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Fröhliche Gesellschaft

Ident. Nr.: 1983

ObjID: obj:869413

Details (expert)

Involved
Ausführung: Willem Pietersz. Buytewech (1591/92 - 1624),
Maler*in
Dating
Ausführung: 1622/24
Additional titles
Collection title: Fröhliche Gesellschaft
Translation: Cheerful Society
Geographical references
Rotterdam,
Stadt
Material / Technique
Leinwand
Dimensions
Bildmaß: 65 x 81,5 cm

Object Description

In diese heitere, von sinnlichen Genüssen angeregte Gesellschaft wird der Betrachter durch Bewegungen, durch Blicke und durch den Verzicht auf eine Vordergrunddistanz unmittelbar einbezogen. Ein beleibter Alter mit Violine erzeugt eine fast hörbare Ausgelassenheit. Reste einer Mahlzeit, auf dem Boden verstreute Muschelschalen, Weinkannen an der Wand, besonders aber die überaus geckenhafte Kleidung der jungen Herren und ihre provozierende Haltung weisen auf das in der moralisierenden Literatur der Zeit viel gescholtene Luderleben der holländischen Wohlstandsschicht. Das Thema der »fröhlichen Gesellschaft«, wie es im
frühen 17. Jahrhundert in der holländischen Malerei verbreitet wurde, hatte stets auch eine belehrende Komponente. Die Komposition Buytewechs besticht durch eine geradezu mathematische Symmetrie. Genau in der Mitte der rückwärtigen Zimmerwand ist ein breitformatiges Landschaftsgemälde – ein Bild im Bilde – aufgehängt. Wie darin drei Baumgruppen am Ufer eines Gewässers aufragen, so gruppieren sich davor sechs Personen paarweise um einen wiederum genau in der Mitte stehenden Tisch. Das Paar hinter diesem dekorativen, die Bildachse betonenden Möbel mit oktogonaler Platte, auf der eine feine Glasschale mit Naschwerk steht, ist dem Betrachter frontal zugewandt. Der Mann blickt ihn zudem aus runden Augen direkt und herausfordernd an, während er mit zärtlicher Geste ein kokett lächelndes Mädchen mit Weinglas an sich zieht. Die beiden seitlichen Figurenpaare wenden sich in Körperhaltung und mit Blicken zwar dem Bildzentrum zu, das ausgestreckte Bein des fast in Schräglage auf dem Stuhle lümmelnden Kavaliers rechts markiert mit dem bis an den unteren Bildrand reichenden Schuh jedoch ostentativ nochmals die Bildachse. Zugleich strebt die jeweils äußere Figur – rechts eine junge Magd mit Zinnschüssel, links ein Kavalier mit großem Federhut – aus dem Raume heraus. In der ursprünglichen Fassung hatte die Zinnschüssel der Magd rechts ihr Äquivalent in einem Tongefäß, in das der Mann links urinierte – den Vorgang schirmte er diskret mit der rechten Hand ab.

Einer der Vorbesitzer des Bildes muss dieses Detail als peinlich empfunden haben. Er ließ es so übermalen, dass die gewölbte Hand des Mannes auf einer Stuhllehne ruhte, mit der der unbekannte Restaurator das unziemliche Gefäß einfach übermalt hatte. Eine erhaltene Fotografie des Vorbesitzers gibt den originalen, bei einer späteren Restaurierung wiederhergestellten Zustand wieder. Zugleich zeigt es eine weitere, die Komposition entstellende Übermalung vermutlich des 19. Jahrhunderts. Offenbar erschien dem damaligen Eigentümer das an der Rückwand
des Zimmers hängende Landschaftsbild als zu dominant, so dass er es um das rechte Drittel verkleinern ließ. Auch »bereinigte« er den Dielenboden, indem er die dort verstreuten Austernschalen durch Übermalung unsichtbar machte. Diese Art von restauratorischer Willkür an alten Bildern kam häufiger vor. In diesem Fall
waren die vermeintlichen Korrekturen bereits vor dem Ankauf des Werks durch die Berliner Gemäldegalerie wieder rückgängig gemacht worden.

Noch 1912 konnte Wilhelm von Bode seine intuitive Zuschreibung an Buytewech nicht untermauern, weil Tafelbilder des Malers kaum bekannt waren. Das Berliner Werk aus der Spätzeit wurde daher lange Zeit Dirk Hals zugeschrieben. Buytewech, von Zeitgenossen »de gheestige Willem« genannt, war in der Tat vor allem ein Meister der grafischen Künste. Bis heute sind lediglich acht Gemälde von seiner Hand nachgewiesen. Irene Geismeier | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019
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Through movements, looks and the absence of distance in the foreground, the viewer is drawn directly into this merry company, animated by sensual pleasures. A corpulent elderly man with a violin generates an exuberance that is almost audible. The remains of a meal, shells scattered on the floor, wine jugs on the wall and above all the dandyish clothing of the young men and their provocative postures point to the dissipated life of the wealthy class in Holland that was often castigated in the moralising literature of the time. The subject of the “merry company”, as propagated in Dutch painting of the early 17th century, always included an element of moral instruction. Buytewech’s composition is notable for its positively mathematical symmetry. A wide-format landscape painting – a picture in the picture – hangs at the exact centre of the back wall of the room. Corresponding to three groups of trees that rise on the banks of a body of water, six persons are grouped in pairs in front of the painting around a table, which in turn stands precisely in the middle. The couple behind this decorative, octagonal-topped piece of furniture, which emphasises the axis of the scene and on which stands a fine glass bowl with snacks, frontally faces the viewer. Moreover, the man directs a challenging gaze through round eyes straight at the beholder, while drawing towards him with a tender gesture a coquettishly smiling girl who holds a wine glass. Through their posture and looks, the two pairs of figures at the side turn to the centre of the picture, but the outstretched leg of the cavalier on the right, who is lolling almost diagonally on the chair, ostentatiously re-emphasises the axis of the painting with a shoe that reaches to the lower edge of the scene. At the same time, the persons on the outside – a young maid with a pewter bowl on the right, a cavalier with a large feathered hat on the left – are making to leave the room. In the original version, the maid’s pewter bowl on the right had a counterpart, an earthenware vessel into which the man on the left was urinating, while discreetly shielding this action with his right hand.

A previous owner of the painting must have found this detail embarrassing and had it painted over so that the curved hand of the man rested on the back of a chair, with which the unknown restorer simply overpainted the offending vessel. A surviving photograph belonging to the previous owner shows the original version, which was re-instituted in a later restoration. It also shows a further over-painting, probably dating from the 19th century that disfigured the composition. The landscape painting hanging on the back wall of the room clearly seemed too dominant to the owner at that time, who had it reduced in size by one third on the right. This owner also “cleaned up” the wooden floor, making the oyster shells scattered across the boards invisible through overpainting. This arbitrary way of restoring old paintings was a common occurrence. In this case, the supposed corrections had already been reversed when the work was purchased by the Berlin Gemäldegalerie.

In 1912, Wilhelm von Bode was not yet able to provide evidence for his intuitive attribution to Buytewech, as panel paintings by this artist were almost unknown. This late work in Berlin was therefore long attributed to Dirk Hals. Buytewech, called “de gheestige Willem” (witty Willem) by contemporaries, was indeed primarily a master of graphic arts. To this day no more than eight paintings by his hand have been identified. Although Buytewech lived in Haarlem only from 1612 to 1617, the manifold artistic impulses of this city, which was provincial in comparison to Amsterdam, had a lasting influence on him. This work was not painted until later, after the artist returned to his home town of Rotterdam. Irene Geismeier | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 30.03.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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Johannes der Täufer

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Johannes der Täufer predigt in der Wüste und verkündet die Ankunft des Messias. In diesem Gemälde ist er als Prophet dargestellt, mit einem vor Entbehrung ausgezehrtem Körper, eingefallenem Gesicht und beinahe ekstatisch auf das kleine Kruzifix starrend, das den Stab in seinen Händen krönt. Dieses Detail ist sehr ungewöhnlich, da sich das Kreuzsymbol erst lange nach dem Tod Jesu verbreitete. Dem Maler ging es jedoch nicht um historischen Realismus; vielmehr verstärkt er allein durch die Landschaft den zeitlosen Charakter einer fantastischen Vision, die auch aus einem modernen Science-Fiction-Film stammen könnte: Die Sonne ist gerade hinter dem Horizont einer unwirklich anmutenden Landschaft aus merkwürdig geformten und dunstverhangenen Felsen untergegangen. Links erkennt man eine bemerkenswert detailliert ausgeführte Hafenstadt, die Landzunge rechts im Vordergrund scheint einst über die zerstörte Brücke mit ihr verbunden gewesen zu sein. Alles in dieser Szenerie regt zum Nachdenken über zwei untrennbare Aspekte an: das tragische Schicksal Christi und die Vergänglichkeit der irdischen Welt.Trotz ihres zeitlosen Charakters handelt es sich um ein typisches Werk Ercole de’ Robertis, der bei Cosmè Tura in die Lehre gegangen und in Ferrara in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts tätig war. Die expressionistischen Züge von Turas Figuren und deren an Bronzeskulpturen erinnernden Drapierungen sind hier deutlich zu erkennen, während der Maler seine Originalität in der Landschaft bekundet. Bereits in seiner Altartafel für die Basilika S. Maria in Porto in Ravenna (heute in der Pinacoteca di Brera, Mailand) hatte Ercole dem traditionellen Schema der Sacra conversazione mit Maria, Christuskind und Heiligen unter dem Thron der Gottesmutter eine Landschaft hinzugefügt, die sich mit der Landschaft in diesem Gemälde vergleichen lässt.Die Landschaftsdarstellung ist hier als Mittel zu verstehen, die Kontemplation eines Gemäldes zu verstärken und die religiöse Meditation zu fördern – ein Bildverständnis, das sich nördlich der Alpen unter der Bezeichnung »Devotio Moderna« oder »neue Frömmigkeit« entwickelte. Der Venezianer Giovanni Bellini gilt als erster großer Interpret dieses Landschaftstypus in Norditalien. Seine heute in Berlin aufbewahrte Auferstehung Christi ist hier als exemplarisch anzusehen. Ercole übernahm von Bellini auch die Verwendung von Öl als Bindemittel, die damals in Norditalien, und vor allem in Ferrara, noch relativ ungebräuchlich war. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Werk indes Bellinis Schwager Andrea Mantegna zugeschrieben, dessen enormer Ruf ihn zum Autor sehr unterschiedlicher Werke werden ließ (beispielsweise im Falle der Grabbereitung Christi von Vittore Carpaccio). Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019__________________________Saint John the Baptist spent his life in the desert announcing the advent of the Messiah: he is here shown as a prophet, his body stunted, his face emaciated and his possessed gaze turned towards the tiny Crucifix crowning the stock that he holds in his hands. Such a detail is most implausible, as the use of the Crucifix only spread long after the death of Jesus Christ, who was John’s contemporary. But the painter did not pay attention to historic realism; rather, the landscape itself reinforces this timeless impression of a fantastic vision, worthy of the best modern science fiction movies: the sun has just set on a phantasmagorical landscape, made of strangely shaped rocks invaded by mist. On the left is a remarkably detailed harbour city, while on the right a promontory seems to have been once connected to the city by a now destroyed bridge. Everything in this landscape encourages us to meditate on two inseparable aspects: the tragic destiny of Christ and the perishable nature of the human world.Even if this painting seems timeless, it is a characteristic work by Ercole de’ Roberti, a Ferrarese painter trained by Cosmè Tura in the second half of the 15th century. The expressionist character of Tura’s figures, and his draperies which look alike bronze sculptures are clearly visible here, even if the painter shows his originality into the landscape. 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Die Ausfahrt des Duc de Choiseul auf dem Petersplatz in Rom

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Von einem leicht erhöhten Betrachterstandpunkt richtet sich der Blick über den Kirchenvorplatz auf die überkuppelte Fassade von St. Peter. Von dort kommend, fährt der aus elf prunkvollen Kutschen bestehende Korso des französischen Botschafters beim Heiligen Stuhl, Etienne-François de Choiseul (1719–1785), über den Platz. Ihn hat Panini in der zweiten Kutsche am offenen Fenster sitzend dargestellt. Choiseul trägt über der Brust das blaue Band des Ordens vom Heiligen Geist (Ordre du Saint-Esprit), den König Ludwig XV. ihm erst im Januar 1756 verliehen hatte. Anlass für die pompöse Ausfahrt war der offizielle Antrittsbesuch des Botschafters bei Papst Benedikt XIV. im Frühjahr 1756. Mit dieser Komposition ließ Choiseul von dem wichtigsten römischen Architektur- und Vedutenmaler seiner Zeit den bis dahin wichtigsten Moment seiner diplomatischen Karriere ins Bild setzen.Lange Zeit hielt man das Berliner Gemälde für die von Choiseul in Auftrag gegebene Version. Diese befindet sich jedoch in Privatbesitz (zuvor als Leihgabe in Edinburgh, National Gallery of Scotland). Bei dem Berliner Bild handelt es sich um eine zweite Version der Komposition aus der Sammlung von Claude François Rogier de Beaufort-Montboissier, abbé de Canilliac (1699–1761). Canilliac war der ranghöchste Gesandte der französischen Kirche in Rom und nach dem Botschafter der zweitwichtigste Vertreter Frankreichs in der Ewigen Stadt. Er gehörte zu jenen kirchlichen Würdenträgern, die Choiseul bei der Papstaudienz begleiteten und mit ihm in der Botschafterkutsche reisten. Während in der von Choiseul beauftragten Version lediglich er selbst als Fahrgast identifizierbar ist, ist auf dem Berliner Gemälde neben ihm auf der Sitzbank ergänzend der abbé de Canilliac dargestellt. Auch er trägt das blaue Band des Ordre du Saint-Esprit, allerdings in der Variante des Klerus nicht diagonal über der Brust sondern um den Nacken gelegt. Ein interessantes Detail des Berliner Gemäldes ist seine gut lesbare Datierung durch den Künstler auf das Jahr 1754 und damit zwei Jahre vor dem dargestellten Ereignis. Canilliac muss also eine bereits 1754 von Panini geschaffene Ansicht des Petersplatzes aus seinem Besitz nachträglich - wohl kurze Zeit nach der Fertigstellung von Choiseuls Gemälde - um die namengebende Figurenstaffage erweitert und um seine Person ergänzt haben lassen. Damit wertete er sein Gemälde nachträglich auf und sicherte sich zugleich symbolisch einen sichtbaren Platz in diesem so wichtigen diplomatischen und kirchenpolitischen Ereignis.Das Berliner Gemälde wurde nach Canilliacs Tod in Rom von Pierre-Jacques-Onésime Bergeret de Grancourt erworben. Wohl aus dieser Zeit stammt sein heutiger Louis XVI-Rahmen mit der unten eingelassenen, ausführlichen Beschreibung der Fassade und des Platzes von St. Peter in französischer Sprache, in dem das dargestellte Ereignis und seine Protagonisten jedoch schon keine Erwähnung mehr finden. | Sarah SalomonSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. links unten auf einem Stein über dem springenden Hund: I.P. PANINI / 1754

Giovanni Mocenigo (1508-1580)

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Der Porträtierte wurde 1954 von Rodolfo Pallucchini überzeugend als Giovanni Mocenigo identifiziert, dem jüngeren Bruder des Dogen Alvise I. Mocenigo. Giovanni bekleidete hohe Staatsämter in Venedig, unter anderem als Consigliere und Savio del Consiglio. Ein enges persönliches Verhältnis verband ihn mit seinem Bruder; nach dem Tod des kinderlosen Dogen fielen dessen Erbansprüche an Giovannis Kinder. Beide Brüder erscheinen gemeinsam in einem Votivbild Tintorettos, das um 1575 entstand und sich heute in der National Gallery of Art in Washington befindet (Samuel H. Kress Collection; Inv.-Nr. 1961.9.44). Es zeigt den Dogen Alvise Mocenigo und seine Frau gemeinsam mit seinem Bruder Giovanni sowie dessen Söhnen vor der Jungfrau mit dem Kind. In diesem Gemälde wurden vier der dargestellten Köpfe – darunter der Giovanni Mocenigos – offenbar nach dem lebenden Modell auf kleineren Leinwänden gemalt und anschließend in die größere Komposition eingefügt. Dieses Werk ermöglichte Pallucchini die Identifizierung des Berliner Porträts. In dem Einzelporträt Giovannis in der Gemäldegalerie wählte Tintoretto das in seinem Porträtschaffen ungewöhnliche Brustbildformat. Im Vergleich zum Gemälde in Washington erscheint Giovanni Mocenigo hier gealtert; das Berliner Porträt dürfte daher kurz vor seinem Tod im Jahr 1580 entstanden sein. Unter Verzicht auf die repräsentative Würde, die Tintorettos Halb- und Dreiviertelfigurenporträts sonst auszeichnet, ging es dem Künstler hier um eine geistige Erfassung und psychologische Durchdringung des Dargestellten. In der Ausstrahlung dieses durch den musternden Blick Distanz schaffenden, zugleich aber in seiner Schlichtheit und Direktheit intim wirkenden Porträts gehört das Werk zu den bedeutenden Leistungen Tintorettos im Bereich der Porträtmalerei. | Aus: Gemäldegalerie. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts 1975 (2025 aktualisiert von Sven Jakstat)