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Kopffragment auf Büstenkopie: Bildnis einer Prinzessin von Neapel

Ident. Nr.: 260

ObjID: obj:869246

Details (expert)

Involved
Francesco Laurana (1455-1502),
Bildhauer*in
Material / Technique
Marmor
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 19,5 x 17,5 x 26 cm (nur Kopf)

Object Description

Francesco Laurana war einer der vielseitigsten Bildhauer der Renaissance und arbeitete für bedeutende Fürsten in Italien und Frankreich. Seine weiblichen Büsten sind für die damalige Zeit bemerkenswert, weil sie ihrem Modell einen überraschend modernen Abstraktionsgrad verleihen. Diese Büste stellt wahrscheinlich eine reich gekleidete Prinzessin des Königreichs Neapel dar, deren Brust einst mit einem Edelstein geschmückt war. Die Büste, die am Ende des Zweiten Weltkriegs durch Brände schwer beschädigt wurde, hatte ein einzigartiges Schicksal: Während der Kopf immer in Berlin geblieben ist, gelangte der untere Teil in die Sowjetunion und befindet sich heute im Puschkin-Museum in Moskau. Letzterer wird hier durch einen Abguss ersetzt.

Francesco Laurana was one of the most eclectic sculptors of the Renaissance, working for important princes of Italy and France. His female busts are remarkable for the time because they give their model a surprisingly modern degree of abstraction. The present bust probably represents a princess of the Kingdom of Naples, richly dressed and whose chest was once adorned with a precious stone. The bust, which was badly damaged by fire at the end of the Second World War, had a singular fate: while the head has always remained in Berlin, the lower part was transferred to the Soviet Union and is now kept in the Pushkin Museum in Moscow. This lower part is replaced here by a plaster cast.

Last updated: 19.03.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Heiliger Nikolaus

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Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)