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Das Abrahamsopfer

Ident. Nr.: Streit.16

ObjID: obj:869455

Leihgabe der Streitschen Stiftung

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Jacopo Amigoni (um 1682 - 1752),
Maler*in
Date(s)
Ausführung: 1739/47
Additional titles
Collection title: Das Abrahamsopfer
Translation: Abraham's Sacrifice of Isaac
Geographical references
Venedig,
Stadt
Material / Technique
Öl auf Leinwand
Dimensions
Bildmaß: 115 x 150 cm
Acquisition
Seit 1964 Leihgabe der Streitschen Stiftung, Berlin

Object Description

Das Gemälde stellt den dramatischen Höhepunkt einer alttestamentlichen Erzählung dar: Abraham, von Gott aufgefordert, seinen eigenen Sohn Isaak zu opfern, hebt das Messer. Er will Isaak, der wie ein Opferlamm gebunden ist, töten um so Gott zu gehorchen. Abraham stellt damit Gottes Gebot an die erste Stelle und über alle menschlichen Bindungen. Erst im letzten Moment greift ein Engel ein und fasst ihn mit der Hand an der Schulter, um ihn zurückzuhalten. Er sucht seinen Blick und weist in Richtung des Himmels, d.h. Gottes, der ihn geschickt hat. Die Berührung wird in der Bibel nicht geschildert, der Engel hindert Abraham dort nur mit Worten an der Tat. Amigoni inszeniert die Szene durch die ausdrucksstarke Gestik und den kontrastreichen Lichteinfall mit Pathos. Der helle Rücken Isaaks erinnert farblich an ein unschuldiges Lamm, das typische Opfertier. Auch der Widder, den Abraham später finden und anstelle des Sohnes opfern wird, ist schon zu sehen.

Das Gemälde gehört zu einer vierteiligen Serie alttestamentlicher Szenen, die Jacopo Amigoni in Venedig fertigte, wo sie der aus Berlin stammende Wahlvenezianer und Kaufmann Sigismund Streit (1687–1775) zur Ausschmückung seiner Wohnräume erwarb. Gemeinsam mit den drei anderen Werken, – „Lot und seine Töchter“ (Ident. Nr. Streit.13), „Bathseba im Bade erhält die Botschaft Davids“ (Ident. Nr. Streit.14) und „Susanna und die beiden Alten“ (Ident. Nr. Streit.15) – ist das Gemälde Teil einer Serie biblischer Motive, die tugendhaft-vorbildliches und lasterhaft-unmoralisches Verhalten, d.h. ein Verhalten entsprechend oder entgegen den Geboten Gottes, zeigt. 

Amigoni war der Lieblingsmaler von Sigismund Streit: Er besaß elf Gemälde von ihm. Neben dieser Serie erwarb Streit einen kleinformatigen, sechsteiligen Zyklus mit biblischen und antiken Motiven, der jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Ob Streit diese großformatige, alttestamentliche Serie nach eigenen Vorstellungen bei Amigoni in Auftrag gab oder sie zufällig im Atelier des Malers sah, ist unbekannt. Die inhaltliche Kohärenz und die identischen Maße sprechen für einen direkten Auftrag. Da Streit sich nachweislich im Alter von 52 Jahren 1739/40 von Amigoni porträtieren ließ (Ident. Nr. Streit.1), ist der Kauf um diese Zeit wahrscheinlich. Alle Gemälde Amigonis, die Streit besaß, kamen 1758 als Schenkung an das Graue Kloster nach Berlin.

Sigismund Streit, Sohn eines Berliner Huf- und Waffenschmieds sowie Bierbrauers, besuchte von 1697 bis 1701 das Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster. Nach dem Tod beider Eltern zog er vierzehnjährig 1701 zu Verwandten nach Altona und absolvierte eine kaufmännische Lehre. 1709 ging er nach Venedig, wo er zu Wohlstand gelangte. Der kinderlose Kaufmann stiftete später einen Teil seines Vermögens sowie seine Gemälde, zu denen auch diese Serie gehörte, und zahlreiche Bücher seinem ehemaligen Gymnasium. Die Kriegszerstörung des Grauen Klosters in Berlin-Mitte im Zweiten Weltkrieg, die Nachkriegswirren und die Teilung der Stadt zogen die Überführung fast aller Streitschen Gemälde nach Berlin (West) nach sich. Seit 1964 befindet sich das Gemälde als Leihgabe der Streitschen Stiftung in der Gemäldegalerie Berlin.


Literatur:
 

Rohrlach, Peter P.: La collezione di quadri nel Graues Kloster a Berlino, in: Arte Veneta V (1951), S. 198-201, hier S. 199

Gemäldegalerie Berlin, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz. Katalog der ausgestellten Gemälde des 13.-18. Jahrhunderts, Berlin 1975, S. 24 

Gemäldegalerie Berlin. Gesamtverzeichnis der Gemälde, hrsg. v. den Staatlichen Museen zu Berlin, Berlin 1986, S. 11, Abb. 1343

Venedigs Ruhm im Norden. Die großen venezianischen Maler des 18. Jahrhunderts, ihre Auftraggeber und ihre Sammler, Ausst. Kat. Forum des Landesmuseums Hannover, 3.12.1991-2.2.1992, Kunstmuseum Düsseldorf in Ehrenhof, 16.2.1992-26.4.1992, Hannover 1991, S. 32f., 37

Scarpa Sonino, Annalisa: Jacopo Amigoni, Soncino 1994, S. 124-129, Kat. 30

Gemäldegalerie Berlin. Gesamtverzeichnis der Gemälde, hrsg. v. den Staatlichen Museen zu Berlin, Berlin 1996, S. 11, Abb. 2473, S. 631 

Blick auf den Canal Grande. Venedig und die Sammlung des Berliner Kaufmanns Sigismund Streit, Ausst.-Kat. Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, 6.9.2002-12.1.2003, hrsg. v. Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 2002 (Bilder im Blickpunkt), S. 69-73, Kat. 6, S. 130f. Abb. 14

Streit, Sigismund: Verzeichnüß Aller Bücher, Gemählde und Andere Sachen, so ich von Venedig und Padua aus, am Gymnasio zum Grauen Closter in Berlin in verschiedener Zeit gesandt habe, hrsg. v. Peter P. Rohrlach und Susanne Knackmuß, Berlin 2006 (Veröffentlichungen aus den Sammlungen des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster, Bd. 1), S. 98, 273, 324

Last updated: 08.09.2026

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Institution:

Gemäldegalerie

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