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Die Anbetung der Könige / Monforte-Altar

Ident. Nr.: 1718

ObjID: obj:869595

Details (expert)

Involved
Ausführung: Hugo van der Goes (um 1440 - 1482/83),
Maler*in
Dating
Ausführung: um 1470/75
Datierung engl.: ca. 1470/75
Additional titles
Collection title: Die Anbetung der Könige / Monforte-Altar
Die Anbetung der Könige
Monforte-Altar
Translation: The Adoration of the Magi / Monforte Altarpiece
Geographical references
Material / Technique
Eichenholz
Dimensions
Bildmaß: 147,2 x 241,4 cm

Object Description

Der Altar, der nach seiner Herkunft aus dem entlegenen Kloster Monforte de Lemos in Nordspanien benannt ist, zählt zu den frühesten großen Leistungen des Künstlers. Einst bildete die Anbetung der Könige die Mitteltafel eines großen Triptychons. Noch trägt der reich profilierte alte Rahmen an den Seiten die eisernen Scharniere, in denen früher die beweglichen Flügel hingen. Die Wiederholungen des Altares bezeugen, wie sehr die Komposition als beispielhaftes Vorbild anerkannt worden ist. Dennoch blieb das Werk nicht vor den Unbilden bewahrt, denen Kunstwerke in späterer Zeit so oft ausgesetzt waren. Hierzu gehört der Verlust der beiden Flügel und die Verkürzung der Mitteltafel, die ursprünglich rechteckig überhöht war. Deshalb sind von den einst aus der Höhe herabschwebenden Engeln heute nurmehr die unteren Gewandpartien erhalten. Kopien überliefern die Darstellungen auf den Innenseiten der Flügel. Danach wurde die Anbetung der Könige auf dem linken Flügel von der Geburt Christi und auf dem rechten Flügel von der Beschneidung Christi gerahmt. Der mächtige Altar, der bei geöffneten Flügeln fast sechs Meter in der Breite maß, führt uns in einen neuen Bereich der altniederländischen Malerei. Vor uns steht ein ausgereiftes Werk, in dem van der Goes bereits den Zenit seiner Kunst erreicht hat. Die Bildfiguren, ungewöhnlich in ihrer körperlichen Monumentalität und spürbaren inneren Größe, sind in überzeugender Weise in den sie umgebenden Raum eingeordnet, mit einem Anspruch und einer Feierlichkeit, die für die niederländische Kunst etwas völlig Neues bedeuteten. Kaum eine Begebenheit hat so nachhaltig auf die Vorstellungskraft der Gläubigen gewirkt wie die Geschichte von der Anbetung der Heiligen Drei Könige. Theologie und Volksfrömmigkeit haben diese Geschichte weiter ausgestaltet. Bereits Tertullian deutete die Magier als Könige, deren Zahl Origenes nach den drei bei Matthäus genannten Gaben festlegte. Die bis heute geläufigen Namen Caspar, Melchior und Balthasar tauchen im 9. Jahrhundert auf. Im hohen Mittelalter galten die drei Könige als Abgesandte der drei damals bekannten Weltreiche: Europa, Afrika und Asien. So ist es zu erklären, dass einer der Könige oft mit dunkler Hautfarbe gekennzeichnet ist. Vor dem Mauerwerk der Ruine eines mächtigen Gebäudes sitzt Maria in stiller Feierlichkeit und blickt auf das nackte Kind herab, das sie behutsam mit beiden Händen auf dem Schoß hält. Dessen Aufmerksamkeit gilt jedoch nicht so sehr den Königen, sondern dem gläubigen Betrachter. Im Vordergrund kniet Joseph, der mit entblößtem Haupt die Könige grüßt, die sich von rechts her Maria und dem Kind nähern. Der älteste der Könige kniet anbetend vor dem Kind. Er hat den kostbaren Kronenhut als Zeichen seiner Demut abgelegt. Vorn auf einem Stein steht sein Geschenk, ein Pokal voller Münzen. Der zweite König huldigt dem Kind kniend und mit einer Handbewegung, die seine tiefe Verehrung zum Ausdruck bringt. Neben ihm kniet sein Page, der ihm die dem Kind zugedachte Gabe überreicht. Wie gebannt steht rechts der in nachdenkliche Betrachtung versunkene afrikanische König. In der erhobenen Hand hält er ein kostbares Gefäß. Eindrucksvoll hat der Künstler die drei Könige auch hinsichtlich ihres unterschiedlichen Alters gekennzeichnet – ein Motiv, das im 14. Jahrhundert aufkam und darauf anspielt, dass sich auch die drei Lebensalter des Menschen vor Christus verneigen und ihn anerkennen. Hinter dem afrikanischen König nahe dem rechten Bildrand sowie hinter dem niedrigen Bretterzaun in der Mitte des Bildes erkennt man die Gefolgsleute der Könige, die in recht unterschiedlicher Weise an dem Ereignis Anteil nehmen. In der Ferne erblickt man die Hirten, die – so berichtet die Legende des Johannes von Hildesheim aus dem 14. Jahrhundert – den Königen von dem geschauten Wunder berichtet und ihnen den Weg gewiesen hatten. Die Hirten galten als die Erstberufenen der Juden, die Könige als die Erstberufenen der Heiden. Ihre gemeinsame Wiedergabe ist hier als Hinweis auf die einigende Kraft der durch Christus gestifteten Kirche zu verstehen. Links öffnet sich der Ausblick auf eine Dorfstraße, wo vor den Augen der Dorfbewohner Reiter aus dem Tross der Könige eine Brücke überqueren. Die feierliche Ruhe und ungewöhnliche Monumentalität der Bildfiguren weisen weit über das in der niederländischen Kunst bis dahin Erreichte hinaus. Selten ist die Huldigung des zukünftigen Weltenherrschers so ergreifend gestaltet worden wie in dem Gegensatz zwischen dem kaum seiner Sendung bewussten Kind und der würdevollen Erscheinung des ältesten Königs, dessen schwere Hände andächtig zum Gebet gefaltet sind. Hier ist das Heilsmysterium, ohne dass dies die Größe der formalen Konzeption mindern würde, zu einer frommen, lebenswahren Legende geworden. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
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This altarpiece, named for its place of origin in a remote monastery in Monforte de Lemos in northern Spain, is among this artist’s greatest achievements. Originally, the Adoration of the Magi was the central panel of a large triptych. Even today, the sides of the original, richly profiled frames still bear the iron hinge from which the movable wings once hung. The existence of a number of copies of this altarpiece testifies to its recognition as an exemplary model. All the same, it was not spared
the calamities to which works of art were often exposed during later periods. These misfortunes include the loss of the two wings and the cutting down of the central panel, which originally included a taller rectangular section at the centre. For this reason, all the remains today of the angels who once hovered above the scene are the lower parts of their garments. Existing copies transmit the depictions on the inner side of the wings. According to them, the scene of the Adoration of the Magi was flanked on the left-hand side by a wing that depicted the Birth of Christ, and on the right-hand side by a wing showing the Circumcision. This massive altarpiece, which once measured almost six meters in width with the wings opened, leads into a new realm of early Netherlandish painting. Standing before us is a mature work in which van der Goes has already attained the zenith of his art. The figures, which
are unusual by virtue of their monumentality and palpable inner greatness, are arranged in the surrounding space in a convincing fashion, and moreover with an artistic ambition and an atmosphere of solemnity that signifies something entirely new for the art of the Netherlands.

Virtually no event had such a sustained impact on the imagination of the faithful as the story of the Adoration of the Magi. Theology and popular piety have contributed to additional embellishments of this narrative. Already Tertullian interpreted the Magi as kings, whose number was determined by Origenes with reference to the three gifts named by Matthew. Their names, which have remained familiar up to the present day, but which surfaced for the first time only in the 9th century, are
Caspar, Melchior, and Balthasar. During the high Middle Ages, the Three Magi were regarded as emissaries from the three known world kingdoms: Europe, Africa, and Asia. This explains why one of the kings is often depicted with dark skin.

Seated in an attitude of silent gravity before the masonry ruins of a massive building is Mary, who gazes down at the naked Christ child she holds gently with both hands on her lap. The child’s attention, however, is directed not towards the Magi, but instead towards the beholder. Kneeling in the foreground is Joseph, who greets the Three Magi – who approach Mary and the child from the right – with a bare head. The eldest of the three kings kneels before the child in an attitude of prayer.
As a sign of humility, he has removed his precious crown-hat. Standing before him on the rock is his gift, a goblet filled with coins. The second king also worships the child from a kneeling position, the movement of his right hand expressing profound veneration. Kneeling next to him is a page, who presents the gift intended for the child. As though spellbound, the youngest king stands on the right, immersed in meditative contemplation. He holds a precious vessel in his raised hand. Van der
Goes has characterised the Three Magi strikingly with regard to their divergent ages – a motif that emerged during the 14th century, and an allusion to the fact that the three ages of man bow down respectfully before Christ. Visible behind the king on the right side of the picture, as well as behind the low wooden fence at the centre, are the members of the entourage of the Three Magi, who respond to this event in highly contrasting ways. In the distance, we catch sight of the shepherds – as reported in John of Hildesheim’s 14th century legend – telling the Three Magi of the miracle they have witnessed, and showing them the way. The shepherds are regarded as the first called among the Jews, and the Magi as the first called among the heathen. Their depiction together can be understood as a reference to the unifying power of the church founded by Christ. Opening up on the left is a view of a village street, where the horsemen from the retinue of the kings cross a bridge before the eyes of the townspeople.

The solemn tranquillity and uncommon monumentality of these figures go far beyond anything that had been achieved in Netherlandish art up to that point. Rarely has the act of obeisance before the future universal ruler been presented so movingly as here, in the contrast between the child, who seems barely aware of his mission, and the dignified demeanour of the eldest king, his heavy hands folded before him devoutly in prayer. Here, the mystery of salvation has become a pious, naturalistic legend, but without in any way lessening the greatness of the conception. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Gemäldegalerie

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Die Geburt Christi mit der Anbetung der Hirten

Die Geburt Christi mit der Anbetung der Hirten

Eine der kraftvollsten Künstlerpersönlichkeiten, zugleich ein zartes, lyrisches Temperament, tritt als Vollender der spätgotischen Malerei in Deutschland in Erscheinung: Martin Schongauer aus Colmar. Seiner Kunst wegen nannten ihn seine Zeitgenossen »Hipsch Martin« oder auch »Martin Schön«, und nach seinem Tod wurde er als »pictorum gloria«, als Ruhm aller Maler, hoch gepriesen. Sein Einfluß auf die deutsche und niederländische Kunst zu Ende des 15. und bis weit ins 16. Jahrhundert hinein ist kaum zu überschätzen. Wir kennen ihn vorwiegend als Graphiker. 116 seiner Stiche sind erhalten geblieben. Sie waren in ganz Europa verbreitet und wirkten noch lange nach seinem Tod anregend auf andere Künstler. Auch Albrecht Dürer zog nach Colmar, um bei Schongauer zu arbeiten. Da dieser inzwischen verstorben war, lernte er ihn nicht mehr kennen. Dennoch ist Dürer wesentlich von der Formtradition der Schongauerwerkstatt geprägt worden. Das malerische Werk Schongauers wurde von den Bilderstürmen und den Zeitläuften weitgehend vernichtet. Nur wenige Gemälde seiner Hand sind auf uns gekommen und geben uns einen Begriff von seiner überragenden malerischen Kunst. Unter diesen ist die um 1480 gemalte Geburt Christi in Berlin eines der reifsten und schönsten. Erzählt wird das Geschehen in der Weihnachtsnacht, die Geburt des Kindes in einer Hütte vor einer Höhle am Wegrand. Der biblische Bericht ist mit legendären Zügen ausgeschmückt, die teils der Bildtradition, teils mystischen Schriften entstammen. Die einzelnen Elemente der Darstellung sind jedoch übersichtlich geordnet und sinnvoll zu einem Ganzen verschmolzen. Das Kind liegt auf einer weißen Windel am Boden. Das Weiß des Tuches, die hellste Farbe im Bild, steht sinnbildlich für den überirdischen Glanz, der nach der Legende von dem Knaben ausging. Das Kind ist das eigentliche Zentrum des Bildes, um das herum sich alles ordnet. Ihm wenden sich alle anderen Figuren in Bewegung oder Blickrichtung anbetend zu. Maria ist ihm am nächsten. Der Saum ihres Mantels, der zum Kind hin fällt, macht die Beziehung augenfällig. Joseph steht weiter weg. Durch den Wanderstab und das Bündel ist auch er mit dem Kind verbunden. Auch die Tiere, die die Heilige Familie begleiten, sind dem Kind zugewandt, der Ochs steht näher, der Esel ferner. Möglicherweise ist dies Ausdruck einer Deutung, die in den beiden Tieren Sinnbilder des Alten und Neuen Testaments erkennt. So erscheint die Familie mit den Tieren in der Hütte geborgen und von einem heiligen Bezirk umgrenzt. Die Hirten, die gekommen sind, den neugeborenen König zu verehren, verharren draußen vor der Hütte. In Nähe oder Ferne zu Christus ist das Verhältnis der einzelnen Gestalten zu ihm klar und anschaulich bestimmt. Der Betrachter des Bildes wohnt dem Ereignis gleichsam in der Hütte selbst bei und wird so in das Geschehen einbezogen. Die Hirten vor dem Stall, ein jüngerer, einer mittleren Alters und ein Greis, machen deutlich, daß alle Lebens alter, Jung und Alt, dem Neugeborenen huldigen. Die Stützen und Balken der Hütte gliedern das Bildfeld, ihre perspektivischen Linien leiten das Auge zugleich in die Tiefe des Raumes, in ein übersonntes, weites Flußtal mit Hirten und Herden. Über dem Dach der Hütte lagert aber noch das Dunkel der Nacht. Nach einer Legende nämlich war die Geburtsnacht vom Stern von Bethlehem erleuchtet und hell wie ein Tag, so daß es Nacht und Tag zugleich war. Legendäres und Symbolisches sind wie selbstverständlich in die Darstellung eingewoben. Der emaillehafte Schmelz der leuchtenden Farben trägt zur Klarheit der Komposition bei. Wilhelm H.Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019____________________________________________________________________________________ The artist regarded as having brought late Gothic painting in Germany to its apogee was Martin Schongauer from Colmar, one of the strongest artistic personalities and at the same time a man with a gentle, lyrical temperament. His contemporaries nicknamed him “Hipsch Martin” (pretty Martin) or sometimes “Martin Schön” (Martin the beautiful) on account of his art; after his death he was venerated as pictorum gloria, the glory of all painters. His influence on German and Netherlandish artin the late 15th and well into the 16th century can scarcely be overestimated. We know him primarily as a graphic artist. 116 of his engravings have been preserved. They were distributed all over Europe and continued to provide inspiration for other artists long after his death. Albrecht Dürer moved to Colmar in order to work with Schongauer, but by the time he arrived Schongauer was already dead, so the two artists never met. Nevertheless, Dürer was influenced in major ways by the formal traditions of Schongauer’s workshop. Most of Schongauer’s painterly oeuvre was destroyed either by the iconoclasts or by the ravages of time. The few paintings that have come down to us give us an idea of his phenomenal painted art. The Nativity in the Berlin collection, dating from around 1475, counts among his most mature and most beautiful works.The painting narrates the events of Christmas night, the birth of the child in a hut before a cave at the side of the road. The Biblical account is embroidered with elements of legend, some taken from the pictorial tradition, others from the writings of the Mystics. The individual elements of the depiction are, however, clearly arranged and merged into a whole in a meaningful way. The child is lying on the ground in white swaddling clothes. The white of the cloth, the lightest colour in the painting, symbolises the celestial splendour that according to legend radiated from the infant. The child forms the centre of the picture; everything else is arranged around him. All the other figures are eithermoving towards him or gazing at him in veneration. Mary is closest. The hem of her coat is falling towards the child, making their relationship obvious. Joseph stands further away, but his staff and bundle connect him with the child. The animals accompanying the Holy Family are likewise turning towards the child, the ox closer, the ass further away.Perhaps this expresses an interpretation whereby the two animals symbolise the Old and New Testaments. Thus, the family and the animals are brought together in the hut’s shelter as if in a sacred enlosure. The shepherds who have come to pay their respects to the newborn king remain outside in front of the hut. The relationship of each of the figures to Christ is clearly illustrated by how close or distant they are. The viewer’s position seems to be inside the hut, too, and thus they are drawn intothe scene. The shepherds in front of the stable, one younger, one middle-aged, the third an old man, demonstrate that people of all ages, young and old, are paying homage to the new born. The supports and beams of the hut structure the pictorial field, their lines of perspective guiding the eye into the depths of the space, a sunny, broad river valley with shepherds and their flocks of sheep. Above the roof of the hut, the darkness of night still reigns. According to a legend, the night when Christ wasborn was light as day, illuminated by the star of Bethlehem, so that it was night and day at the same time. Legends and symbols are woven naturally into the depiction. The enamel-like glaze of the radiant colours adds clarity to the composition. Wilhelm H.Köhler | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Die Auferstehung Christi

Die Auferstehung Christi

»Nun, da ich die Methoden dieser Kunst zu verstehen beginne, grämt es mich, dass sie mir nicht den Auftrag erteilen, das gesamte Rund der Stadtmauern von Florenz mit Geschichten zu bemalen.« Diese Aussage soll Domenico Ghirlandaio gegenüber seinem Bruder Davide geäußert haben, nachdem er den Chor der Dominikanerkirche S. Maria Novella ausgeschmückt hatte. Die Fresken sind heute nochzu sehen und gehören zu den künstlerischen Höhepunkten eines Florenzbesuchs. Doch Ghirlandaio war nicht nur ein bemerkenswerter Freskant, er ist auch für die Gemälde des Hochaltars verantwortlich, die Anfang des 19. Jahrhunderts veräußert wurden. Die Mitteltafel der Vorderseite, Maria mit dem Kinde und Heiligen, befindet sich heute in der Alten Pinakothek in München; die heute in der Gemäldegalerie in Berlin aufbewahrte Auferstehung nahm die Rückseite des Altarbilds ein, die nur für die Priester sichtbar war. Um die Mitteltafel und an den Seiten waren drei Heiligenpaare angeordnet. Zwei dieser Heiligen befanden sich einst in der Gemäldegalerie und wurden vermutlich im Mai 1945 in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs zerstört (Abb. links).Die Auferstehung zeigt Jesus Christus am Ostermorgen, wie er dem Grab entsteigt und die vier römischen Soldaten, die es bewachen, in Schrecken versetzt. Ghirlandaio wich hier stark vom Inhalt der Heiligen Schrift ab: Das Grab Christi befand sich in einer Höhle und nicht unter freiem Himmel und keinesfalls wies es die Inschrift INRI auf (Jesus von Nazareth, König der Juden), die oben an seinem Kreuz angebracht gewesen sein soll. Auch der Pelikan, der seine Jungen mit demeigenen Blut nährt, entwickelte sich erst viel später zu einem Symbol Christi. Der Maler wollte hier die Theatralik der Szene betonen: Jesus scheint beinahe von einer unsichtbaren Maschinerie in die Luft gehoben, während die Soldaten ihre Überraschung und Angst zu überspielen suchen. Während des 19. Jahrhunderts erfuhr Ghirlandaio für seinen Sentimentalismus große Bewunderung, wurde von einigen Ästheten genau aus diesem Grund jedoch auch stark kritisiert. Der Landschaft in diesem Gemälde gebührt die gleiche Beachtung wie der bemerkenswerten Szene im Vordergrund. Auf der linken Seite nähern sich die drei Marien, die gleich das leere Grab Christi entdecken werden (ihre Namen variieren je nach Evangelium). Dahinter erkennt man im blauen Dunstschleier eine Stadt imflämischen Stil, mit einer besonderen Nähe zur Malweise des Hugo van der Goes. Am 28. Mai 1483 traf Van der Goes’ Bild für den Hochalter von S.’Egidio in Florenz ein (jetzt in den Uffizien), Domenico Ghirlandaio änderte daraufhin seine Vorstellung von Tafelmalerei.Ghirlandaio vollendete weder das Altarbild für S. Maria Novella, noch war es ihm vergönnt, die Stadtmauern von Florenz zu bemalen, wie er gehofft hatte: 1494 starb er im Alter von 45 Jahren an der Pest. Es hat etwas Bewegendes, stellt man sich vor, dass der Tod den Maler während der Arbeit an dieser Auferstehung ereilte, deren Botschaft die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod enthielt. Giorgio Vasari zufolge wurde dieser Teil des Bildes von Ghirlandaios Brüdern Davide undBenedetto fertiggestellt. Kritiker stimmen jedoch darin überein, dass die Landschaft von einem anderen Künstler stammen muss, in dem man Ghirlandaios Schüler Francesco Granacci sah, der heute als Pseudo Granacci bezeichnet wird. Trotz dessen Mitwirkens kann die Auferstehung als eines der letzten Meisterwerke von Domenico Ghirlandaio gelten. Neville Rowley | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2019________________________________________“Now that I have begun to understand the methods of this art, it grieves me that they will not commission me to paint the whole circuit of the walls of the city of Florence with stories.” This is what the painter Domenico Ghirlandaio is reputed to have said to his brother Davide, after having finished decorating the choir of the Dominican Church of Santa Maria Novella. The frescoes are still in place and are one of the highlights of any visitor who discovers Florence. But Ghirlandaio was not only a remarkable fresco painter: he was also responsible for the gigantic altarpiece adorning the chapel, dispersed at the beginning of the 19th century. The Virgin and Child in Glory among Saints which occupied the central compartment on the front side is now to be seen in Alte Pinakothek in Munich; as for the present Resurrection now in the Gemäldegalerie in Berlin, it was on the other side of the altarpiece, only visible to priests. Around the central panels and on the lateral sides of the altarpiece, three pairs of saints were displayed; two of these saints, once part of the collection of the Gemäldegalerie, were probably destroyed in May 1945 in the last days of the Second World War (fig. left).The Resurrection shows Jesus-Christ on Easter morning, coming out of his tomb, to the complete astonishment of the four Roman soldiers charged to guard his sepulture. Ghirlandaio freed himself largely from the Holy Scriptures: Christ’s tomb was set in a cave and not in the open air; and it was certainly not inscribed with the acronym “I.N.R.I.” (Jesus Christ King of Nazareth), placed instead on top of his cross, nor with the Pelican who fed his children with his blood, a symbol of Christ adopted much later (it is true that the inscription appears to have been painted over a former one). What mattered for the painter was to accentuate the theatrical character of the scene: Jesus seems to be pulled into the air by some backstage machinery, while the soldiers over-play their surprise and their fear. During the 19th century, Ghirlandaio was greatly admired for his sentimentalism; and also despised by a few aesthetes for this very reason.The landscape of this painting is to be admired on the same level as the ostentatious foreground. On the left side, we see the three Mary who, soon, will discover the empty tomb of Christ (their identities vary according to the gospels). Further on, one distinguishes a city in a blue mist, painted like in a Flemish style, and close in particular to Hugo van der Goes. On 28 May 1483, the high altarpiece of the church of Sant’Egidio, painted by Van der Goes, had arrived in Florence (it is now in the Uffizi); from that moment on, Domenico Ghirlandaio changed his conception of panel painting.Ghirlandaio did not have time to finish the Santa Maria Novella altarpiece, nor to fresco the whole circuit of the walls of Florence, as he had hoped: he died from the plague in 1494, only aged 45. There is something moving about imagining the painter agonizing while trying to complete this Resurrection, whose religious message is to give hope in a life after death. According to Vasari, this part of the altarpiece was completed by the painter’s brothers, Davide and Benedetto; but critics nowagree that the landscape is due to another artist, long confused with the pupil of Ghirlandaio Francesco Granacci and now known as the “Pseudo Granacci”. Despite the latter’s intervention, one can fully consider the Resurrection as one of the last masterpieces by Domenico Ghirlandaio. Neville Rowley | 200 Masterpieces of European Painting - Gemäldegalerie Berlin, 2019