch Karl V. 1533 darstellt.Über die Datierung des Gemäldes wurde viel diskutiert. Die Entstehung wird jedoch aus stilistischen Gründen nicht früher als im ersten Teil der 1560er-Jahre – u. a. die Zeit, in der auch Die Verkündigung in San Salvador und Diana und Kallisto entstanden – eingestuft. Externe Belege in Betracht zu ziehen, scheint riskant und willkürlich. Hingewiesen wurde einerseits auf das für Paolo Giovio angefertigte Selbstbildnis, das der Intellektuelle für sein Museum in Como 1549 erwarb – Jaffé (2003, einem Vorschlag von Hope folgend) setzt daher eine Datierung um 1546/47 an – und andererseits auf den aufgrund eines Briefes von Pietro Aretino 1550 datierten Holzschnitt von Giovanni Britto. Jedoch wurde die Entstehung auch an der angeblich noch jugendlichen, kraftvollen Erscheinung des Malers festgemacht, was nur schwerlich plausibel erscheint. Außerdem wurde das Selbstbildnis als identisch mit dem von Vasari 1568 erwähnten Selbstporträt Tizians erklärt, das der Toskaner bei seinem Venedig-Besuch von 1566 bewundert hatte: »sein eigenes, vor vier Jahren von ihm vollendetes, ähnliches und sehr schönes Bild«. Dass Vasari das Selbstporträt als »vollendet« bezeichnet, scheint diese These nicht zu stützen, doch muss Vasaris Unzuverlässigkeit hierbei berücksichtigt werden.Falomir (2007–08) hält das unvollendete Gemälde für ein Andenken (»ricordo«) des an Giovio verkauften Werks: ein Abbild, auf dem nur das Gesicht vollendet war und das weitere Repliken ermöglicht hätte. Das Selbstbildnis entspricht stilistisch der Ausführung und der Technik der frühen 60er-Jahre: Pasten, schneller Pinselhieb und lichtüberströmte Bildflächen sind typische Charakteristika des alten Tizian. Er überarbeitete seine Werke und ging mit den Farben so oft darüber, dass sich die dabei aufgewandte Sorgfalt offenbart. Die Malerei erscheint damit sehr lebendig und leicht, sodass die Mühen des schöpferischen Prozesses verborgen bleiben. Der Prozess der Ausführung betrug mehrere Phasen, wie die Röntgenaufnahmen gezeigt haben, z. B. hatte Tizian sich am Anfang mit einer anderen Kopfdeckung und mit schärferen Gesichtszügen gemalt.Die kräftige Erscheinung Tizians im Berliner Selbstporträt geht mit einer starken Ausstrahlungskraft einher, was im Gegensatz zur Selbstcharakterisierung des Malers steht: Er schildert sich als stark introvertierte Persönlichkeit. Bemerkenswert ist außerdem, dass sich Tizian in seinem Selbstbildnis ohne irgendeinen Verweis zu seinem Beruf inszeniert (Leinwand, Pinsel, Palette …). Tizian präsentierte »die visuelle Übersetzung seines eigenen ›Mythos‹«, dem »er den einzigartigen Akzent eines lebenden menschlichen Dokuments zu verleihen verstand« (Falomir, 2007–08). Für seineSelbstporträts bevorzugt Tizian den Modus der Darstellung von Intellektuellen, wie etwa Raffaels Tommaso Inghirami. Sowohl Kleidung als auch Gesichtszüge erinnern laut Falomir (2007–08) deutlich an die von Danese Cattaneo gegossene Bronzebüste des Lazzaro Bonamico (um 1552/54). Roberto Contini | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019___________________________________________This partially unfinished self-portrait of Titian – one of only two authenticated self-portraits by this artist (the second hangs in the Museo del Prado in Madrid) – entered the Gemäldegalerie in Berlin in 1821. Prior to that, it was preserved in the Casa Barbarigo in Venice, presumably since 1581, when Titian’s son Pomponio Vecellio sold his house, together with its entire inventory, to Cristoforo Barbarigo. In 1815, it was purchased by Leopoldo Cicognara, and sold to Edward Solly almost immediately afterward.The self-portrait shows a man, approximately 70 years of age, in profile. He wears a fur-trimmed, armless cloak, and has laid his right hand on the table, while the left hand rests on his leg. Standing out against his white shirt is a gold chain, a token of Titian’s elevation by Charles V to the nobility in 1533.The dating of this painting has been much discussed. On stylistic grounds, however, it can hardly be dated earlier than the first half of the 1560s, a period when Titian produced, among other works, the Annunciation in San Salvador and Diana and Callisto. A reliance on external evidence seems risky and arbitrary. Referred to have been, on the one hand, the self-portrait executed for Paolo Giovio, which this intellectual purchased in 1549 for his museum in Como – on this basis, Jaffé (2003,following Hope’s point of view) dates the Berlin self-portraits to circa 1546/47– and on the other the woodcut by Giovanni Britto which has been dated to 1550 on the basis of a letter written by Pietro Aretino. The work has also been dated on the basis of the putatively still youthful, powerful appearance of the painter, which seems rather implausible. Moreover, the self-portrait has been declared identical with a Titian self-portrait mentioned by Vasari in 1568, which the Tuscan writer admired in 1566 during a visit to Venice: “His own portrait, finished four years ago, very like him, anda very beautiful picture.” That Vasari refers to the self-portrait as “finished” seems not to support this thesis, but account must be taken here of Vasari’s unreliability.Falomir (2007–08) regards the unfinished painting as a souvenir (“ricordo”) of the original, sold to Giovio: a likeness that is unfinished except for the face, and would have made further replicas possible. Stylistically, the self-portrait corresponds to the execution and technique of the early 1560s: impasto paint application, rapid brushwork, and light-flooded pictorial surfaces are characteristic of the older Titian. He reworked his paintings so often, adding additional paint layers that they revealthe diligence expended on them. 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Lustige Gesellschaft auf einer Terrasse

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Der aus Südtirol stammende, in den 1720er und 1730er Jahren an der Wiener Akademie ausgebildete und dort arbeitende Johann Georg Platzer orientierte sich an den Antwerpener Kleinmeistern des 17. Jahrhunderts sowie an der Pariser Malerei des 18. Jahrhunderts. Er schuf vorrangig Feinmalereien auf Kupfer, bei denen es sich häufig um beliebte Objekte für anspruchsvolle Kunstkammern handelte. Dazu muss auch das wohl in die Wiener Zeit zu datierende Berliner Gemälde gezählt werden. Es ist ein typisches Beispiel für Platzers in leuchtenden Farben mit feinem Pinsel auf dünner Grundierung ausgeführte Gesellschaftsstücke mit ihren dicht gefüllten Bildräumen.Eine heitere Gesellschaft bevölkert einen durch die Staffageearchitektur rechts und den Brunnen links begrenzten Garten. Links im Vordergrund reicht ein sitzender junger Kavalier  das eben gefüllte Weinglas der neben ihm stehenden Dame, die einen auffälligen, aus einem Blumenkranz, einer Feder und einem transparenten Schleier bestehenden Kopfputz trägt. Ein Knabe bietet dem Paar Früchte in einer reich verzierten Schale dar. Insbesondere die aufgeschnittene Melone verdeutlicht die darin enthaltene Einladung zum sinnlich erotischen Genuss. Hinter der Stuhllehne erhebt ein weiterer Mann scheinbar mahnend den Zeigefinger. Beobachtet wird dieses Geschehen von zwei im zentralen Bogen der Gartenarchitektur stehenden Männern.Frisuren und Kostüme sind nicht zeitgenössisch, sondern scheinen sich an solche der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts anzulehnen. Mit seinem Berliner Bild verweist Platzer auf Genrebilder mit musizierenden, tanzenden und trinkenden Paaren im Freien vor allem der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts (zum Beispiel Rubens' "Liebesgarten" im Prado, Madrid). Mit diesem in seinem Werk regelmäßig auftretenden inhaltlichen und formalen Rückbezug auf eine frühere Blütezeit der Malerei apelliert der Künstler an den Geschmack einer Sammlerschicht, die mit der Bildsprache dieser Vorbilder vertraut war.In Format und Bildaufbau offenbart das Berliner Bild enge Verwandtschaft zu den ebenfalls in die Wiener Zeit zu rechnenden Pendants "Allegorie des Gehörs" und "Allegorie des Geschmacks" (Graz, Alte Galerie am Landesmusem Joanneum). Zudem ähneln Kleid und Kopfputz der Frauenfigur jenen einer ebenfalls in Graz bewahrten "Tamburinschlägerin mit Flöte spielendem Kavalier". Krapf (2014) ordnet die angeführten Werke innerhalb Platzers Werk in die Gruppe der frühen Konversationsstücke ein.